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1/2 | 2012

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Special Erneuerbare

Special Erneuerbare Energien Knapp 20 Prozent des Stroms, den die Deutsche Bahn (DB) verbraucht, stammen derzeit aus regenerativen Energiequellen. Bis 2020 will das Unternehmen diesen Anteil auf 35 Prozent, bis 2050 sogar auf 100 Prozent steigern. Dafür erforscht der Konzern neue Lösungen. Denn der Umstieg kann nur gelingen, wenn die regenerative Stromversorgung sicher, planbar und bezahlbar ist. Mehr regenerative Energien fürdie Schiene Umwetlfreundlich unterwegs: ICauf der Strecke Magdeburg-Berlin Stephanie Bauer Die Kernschmelze in Fukushima hat auf drastische Weise belegt, dassein Umdenken in der Energiegewinnung nötig ist. Sowohl die knapper werdenden Ressourcen als auch der voranschreitende Klimawandel zeigen schon länger, dass nur solche Energiequellen zukunftsfähig sein können, die sich selbst erneuern und weder Mensch noch Umwelt schaden. Im bundesdeutschenStrommix steigt derAnteil vonErneuerbaren EnergienseitJahren immer weiter an. Auch die Deutsche Bahn hat sich vorgenommen, ihre Züge imJahr 2020 mit mindestens 35Prozent Ökostrom fahren zu lassen. Das ist ein Zwischenziel auf dem Weg zueinem 100 Prozent CO 2 -freienBahnbetrieb auf Basis Erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2050. Gerade der Verkehrssektor tut sich bislang schwer mit der Energiewende. Für Auto und Flugzeug stecken alternative Energiekonzepte noch inden Kinderschuhen. Ob das Elektro-Auto die Wende zu einem flächendeckend genutztenFahrzeug schafft, muss sicherst hierbei noch herausstellen. Der Schienenverkehrist anderenVerkehrsträgern gegenüber im Vorteil: Über 90 Prozent der Züge der DB fahren heute schon elektrisch. Den Energiemix kann das Windkraft ist noch eine der teuersten regenerativen Energien für den Bahnverkehr. Unternehmen dabei zu einem großen Teil selbst steuern: Im Rahmender Energieversorgung isteine eigene Tochtergesellschaft, die DB Energie GmbH, dafür verantwortlich, dass die Bahnenergieversorgung gleichermaßen umweltfreundlich, sicherund wirtschaftlicherfolgt. Mit knapp 20 Prozent an regenerativen Energien imBahnstrommix sind die Züge derzeit das Verkehrsmittel mit demhöchsten Anteil an Ökostrom. DenStromverbrauchkomplettauf ErneuerbareEnergienumzustellenist eine Herausforderung – nicht nur für die Bundesregierung, sondern auch für die DeutscheBahn. DennWind blästnicht immer gleich stark und auch die Sonne scheint nicht immer, wenn Strom gebraucht wird. Der Schienenverkehr ist einkomplexes System.Die Stromversorgung muss sicher und planbar sein, damit die Zügefahren,wennsie gebraucht werden. Darüber hinaus muss die regenerative Energie bezahlbar sein, damit das Verkehrsmittel Zug im Wettbewerb zu anderen Verkehrsmitteln bestehen kann. Um die 100 Prozent-Marke an grünem Strom zuerreichen, muss die Deutsche Bahn daher in alle Richtungen denken. Traditionelle Wasserkraft wirddabei ebenso betrachtetwie Windkraft, Sonne und alternative Antriebssysteme. Wasserkraft – das Fundament im Energiemix Energie aus Wasserkraft zubeziehen hat bei der Deutschen Bahn eine lange Tradition. IhrAusbaubegann schon mit dem Beginn der Elektrifizierung in den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Heute bezieht die DB knapp 10 Prozent ihres Stromes aus Laufwasserkraftwerken oder –wie sie auch genannt werden – Flusskraftwerken. Mit diesem Anteil ist Strom aus Wasserkraft bis heute der Sockel der Erneuerbaren Energien im Bahnstrommix. Insgesamt sind dafür mittlerweile zwölf Wasserkraftwerke imEinsatz. BesondereKraftwerkesind dabeidie Flusskraftwerke in Kammerl und Bad Reichenhall. So istdas KraftwerkKammerl 12 UmweltMagazin Januar -Februar2012

Der Weg der Erneuerbaren Energien in den Zug Grafik: DB das weltweit älteste noch betriebene Bahnkraftwerk dieser Art. Gebaut wurde es 1899 zur Versorgung derBahnstrecke Murnau-Oberammergau, die ab 1905 als weltweit erste Bahnstrecke planmäßig mit Einphasenwechselstrom niedriger Frequenz betrieben wurde. Auch das Saalachkraftwerk in Bad Reichenhall, gebaut in den Jahren 1910 bis 1913, gehört zu den ältesten noch in Betrieb befindlichen BahnkraftwerkeninDeutschland. Als einzige Kraftwerke befinden sich beide im Eigentum der DBEnergie GmbH. Sie produzieren Strom in der bahntypischen Frequenz 16,7 Hertz (Hz), der folglich ohne weitere Umformung ins Bahnstromnetz eingespeist wird. Insgesamt liefern die beidenKraftwerkemit knapp 0,2 Prozent heute allerdings nur noch einen geringen Teil des Bahnstroms. Der weitaus größere Teil wird von der DB Energie aus Wasserkraftwerken andererBetreiber beschafft. stetig fließen, können sie kontinuierlich Strom produzieren. Weder sind Speichertechnologien nötig noch müssen Überkapazitäten produziert werden, um Zeiten mit geringen Produktionsmengen auszugleichen. Im vergangenenJahr erst hat DB Energie einen Vertrag mit RWE Strom über 14 zusätzliche Kraftwerke geschlossen. Ab 2014 produzieren sie an denFlüssen Rhein, Mosel, Ruhr und Rur jedes Jahr insgesamt rund 900 Gigawattstunden (GWh) für den Eisenbahnverkehr in Deutschland, was gut 8 Prozent des Bahnstrombedarfs entsprechen wird. Alle14Werke produzieren in der50Hz- Frequenz des öffentlichen Netzes, der generierte Stromwirdfolglichüber Umformer-/Umrichterwerke in das Bahnstromnetz eingespeist. Dass dieauf diese Weise eingespeisten rund 900 GWh auch tatsächlich aus den Kraftwerken stammen, zertifiziert derTÜV SÜD. Ein zusätzlicher Vorteil für die Umwelt ergibt sich aus der Erklärung von RWE, alle Erlöse aus diesem Vertrag inErneuerbare Energienzuinvestieren. Eine Herausforderung: Die Nutzung von Windkraft Wind istderzeiteinerder wichtigsten erneuerbaren EnergieträgerinDeutschland.2010wurden insgesamt 36,5Terawattstunden (TWh) Strom aus Wind produziert.Auchbei derBahnstromversorgung ist diese Quelle eine wichtige Option, um den Anteil regenerativer Energie zu erhöhen: In den vergange- Weitere 8Prozent aus Wasserkraft ab 2014 Den Anteil des Stroms aus Wasserkraftwerken zuvergrößern, ist für die Deutsche Bahn ein wichtiger Baustein bei derStärkung derErneuerbarenEnergien imBahnstromnetz. Denn Wasserkraftwerke haben gegenüber anderen regenerativen Quellen einen entscheidenden Vorteil: Dadurch, dass Flüsse Die Hamburger S-Bahn setzt seit Anfang 2010 ausschließlich auf Strom aus Wasserkraftwerken. UmweltMagazin Januar -Februar2012 13

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