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1/2 | 2012

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SPECIAL Erneuerbare

SPECIAL Erneuerbare Energien Energie aus der Region fürdie Region Im eigens erbauten Pelletwerk in Offenbach wird das aus der Region stammende Holz zu Holzpellets veredelt. Die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) hat einen insich geschlossenen, regionalen Energie-Wirtschaftskreislauf auf Holzbasis aufgebaut. Der Regionalversorger erzeugt so Energie aus der Region für die Region. Der Rohstoff Holz stammt ausschließlich aus dem erweiterten Rhein-Main-Gebiet und aus einem eigens angepflanzten Energiewald. Damit produziert die EVO Pellets, die im eigenen Heizkraftwerk (HKW) bisher eingesetzte Steinkohle ersetzen und in Nahwärmenetzen eingesetzt werden. Dafür hat das Unternehmen ein Pelletwerk mit einer Jahreskapazität von 65 000 Tonnen im Jahr errichtet und eine komplette Logistik von der Materialbeschaffung bis zum Vertrieb der Pellets aufgebaut. Harald Hofmann Die EVOwill Energie zunehmend dezentral erzeugen und sich auf diesem Weg unabhängig von den Weltmärktenfür Gas, Kohle und Öl machen. „Dafür stellen wir einen regionalen Kreislauf bei der Rohstoffbeschaffung und der Energieerzeugung her“, sagt Dr. Kurt Hunsänger, technischer Vorstand bei der EVO. Ziel sei es, Biomasse regionalzubeziehen,selbstzuverarbeitenund für die Energieerzeugung an Ort und Stelle zu verwenden. „Dadurch bleibt das Geldinder Regionund stärkt die Wirtschaft“, führt der EVO-Vorstand weiteraus. Herzstück Kohlesubstitution DasKonzept derEVO sieht vor, im eigenen HKW mit einer thermischen Leistung von100 Megawatt denbisherigen Brennstoff Steinkohle in großen Teilen durch Industriepellets zu ersetzen. Durch die Wirbelschichttechnik des Kraftwerks, das in Kraft-Wärme- Kopplung arbeitet, war die Verfahrensänderung ohne große Investitionenrealisierbar. Pro Jahr sollen indem HKW künftig rund 50 000 TonnenPellets anstelle von 30000 Tonnen Kohle verbrannt werden. Mittels des Co-Firing kann somit der Ausstoß an CO 2 in der Region Offenbach um 80 000 Tonnen im Jahr reduziert werden. Zudem setzt dieEVO ihrePellets nacheigenenAngaben bisher in18Nahwärmenetzen im Rhein-Main-Gebiet ein. DieKohlesubstitution im HKW istdas Herzstück eines ambitionierten Klimapaketsder EVOfür die Region. DieEVO hatte im Jahr 1996 mehr als 400000 Tonnen Kohlendioxid emittiert. Mittlerweile istdieser Wert um rund 25 Pro- 22 UmweltMagazin Januar -Februar2012

zent auf etwa 300000 Tonnen imJahr gesunken –vor allem durch die erhöhte Einspeisung von Fernwärme aus dem EVO-Müllheizkraftwerkindas Netz und die geringereAuslastung der Heizwerke. Durch die Verbrennung der Pellets im HKW lässt sich die CO 2 -Einsparquote auf rund 50 Prozentverdoppeln, sodass künftig nur noch 200 000 Tonnen CO 2 emittiert werden. Zum Vergleich: Die deutschen Treibhausemissionen sollen biszum Jahr 2020 im Vergleichzum Jahr 1990 um 40 Prozentgesenkt werden. Regionale Wertschöpfungskette Für dieErzeugung, denTransportund die Verarbeitung derPellets hat die EVO eine regional orientierte Logistik aufgebaut. In Laubach imLandkreis Gießen werden in einem Versuchswald schnell wachsende Pappeln und Weiden angebaut, die im Frühjahr 2010 zum ersten Mal geerntet werden konnten. Überdies beschafft die EVO Resthölzer als Rohmaterial für die Pellets. DieunbehandeltenHolzreste stammen unter anderem aus Sägewerken. Außerdem greift das Unternehmen auf Landschaftspflegematerial und Hölzer zu, die aus Kommunenund Landkreisenin Hessen stammen. „Wir sammeln HolzresteineinemUmkreisvon gut150 Kilometerrund um Offenbachein“, sagt Jochen Ritter, LeiterEVO Servicesund des EVO-Pelletwerks.„DasRohmaterial veredelnwir in einemeigens erbauten PelletwerkinOffenbach zu Holzpellets.“ Ritter zufolge hat die EVO rund 17 Millionen Euro in das Pelletwerkmit integriertem Biomasse-Heizkraftwerk investiert. Die Kapazität der Anlage, die im Mai 2011, eröffnet wurde, hat eine Kapazität von 65000 Jahrestonnen Industriepellets. Bei Bedarf kann die Anlage jederzeitauf die doppelte Produktionsmenge erweitert werden. Darüber hinaus hat die EVOeine kleinere Pelletanlagefür DIN-Plus-Pellets auf dem Gelände errichtet. DieJahreskapazität liegt bei rund 20 000 Tonnen. Laut EVO ist der beschriebene Wirtschaftskreislauf in Deutschland einzigartig. Denn das Unternehmen nutzt Stoffe, die sich bisher nur noch zur Kompostierung eignen. In ihrem Pelletwerk werden sie zu energiehaltigen Brennstoffen verarbeitet. „Wir treten damit weder ineinen Wettbewerb zur Lebensmittelproduktionnochzur stofflichen Verwertung wie in der Möbelindustrie“, sagt Ritter. „Wir haben eine Genehmigung, unbehandelte Abfallhölzer derKlasse A1 zu verarbeiten.“Das Werk sei weiterhin darauf ausgerichtet, in der Zukunft auch Stroh- oder Getreiderestezupelletieren. Das Holzpelletwerk Ungewöhnlich ist auch der Standort der Anlage auf einem alten 38Hektar großen, ehemaligen Chemiestandort inmittender Stadt Offenbach. Dahersei auf Schallschutz besonderen Wert gelegt worden, berichtet Ritter. So weist zum Beispiel die Hülle des Bandtrockners eine spezielle Dämmung zurLärmreduzierung auf. Der Trockner selbst reduziert die Feuchtigkeit des Holzes um 40 auf 10 Prozent. Die Wärme dafür stammt aus dem nur wenige Meter entfernten Biomasse-HKW, das rund 500 Kilowattstunden Strom und 23 Gigawattstunden Wärme erzeugt. Der Brennstoffbedarf liegt bei rund 12 000 Tonnen imJahr und wird durch Landschaftspflegeholz gedeckt. Als zweite Wärmequelle dient das EVO-Müllheizkraftwerk, dessen als regenerativ eingestufte Wärme ebenfalls für die Spänetrocknung genutzt wird. Dazu wurde eine einKilometerlange Trassezum bestehendenFernwärmenetz gelegt. Nachwachsender Rohstoff: In Laubach im Landkreis Gießen werden in einem Versuchswald schnell wachsende Pappeln und Weiden angebaut. „Ein großer Vorteil unseres Verfahrens ist, dass wir die dringend notwendige CO 2 -Reduzierung mit einer bestehenden Anlage wie dem Heizkraftwerk erreichen“,sagt Ritter. „Das heißt, dass wir mit geringen Investitionen nicht nur eine schnelle Umsetzbarkeit des Vorhabens, sondern auch eine angemessene Wirtschaftlichkeit erzielen können.“ Außerdem trennen nur fünf Kilometer das Pelletwerkvom Hauptverbraucher, demHKW.„Der Mitteleinsatz istalso gering und derHebel zugunsten des Klimaschutzes groß.“ Dadurch sei das Verfahren wettbewerbsfähig, kostengünstig und klimaschonend. „Kurzum eine intelligente Lösungohne jede staatliche Förderung.“ Nicht zuletzt konnte die EVO dadurch 20 neue Arbeitsplätzeschaffen. Harald Hofmann, Energieversorgung Offenbach AG(EVO), harald.hofmann@evo-ag.de Bilder (2): EVO UmweltMagazin Januar -Februar2012 23

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