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1/2 | 2012

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SPECIAL Erneuerbare

SPECIAL Erneuerbare Energien Kleine Energieriesen fürgroße Heizanlagen Pelletheizungen werden nicht nur im privaten Wohnungsbau geschätzt –durch ihre ökologischen und ökonomischen Vorteile erobern sie sich als Großanlagen mehr und mehr auch kommunale oder gewerbliche Einsatzgebiete. Einer der größten deutschen Pelletkessel versorgt das Pharmawerk des Pfizer-Konzerns in Freiburg/Breisgau mit Heizwärme und Prozessdampf. Durch den Einsatz von rund 5000 t Holzpellets spart das Unternehmen pro Jahr etwa 500 000 Euro anHeizkosten. Martin Bentele Mit steigenden fossilen Energiepreisen werden die hohen Einsparpotenziale bei erneuerbaren Heizsystemen wie Pelletkesseln immer offensichtlicher. Dies gilt insbesondere bei größeren Anlagen mit hohem Verbrauch. Hier rentiert sich die bei Biomasseheizungen relativ hohe Investitionssumme bereits nach wenigen Jahren. Dies liegt an den deutlichen Betriebskostenvorteilen von Holzenergiesortimenten. Holzpellets waren das gesamte Jahr 2011 rund 40 Prozentgünstiger als Heizöl. Wird eine Anlage, die heute 25 000 lHeizöl verbraucht, gegen eine Pelletheizung ausgetauscht, können jährlich rund 8000 Euro Brennstoffkosten eingespart werden. Inden letztenzehnJahren istKonstanz das offensichtlichste Merkmal beim Pelletpreis. Von 2002 bis 2011 betrug die durchschnittliche jährliche Steigerungsrate 3,1 Prozent, im Vergleich dazu legte Heizöl pro Jahr im Schnitt 9,5 Prozent zu. Die Investition in eine Pelletheizung amortisiert sich imPrivathaushalt in einemZeitraum vonweniger als zehn Jahren, bei größeren Anlagen sind Amortisierungszeiträume vonunterfünf Jahren möglich. CO 2 -neutral und feinstaubarm In Deutschland werden Holzpellets aus Koppelprodukten derSägeindustrie hergestellt. Diese Sägeresthölzer mussten früher wie Abfall entsorgt werden. Die Pelletherstellung ermöglicht nun Bild: Pfizer Deutschland ihre ökologisch wie auch ökonomisch sinnvolle Nutzung. Pellets setzen beim Verbrennen nur so viel Kohlendioxid (CO 2 )frei, wie derBaum zuvorwährend seines Wachstums gespeichert hat. So können bei einem Wärmebedarf von rund 750 Megawattstunden (MWh) – das entspricht rund 75 000 lHeizölverbrauch –mit einer Pelletheizung über 200 tCO 2 eingespartwerden. Dazu kommt bei Holzpellets ein sehr gutesEmissionsverhalten. Dieinder im Jahr 2010 verabschiedeten Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen(1. BImSchV) festgelegtenFeinstaub-Grenzwerte werden problemlos eingehalten. Darüber hinaus schaffen die dezentrale Herstellung und Bereitstellung von Holzpellets heimische Arbeitsplätze, stärken die regionale Wertschöpfung und minimieren den logistischenAufwand. Jahresdauerlinie und Tageslastgänge als Berechnungsgrundlage Zur Erstellung einesWärmekonzeptes für Anlagen im großen Leistungsbereich müssen zunächst die Heizleistung und der Lastgang der zu versorgenden Gebäude bestimmt werden. Die so gewonnene Jahresdauerlinie und die Tageslastgänge setzen den Rahmen für die möglichenanlagentechnischen Varianten und Betriebsweisen. Die benötigte Heizleistung kann durch den bisherigen Brennstoffverbrauch sowie durch Berechnung nach Energieeinsparverordnung oder DIN 4701 bestimmt werden. Bei der Planung des Brennstofflagers sollte zur Minimierung der Anlieferungsfrequenz die Lagergröße anden jährlichen Brennstoffbedarf angepasst werden. Auf Grund der hohen Energiedichte von Holzpellets von 3100 Kilowattstundenpro Kubikmeter (kWh/m³) istderen Lagervolumen geringer als bei anderen Holzbrennstoffen. Der Brennstoffbedarfbei Hackschnitzelnbezogen auf das Volumenliegt –jenachWassergehalt –dreibis fünfmal höher. Für einereibungslose Anlieferung der Pellets sollten Rangiermöglichkeiten sowie Platz zum Einblasen mit kurzen Wegenvom Auslieferungsfahrzeug zum Pelletlager oder Kippenvorhanden sein. DieInvestitionskosteneinesBrennstofflagers variierenjenachLagergröße. Bei mehreren Pelletlieferungen pro Jahr oder bei vertraglich vereinbarten 24 UmweltMagazin Januar -Februar2012

Bild: AVR Energie Seit vergangenem Herbst gibt es für die Fernwärmeversorgung der Stadt Sinsheim ein Biomasseheizkraftwerk, in das auch ein Holzpellets-Kessel mit einer Leistung von 6MW th integriert ist. Grafik: Deutsches Pelletinstitut Lieferungen über einen längeren Zeitraum ist esüblich, den Brennstoffpreis anhand unabhängigerPreisindices, wie beispielsweise dem Index des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbandes (DEPV), festzulegen. Der bei Vertragsabschluss vereinbarte Startpreis wird bei jeder neuen Anlieferung von Holzpellets an die aktuelle Marktpreisentwicklung angepasst. Contracting-Modelle helfen bei der Realisierung Häufig scheitern Investitionen in Energiesparmaßnahmen an der Finanzierung, zum Beispiel an fehlendem Eigenkapital oderander Unkenntnis von Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Weitere Gründe können unzureichendes technisches Know-how oder fehlendes Personal sein. Manchem Betreiber ist auch das Risiko zuhoch, das sichaus der Einhaltung geplanterInvestitionsaufwendungen und Betriebskosteneinsparungen ergibt. Hier bieten sich Contracting-Lösungen an. Es gibt inzwischen verschiedene Arten von Vertragsmodellen, die sich an unterschiedlichen Kundenbedürfnissen orientieren. Sie unterscheiden sich hauptsächlichdadurch,wer fürFinanzierung, Bauausführung, Anlagenbetrieb –also Service, Bedienung, Überwachung und Betriebskostenabrechnung–und für die Übernahme derRisiken,wie Baukosten, Die Energiepreisentwicklung in Deutschland Primärenergiebezug und Garantie, verantwortlich ist. Folgende Modelle sind zu unterscheiden: 7 Energiespar-Contracting oder Energie-Einspar-Modell:NachEinschätzung des Energieeinsparpotenzials erstellt der Contractor ein Angebot, indem er die möglichen Energieeinsparungen vorstellt. Kommt es zum Vertrag, führt der Contractor alle zur Erreichung der Einsparung nötigen Maßnahmen durch.Als Vergütung erhält er einenTeil der eingesparten Energiekosten. Die Finanzierung kann durch denContractor oder durch denAuftraggeber erfolgen. Gesamtbestand an Pelletheizungen in Deutschland Grafik: DEPV 7 Energieliefer- oder Betreiber-Modell: Der Contractor errichtet und betreibt die Energieanlage auf eigenes Risiko und eigene Kosten. Die Bezahlung erfolgt über die gelieferte Wärmemenge und eine Grundvergütung. Vertragslaufzeiten variieren zwischen fünf und 20 Jahren. Als Basis für Preisanpassungenwirdhäufig derDEPV-Indexvereinbart. 7 Finanzierungs-Modell: Der Contractor baut und finanziert die Anlage, der Kunde trägt das Betriebsrisiko und ist für den Betrieb der Anlage verantwortlich. Die Bezahlung erfolgt durch festeRatenüber die Vertragslaufzeit. 7 Betriebsführungs-Modell: Der Contractor ist für sämtliche, mit dem Betrieb der Anlage zusammenhängende Aufgaben verantwortlich und wird dafür pauschal bezahlt. Der Kunde baut und finanziert die Anlage; zudem trägt er das Betriebsrisiko. Martin Bentele, Deutscher Energieholzund Pellet-Verband, Berlin, info@depv.de UmweltMagazin Januar -Februar2012 25

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