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1/2 | 2012

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Technik &Management

Technik &Management Ressourcenmanagement Eine aktuelle Studie gibt einen Einblick in die gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklungspotenziale der Müllsammelfahrzeuge in Europa. Im Fokus stehen neue, umweltfreundlichere Antriebssysteme. Bild: BSR Neue Antriebe für Abfallsammelfahrzeuge Seit Sommer vergangenen Jahres ist bei der Berliner Stadtreinigung im Rahmen eines Praxistests ein Abfallsammelfahrzeug mit Brennstoffzellen-Antrieb im Einsatz. Bei Abfallsammlung und -transport sind Innovationen und Effizienz wichtige Markttreiber. Beispielsweise hat Volvo im Jahr 2008 erste Fahrzeuge mit Hybridantrieb in Schweden vorgestellt. Das deutsche Unternehmen Faun hat Müllsammelfahrzeuge mit diesel-elektrischem Hybridantrieb entwickelt, die beim Abbremsen die Energie fast vollständig verwertenund somit deutlich effizienter als die vorherigen Fahrzeuggenerationen sind. Auch die ersten erdgasbetriebenen Fahrzeuge sind im Einsatz. Die neue Generation derMüllsammelfahrzeuge istleiserund umweltfreundlicher. Diese Fahrzeuge ermöglichen darüber hinaus KostenundGewichteinsparungen. Ausgehend von den gesetzlichen, wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen stellt die Studie „Der Markt für Müllsammelfahrzeuge in Europa bis 2020: Innovationen, Chancen und Risiken“ des Trend- und Marktforschungsinstituts trend:researchaus Bremen Szenarien für den effizienten Einsatz von Müllsammelfahrzeugen vor. Darüberhinaus werden Marktvolumina für Teilmärkte nach Regionen prognostiziert. Der Untersuchungsraum der Studie beziehtsichauf Europa im Sinne desgemeinsamenWirtschaftsraums. DasAufkommen an Müllsammelfahrzeugen hängt stark von der Siedlungsstruktur, der Einwohnerzahl sowie von der Getrenntsammlung vonAbfällenimjeweiligen Land ab. Imdichtbevölkerten Deutschland beispielsweise waren im Jahr 2010 etwa 13 000, inder Schweiz 1300 und in Österreich etwa 960 Müllsammelfahrzeuge im Einsatz. Regional unterschiedliche Marktstrukturen in Europa Im Untersuchungsraum sind derzeit zwei unterschiedliche Marktstrukturen zu finden. In Ost- und Südeuropa istdas Abfallwirtschaftssystem zum Teil noch im Aufbau. Hier sind vor allem Konzepte gefragt, die von der Abfallsammlung über die Abfallverwertung bis zur Abfallverbringung alle Punkte der Entsorgungswirtschaft abdecken. Somit bietet sichdortfür die Herstellervon Abfallsammelfahrzeugen ein großes Absatzpotenzial, das Marktvolumen wird sichhierbesonders starkentwickeln. Im Vergleich dazu sind in west- und zentraleuropäischenLändern,indenen bereits einAbfallsystem besteht, besonders Technik und Innovationen mit dem dazugehörigen Spezialwissen gefragt. Somit können die alternativen Antriebe und weitere Innovationen eher Fußfassen,und es bildensichhier für die teureren Fahrzeuge eher Absatzmärkte. Diese Einschätzung wird auch von den befragten Marktexperten bestätigt (siehe Grafik). Auch Deutschland und Österreich finden sich bei den Absatzmärktenauf den vorderen Rängen. Hier wird vor allem auf den Innovationsaspekt der beiden Länder spekuliert, da sie im Bereich des Umweltschutzes als Vorreiter-Nationengelten. Für die Studie befragte trend:research Fahrzeug- und Aufbautenhersteller, welche technologischen Trends aus ihrer Sicht die Herstellung von Entsorgungsfahrzeugen zukünftig beeinflussen. Dabei entfielen71Prozentder Nennungen auf „neue Antriebssysteme“ und 40 Prozent der Nennungen auf die Zunahme elektronischer Einrichtungen. Weitere Trends wie „neue Modelle“ oder auch EU-Normen wurden als wenig bedeutend eingestuft. 40 UmweltMagazin Januar -Februar2012

Welche europäischen Länder sind Ihrer Meinung nach für neue Entsorgungsfahrzeuge interessant? Bulgarien Deugschland Kroatien Österreich Polen Rumänien Russland Tschechien Ukraine 9% 9% 22% 34% 50% 47% 41% 41% 44% Befragungsergebnis unter Marktteilnehmern, welche europäischen Länder für neue Entsorgungsfahrzeuge interessant sind. Sonstiges Osteuropa Nordeuropa Westeuropa Südeuropa Andere Länder Nicht bekannt Keine Angabe 0% (Mehrfachnennung möglich: N = 130) 9% 9% 13% 19% 19% 41% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% Grafik: trend:research Elektromotor In den vergangenen Jahren wurde von der Automobilbranche das Potenzial der Elektroautos erkannt. Je nach Fahrzeugklasse verbrauchen Elektroautos 10 bis 20Kilowattstunden Strom auf 100Kilometern.Das entsprichtdem Energiegehalt von1bis2Litern Benzin. Vorteil des Elektromotors ist somit der hohe Wirkungsgrad bezüglich der genutzten Endenergie und dadurch die Effizienz. Dies zeigt sich besonders wirkungsvoll im Teillastbetrieb –also wenn der Motor durch verringerte Energiezufuhr ein geringes Drehmoment zur Verfügung stellt. Eine Situation, die sich vor allem imStadtverkehr ergibt. Aufgrund dieser Vorteile eignet sich der Elektroantrieb sehr gut zum Einsatz bei Entsorgungsfahrzeugen. Weiterhin ist als positiv zu bewerten, dass während des Betriebs keine Schadstoffemissionen abgegeben und während des Stillstands keine Energie verbraucht wird. Ein Nachteil der Elektromotor-Technologie ist nach wie vor die eingeschränkte Verfügbarkeit durch lange Aufladezeitender Batterien, die geringe Anzahl der Aufladestationen sowie vergleichsweise geringe Reichweiten. Hybridfahrzeuge In Deutschland und Österreich zeigt sich aktuell ein Trend hin zum Hybridfahrzeug, besonders in Großstädten. Der Hybridantriebist eine Kombination von verschiedenen Antriebskonzepten oderunterschiedlichenEnergiequellen. Heute eingesetzte Hybridmotoren vereineninder Regeldie Kraftquellenund Vorteile des Verbrennungs- und des Elektromotors. Vorteile des Hybridantriebs sind der geringere Schadstoffausstoß und die geringere Lärmbelästigung bei langsamen Fahrten. Darüber hinaus wirkt die Kombination der beiden Antriebsprinzipien positiv bei der Beschleunigung. Hohe Kosten für die Batterien, ein vergleichsweise hohes Gewicht und ein Mehrverbrauch bei hoher Geschwindigkeit sind Nachteile dieser Antriebstechnologie. Brennstoffzellenantrieb Eine weitere neue Technologie sind Fahrzeuge,die durch die Brennstoffzelle angetrieben werden. In Deutschland werden entsprechende Fahrzeuge aktuell von den Berliner Stadtreinigungsbetrieben getestet (siehe Bild). Anstelle einer Batterie, wie bei Elektrofahrzeugen, erzeugt die Brennstoffzelle den Strom unmittelbar dann, wenn er gebraucht wird. Alsnachteilig werden die noch geringere Reichweite und Maximalgeschwindigkeit dieser Fahrzeuge im Vergleich zuden übrigen Antriebsmodellen betrachtet. Außerdem sind Brennstoffzellen derzeit schwer und teuer. Wird zudem der benötigte Strom durch die Verbrennung fossiler Energieträgergewonnen, hebtsichdie sehr gute CO 2 -Bilanz der Brennstoffzelle wieder auf. Fazit und Ausblick Insgesamt zeigt die Studie, dass mit den größten Veränderungen bis zum Jahr 2020 in Ost- und Südeuropa zu rechnen ist, denn inden nächsten Jahrenwirddortein verstärkterAusbauder Entsorgungswirtschaft erfolgen. Neben dem Anschluss dieser Regionen andie zentral- und westeuropäischen Standards tragen die insgesamt steigende Getrenntsammlung und derAusbauder Entsorgungswirtschaft in Nord- sowie einigen Ländern Westeuropas – zum Beispiel der Müllverbrennung in Großbritannien –zueinem Wachstum des Marktvolumensbei.Inden hinsichtlich desEntsorgungssystemsweitentwickelten Staaten stellen Innovationen, wie neue Antriebssysteme oder elektronische Einrichtungen, einen Markttreiber dar. trend:research GmbH, Bremen, www.trendresearch.de UmweltMagazin Januar -Februar2012 41

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