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Technik &Management

Technik &Management Ressourcenmanagement Bild: Rewindo/Stefan Streit Eines der größten PVC-Fenster-Recycling-Projekte in Deutschland: Mehr als 2500 alte Kunststofffenster der ehemaligen Wuppertaler GOH-Kaserne erhalten ein zweites Leben. PVC-Recycling in Deutschland Seit über 50 Jahren gehört der vielseitige Werkstoff Polyvinylchlorid (PVC) zuden wichtigsten Kunststoffen weltweit, ist international anerkannt und am Markt erprobt. PVC zeichnet sich durch sein besonders breites Anwendungsspektrum aus. Die Produkte sind meist kostengünstig inder Anschaffung und im Unterhalt. Gebrauchte PVC-Produkte sollten vor dem Hintergrund der Ressourceneffizienz und des Umweltschutzes nicht einfach weggeworfen werden. Umwertvolle Ressourcen zu schonen, hat die europäische PVC-Branche deshalb die Wiederverwertung der wichtigsten PVC-Produkte organisiert und setzt sich hier auch für die Zukunft ehrgeizige Ziele. Michael Friedrichs Beim Recycling von PVC kommen – je nach Ausgangsprodukt –unterschiedliche Verfahren zum Tragen. Werkstoffliche Verwertung In der PVC-Produktionund -Verarbeitung ist die Werkstoffliche Verwertung schon seit vielen Jahrzehnten üblich. Der größte Teil von Fertigungsabfällen gelangt direkt nachAufbereitung in die Produktion zurück. Für die Wiederverwertung der „Post-Consumer-Abfälle“ (Nachgebrauchs-Abfälle) hat die PVC-Brancheeine Reihe vonInitiativen entwickelt, die mittlerweile im Markt etabliert sind. In derAbfallwirtschaftsind PVC-Bauprodukte mengenmäßig am bedeutendsten, denn auch bei der Neuware machen Bauprodukte etwa 70 Prozent des Absatzes aus. Um diese Abfälle kümmern sich inDeutschland die Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelag Recycling (AgPR) und RoofCollect; vormals Arbeitsgemeinschaftfür PVC-Dachbahnen Recycling (AfDR). Für Fenster hat die Rewindo Fenster-Recycling-Service GmbH mitPartnern einflächendeckendes Rücknahmesystem eingerichtet. Seit Anfang 2005bildendie Rohr-Recycling in Westeregeln –ein Tochterunternehmen der Tönsmeier-Gruppe –und der Kunststoffrohrverband (KRV) eine Allianz, um die Verwertungsmengen zu steigern. Die Vorgängerorganisation war seit Anfang der 1990er Jahre aktiv. Die neue Initiative nimmt PVC-Rohre bundesweit zurück und sorgt fürdie Verwertung der Altprodukte. Die PVC- Branche inDeutschland kooperiert darüber hinaus mit der von „Vinyl 2010“ gegründeten europäischen Initiative Recovinyl. Das von Solvay entwickelte Lösemittelverfahren Vinyloop, das ineiner Anlage im italienischenFerrara angewandt wird, ermöglicht außerdem, bisher schwer behandelbare Verbundmaterialien wie etwa PVC/Kupfer aus Kabelresten oder PVC/Polyester von alten Pla- 42 UmweltMagazin Januar -Februar2012

nenzuverwerten.Auchfür Verpackungen, Kabel,Kreditkartenund gemischte PVC-Abfälle gibtesRecyclingangebote. Rohstoffliche Verwertung Bei der thermischenBehandlung von PVC-Produkten lässt sich Chlorwasserstoff inreiner Form gewinnen. Dabei wird der Kohlenwasserstoff-Anteil im PVCimgleichenProzesszur Wärme-beziehungsweise Stromgewinnung genutzt. Der Chlorwasserstoff fließtdann wieder in die PVC-Produktionzurück. Rohstoffliche Verfahren unterscheiden sich durch Prozesse mit und ohne Chlorlimitierung. Dabei eignetsichdas Verwertungsverfahren ohne Chlorlimitierung vorallemfür verschmutzte und PVC-reiche Kunststoffmisch-Fraktionen. Die PVC-Branche untersucht bereits seit 1992 geeignete Technologien zur rohstofflichen Verwertung PVC-reicher Abfallströme. Die Drehrohrofen-Verwertungsanlage bei DOW/BSL in Schkopau ist technisch geeignet für PVC-reiche Abfallströme als rohstoffliches Verfahren. Dieerzeugte Salzsäurekann vorOrt wiederals Rohstoff fürdie PVC-Herstellung eingesetztwerden. Beider Calciumcarbidproduktionder AlzchemTrostbergGmbHinHartander Alz können heizwertreiche Kunststofffraktionen mit Chlorgehalten bis zu10 Prozent eingesetzt werden. Diese Abfälle dienen der Erhöhung der Menge und des Heizwertes des entstehenden Carbidofengases. Ecoloop, ein Tochterunternehmen der Fels-Werke GmbH, ermöglicht mit einer neuen Technologie die energieeffizienteUmwandlung organischeroder kohlenstoffreicher Materialienwie etwa Altholz oder Kunststoff in gereinigtes Synthesegas als Energieträger. Dabei können auch Rohstoffe mit einem Chlorgehalt von bis zu 10 Prozent verwendetwerden. Literatur [1] „Analyse der PVC Abfall- und Verwertungsströme in Deutschland 2007“, Consultic Marketing und Industrieberatung GmbH, Alzenau, August 2008. [2] „Handlungsfelder und Kriterien für eine vorsorgende nachhaltige Stoffpolitik amBeispiel PVC“, Umweltbundesamt, Dessau, 1999. SteigendeVerwertungsquoten Im Jahr 2007 lag die PVC-Abfallmenge in Deutschland bei gut 563 000 Tonnen (505 000 Tonnen in 2005). Das entspricht 1bis 2Prozent des gesamten Abfallaufkommens. Der Anteil an Nachgebrauchs-Abfällen (post-consumer) in dieser Menge lag bei etwa 403 000 Tonnen (360 000 Tonnen in 2005). Davon wurden rund 77 000 Tonnen (60 000 Tonnen in 2005) werkstofflich und rohstofflich recycelt. Nimmt man die Produktionsabfälle dazu, so erhöht sich die stofflich verwertete Menge auf insgesamt fast 221 000 Tonnen (180 000 Tonnen in 2005) [1]. Nicht von der Statistik erfasst ist das In-House-Recycling. Bezogen auf die Gesamtabfallmenge (Nachgebrauchs- und Produktionsabfall) liegt die stoffliche Verwertungsquote bei gut 36Prozent. Weitere PVC-Abfälle werden heute nach dem Stand der Technik –hauptsächlich inMüllverbrennungsanlagen –energetisch verwertet. Da PVC einen ähnlichen Heizwert wie Braunkohle hat –knapp 19 Megajoule pro Kilogramm (MJ/kg) –ist es unstrittig, dass der Werkstoff positiv zur Energiebilanz bei der Verbrennung von Hausmüll (etwa 11MJ/kg) beiträgt. Abfallverbrennung Aktuell gibt esinDeutschland rund 68 Anlagen zur thermischen Behandlung von gemischten Siedlungsabfällen. Sie verfügen über eine genehmigte Gesamt-kapazität von etwa 19MillionenTonnen. In der Vergangenheitging man davon aus, dass PVC zurund 50 Prozent zum Chloreintrag in Müllverbrennungsanlagen beiträgt. Heute wird dieser Anteil auf knapp ein Drittel (30 bis 35 Prozent) geschätzt. Diese Reduzierung ist unter anderem auf die Verwertungsaktivitäten der Dualen Systeme Deutschlands im Verpackungsbereich zurückzuführen. Eine weitere Möglichkeit derRauchgasreinigung bietet das Neutrec-Verfahren von Solvay. Mit Hilfe von Natriumbicarbonat wird bei der Rauchgaswäsche von Verbrennungsanlagen Natriumchlorid zurückgewonnenund gereinigt. Zahlreichen Untersuchungen zufolge wirkt sich der PVC-Anteil im Hausmüll nicht auf die Höhe der Dioxinbildung und damit auf die Dioxinemissionen aus [2]. Ein vollständiges Aussortieren von PVC-Produkten aus dem Müll verändert die Dioxin-Werte im Abgas nicht. Grund dafürist derimAbfall immervorhandene Salzgehalt, für denunter anderem Speisereste verantwortlich sind. Deponierung Auf Deponien abgelagerte PVC-Produkte gelten für Umwelt und Gesundheit als ungefährlich. Schwermetall-Stabilisatoren können zwar in geringen Mengen in das Sickerwasser der Deponie gelangen, sind aber im Vergleichzu Schwermetallen aus anderen Quellen im Siedlungsabfall so gut wie bedeutungslos. Ähnliches gilt für Weichmacher, die durch Mikroorganismen aus dem Weich-PVC austreten können. Sie werden abgebaut und führen nicht zu einer toxikologisch relevanten Beeinträchtigung des Sickerwassers. Zu diesem Ergebnis kam ein umfangreiches internationalesForschungsprojektüber das Langzeitverhaltenvon PVC-ProduktenunterDeponiebedingungen undim Boden. Es wurde zwischen 1996 und dem Jahr 2000 von der Technischen Universität Hamburg-Harburg, derUniversität Linköping und der Chalmers Universität Göteborg durchgeführt. Grundsätzlich gehören verwertbare Materialien wie Kunststoffe nicht auf Deponien. Die Ablagerung unbehandelter Kunststoffe und anderer organischer Materialien ist nicht mehr zeitgemäß und in mehreren europäischen Ländern auch nicht mehr zulässig. In Deutschlandist eine entsprechende Regelung in Form eines Ablagerungsverbotes von organischen Abfällen wie etwa Holz, Papier oder Kunststoff seit 2005verbindlich. Michael Friedrichs, technischer Redakteur, PVCplus Kommunikations GmbH, Bonn, michael.friedrichs@pvcplus.net UmweltMagazin Januar -Februar2012 43

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