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1/2 | 2012

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Technik &Management

Technik &Management Recht Bild: Jetti Kuhlemann/Pixelio Direktvermarktung nach EEG 2012 Der Deutsche Bundestag hat am30. Juni 2011 die Novelle des Erneuerbare-Energien- Gesetzes (EEG) beschlossen; mit der Entscheidung des Bundesrates am 8. Juli 2011 und Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 4. August 2011 wurde das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen. Die Novelle des EEG bringt wesentliche Schritte zur Marktanpassung und Steigerung der Kosteneffizienz mit sich. Der folgende Artikel weist auf die wichtigsten Fakten hin. Dr. Björn Neumeuer Mit Wirkung ab dem 1. Januar 2012 wird das Erneuerbare-Energien- Gesetz (EEG) novelliert. Die Direktvermarktung des aus Erneuerbaren Energien erzeugten Stroms ist bereits nach dembestehendenEEG (EEG 2009) möglich. DasnovellierteEEG (EEG 2012)erhält einen eigenen Abschnitt, der der Direktvermarktung gewidmet ist. Dies unterstreichtdie besondereBedeutung, die der Gesetzgeber der Direktvermarktung beimisst. Direktvermarktung als Instrument der Marktintegration Der(bisherige)Normalfall ist, dass der Betreiber einerAnlage, die Stromaus Erneuerbaren Energien erzeugt, eine im EEG festgelegte Einspeisevergütung erhält. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, den erzeugten Strom vorrangig abzunehmen und die gesetzliche Vergütung an denAnlagenbetreiber zu zahlen. Mit derDirektvermarktung soll ein Instrumentarium geschaffen werden, das demAnlagenbetreiber einenAnreiz gibt, dieAnlage bedarfsorientiertzubetreiben. Hierdurch sollen EEG-Anlagen zunehmend in den Markt integriert werden. Direktvermarktung bedeutet, dass der Betreiber einer Anlage den Stromunmittelbar an einenDrittenverkauft, statt die im EEG gesetzlich geregelte Einspeisevergütung in Anspruch zu nehmen. Statt der gesetzlich festgeschriebenen EEG-Vergütung, die von den Netzbetreibernzuzahlenist,erhält derBetreiber einenKaufpreisvon einem Marktteilnehmer. Dieses Vorgehen an sich wird für den Betreiber in den wenigstenFällenvorteilhaft sein,danicht sichergestellt ist, dass der Preis, den er als Kaufpreis fürden vonihm produzierten Strom erzielt, höher ist als die EEG-Vergütung, dieihm einNetzbetreiber aufgrund desEEG verpflichtetist zu zahlen. Hinzu kommt, dass die Direktvermarktung für denBetreiber auchmit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Aus diesem Grund sieht das EEG Fördermechanismen vor, die dem Betreiber einenAnreizgeben,aus ErneuerbarenEnergienerzeugtenStrom (Grünstrom) direkt zu vermarkten. Die zwei wichtigsten Formen der Direktvermarktung sind das Marktprämienmodell und die Inanspruchnahme des Grünstromprivilegs. Zudem ist die Direktvermarktung in (nicht geförderter) sonstiger Weise möglich –etwa der freieVerkauf mit Herkunftsnachweisen. Letzteresist gegenüber demgeförderten Verkauf jedoch wirtschaftlich nicht interessant. 48 UmweltMagazin Januar -Februar2012

Direktvermarktung im Marktprämienmodell DasMarktprämienmodell geht davon aus, dass derErlös aus dem direkten Verkauf des Stroms deutlich geringer sein wirdals die EEG-Vergütung. Dahersieht das EEG vor, dass der Anlagenbetreiber neben dem Kaufpreis zusätzlich eine Marktprämie vondem Netzbetreiber erhält. Das Modell wurde vom Fraunhofer-Institut für System undInnovationsforschung ISI maßgeblich entwickelt. Teilweise wird esals kompliziert, wenig praxistauglich oder teuer kritisiert. Das Grundprinzip ist allerdings einfach: Die Differenz zwischen dem vereinnahmten Erlös und der EEG-Vergütung erhält der Anlagenbetreiber als Prämie. Die Berechnung selbst ist jedoch kompliziert: Abzustellen ist nicht auf die Einnahmen des jeweiligen Anlagenbetreibers, sondern auf einen durchschnittlichen monatlichen Börsenpreis, der für verkauften Strom an der Strombörse erzielt werden kann. Er bildet die Basis für die Berechnung der Marktprämie.Dadiese mit einemgewissen Aufwandfür die Teilnahme an dem Börsenhandel oderfür andereMaßnahmen zum Vertrieb verbunden ist, wird dem Anlagenbetreiber zusätzlich noch eine Managementprämie zugebilligt, die starkdegressiv ausgestaltetist. Direktvermarktung für das Grünstromprivileg In der zweiten Variante verkauft der Anlagenbetreiber seinen Strom an einen Grünstromhändler. Anders als bei der Marktprämie bekommt der Anlagenbetreiber allerdings keine zusätzliche Vergütung durch den Netzbetreiber. Stattdessen sieht das EEG eine Bevorzugung des Händlersvor.Dieser wird von der EEG-Umlage, die ein Elektrizitätsversorgungsunternehmen, das Letztverbraucher mit Energie versorgt, an die Netzbetreiber zahlen muss, entlastet. Das Elektrizitätsunternehmen, das Grünstrom verkauft, muss nicht die gesamte EEG-Umlage zahlen, sondern nur einen reduzierten Betrag. Diesen Vorteil kann der Grünstromhändler allerdings nur in Anspruch nehmen, wenn sein Portfolio mindestens zu 50 Prozent aus Strombesteht, deraus Erneuerbaren Energiengewonnen wurde, wobei mindestens 20Prozent des Gesamtportfolios wiederum aus der schwer steuerbaren Sonnen- oder Windenergie bestehen muss. Das EEG fordert, dassdie Grünstromanteile auch im gesamten Jahresverlauf beachtet werden müssen.Nur wenn derHändler diese Voraussetzungen erfüllt, kann er das PrivilegauchinAnspruch nehmen. Die Herausforderung für die Händler wirdhierbeidarin liegen, die Anteile für den teuren Grünstrom möglichst punktgenau zu treffenund denRestdes Portfolios mit günstigerem Graustrom aufzufüllen. Angesichts der schwierigen Vorhersehbarkeit des durch Windkraft und Sonnenstrahlung erzeugbaren Stroms ist dies eine Herausforderung für das Portfolio-Management des Grünstromhändlers. Freie Wahl zwischen den Vermarktungsformen Der Anlagenbetreiber kann, jeweils zum Beginn eines Monats, zwischen den verschiedenen Vermarktungsformen frei wählen. Er kann sich also monatlichentscheiden, ob er die klassische EEG-Einspeisevergütung in Anspruch nimmt oder seinen Strom nach dem Marktprämienmodell oder dem Grünstromprivileg direkt vermarktet. DieDirektvermarktung ist allerdings mit Berichts- und Ankündigungspflichten verbunden. Ein Verstoß gegen die Meldepflichten hat drastische Konsequenzen: Indiesem Falle verliert der Anlagenbetreiber für drei Kalendermonate seinen Anspruch auf die Förderung durch das EEG. Fazit In der Praxis nehmen Grünstromhändler den Anlagenbetreibernden gesamten erzeugtenStrom ab,zahlenden Anlagenbetreibern einen Preis in Höhe der EEG-Vergütung und zusätzlich eine ausverhandelte Prämie, und kümmern sichimÜbrigen um die gesamte weitere Vermarktung des Grünstroms. Insgesamt fördert das EEG 2012 stärker als zuvor die Marktintegration von Strom aus Erneuerbaren Energien und gilt als ein Baustein für den Umbau der Energieversorgung in Deutschland. An die Abwicklung stellt das EEG aber hohe Anforderungen, die sicherlich zu der einoderanderenrechtlichenAuseinandersetzung zwischen dem Anlagenbetreiber und dem Käufer des Stroms führen wird. RA Dr. Björn Neumeuer, Hoffmann Liebs Fritsch &Partner, Düsseldorf, Bjoern.Neumeuer@hlfp.de Bild: Thorben Wengert/Pixelio UmweltMagazin Januar -Februar2012 49

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