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1/2 | 2012

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte tierenden oder zukünftigen Umweltbelastungen in Umweltmedien wie Luft, Wasserund Bodenentwickeln und anbieten. Hierunter fallen Technologien und Dienstleistungen sowohl im Versorgungs- als auch imEntsorgungsbereich. Das sind beispielsweise Bereiche wie Abfall- und Abwasserentsorgung, Lärmschutz und Luftreinhaltung, Wasserversorgung, Recycling, aber auch Technologien und Produkte im BereichErneuerbarerEnergien, zum Klimaschutz, zur Klimaanpassung und zur Erhöhung der Material- und Energieeffizienz. Die Beispiele zeigen, dass der Wirtschaftssektor neben den traditionellenSegmentendes Umweltschutzes wie Abfall- und Abwasserwirtschaft auch energie- und klimaschutzbezogene Technologien und Dienstleistungen umfasst.Bei derletztgenanntenKategorie handelt es sichvor allen um vielfältige Technologienaus dem Industrieund Haushaltsbereich wie etwa Technologien zur optimalen Energienutzung oder zur Nutzung von regenerativen Energien oder auch Energieumwandlungstechnologien[1]. Marktanteile der deutschen Unternehmen im grünen Bereich Der Marktanteil deutscherUnternehmeninden verschiedenenMärktender Umwelttechnologie liegt nach Schätzungen, die auf Basis von Expertengesprächen, Recherchen undBerichten vorgenommen worden sind, zwischen5 und 30 Prozent (siehe Tabelle). Eine besondere Stellung nehmen dabei die Technologien der umweltfreundlichen Energieerzeugungsowie die Abfall- und Kreislaufwirtschaftein. Hier entfällt auf deutsche Firmen mehr als ein Viertel desWeltmarktes[3]. Auf globaler Ebene können die deutschen Anbieter insbesondere auf ihre großen Marktanteile an den Weltmärkten im Bereich Erneuerbare Energien stolz sein. Dieser Sektor ist breit gefächertund umfasst vielfältige Technologien in unterschiedlichen Feldern wie Technologie-Felder (Beispiele) Umweltfreundliche Energieerzeugung -effiziente Kraftwerkstechniken, Energiespeichertechniken, Techniken im Bereich der Erneuerbaren Energien wie Photovoltaik und Windkraft Kreislaufwirtschaft -Techniken zum Sammeln und Sortieren von Abfällen, Recyclingtechniken, Optimierungsverfahren für die Entsorgungslogistik Nachhaltige Mobilität -effiziente Antriebstechniken, Techniken zur Emissionsminderung, umweltfreundlicher Fahrzeugbau Energieeffizienz -energieeffiziente Gebäudetechnik, energieeffiziente Verfahren und Prozesse Rohstoff- und Materialeffizienz -ressourcenschonende Produktionsverfahren, Leichtbautechniken, langlebiges Produktdesign, Miniaturisierung Nachhaltige Wasserwirtschaft -Techniken zur effizienteren Wassernutzung und Abwasserentsorgung, technischer Hochwasserschutz, Wassermanagement Wind- und Sonnenenergie sowie Energie aus Wasserkraft und Biomasse. Unterden weltweitgrößten Anbieternsind mehrere deutsche Hersteller sowohl in derProduktionvon Solarzellenals auch im Bereich des Windenergieanlagenbaus zu finden. Hierbei spielen die Impulse durch staatliche Förderungen eine große Rolle [2]. Deutscher Marktanteil inZahlen Laut aktuellem Umweltbericht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheitbeträgt der deutsche Marktanteil für Umwelttechnik und -dienstleistungen heute weltweit über 220 Milliarden Euro. Das entspricht einemAnteil am Welthandel von rund 16 Prozent. Und der internationale Wettbewerbsdruck ist hier groß: Mit grünen Technologien und Diensten sind nicht nur deutsche Anbieter unterwegs. Den Einschätzungen zufolge haben die US-amerikanischen Unternehmen 2006 im grünen Bereich einen Welthandelsanteil von gut 15 Prozent, gefolgt von japanischen Unternehmen mit fast 9Prozent. Somit liegt Deutschland mit seinem Marktanteil noch an derSpitze. Daszeigt sichauchinder guten internationalen Positionierung bei Patentanmeldungen. Gut23Prozental- Marktanteile in Prozent (%) Marktanteile der deutschen Unternehmen anWeltmärkten für Umwelt- und Energietechnologien ler jährlichen Anmeldungen für Umwelttechnik beimEuropäischen Patentamt stammenaus Deutschland [4]. Wettbewerbsstärken der deutschen Wirtschaft Der Frage nach den Wettbewerbsstärken der deutschen Unternehmen wird auch imRahmen der aktuellen Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln vom September 2011 nachgegangen. Gut 87Prozent der 172befragten Umweltexperten aus denUnternehmen und Wirtschaftsverbänden sehen die Stärken der deutschen Unternehmen primär im Angebot von innovativen Technologien und Dienstleistungen im Bereich Energieeffizienz (sieheGrafik). An zweiter und dritter Stelle stehen die Abfallwirtschaft und dasRecycling mit 84 Prozentsowie die Erneuerbaren Energien mit 81 Prozent. Knapp 70 Prozent der Befragten schätzen die Wettbewerbsposition der hiesigen Unternehmenauf dem Gebiet Wasserund Abwasser und der Luftreinhaltung als hoch ein. Trotz der Überschneidungen mit anderen Techniken und Dienstleistungen, insbesondere aus dem Gebiet Energieeffizienz und Erneuerbare Energien, sieht gut die Hälfte eine Wettbewerbsstärke auf dem Feld der klima- 30 25 20 19 5 5 Tabelle: Eigene Darstellung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln in Anlehnung anUBA/BMU, 2007 62 UmweltMagazin Januar -Februar2012

Service schutzbezogenen Technologien und Dienstleistungen. Eine im Vergleichgeringe Wettbewerbsstärke wirdallerdings den deutschen Unternehmen bei den TechnologienimBereich Anpassung an Klimaveränderungen zugesprochen. Nur 21Prozent der befragten Umweltexperten der Wirtschaft sehen hier für die deutschen Unternehmeneine starke Wettbewerbsposition auf internationalenMärkten. Grafik: Institut der deutschen Wirtschaft Köln, IW-Umweltexpertenpanel 4/2011 Deutsche Wettbewerbsstärken in Green-Technologie nach Einschätzung der Umweltexperten der Wirtschaft Literatur [1] BMU/UBA –Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit/ Umweltbundesamt (Hrsg.) (2009): Umweltwirtschaftsbericht 2009, Berlin/Dessau 2009. [2] Selke, Jan-Welf/Mahammadzadeh, Mahammad (2009): Wirtschaftsfaktor Umwelttechnik, Thema Wirtschaft, Nr. 117, hrsg. vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln 2009. [3] UBA/BMU –Umweltbundesamt/ Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.) (2007): Umweltpolitische Innovations- und Wachstumsmärkte aus Sicht der Unternehmen, Dessau/Berlin 2007. [4] BMU –Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.) (2010): Umweltbericht 2010, Berlin 2010. [5] von Hauff, Michael/Rübbelke, Dirk (2009), Marktchancen durch die Anpassung an den Klimawandel, in: Wirtschaftsdienst 2009/1, S. 42–45. [6] Mahammadzadeh, Mahammad (2010): Anpassung an den Klimawandel in der deutschen Wirtschaft – Ergebnisse aus Expertenbefragungen. In: Zeitschrift für Umweltrecht und Umweltpolitik (ZfU), 33. Jg. 2010, H. 3, S. 309–340. Neue Anpassungsmärkte Bisher wurden jedoch die Potenziale im Bereichder Anpassungandie Klimafolgen nur wenig beachtet. Insbesondere auf internationaler Ebene und vor allem inEntwicklungs- und Schwellenländernentstehenaber angesichts eines steigenden Anpassungsbedarfs neue Anpassungsmärkte. Dadurch ergeben sich große Chancen für Unternehmen mit entsprechenden Produkten und Dienstleistungen, beispielsweise im Wasser- oder im Landwirtschaftssektor für die Anbieter von resistenten Getreidesorten [5]. Durch den Export solcher Leistungen und Problemlösungen lässt sich neben den Wettbewerbsvorteilen für die Anbieter auch der Anpassungsprozess inEntwicklungsländern unterstützenund effizienter vorantreiben [6]. Wachsende Bedeutung von Dienstleistungen Im Bereich Umwelt, Energie und Klima gewinnen nicht nur technologische Lösungen, sondern auch zunehmend Dienstleistungen an Bedeutung, die insbesondere mit der Umsetzung vonentwickeltenTechnologienzusammenhängen –beispielsweise die Montage von Wasseraufbereitungsanlagen oder die Entwicklung von Windparkprojekten. Ein jährliches Marktwachstum von 7,7 Prozent spricht für die wachsende Bedeutung dieses Sektors [4]. Nicht nur die eng mit den technischen Objekten undUmsetzungsprojekten verbundenen Dienstleistungen, sondern auch solche methodischer, organisatorischer oder instrumenteller Art wie etwa Umwelt- und Energiemanagement oder Umweltberatung und -bildung können große Marktpotenziale bergen. In diesen Bereichen bescheinigt jeder zweite Umweltexperte den deutschen Unternehmen eine Wettbewerbsstärke auf den globalen Märkten. Ausblick Vordem Hintergrund der klima- und energiepolitischen Verpflichtungen und Bestrebungen der Staaten und der Wirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene ist eine erhöhte Nachfrage an entsprechenden Techniken und Konzepten zu erwarten. Sie gewinnt besondersinSchwellen- und Entwicklungsländern zunehmend Bedeutung. Daher soll die bereits erreichte gute internationale Marktposition der deutschen Unternehmen mit weiteren Innovationen und Investitionen erhalten und ausgebaut werden. Nur so lassen sich für Deutschland auch weiterhin Wettbewerbsvorteile erzielen. Dr. Mahammad Mahammadzadeh Institut der deutschen Wirtschaft Köln, mahammadzadeh@iwkoeln.de UmweltMagazin Januar -Februar2012 63

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