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1/2 | 2013

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Technik&Management Bild: Infraserv GmbH &Co. Höchst KG Bild: avado Data UdL GbR /Dr. Ing. Wandrei GmbH Mit mobilen Systemen lassen sich Transportdokumente zeit- und sachnah zum Abfallgeschehen bearbeiten. Perspektiven fürdas elektronische Abfallnachweisverfahren Welche Antworten liefert das elektronische Abfallnachweisverfahren (eANV) für zunächst ausgeklammerte Teilprozesse, für die Umsetzung neuer Gesetze oder angesichts neuer technischer Lösungen? Hier einige Denkanstöße, wie das System durch die Einbindung weiterer Funktionen vereinfacht werden könnte. Thomas Stuhlfauth und Peter Gröschen Knapp zwei Jahre nach der Einführung der elektronischen Signatur gilt das eANV als etabliert. Informationen über nachweispflichtige, in der Regel gefährliche Abfälle werden erfolgreich als Entsorgungsnachweise vorab geprüft, die Begleitscheine sorgen für die Verbleibskontrolle und die Archivierung erfolgt im elektronischenRegister. Zwar wird der finanzielle Aufwand für die Etablierung des elektronischen Systems kritisiert, doch imProzess entfällt dafür die Zeit für händischen Faxversand, Datenübertragung von Papier ins System und zusätzliche Abstimmungsvorgänge aufgrund von Übertragungsfehlern oder fehlerhafterAblage vonPapierdokumenten. Umso mehr sollte dasAugenmerk der Frage gelten, wie man das vorhandene eANV-System besser nutzen und in die Ablaufprozesse bei allen am Entsorgungsprozess Beteiligten integrieren kann. Nicht gefährliche Abfälle Die Nachweisverordnung sieht auch für nicht gefährliche Abfälle die Führung einesRegisters beimEntsorger vor. Stellt die Behörde bei der Prüfung des Registers von Entsorgern Unregelmäßigkeiten fest, kann auch der Abfallerzeuger ins Visier der Behörden geraten. Er ist nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz zwar nicht register- aber immerhin auskunftspflichtig. Viele Erzeugerführen daher ein eigenesRegister über denVerbleibnicht gefährlicherAbfälle. Umden Prozess zuvereinfachen und Fehler zuvermeiden, wäre eswünschenswert, diese Register mit den anderen Abfallwirtschaftsbeteiligten elektronischabzugleichen. Dietechnischen Voraussetzungen für die Übermittlung bestehen. Soweit bereits heute Registerbelege eingesetzt werden, zum Beispiel bei Kunden der Systeme Zedal, Nsuite, Fritz und Macziol sowie Modawi, sind die Erfahrungen durchweg positiv. Allerdings sind derzeit noch nicht alle eANV-Systeme in derLage,solche Registerbelege, die über die Zentrale Koordinierungsstelle der Länder (ZKS) versendet aber nicht an die Behörden weitervermittelt werden, adäquat zu bearbeiten. Hier ist eine verbindliche Regelung etwa im Rahmender Novellierung der Nachweisverordnung erforderlich, um die einheitliche Anwendung weiter zu fördern. 30 UmweltMagazin Januar 2013

Abfall/Recycling Makler und Händler Makler und Händler vongefährlichen Abfällen müssen ein Register führen. Bislang nehmen aber weder Makler nochHändleroffiziell am eANV-System teil. Die Pflicht zur Registerführung stellt insbesondere die Makler vor Probleme, da sie keinen unmittelbaren Zugang zu denMengenströmenhaben,die sie ins Register einstellen sollen. Eine Einbeziehung in das eANV würde sowohl für Makler als auch Händler eine wesentliche Vereinfachung ihrer Registerführung bedeuten und außerdem dazu beitragen, Übertragungsfehler bei der Erstellung des Registers zu vermeiden. Abfallhierarchie Dieneue, fünfstufigeAbfallhierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes fordert vom Abfallerzeuger eine differenzierte Zuordnung seiner Abfälle zu einer bestimmten Entsorgungsmaßnahme im Rahmender Priorisierung nachVerwertung und Entsorgung.Weichtervon der vorgesehenen Rangfolge von Verwertungsartenund Beseitigung ab,musser dies den Behörden gegenüber begründen. Bislang sieht daseANVnochkeine Möglichkeit vor, sichimelektronischen Workflow hierzu zu äußern, auch hier besteht nochOptimierungsbedarf. Übernahmescheine Sammler von Abfällen nutzen bevorzugt noch das Papierverfahrenfür Übernahmescheine, denn gerade bei Erzeugern, die nicht am elektronischen Verfahren teilnehmen, ist dies die einzige Möglichkeit zurErlangung einerrechtsverbindlichen Unterschrift. Dabei ist der Aufwand für das nachträgliche Einstellen der Daten des Papier-Begleitscheins in das elektronische Register beimSammlerund die Führung vonPapierregistern mit Originalunterschriften bei Erzeugern und Sammlern sehr hoch. Zwischen Sammlern und Erzeugern, die bereits am elektronischen System teilnehmen, gewinnt die elektronische Führung des Übernahmescheins zunehmend an Bedeutung. Dieser Trend dürfte sich durch den Einsatz mobiler eANV-Geräte zukünftig noch weiter verstärken. Mobile Lösungen In zwei Konstellationenist derEinsatz mobiler Lösungen besonders vorteilhaft: 7 Bei der Übernahme von Abfällen durch denBefördererwirdinder Praxis häufig die Ausnahmeregelung für die Signatur zu einem späteren Zeitpunkt herangezogen, die eine zusätzliche Vereinbarung zwischen Erzeuger und Beförderer erfordert. 7 Auf Baustellen befindet sich oft kein Computerinder Nähe derStelle,ander die Abfälle abgefahrenwerden. In beiden Fällen ist der Einsatz mobiler Geräte zweckmäßig, da sie eine größere Zeit- und Sachnähe zum Abfallgeschehen ermöglichen. Neben spezialisierten eANV-Geräten einzelner Herstellerwerdenmittlerweile auchLösungen zum Einsatz auf Smartphones und Tablet-Computern angeboten. Mit diesen Geräten können mobil alle wesentlichen Dokumente gelesen, bearbeitet und signiert werden. Grenzüberschreitende Abfallverbringung Im Unterschied zum innerdeutschen eANV beruht die grenzüberschreitende Abfallverbringung noch immer auf der Grundlage vieler, jeweils per Fax zu übermittelnder Notifizierungs- und Begleitformulare. Derzeit läuft das Pilotprojekt „eTFS“ (electronic TransFer Shipment) zwischen der Agentschap, einer eigenständigen Einrichtung der niederländischen Regierung, und der Niedersächsischen Gesellschaft zur Endablagerung von Sonderabfall (NGS). DasProjektnutzt unter Einbeziehung derZKS dasverbreitete eANV-System Zedal, das um eine eTFS-Komponente erweitert wurde. Im ersten Schritt werden Begleitpapierezwischen der Sita Recycling Services Noord-Oost B. V. in den Niederlanden und der EVI Abfallverwertung B.V. & Co. KG in Deutschland und den zuständigen Behörden ausgetauscht. Da die Menge grenzüberschreitender Abfalltransporte wahrscheinlich steigen wird, besteht das Ziel des Pilotprojekts darin, Bürokratie abzubauen und gleichzeitig die hohenÜberwachungsstandards beizubehalten. Weitere elektronische Informationen integrieren Zur vollständigen Abwicklung des Entsorgungsprozesses sind weitere Informationen nach Gefahrgut- und Gefahrstoffrecht erforderlich. DieseDaten solltendaherebenfalls online im eANV- System verfügbar sein. Daneben eröffnet die Verknüpfung mit LogistiksystemenPotenziale,umInformationendes eANV in denWorkflowvon Abfallbeförderern zu integrieren. Auch die Erfassung der Kosten von Entsorgungsvorgängenist gerade für Abfallerzeuger von Interesse. Fazit Bundesrat und Bundestags heben in ihren Publikationen die finanziellen und praktischen Vorteile der elektronischen Abwicklunghervor. Es wirdangestrebt, inZukunft möglichst alle abfallrechtlichenÜberwachungs- und Genehmigungsverfahren elektronisch abzuwickeln. Hierfür enthält das Kreislaufwirtschaftsgesetz bereits einige Verordnungsermächtigungen und Regelungen inden §§ 10, 11, 16,52, 53 und 64. Darüber hinaus lässt sich durch die Integration von mobilen Lösungen, von grenzüberschreitenden Abfalltransportensowie vonGefahrstoff-,Gefahrgut-, Logistik- und Kostenerfassungssystemen das eANV in der Praxis nochbessernutzen. Dr. Thomas Stuhlfauth und Peter Gröschen, Infraserv GmbH &Co. Höchst KG; Frankfurt amMain, thomas.stuhlfauth@infraserv.com, peter.groeschen@infraserv.com UmweltMagazin Januar 2013 31

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