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1/2 | 2013

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Technik &Management

Technik &Management Erneuerbare Energien Die drei neuen Kraftwerke sind um die Zuckerfabriken bei Bologna und Padua herum gruppiert und alle ähnlich aufgebaut. Sie sind als zweistufige Vergärungsanlagen realisiert und arbeiten nach dem Prinzip der Trockenfermentation. Biogas aus Nebenprodukten Für die energetische Verwertung seiner Nebenprodukte aus der Zuckerrübenverarbeitung suchte der italienische Zuckererzeuger Co.Pro.B. einen Biogas-Anlagenbauer mit Industrieerfahrung. Fündig wurde das Unternehmen bei dem deutschen Umwelttechnikspezialisten Eisenmann. Nach nur sechs Monaten Planungs- und Bauphase gingen im Herbst 2012 in den Provinzen Bologna und Padua gleich drei Biogasanlagen mit Pfrofenstromfermentern inBetrieb. Andreas Mack Co.Pro.B. – Cooperativa Produttori Bieticoli –ist der größte ZuckerproduzentItaliens.Inden beidenFabriken in Minerbio (Bologna) und in Pontelongo (Padua) gewinnt das Unternehmen aus Zuckerrüben jährlich bis zu 284 000 Tonnen des süßen Lebensmittels. Dabei fallen große Mengen an Zuckerrübenpressschnitzeln und Melasse an. Werden diese Nebenprodukte zu Biogas vergoren, lässt sichmit ihnengutes Geldverdienen: Dennder so gewonnene Energieträger kann in einem Blockheizkraftwerk verstromt und anschließend ins öffentliche Netz eingespeist werden. Die Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien wird in Italien, wie in vielenanderenmitteleuropäischen Ländern, lukrativ vergütet. Deshalb entschied die Landwirtschafts- und Lebensmittelgenossenschaft, neben ihrer Zuckerfabriken drei schlüsselfertige Biogasanlagen als Ökokraftwerke für die Verwertung der Produktionsabfälle bauen zu lassen. Verbindung von Ökologie und Ökonomie Bei der Suche nach einem passenden Auftragnehmer stieß der Zuckerproduzent auf den süddeutschen Anlagenbauer Eisenmann. Mit über 60 Jahren Erfahrung im industriellen Anlagenbau realisiert Eisenmann im Bereich Umwelttechnik neben Biogasanlagen auch Anlagenzur Abluftreinigung, Abwasserbehandlung, Wasseraufbereitung, Reststoff- und Munitionsentsorgung sowie Holzvergasung. Auf dem Biogasmarkt istdas Unternehmenseitdem Jahr 2003 aktivund hat weltweitüber 70 Anlagen gebaut. Zu Beginn stand der Bau von landwirtschaftlichenBiogasanlagen im Vordergrund, inzwischen ist Eisenmann auch im Bereich der Vergärung von gewerblich-industriellen Bioabfällen aktiv. Eines der Kriterien, warum sich Co.Pro.B. für das süddeutsche Unternehmen entschieden hat, ist dessen allgemein starke Ausrichtung auf den Industriesektor plus die entsprechenden Leistungsnachweise durch Referenzobjekte. Die erste Eisenmann-Biogasanlage in Italienging im Jahr 2008in Grosseto in Betrieb. Seitdem sind die grünen Kraftwerke aus Böblingen am italienischen Markt sehr gefragt: Insgesamt 23 Anlagen wurden hierbislang verkauft(Stand: Dezember 2012). Sechs Monate von Vertragsschluss bis Inbetriebnahme EinweitererPluspunkt für denerfolgreichen Vertragsschluss mit dem italienischen Zuckerhersteller war die schnelle Umsetzung durch die Eisenmann-Ingenieure und -Monteure. Mit dem Jahreswechsel 2012/2013 ist inItalien die gesetzlich geregelte Vergütung für Strom aus Biogas gesunken. Um noch inden Genuss der höheren Zahlungenzukommen, waresfür Co.Pro.B. wichtig, dass die Kraftwerke noch in 2012 in Betrieb gingen. Ein enger Zeitplan, der für die Eisenmann-SpezialistenjedochkeinProblem darstellte: Obwohl die Lieferverträge erst im März 46 UmweltMagazin Januar 2013

Bilder (2): Eisenmann Anlagenbau Hauptfermenter mit Pfropfenstrom-Technologie und horizontalem Langwellenrührwerk 2012 unterzeichnet wurden, wurden alledreiBiogasanlagen nochimvergangenenJahr hochgefahren. Hauptfermenter mit Pfropfenstrom-Technologie Die drei neuenKraftwerkesind um die Zuckerfabriken in den Provinzen Bologna und Padua herum gruppiert und alleähnlichaufgebaut. Sie sindzweistufige Vergärungsanlagen und arbeiten nachdem Prinzip derTrockenfermentation. Als Substratkommt neben den Zuckerrübenpressschnitzeln auch Maissilage zum Einsatz, die von den Anlagenbetreibern bei den Landwirten der Region zugekauft wird. Am Eingang jeder Anlage fördern Mischer und Eintragsschneckensysteme diese feststoffreichen Inputmaterialien in die erste Vergärungsstufe.Sie besteht proAnlage aus drei jeweils 325 Kubikmeter fassendeHauptfermentern.Bei diesen zentralen Elementen des Systems setzt Eisenmannauf die Pfropfenstrom-Technologie mit horizontalem Langwellenrührwerk. ImInneren jedes Hauptfermenters durchmischt ein langsam laufendes Rührwerk das gesamte Behältervolumen und verhindert Schwimmund Sinkschichten. Der Name „Pfropfenstrom“weist darauf hin, dass sichdie Biomasse nicht aufgrund eines Rührwerks durch den Fermenter bewegt, sondern durch den Druck des nachkommenden Materials durch den Behälter geschoben wird. Mit dieser Methode sind auch Bioabfälle mit extrem hohen Trockensubstanzgehalten von biszu35Prozentzuverarbeiten. Außerdem gewährleistet der Pfropfenstrom eine günstige Verweilzeit des Substrats im Hauptfermenter. Taschenheizungen an den Behälterwänden stellen eine gleichmäßigeTemperaturverteilung im gesamten Fermenter sicher und optimieren die mikrobiologischen Milieubedingungen. Insgesamt sorgt die Pfropfenstrom-Technologie für einen effizienten Abbauprozess mit hohem Gasertrag bei sehr guter Prozessstabilität. Von den drei Hauptfermentern wird das Substratineinengemeinsamen, vertikalen Nachfermenter mit einem Fassungsvolumen von 2900 Kubikmeter gepumpt, der die zweite Vergärungsstufe darstellt. Hier wird außerdem aus einem Lagertank zusätzlich Melasse als weiteres, zähflüssiges Nebenprodukt derZuckergewinnung hinzugeführt.Im Nachfermenter gärt das Substrat vollständig aus. Pro Anlage ein Megawatt Strom Dasgewonnene Biogas treibtbei jeder der drei Biogasanlagen ein Blockheizkraftwerk mit einer Leistung von etwa 1Megawatt elektrischund 550 Kilowatt thermisch an. Während der Strom ins öffentliche Netz eingespeist und vergütet wird, dient ein Teil der anfallen- denWärme zumBeheizen derkompletten Anlage, inklusive der Fermenter. Zwei Separatoren entwässern die ausgegoreneBiomasse. Dieser Gärrestwird anschließend als Dünger inder Landwirtschafteingesetzt. Biogas-Zukunft für Italien Italien ist für Eisenmann einer der aussichtsreichsten Biogas-Märkte in Europa. Zum einen bietet das agrarstarke Land nochgroße Potenziale für weitere landwirtschaftliche Biogasanlagen, zum anderen können die bei Co.Pro.B. realisierten Ökokraftwerke Modell stehen für die Verwertung von anderen biogenenProduktionsrückständenund Bioabfällen. Als Alternative zur Verstromung in Blockheizkraftwerken hat Eisenmann neuerdings auch die Aufbereitung des Biogases auf Erdgasqualität im Portfolio. Dasmit Membrantechnologie gereinigte Biomethan kann ins öffentliche Erdgasnetz eingespeist, als Kraftstoff genutzt oder zur Wärmeerzeugung eingesetzt werden. Damit steht der erneuerbarenEnergiewirtschaftein speicherbarer und flexibler Energieträger zur Verfügung. Andreas Mack, Eisenmann Anlagenbau GmbH &Co. KG, Böblingen, andreas.mack@eisenmann.com UmweltMagazin Januar 2013 47

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