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1/2 | 2013

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Paul-Georg Meister/Pixelio Solarzellen auf dem Mobi-Cat –einem Passagier-Katamaran auf dem Bielersee inder Schweiz, der nur mit Sonnenenergie betrieben wird. Schweizer Energiewende erfordert vieleInvestitionen Die Schweizer Regierung, der Bundesrat, hat ein erstes Maßnahmenpaket für den schrittweisen Umbau der schweizerischen Energieversorgung vorgelegt. Bis Ende 2013 haben Kantone, Verbände und andere Interessierte Zeit, dazu Stellung zu nehmen. Geplant sind unter anderem mehr Energieeffizienzmaßnahmen, eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energiequellen sowie eine ökologische Steuerreform. Nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima im März 2011 hatten Bundesrat und Parlament den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Um eine zuverlässige und wirtschaftliche Energieversorgung der Schweiz sicherzustellen, setzt der Bundesrat auf einen etappenweisen Umbau des Energiesystems und nennt dies seine Energiestrategie 2050. Quantitative Ziele Zum einen gibt Bern quantitative Ziele vor: Energie- und Stromverbrauch sollensinken.Der durchschnittliche Energieverbrauch pro Person und Jahr soll gegenüber 2000 bis zum Jahr 2035 um 35 Prozent reduziert werden. Ein weiteres Ziel ist es, den Stromverbrauch insgesamt ab 2020 zustabilisieren. Bei der Wasserkraft ist bis 2035 ein Ausbau der Jahresproduktion auf mindestens 37 400 Gigawattstunde (GWh) vorgesehen (2011: 33 800 GWh). Die übrigen Erneuerbaren Energien sollen bis 2035 auf 11940 GWh steigen. Hier steckt sicherlich ein großes Geschäftspotenzial, denn der Beitrag der Sonnenenergie-, Biomasse-, Biogas-, Wind- und Abfallnutzung betrugmit 1631 GWh im Jahr 2011 lediglich 2,7 Prozent der gesamten Elektrizitätsproduktion. Energieeffizienz- Maßnahmen Auch vermehrte Energieeffizienzinitiativen kündigen sich an. Die wichtigsten Ansatzpunkte liegen hier im Gebäudebereich. Dank der Verstärkung des Gebäudeprogramms stehen mehr Mittel zur Förderung von energetischen Sanierungen zur Verfügung.Für Sanierungen der Gebäudehülle, also Dach, Wand und Fenster, stehen derzeit pro Jahr bis zu 250 Euro (umgerechnet aus Schweizer Franken) bereit. Die Effizienz wird, soder Plan, zudem mit strengeren Mindeststandards für Neu- und Altbauten erhöht. Die Kantone werden ebenfalls ihre energetischen Bauvorschriften verschärfen. Noch ist die Schweiz allerdings weit von einer obligatorischen energieeffizienten Neubautätigkeit entfernt. Die nationalen Energiestandards Minergie sind bislang lediglich freiwillig. Ende 2011 hatten immerhin 24 360 Gebäude ein solches Zertifikat gemäß einem der Minergie-Standards. Etwa 20 Prozent der Neubauten und 5Prozent der Sanierungen werden derzeit nach einem der mittlerweile vier Minergie-Standards zertifiziert. Es handelt sich meist um Wohnbauten. Im Straßenverkehr soll dieEffizienz unter anderem durch 60 UmweltMagazin Januar 2013

Dieter Schütz/Pixelio Die Schweiz fördert neben Strom aus Wind, Sonne, Biomasse und Erdwärme auch solchen, der aus Wasserkraft gewonnen wird. verschärfte CO 2 -Emissionsvorschriften für neue Personenwagen erhöht werden. ImIndustriebereich sind verbindliche Zielvereinbarungen mit Unternehmen vorgesehen. Strenger werden auch Energieverbrauchsvorschriften fürElektrogeräte und Beleuchtung. Germany Trade&Invest Fördermittel Zur Steigerung des Anteilsan Erneuerbarer Energie sollen vor allem die Vergütungssätze steigen und Kostendeckel wegfallen, damit genügend Fördermittel zur Verfügung stehen.Einzig für die Photovoltaik soll es weiterhin jährliche Kontingente für den Zubau geben. Als Instrument dient seit 2009 die „Kostendeckende Einspeisevergütung“. Der Fördertarif gilt gleichermaßen für Strom, der aus Wasserkraft, Wind, Sonne, Biomasse oder Erdwärme erzeugt wird. Für 2012 und 2013 stehen jeweils rund 200 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Durch einen Zuschlag von zurzeit 0,38 Cent/Kilowattstunde (kWh) finanzieren die Stromverbraucher die Förderung der Erneuerbaren Energien. 2011 erreichte beispielsweise dieneu installierte Leistung von Photovoltaik-Anlagen 119,5 Megawatt Peak –mehr als doppelt so viel wie 2010. Eigenverbrauchsregelungen Darüber hinaus will der Bundesrat eine Eigenverbrauchsregelung einführen. Damit können dezentrale Anlagen den selbst produzierten Strom selber verbrauchen und müssen nur den Überschuss ins Netz einspeisen. Kleine Photovoltaikanlagen mit unter 10 kW Leistung sollen aus der Einspeisevergütung herausgelöst werden und stattdessen eine einmalige Investitionshilfe von 30 Prozentder Investitionskosten erhalten. Germany Trade &Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschaftsund Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. www.gtai.de Energie- und Stromimporte Zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit sind weiterhin Importe von Energie und Strom nötig. Bis der Energiebedarf vollständig durch Erneuerbare Energien gedeckt werden kann, sollfernerder befristete Ausbau der fossilen Stromproduktion mit Wärme-Kraft-Koppelung und Gaskombikraftwerken forciert werden. Smart Technologies Parallel zum Ausbau der Erneuerbaren und zur Einbindung in das europäische Stromnetz ist die Modernisierung, die Erweiterung des Stromnetzes und die Anwendung von intelligenten Technologien (Smart Technologies) ein weiterer Eckpunkt der Energiestrategie 2050. Die Modernisierung und der Ausbauwärenallerdings auch ohne den Ausstieg aus der Kernenergie notwendig geworden. Der Bundesrat schafft durch eine Novellierung des Stromversorgungsgesetz die nötigen Rechtsgrundlagen zur Einführung von intelligenten Stromzählern (Smart Meters). Die zweite Etappe der Energiestrategie Für die Zeit nach 2020, die als zweite Etappe der Energiestrategie 2050 gilt, strebt der Bundesrat an, die Klima- und die Energiepolitik neu auszurichten.Dazu soll dasFördersystem kontinuierlich in Richtung eines ökologisch orientierten lenkenden Systems umgebaut werden. Die Regierung hat die Finanzbehörden beauftragt, eine entsprechende ökologische Steuerreform vorzubereiten. Bis Sommer 2013 soll ein Anhörungsbericht mit verschiedenen Varianten zur Ausgestaltung der Abgabe, der Rückerstattung beziehungsweise Kompensation sowie zu den ökologischen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen erarbeitet werden. Als nächster Schritt soll bis Mitte 2014 eine Vorlage zur öffentlichen Anhörung präsentiert werden. Mit der Reform sollen Anreize gesetzt werden, um dieEnergieeffizienz zu verbessern und den Energieverbrauch weiter zu reduzieren. Große Industrieverbände wie Swissmem haben öffentlich Protest gegendie Initiativen der Regierung angemeldet. Sie sehen einerseitsdie Sicherheit der Stromversorgung durch den Verzichtauf dieKernenergie gefährdet und durch diebeschlossenen Maßnahmen neue Kosten auf sich zukommen. Axel Simer,Germany Trade &Invest, axel.simer@gtai.de UmweltMagazin Januar 2013 61

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