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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Energie/Erneuerbare Energien Seit Dezember 2013 versorgt eine landwirtschaftliche Biogasanlage eine Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern mit Rohgas –über eine knapp 3Kilometer lange Fernleitung. Im Ort wird der regenerative Energieträger in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) verbrannt, das seine thermische Energie in ein Nahwärmenetz einspeist. Grundlage der sinnvollen Nutzung des außerhalb des Ortes gewonnenen Rohgases ist ein gut durchdachtes Nahwärmekonzept. Nahwärme per Fernleitung Das Blockheizkraftwerk im Heizhaus in Bresegard erzeugt mehr als genug Wärme für knapp 70Wohnungen. Michael Schütt Nahe der Gemeinde Bresegard in Westmecklenburg befinden sich gleich zwei landwirtschaftliche Biogasanlagen mit jeweils einem Blockheizkraftwerk zur Gasverstromung. Doch mit einer Entfernung von zwei bis drei Kilometern zum Ortskern sind sie zu weit weg, um die an den BHKW anfallende Wärme in der Siedlung wirtschaftlich nutzen zu können. Allerdings war das Interesse der Gemeinde groß, ökonomisch und ökologisch an denBiogasanlagen zu partizipieren. Gemeinsammit einemder ortsansässigen Anlagenbetreiber Biogas Bresegard entwickelte der Energiedienstleister Energiedienste Nordost (EDNO) im Jahr 2011 ein regeneratives Nahwärmekonzept. DieIdeewar,das Biorohgas einerAnlage über eine etwa 3Kilometer lange Leitung nach Bresegard zu transportieren, um damit ein zusätzliches BHKW anzutreiben. Der thermische Anteil der gewonnenen Energie soll in einNahwärmenetz gespeist werden,das einenGroßteil derWohn- und Gemeindehäuser desOrtes heizt. DieEDNO übernahm die Konzeption, Planung, Finanzierung und Errichtung sowie denBetrieb desNahwärmenetzes bis zu den Hausübergabestationen. Auch die eigentliche Wärmelieferung und die Abrechnung mit den Anschlussnehmern ist Aufgabe der Tochtergesellschaft des kommunalen Energieversorgers Wemag AG. DasWärmekonzeptund die zu erwartendenSenkung derHeizkostenwurden von Gemeindevertretern und Einwohnern positivaufgenommen.Begünstigt wurde die Entscheidung dadurch, dass die Gemeinde Bresegard Anteilseignerinder Wemag ist. Für die parallelerforderliche Stromeinspeisung kam der Stromnetzbetreiber, die Wemag Netz GmbH,ins Spiel. Heizhaus imOrt installiert Das Konzeptbesteht aus zwei Teilprojekten: der Installation eines Heizhauses mit Zuleitung zumBiogasmotorund der Errichtung des Wärmenetzes. Für das Heizhaus erwarb die Biogas Bresegard ein Grundstück mit Gebäude in zentraler Lage. Indiesem wurden ein BHKW mit 426 kW thermischer und 370kWelektrischer Leistung sowie die Verteil- und Regelungseinrichtungen untergebracht. Als Ausfallreserve steht ein 600 kW-Pelletkessel des Herstellers Nolting zur Verfügung. Der Strom des BHKW wird in das Mittelspannungsnetz der Wemag Netz GmbH eingespeist. Parallelzudiesen Arbeitenbegann die EDNO mit der Detailplanung des Wärmenetzes, der Vorbereitung der Ausschreibungenund demBeantragen von Fördermitteln. Neben Tilgungszuschüssen der KfW und des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erhielt das Projekt Investitionszuschüsse des Landes Mecklenburg- Vorpommern und der Europäischen Kommission. Wirtschaftlich machbar durch KWK-Bonus Trotz dieser investitionskostensenkenden Maßnahmen war das Projekt nochnicht wirtschaftlich. Der Betrieb des Nahwärmenetzes wird daher durch jährliche Zuschüsse der Biogas Bresegard unterstützt. Die Betreiberin der Biogasanlage refinanziert dies über den gesetzlich garantierten KWK-Bonus, den sie für die ausgekoppelte Wärmelieferung erhält. Da das Konzept einen stark regionalen Charakter hat, wurden 90Prozent der Aufträge an Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern vergeben. Die EDNO übernahm die Haus- 36 UmweltMagazin Januar/Februar 2014

Eine ehemalige Scheune fungiert nun als Heizhaus. anschlusskosten an das Nahwärmenetz. Für den Anschluss der Hausübergabestationen fielen für die Hausbesitzer beim Installateur ihrer Wahl Kosten in Höhe von 100 bis 200 Euro an. Zuvor heizten die Einwohner von Bresegardhauptsächlichmit Öl und in geringem Maßmit Flüssiggas. Im Mai 2013 wurde der Fördermittelbescheid des Landes Mecklenburg- Vorpommern erteilt, im Juni 2013 begannen die Arbeiten im Tief- und Rohrleitungsbau. Da die Brennstoffreserven inden einzelnen Haushalten unterschiedlichlang bemessenwaren, wurde das Wärmenetz in Teilstücken in Betriebgenommen. DieerstenHäusergingenEnde Oktober letztenJahres ans Netz, seit Anfang Dezember 2013 ist das Wärmenetz vollständig in Betrieb. Im derzeitigen Endausbau hat das Wärmenetz aus Kunststoffmantelverbundrohr eine Trassenlänge von knapp 3 Kilometern. Angeschlossen sind 34 Häuser, die Anschlussquoteim versorgten Gebietbeträgt etwa 60 Prozent.Die Auslegung des Netzes ermöglicht den Anschluss weiterer Immobilien amTrassenverlauf. Es gibt weitere Interessenten, mehrere Anfragen liegen bereits vor. Bilder (2): WEMAG/Rudolph-Kramer Nahezu 300 Tonnen weniger Kohlendioxid jährlich Der Durchschnittsverbrauch an Heizöl betrug je Kunde rund 3240 Liter im Jahr. Bei 34 angeschlossenen Häusern mit insgesamt 67 Wohnungen errechnet sich ein substituierter Wärmebedarf von knapp 1,3 Millionen kWh/a. Der Atmosphäre bleiben durch das regenerative Energiekonzept jährlichrund 295Tonnen Kohlendioxid erspart. smarter digitaler Sensor basierend auf der Lumineszenz-Methode langzeitstabil und wartungsarm für Anwendungen in Kläranlagen, bei der Trinkwasserüberwachung, im Gewässerschutz und in Fischzuchtbetrieben Neben dem Vermeiden von klimaschädlichen Emissionen ist für die Einwohner der Gemeinde Bresegard der wirtschaftliche Einspareffekt von großerBedeutung. Der monetäreVorteil im Vergleichsjahr lässt sich relativ genau darstellen. Die durchschnittliche Einsparung beträgtimerstenJahr mehr als 10 Prozent, bei einem Ölpreis von 86 Cent je Liter. Geht man zukünftig vonPreissteigerungen wie bereits in den vergangenen zehn Jahren aus, ergibt sich im letzten Jahr eine Einsparung vonmehrals 40 Prozentdurch denAnschluss an die Nahwärmeversorgung. Dipl.-Ing. Michael Schütt, Energiedienste Nordost GmbH, Raben Steinfeld, michael.schuett@ed-nordost.de Excellent innovativ. O 2 JUMO ecoLine O-DO –optischer Sensor für gelösten Sauerstoff mit Auswertegerät JUMO AQUIS 500 RS Sie schätzen Leistungsfähigkeit, Genauigkeit und Langlebigkeit? Sie wissen, dass Qualität die Summe aus Erfahrung, Innovation und Praxisnähe ist? Dann haben Sie den passenden Partner gefunden: 20025 Willkommen beiJUMO. www.jumo.net UmweltMagazin Januar/Februar 2014

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