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1/2 | 2014

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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Abfall/Recycling Homogen, sauber und werthaltig: Reifendraht nach seiner Aufbereitung Reiner Draht aus altenReifen Das Unternehmen Estato Umweltservice verwertet 95 Prozent aller Abfälle, die inden Werkstätten der A.T.U-Gruppe anfallen. In modernen Recyclingprozessen werden wertvolle Rohstoffe, wie zum Beispiel der Stahldraht aus Altreifen, zurückgewonnen. Markus Meißner Als einer der führenden Reifenrecycler Europas hat die Estato Umweltservice GmbH im abgelaufenen Geschäftsjahrrund 7,5MillionenAltreifen verarbeitet. Zunächst prüft das zur A.T.U.-Gruppe gehörende Unternehmen mit Standorten in Weiden und Werl dazu den Zustand des angeliefertenMaterials und die Möglichkeitender Weiterverarbeitung. Es handelt dabei strikt nach den Leitsätzen der Europäischen Union sowie den Vorgaben der Abfallhierarchie, wie Josef Hösl, der operative Geschäftsführer des 100-Mitarbeiter-Unternehmens, verdeutlicht: „Zunächstversuchen wir, das Auftreten von Abfallstoffen generell zu vermeiden. Wenn das nicht funktioniert, verwendenwir sie wiederoderrecycelnsie. Die energetische Verwertung oder die Beseitigung ist immer die letzte Option.“ Die Mitarbeiter prüfen in einer Schicht rund 2500 Reifen auf Größe, Gesamtzustand, Beschädigungen, Traglast, Hersteller- und Geschwindigkeitsbeschränkungen. Rund 40 Prozent der geprüften Reifen können weiterverkauft werden. Abnehmer sind Unternehmen, die die Reifen runderneuern oder als Gebrauchtreifen im Ausland vertreiben. Gummi, Textilfasern und Draht wiedergewinnen Die nicht wiederverwendbaren Pneus gelangen über Förderbänder ineinen mehrstufigen Aufbereitungsprozess. Autoreifen bestehenzuetwa60Prozent aus Gummi, der Rest sind Textilfasern und Metalldraht. Pro Jahr produziert Estato 42 000 Tonnen Gummigranulat, 16 100 Tonnen Textilfasern und 11 900 TonnenStahlreste. Zu Beginn des Recyclings zerreißt ein Schredderdie Reifen in handtellergroße Stücke. Die Messer einer weiteren Maschine –des Tyre Rasper –zerkleinern das Material anschließend soweit, dass sich auf einem Rüttelband die kleinen Gummistücke vomMetall trennenkönnen. Es folgen weitere Schritte einerReinigungs- und Siebtechnologie, wobei die Textilresteabgesaugt werden. Führend in der Reifendraht-Nachreinigung Erst vorkurzem hat Estato seinedritte Reifendraht-Reinigungsanlage in Betrieb genommen und ist damit der größte Recycler von aus Altreifen gewonnenem Reifendraht. „Im Jahr 2006 haben wir unsereerste Reifendraht-Reinigung installiert. Mit unseren neuen Maschinen können wir nun die Stahlresteweiterveredeln“,sagt Hösl. DieGeräte reduzieren, nach Unternehmens- 38 UmweltMagazin Januar/Februar 2014

Bilder (3): A.T.U. Beim Reifen-Recycling sorgt moderne Anlagentechnik für hohe Produktqualität. Ausgangsmaterial für neue Produkte: Aus Altreifen gewonnenes Gummigranulat angaben, den Verunreinigungsgrad des Reifendrahts auf unterdreiProzent. Vor der Einführung der Reifendraht- Nachreinigung betrug der am Metall anhaftende Restanteil an Gummi- und Textilfasern über 20 Prozent. DiesesMaterial konnte im Handel nur als „Mischschrott“ abgesetztwerden. Direkt in die Metallindustrie Die am Ende desneuen Recyclingprozessesvorliegenden, knappeinenZentimeter langen, sauberen Metallfäden hingegen haben eine Qualität, die von der Stahlindustrie auf der zweitbesten Stufe auf einer Skala von eins bis acht eingeordnet wird. In naher Zukunft strebt Estato sogar den besten Produktstatus „Reineisen“ an. Die Nachfrage nachsauberem Reifendraht isthoch. So setzt ihn die Metallindustrie ohne weitere Aufbereitung als Roheisenersatz ein. Pro Tonne Draht erhält die Estato Umweltservice GmbH einen dreistelligen Betrag. Im Gegensatz zum Reifendraht erfordert das beim Recycling gewonnene Gummi keine aufwändigeNachbearbeitung. Weiterverarbeitende Unternehmen der Gummiindustrie produzieren aus dem Granulat mit einer Korngröße von 2 Millimetern zum Beispiel Fallschutzplatten für Kinderspielplätze. DasMaterial landetzudem in Bitumendachabdeckungen, lärmschluckenden Unterlagen für Bahnübergänge und Schienenbetten, in Laufbahnen beim Sportstättenbau oder inSchutzmatten fürdie Tierhaltung. Unterm Strich ist das Altreifenrecycling für Estato Umweltservice ein gutes Geschäft, das in Zukunft noch ausgebaut werden soll.Das Marktpotenzial istinvielerlei Hinsicht groß: Zum einen wird knapp die Hälfte aller Altreifen in Deutschland nach wie vor verbrannt, um daraus Energie zu erzeugen–vor allem in Zementwerken. „Damit werden aber wichtige Rohstoffeverschwendet“, sagt Alexander Prokein, der bei Estato fürdas Controlling, das Qualitätsmanagement und die Betriebsleitung zuständig ist. Zum anderen haben die beiden RecyclingwerkeinWeidenund am zweiten Standort im westfälischen Werl nochfreie Kapazitäten. Fremdanteil soll steigen Momentan machen die Altreifen, die in den A.T.U-Filialen gewechselt wurden, rund ein Viertel der Aufträge aus. „Durch Verträge mit Reverse Logistic- Partnern, die für das Reststoffmanagement anderer Unternehmen sorgen, verwerten wir die Reifen mehrerer großer deutscher Fahrzeughersteller. Das waren allein 380 000 Stück imvergangenen Geschäftsjahr“, berichtet Prokein. „Wir wollenden Fremdanteil aber weitersteigern.“ Auch in anderen Recyclingbereichen sieht das Unternehmen Potenzial. Der A.T.U-interne Logistikprozessbildetdafür den Grundstock: Auf jeder Lieferfahrt zu denrund 650Filialen fährtder unternehmenseigene Lkw nicht leer zurück, sondern lädt die Abfälle gleich wieder auf. BeiEstatowirddas Material in verschiedene Bereiche desRecyclingwerks gebracht. An unterschiedlichen Stationen werden Ölfilter klein geschnitten und in die Einzelteile Metall, Filterpapier und Ölreste getrennt, Verpackungsmaterialien, wie Pappe oder Folien, werden sortiert und gebündelt. Altöl, Brems- und Kühlflüssigkeiten kommen zu externen Partnerfirmen, Altbatterien zu einem Bleirecyclingwerk.„DieWiederverwertungsquote ist dementsprechend hoch“, sagt Josef Hösl. „Wir produzieren aus 95 Prozent der Reststoffe etwas Werthaltiges –für die Umwelt und für unser Unternehmen.“ Estato arbeitet eng mit dem TÜV Süd zusammen, ist zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb und wurde für den nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen als Gründungsmitglied im Umweltpakt Bayern prämiert. Markus Meißner, A.T.UAuto-Teile-Unger Handels GmbH &Co. KG, Weiden, markus.meissner@de.atu.eu UmweltMagazin Januar/Februar 2014 39

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