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1/2 | 2014

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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Luft/Lärm Im Jahr 2010 beliefen sich die weltweiten Treibhausgasemissionen auf geschätzte 50,1 Gigatonnen Kohlendioxidäquivalente. Das bedeutet eine Steigerung um mehr als 30 Prozent imVergleich zu 1990. Allerdings: Bis zum Jahr 2050 muss der Treibhausgasausstoß mindestens halbiert werden, damit die globale Mitteltemperatur nicht weiter als maximal 2°C gegenüber vorindustriellen Werten ansteigt. Bild: UNclimatechange Herausforderungen für den Klimaschutz Dr. Jürgen Landgrebe und Dr. Klaus Müschen Inder „Klima-Roadmap 2050“ formulierte dieEuropäische Kommission ein Treibhausgas-Minderungsziel vonminus 80 bis minus95 ProzentbiszumJahr2050 im Vergleich zu1990. Die realen Treibhausgas-Emissionen derEU27sind zwar seit dem Kyoto-Basisjahr 1990 bis heute deutlich gesunken, allein mit den bisher beschlossenen Maßnahmen können die Reduktionsziele bis2050aber nicht realisiertwerden. Auch die deutsche Bundesregierung hat sich mit dem Energiekonzept anspruchsvolle nationale Klimaschutzziele gesetzt: Deutschland willseine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent und schrittweise weiter reduzieren,2050sollen dann80bis 95 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werdenals 1990. Im Jahr 2012 wurden insgesamt etwa 940 Millionen Tonnen (t) Treibhausgase in Deutschland freigesetzt. Damit lagen dieEmissionenum309 Millionentoder 25 Prozent unter dem Niveau des Jahres 1990. Die aus dem Kyoto-Protokoll übernommenen Verpflichtungen hat DeutschlandzwarinderSummederJahre 2008bis 2012 um 159Millionentübererfüllt, seit 2011steigen die Emissionen jedoch wieder an.Ursache istinersterLinie die verstärkte Nutzung fossiler kohlenstoffreicher Energieträger, die durch den gegenwärtig schwachen Emissionshandel nicht aufgefangen werden konnte. Ohne Korrekturen im Emissionshandel istdas Erreichender nationalenZiele für Deutschland nicht oder nur zu höheren Kosten möglich, da bei unzureichenden Emissionsbegrenzungen im Emissionshandel mehr Minderungen in denNicht- ETS-Sektoren erfolgen müssten, um das Gesamtziel zu erreichen. In diesen SektorensinddieVermeidungskostenaberzum Teil höherals in denETS-Sektoren. Übersättigter Kohlenstoffmarkt Bisherhat dieStaatengemeinschaftdie Minderungsschritte viel zu unambitioniert festgelegt. InFolge ist der Kohlenstoffmarktwegen derzugroßzügigenAusstattung und dergeringen Nachfrage wegen der Finanz-und Wirtschaftskrise seit 2009 weit übersättigt. Seit Ende 2011 liegen diePreisefür eine Emissionsberechtigung (EUA)dauerhaft unter 10 Euro.Die Situation wirdverschärftdurch das Überangebot von Zertifikaten aus Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern (CER) undaus dergemeinsamen Projektumsetzung in Industriestaaten (ERU),die teilweise auch ökologisch umstritten sind.Die Überschüsse im EU-ETS werden vonder Europäischen Kommission zu Beginn der 3. Handelsperiode (2013 bis 2020) auf rund 2 Milliarden EUA geschätzt. Dies entspricht ungefähr dem Budgetfür ein Jahr der3.Handelsperiode. Mithin ruhenauf denRegisterkonten der emissionshandelspflichtigen Anlagenbetreiber in Europa Guthaben, diesie für ihre Abgabepflichten absehbar nicht benötigen undals „ökologischen Rucksack“ möglicherweise bisweitindie 20er Jahre hinein tragen werden. Somit wird ambitionierter Klimaschutz in Europa verhindert, denn bei gegenwärtigen anhaltend niedrigen Börsenpreisen besteht kein ausreichendes Preissignalfür dringendbenötigte langfristige Investitionen in moderne und effiziente Klimaschutztechnologiensowohl im Energie- alsauchIndustriesektor. Die EUkönnte jedoch ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um30Prozent mindern, wenn die Obergrenzen des Emissionshandels über einen Zeitraum von fünf Jahren um rund 1,6Milliarden Emissionsberechtigungen gesenkt würden (zum Vergleich: Die Überschüsse aus der zweitenHandelsperiode belaufen sich auf 1,7 Milliarden). Aber auch eine Verschärfung deslinearen Kürzungsfaktors auf mindestens 2,5 Prozent ab 2020 wäre geeignet, um auf den langfristigen Minderungspfad der Klima- Roadmap bis 2050 zugelangen. Zusätzlich dazu sollte auch bei diesem Ansatz ein wesentlicher Teil der Überschüsse dauerhaftgelöschtwerden. Nurdurch die Festlegung verbindlicher, anspruchsvollerEmissionsminderungszielekannwirksamer Klimaschutz realisiert werden. 44 UmweltMagazin Januar/Februar 2014

Datenstand: 11/2013 2012 2011 2020 Treibhausgasemissionen Treibhausgasemissionen (gegenüber 1990) Erneuerbare Energien 2030 2040 2050 -25,50% -26,70% -40% -55% -70% -80% bis -95% Anteil am Bruttostromverbrauch 23,50% 20,40% mindestens 35% mindestens 50% mindestens 65% mindestens 80% Anteil am Bruttoendenergieverbrauch 12,70% 11,60% 18% 30% 45% 60% Effizienz Primärenergieverbrauch (gegenüber -4,30% 2008) -5,40% -20% -50% Bruttostromverbrauch (gegenüber 2008) -200% -1,80% -10% -25% Anteil der Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung Erhöhung der Endenergieproduktivität Gebäudebestand 16,6% -2011 1,1% pro Jahr (2008-2012) 16,60% 25% - 1,70% 2,1% pro Jahr (2008-2050) Primärenergiebedarf - - - in der Größenordnung von - 80% Wärmebedarf - - -20% - Sanierungsrate rund 1% pro Jahr 1,00% Verdopplung auf 2% pro Jahr Verkehrsbereich Endenergieverbrauch (gegenüber 2005) -0,60% -0,70% -10% -40% Anzahl Elektrofahrzeuge ca. 11 000 Ca. 6.600 1 Million 6 Millionen - 2050 Tabelle: Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt Effizientere Energienutzung Neben den Emissionsminderungszielen hat die Bundesregierung im Energiekonzept weitere energiepolitische Ziele formuliert: den Atomausstieg bis 2022, dazu Ziele im Bereich der Erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. Das Energiekonzept soll Deutschland mit wettbewerbsfähigen Energiepreisen und hohem Wohlstandsniveau zueiner der energieeffizientesten und umweltschonendsten Volkswirtschaftender Welt entwickeln. DieTabelle zeigt anhand der Datenaus demMonitoringbericht „Energie der Zukunft“ der Bundesregierung den Zielerreichungsgrad für verschiedene Ziele aus dem Energiekonzept. Eine besondere Herausforderung stellen die Energieeffizienzziele dar. Die effizientere Energienutzung ist für dieEnergiewende vonbesondererBedeutung.Sokönnen steigende Energiepreise ausgeglichen und der Ausbaubedarf für Erneuerbare Energien und Stromnetze verringert werden. Regulierungsansätze wären etwa eine verpflichtende Einführung von Energiemanagementsystemen füralle im Energiebereich subventionierten Unternehmen, verbunden mit einer Pflicht, alle rentablen Energieeffizienzmaßnahmen durchzuführen oder die Entwicklung eines wirksamen Sanierungsfahrplans für Gebäude, der bestehende Instrumente sinnvoll zusammenführt und ergänzt (Ordnungsrecht, Förderprogramme, Mietrecht). Beider Weiterentwicklung desErneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sollten die Kosten der Energiewende durch den Abbau derAusnahmeregelungen fürdie Industriegerechterverteilt und dieStromerzeugung aus Erneuerbaren Energien durch verpflichtende, gleitende Marktprämien stärkeramMarkt orientiertwerden. Die Biomasseförderung sollte auf Rest- und Abfallstoffe beschränkt sein, und dieWindenergie aufSee nur langsam und bedarfsgerecht ausgebaut werden. ErneuerbareEnergien tragenwegen ihrer niedrigen variablen Kosten zu einem Rückgangder Börsenpreise fürStrom bei; zugleich wird langfristig die Auslastung fossilerKraftwerkesinken.Diese Situation erfordertveränderte Marktregeln für den Strommarkt. Das schließt Änderungen beider Vergütung Erneuerbarer Energien mitein. Ausbau des Stromnetzes nötig Ein wachsender Anteil Erneuerbarer Energien an der Energieversorgungerfordert auch Anpassungen derEnergieinfrastruktur. So muss das Stromnetz ausgebautwerden. Ausbaubedarfund Prioritäten beim Netzausbau sind im Netzentwicklungsplan für Deutschland festgeschrieben. Erneuerbare Energien müssen zukünftig zu den Systemdienstleistungen für dieAbsicherungder Stromversorgungbeitragen. Mit derSystemdienstleistungsverordnung Wind gibt es dafür nun eine erstegesetzliche Grundlage. Potenziale fürregelbareLastenmüssen stärkererschlossenwerden.Einebundesweite Verordnung wird dafür in Kürze den rechtlichenRahmenschaffen.Auchdie Stromeinspeisung aus fossil betriebenen Kraftwerken muss besser regelbar werden. Diese Flexibilisierung bei Stromerzeugung und -verbrauch trägt dazu bei, den Bedarf ankostenintensiven Energiespeichern zu minimieren und negativen Strompreisen an den Strombörsen entgegenzuwirken. Dr. Jürgen Landgrebe, Dr. Klaus Müschen, Deutsche Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt, Berlin, emissionshandel@dehst.de; Dr. Klaus Müschen, Umweltbundesamt, Dessau; I2@uba.de UmweltMagazin Januar/Februar 2014 45

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