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1/2 | 2014

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Entwicklung der

Entwicklung der Organisation genau bestimmt werden. Ausdem Ergebnis desBenchmarkings in Verbindung mit der Organisationsstrategie lässt sich eine ganzheitliche Perspektive für die weitere nachhaltige Entwicklung ableiten. Grafik: GUTcert Geeignete Managementsysteme Eine Analyse der gängigen Managementsysteme für Qualität, Umweltschutz und Arbeitssicherheit hat gezeigt: Ein Umweltmanagement nach ISO 14001inVerbindung mit einemGesundheits- und Sicherheitsmanagement nach OHSAS18001 isteine solide Grundlage für wirksames Nachhaltigkeitsmanagement. Unternehmen, die diese Systeme nutzen, setzen sich bereits mit 44 Prozent der Indikatoren zur nachhaltigen Entwicklung vollständig beziehungsweise überwiegend auseinander. Weitere 21 Prozent der Indikatoren werden zumindest inihrer Systematik angesprochen. Ein Qualitätsmanagement steuert zudem zwar wenige, aber wichtige Indikatoren bei, die zum Themenbereich der wirtschaftlichen Sicherung gehören. Werden alle drei Managementsysteme integriert verfolgt, decken sie knapp die Hälfte (49 Prozent) der Indikatoren vollständig oder überwiegend ab und insgesamt 80 Prozent teilweise. Der tatsächliche Prozentsatz hängt allerdings stark von der internen Umsetzung desSystems ab. Vollständig beziehungsweise überwiegend abgebildet werden bei kompletter Integration aller drei SystemansätzeIndikatoren: 7 zur Formulierung und Implementierung einerStrategie, 7 zur internen und teilweise externenKommunikation, 7 zum strategischen Umweltschutz sowie Teilen des produktbezogenen Umweltschutzes, NachhaltigeEntwicklung alsGrundlage fürMessbarkeit? Aufgegriffene Indikatoren (unabhängig von deren Abbildungstiefe des PDCA Zyklus) 7 zu umweltfreundlichenund sicheren Produkten und Produktion, 7 zurSicherheitund Gesundheitsförderung derMitarbeitersowie 7 zur wirtschaftlichen Sicherung wie derFinanz-beziehungsweise Unternehmensplanung und der Analyse der Kundenbeziehungen. Nichtvon den Managementsystemen abgedeckte Themensind vorallem: 7 die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens, 7 das „soziale Verhalten“ einer Organisation im Sinne der Corporate Responsibility, 7 die sozialenAspekte der Produkte und der Produktion sowie 7 effizientes und soziales Personalmanagement. Diese lassen sich schrittweise in eine gelebte Managementstruktur einbinden –vor allem wenn UM und OHSAS integriert sind. Nachhaltige Entwicklung zertifizieren? Ein Zertifikat „Nachhaltiges Unternehmen“, umsein Engagement gegenüber der Öffentlichkeit nachzuweisen, istnicht denkbar:Nachhaltigkeitals statische Eigenschaftgibtesnicht. Istaber wenigstens die deshalb definierte nachhaltige Entwicklung zertifizierbar? Eine Zertifizierung ist der Nachweis, dass festgelegte Anforderungen erfüllt werden. Sie setzt einen Satz anerkannter, messbarer Zustände voraus. Für nachhaltige Entwicklung gibtesbislang Im Gegensatz zu Qualität, Umweltschutz oder Sicherheit bestehen weltweit unterschiedliche Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung. Esgibt einige Versuche, sich per Definition dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung zu nähern. Umfestzulegen, was das heute ist, müsste messbar sein, was die Bedürfnisse heutiger Generationen weltweit sind, wie diese befriedigt werden können und welche Bedürfnisse zukünftige Generationen haben. Ferner sollte die dauerhafte Aufnahmefähigkeit der Natur für alle Schadstoffarten genau bekannt sein, umderen Emission sicher zubegrenzen. Allein diese Ansätze machen deutlich, dass es praktisch unmöglich ist, ein Soll zu definieren, denn es besteht darüber weder internationaler noch nationaler Konsens. jedoch keinen international verbindlichen Maßstab, keine „messbaren Standards“. Da es demnach aber kein Soll gibt, kann auch dessen Erfüllung nicht bestätigt (zertifiziert) werden. Nur ein internationaler Konsens, welches operationalisierbare Mindestverhalten für eine nachhaltige Entwicklung zu fordern ist, könnte Basis für eine Zertifizierung sein. Ein Nachhaltigkeitsaudit kann also lediglich die Funktionsfähigkeit eines Managementsystems prüfen, das wesentlicheIndikatoren nachhaltiger Entwicklung aufgreift. Es setztkeinenMaßstab für die nachhaltige Entwicklung selbst. Einige europäische Normen zur nachhaltigen Entwicklung lassen trotzdem eine Zertifizierung –letztlich des Managements –bestimmter Forderungen zu (Österreichische Norm “ONR 19250“ oder Spanische Norm “SR 10“). DieNachfrage istjedochgering. Fazit Organisationen, die sich nachhaltig entwickeln wollen, kommen aneiner Systematik zur kontinuierlichen Verbesserung nicht vorbei. Integrierte Managementsysteme, speziell UM und OHSAS, sind eine gute Basis, um ein Nachhaltigkeitsmanagement einzuführenund auszubauen. Es ist essinnvoll und unkompliziert, ein bestehendes integriertes Managementsystem um die wesentlichen Aspekte der nachhaltigen Entwicklung zu erweitern. Die kontinuierliche Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung erfolgt dann auf Basis desPDCA-Zyklus, der das Lernverhalten einer Organisation abbildet.Schritt für Schritt kann so ein Nachhaltigkeitsmanagement etabliert werden, das vom gesamten Unternehmengetragenwird. Prof. Jan Uwe Lieback, Susanne Moosmann und Yulia Felker, GUT Certifizierungsgesellschaft mbH, Umweltgutachter, Berlin, info@gut-cert.de UmweltMagazin Januar/Februar 2014 47

TECHNIK UND MANAGEMENT Recht Bild: Rainer Sturm/Pixelio Das Endeder Netzentgeltbefreiung für stromintensive Letztverbraucher Seit dem 22. August 2013 gilt die vollständige Befreiung von Netznutzungsentgelten für stromintensive Unternehmen nach §19Abs. 2S.2Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) nicht mehr. Stattdessen gibt esnun eine gestaffelte Regelung zur Netzentgeltreduzierung –seit dem 1.Januar dieses Jahres sind weitere wichtige Änderungen in Kraft. Dieser Artikel wirft einen Blick auf die für viele Industrieunternehmen höchst relevanten Neuerungen bei der Netzentgeltberechnung. Jochen Kuck Netznutzungsentgelte sind imliberalisierten Energiemarkt Entgelte, die Strom- und Gasnetzbetreiber fürdie Netznutzung zurNetzdurchleitung von den Netznutzern erheben. Sie machen etwa 20 Prozent und damit einennicht unerheblichen Anteil des Strompreises aus. Stromintensive Letztverbraucher hingegen konnten sich seit dem Jahr 2011 nach§19Abs.2S. 2StromNEV bei einer Stromabnahme aus dem Netz der allgemeinen Versorgung für den eigenen Verbrauch aneiner Abnahmestelle vonmindestens 7000 Benutzungsstunden und einemStromverbrauchandieser Abnahmestelle von 10 Gigawattstunden vollständig von der Netzentgeltzahlung befreien lassen. Diese vollständige Befreiung ist jedoch nun Geschichte.Dennseitdem 22. August 2013 wurde die vollständige Netzentgeltbefreiung durch eine gestaffelte Netzentgeltregelung ersetzt. Seitdem galt bis Ende vergangenen Jahres, bezogen auf das allgemeine Netzentgelt, eine feste Reduzierung der Netzentgeltpflicht nach folgenderStaffelung: 7 ab 7000 Benutzungsstunden auf 20 Prozent, 7 ab 7500 Benutzungsstunden auf 15 Prozent und 7 ab 8000 Benutzungsstunden auf 10 Prozent. Diese Staffelung berücksichtigt, dass der positive Beitrag für das Netz umso höher ist, jegrößer der Verbrauch und gleichmäßiger die Abnahme durch den Verbraucher sind. Hintergrund der Änderungen Hintergrund der Änderungen dieser auchpolitisch sehr umstrittenenBefreiung war insbesondere der Umstand, dass die EU-Kommission ein formelles Prüfverfahren eingeleitet hat und sich in diesem Zusammenhang dahingehend geäußert hatte,die vollständige Netzentgeltbefreiung sei als wettbewerbsverzerrende und daher europarechtlich unzulässige Beihilfe anzusehen. Zudem hat das Oberlandesgericht Düsseldorf die Regelung des §19 Abs. 2 StromNEV zur Netzentgeltbefreiung in mehreren Beschlüssen unter anderem wegen fehlender Ermächtigungsgrundlage als rechtswidrig erachtet. Die Bundesregierung sieht aber in denVergünstigungen für stromintensive Unternehmen eine zulässige Gegenleistung für denBeitrag zurNetzstabilität und daher hierin keine unzulässige Beihilfe. Umstritten ist in diesem Zusammenhang insbesondere, obessich bei den Vergünstigungenumstaatliche Mittelhandelt. DieBundesregierung bezweckt mit den Änderungen nach offizieller Verlautbarung, derVerbrauchergruppe der stromintensiven Verbraucher eine stabile Grundlage für die Kalkulation der Energiekosten zu geben sowie Planungs- und Rechtssicherheit herzustellen. Neuerungen ab 2014 Seit Anfang dieses Jahres gelten weitere Neuerungen. Die seit August 2013 geltende gestaffelte,feste Netzentgeltreduzierung weicht einer Regelung, die eine Grenze der Netzentgeltermäßi- 48 UmweltMagazin Januar/Februar 2014

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