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1/2 | 2015

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Special Kreislaufwirtschaft/Recycling Wenn es darum geht, beim Thema Lebensmittelkauf die Umwelt zu schonen, sehen rund vier von fünf Deutschen (79 Prozent) die Industrie in der Pflicht. Die Skepsis, ob die Unternehmen ihrer Verantwortung nachkommen, ist allerdings groß: Nur 14 Prozent der deutschen Konsumenten vertrauen darauf, dass die Lebensmittelindustrie die Umweltbelastung gering hält. So das Ergebnis einer Umfrage [1], die das Marktforschungsinstitut forsa im Auftrag des vzbv (Verbraucherzentrale Bundesverband) durchgeführt hat. Effektiver Stoffkreislauf durch umweltverträglichere Verpackungen Dr. Heike Schiffler Unternehmen der gesamten Lebensmittelbranche reagieren auf diese Entwicklung mit neuen und immer umweltgerechteren Produkten. Ein aktuelles Beispiel dafür liefert Tetra Pak. Der weltweit führende Anbieter von Verarbeitungs- und Verpackungslösungen für Lebensmittel bringt als erstes Unternehmen einen Getränkekarton auf den Markt, dessen Verpackungsmaterial zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht – aus Holz und Zuckerrohr. Die Innovation: Biopolymere aus Zuckerrohr Hauptbestandteil der Verpackung aus der Tetra Rex-Familie für Frischeprodukte bleibt Rohkarton aus Holz, das durch den Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert wird und aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern stammt. Für den Verschluss und die Beschichtung, die dafür sorgt, dass keine Feuchtigkeit, Sauerstoff und Licht in die Verpackungen eindringen, verwendet Tetra Pak nun erstmals nicht herkömmliche Kunststoffe, sondern Biopolymere. Basis ist Zuckerrohr, das nach der Ernte zunächst zerkleinert und ausgepresst wird. Den gewonnenen Saft fermentieren und destillieren Ingenieure danach in einem komplexen technischen Verfahren zu Ethanol. Dieses wird anschließend zu Ethylen umgewandelt und zu Polyethylen hoher und niedriger Dichte polymerisiert. Der Vorteil für Verbraucher, Lebensmittelhersteller und Handel: Die so erzeugten Biopolymere sind genauso robust, widerstandsfähig und recycelbar wie Kunststoffe, die aus endlichen Rohstoffen hergestellt werden. Die Voraussetzung: Partner mit Expertise Die neue Verpackung wird ab Frühjahr 2015 der abfüllenden Industrie angeboten. Sie ist ein Meilenstein der Entwicklungsarbeit von Tetra Pak auf dem Weg zu vollständig aus erneuerbaren Rohstoffen bestehenden Verpackungsmaterialien. Bereits 2011 führte das Unternehmen als erster Hersteller weltweit einen Verschluss aus Biokunststoff ein. Im vergangenen Jahr startete Tetra Pak in Südamerika darüber hinaus ein Pilotprojekt, bei dem für alle in Brasilien produzierten Verpackungen ausschließlich bio-basiertes Low-Density Polyethylen für die Beschichtung eingesetzt wurde. Heute werden die rund 13 Milliarden Verpackungen, die Tetra Pak in dem südamerikanischen Staat pro Jahr herstellt, zu bis zu 82 Prozent aus Materialien aus erneuerbaren Quellen produziert. Damit Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie ihre Anstrengungen für mehr Umweltfreundlichkeit zum Erfolg führen können, sind sie entlang der gesamten Prozesskette auf die Mitarbeit und das Know-how von erfahrenen Experten angewiesen. Tetra Pak zum Beispiel kooperiert bei der Implementierung von Biokunstoffen mit verschiedenen strategischen Partnern. So gewährleistet das Zertifizierungsunternehmen Bonsucro die Einhaltung strenger Nachhaltigkeitskriterien beim für die Produktion notwendigen Zuckerrohranbau und garantiert, dass die Rohstoffe ausschließlich von brasilianischen Plantagen stammen, die diese Richtwerte erfüllen. Bonsucro ist aus der „Initiative für besseres Zuckerrohr“ hervorgegangen. Die ehemalige Stakeholder-Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, die gesellschaftlichen und umwelttechnischen Auswirkungen der Zuckerrohrproduktion zu verbessern. Auch bei der Verarbeitung nutzt Tetra Pak die Expertise eines strategischen Joint Ventures und kooperiert mit dem brasilianischen Unternehmen Braskem S.A., dem führenden lateinamerikanischen Hersteller von Biokunststoffen. Braskem steuert die komplexen technischen Prozesse, die zur Umwandlung der Zuckerrohr-Derivate in Biopolymere notwendig sind. Bei der Auswahl des Herstellers waren Tetra Pak nicht nur das technische Know-how, sondern auch die im Code of Conduct festgehalten Unternehmenswerte wichtig. Darin verpflichtet sich Braskem zum Beispiel dazu, nur mit Lieferanten zusammenzuarbeiten, die hohe Sozial- und Umweltstandards einhalten. Die Umsetzung seiner freiwilligen Code of Conduct-Prinzi- 12 UmweltMagazin Januar - Februar 2015

pien lässt Braskem mehrfach im Jahr von unabhängigen Auditoren überprüfen. Das Ziel: neue Lösungen für mehr Umweltschutz An anderen Stellen der Wertschöpfungskette öffnen sich der Lebensmittelbranche ebenfalls Spielräume, um dem Wunsch der Konsumenten nach mehr Unternehmensverantwortung in punkto Umweltschutz nachzukommen. Blickt man auf das Verpackungssegment, sind hier in den vergangenen Jahren beachtliche Fortschritte erzielt worden. Hersteller wie Tetra Pak achten bei allen Produktionsstufen auf Umweltschutz – zum Beispiel durch die Nutzung regenerativ erzeugten Stroms oder durch den Aufbau einer Klima schonenden Logistik. Auch das Recycling von Getränkekartons wird von Tetra Pak weltweit voran- Literatur [1] Repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des vzbz (Verbraucherzentrale Bundesverband) von Januar 2014 zur Internationalen Grünen Woche getrieben. Wegen des hohen Papieranteils und der guten Faserqualität sind gebrauchte Getränkekartons auf den internationalen Sekundärrohstoffmärkten ohnehin schon lange sehr gefragt. Das Bilder: Tetra Pak Verpackung aus vollständig erneuerbarem Material Unternehmen will bis 2020 weltweit rund 40 Prozent seiner in die Märkte gebrachten Getränkeverpackungen einem Recycling zuführen. Fazit Die eingangs erwähnte Studie des vzbv bestätigt einen gesellschaftlichen Trend, der schon länger anhält. Moderne Verbraucher wollen nachhaltig konsumieren und die Natur für künftige Generationen möglichst intakt halten. Sie sehen die Unternehmen in der Pflicht, um den Lebensmittelkonsum in Deutschland nachhaltiger und umweltverträglicher zu gestalten – und stehen innovativen Lösungen offen gegenüber. In diesem Sinne werden langfristig nur ökologisch sensibel agierende Unternehmen ökonomisch erfolgreich sein können. Spielräume und Lösungen sind da. Nun gilt es, diese im Sinne echter Unternehmensverantwortung zu nutzen und in der Praxis umzusetzen. Dr. Heike Schiffler, Tetra Pak GmbH & Co KG, Hochheim, heike.schiffler@tetrapak.com Energy. Welche Technologien sichern die Energieversorgung? Partner Country India 2015 Antworten finden Sie zuerst auf der Energy: ■ Dezentrale Energieversorgungskonzepte ■ Effizienzsteigerung und Versorgungssicherheit ■ Neue Speichertechnologien und Smart Grids 13.– 17. April 2015 ▪ Hannover ▪ Germany hannovermesse.de

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