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1/2 | 2015

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Special Kreislaufwirtschaft/Recycling Die Idealform des Recyclings ist die Kreislaufwirtschaft. Dabei werden die Rohstoffe über den Lebenszyklus eines Produktes hinaus wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgeführt. Mit dem Sammeln und Recycling von Blei-Säure-Fahrzeug- und Industriebatterien gehört die Berzelius Gruppe zu den Vorreitern der Kreislaufwirtschaft. Sie recycelt in ihren beiden Sekundärhütten umwelt- und ressourcenschonend jährlich mehr als 100 000 Tonnen verbrauchte Altbatterien. Fast alle darin enthaltenen Materialien, neben Blei auch Kunststoffe und Säure, werden aufbereitet und dem Stoffkreislauf wieder zugeführt. Mit moderner, umweltfreundlicher Technik und umfangreichem Know-how erreicht Berzelius eine Recycling- Effizienz von über 90 Prozent. Batterieanlieferung: Bundesweit werden die Blei-Säure Batterien eingesammelt und zum Recycling in die Berzelius-Betriebe geliefert. Batterierecycling auf höchstem Niveau Hermann Josef Pilgram Berzelius erfüllt drei wichtige Voraussetzungen, die für einen geschlossenen Recyclingkreislauf von Blei-Säure- Batterien wichtig sind: > Erstens hat das Unternehmen als gewerblicher Altbatterieentsorger eine effiziente Logistik aufgebaut, um bundesweit Altbatterien zu sammeln. > Zweites nutzt es in seinen auf das Bleiund Kunststoffrecycling spezialisierten Sekundärhütten-Verfahren, die die Altbatterien so behandeln und recyceln, dass die in ihnen enthaltenen Metalle umfassend wieder verwertet werden können. > Drittens werden im Recycling-Prozess auch alle anderen Bestandteile der Altbatterien wie zum Beispiel Polypropylen wiederverwertet und können als Sekundärrohstoffe genutzt werden. Zusammensetzung einer herkömmlichen Starterbatterie > 55 Prozent Bleipaste > 26 Prozent Gittermetall > 10,5 Prozent Säure > 5 Prozent Polypropylen > 3,5 Prozent Kunststoffrestfraktionen Flächendeckende effiziente Logistik Die Berzelius Logistik Service GmbH (BLS) ist im Berzelius Unternehmensverbund der Spezialist für das Erfassen, Sammeln und den Transport von Fahrzeug- und Industriebatterien. Neben dem Hauptsitz in Braubach hat der Logistiker Betriebsstätten in Freiberg in Sachsen, in Gelsenkirchen, in Kornwestheim und in Regenstauf bei Regensburg. Die Betriebe der BLS sind zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe und „gewerbliche Altbatterieentsorger“. Alle Standorte sind nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) genehmigt und erfüllen die Vorgaben des Qualitätsmanagements gemäß EN ISO 9001ff. Mit rund 30 Spezialfahrzeugen unterschiedlicher Größe, die eigens für die fachgerechte Entsorgung ausgestattet sind, sammelt die BLS die Alt-Batterien bei den Anfallstellen ein. Das sind zum Beispiel Werkstätten, Schrottplätze, Kfz-Händler und Industriebetriebe. Mit einem modernen Transportmanagement- und Telematiksystem, das den Fuhrpark steuert, können die Anforderungen jedes Kunden flexibel und termingerecht erfüllt werden. Sortenreine Trennung Das eigentliche Recycling findet dann in den beiden Sekundärhütten von Berzelius statt: der BSB Recycling GmbH (BSB) in Braubach bei Koblenz und der Muldenhütten Recycling und Umwelttechnik GmbH (MRU) im sächsischen Freiberg. In den Sekundärhütten wird der Akkuschrott in modernen Akku-Aufbereitungsanlagen mit umweltschonenden Technologien verarbeitet. Berzelius nutzt dabei ein vom italienischen Unternehmen Engitec Technologies S.p.A. entwickeltes Verfahren. In den BREF- Dokumenten (Best Available Techniques Reference Document) der Europäischen Union wurde das Engitec-Verfahren als bestes verfügbares Verfahren für das Recycling von Blei-Akkumulatoren genannt. Die Batterien werden zerkleinert und in mehreren Stufen in ihre Bestandteile wie Gittermetall, Bleipaste, Schwefelsäure, Polypropylen (PP) und Kunst- 22 UmweltMagazin Januar - Februar 2015

Das BAYQIK-Verfahren ist eine innovative Entwicklung zur Herstellung von Schwefelsäure. Die Bleibarren werden gewogen, gebündelt und gekennzeichnet, bevor sie für den Transport verladen werden. stoffrestfraktionen separiert. Das sortenreine Material wird dann getrennt weiter verarbeitet. Hohe Verwertungsquoten Blei-Recycling Der Bleianteil der Batterie – im Gittermetall und in der Bleipaste – beträgt rund 60 Prozent. In der Aufbereitungsanlage werden das Gittermetall und die Paste separiert. Die Paste kann zum einen entschwefelt und zum anderen in der zur Unternehmensgruppe gehörenden Primärbleihütte Berzelius Stolberg GmbH (BBH) zu Blei und Schwefelsäure verwertet werden. Das Gittermetall und die entschwefelte Paste werden in Kurztrommelöfen der Sekundärhütten verhüttet und zu Werkblei reduziert. Neben den Altbatterien werden dabei auch Schrotte und Rückstände verarbeitet. Es folgt die Raffination des Werkbleis entsprechend der Kundenspezifikation und das Vergießen. Die so gewonnenen Bleiqualitäten können wieder für die Produktion neuer Fahrzeug- und Industriebatterien eingesetzt werden. Neben der Batterieindustrie stellen auch andere Branchen Produkte mit Blei her. So spielt Blei zum Beispiel im Strahlenschutz eine wichtige Rolle, wird für Dachabdeckungen und Kabelmäntel eingesetzt, für die Produktion von optischen Gläsern und Blei-Kristallglas verwendet und auch in der Solarbranche. Die Nutzung von Recycling-Blei wird unter dem Aspekt der Ressourcenschonung und Ressourcensicherung immer wichtiger. Polypropylen Ein weiterer wertvoller Bestandteil der Batterien ist das Polypropylen (PP), aus dem das Batteriegehäuse besteht. PP macht rund 5 Prozent des Gewichtsanteils einer Batterie aus. Beim Trennen in der Akku-Aufbereitungsanlage entstehen PP-Chips. Nach der Absonderung vom restlichen Material werden diese in einer Mahlgutanlage weiter zerkleinert. Dabei werden auch andere recycelbare PP-Materialien hinzugefügt, zum Beispiel Flaschenverschlüsse. Eine Compoundieranlage verarbeitet das Material anschließend zu PP-Compounds. Die an den Standorten Braubach und Freiberg im Recycling hergestellten PP- Compounds tragen den Markenamen Seculene. Ein Hauptabnehmer dieses Materials ist die Automobilzulieferindustrie. Die Verwertungsquote von Blei-Säure-Akkus in Deutschland erreicht fast 100 Prozent. Aktuelle Zahlen veröffentlichte das Bundesumweltamt im Oktober 2014: Im Jahr 2013 wurden 163 401 t Fahrzeug-Altbatterien einer stofflichen Verwertung zugeführt. Gegenüber 2012 sind das 8 Prozent beziehungsweise 12 544 t mehr. Damit stieg die Verwertungsquote für Fahrzeug-Altbatterien von 98 Prozent in 2012 auf 99 Prozent in 2013. Bei Industrie-Altbatterien wuchs die Menge der stofflich verwerteten Blei-Säure-Batterien von 30 736 t in 2012 auf 44 275 t in 2013. Die Verwertungsquote erreichte 2012 und 2013 jeweils 96 Prozent. Die durchschnittliche Recycling-Effizienz aller Verwertungsverfahren für Blei-Säure-Batterien betrug 2013 über 90 Prozent. Eines der Recycling-Produkte ist PP-Granulat mit dem Markenname Seculene. Säure und Sulfate und weitere Reststoffe Darüber hinaus enthält die Batterie auch Säure. Diese macht rund 10 Prozent des Gewichtsanteils aus. Sie wird im Prozess ebenfalls abgetrennt, recycelt und dient als Rohstoff für die chemische Industrie. Ein weiteres Recycling-Produkt ist eine Natriumsulfatlösung, die bei der Entschwefelung der Bleipaste entsteht. In einer Kristallisationsanlage wird diese zu wasserfreiem Natriumsulfat verarbeitet, ein Rohstoff für die Glas- und Waschmittelindustrie. Am Ende bleiben nur geringen Reste übrig, überwiegend Kunststoffrestfraktionen (Separatoren). Diese werden zusammen mit anderen Sonderabfällen in der Sonderabfallverbrennungsanlage der MRU Freiberg energetisch verwertet. Ein Teil der dabei entstehenden Wärme dient als Prozesswärme für die Produktion, für Heizung und Warmwasser in den Gebäuden und zur Stromerzeugung. Hermann Josef Pilgram, TEMA AG, Aachen, pilgram@tema.de Bilder: Berzelius UmweltMagazin Januar - Februar 2015 23

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