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1/2 | 2015

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Umwelt 1/2

Umwelt 1/2 2015 Magazin Das Entscheider-Magazin für Technik und Management Wasser/Abwasser Effektive Meerwasserentsalzung S.34 Special: Kreislaufwirtschaft/Recycling S. 12 Wasser/Abwasser Abwassertechnik für anspruchsvolle Aufgaben S.36 Energie/Erneuerbare Energien Effiziente Zerkleinerung für den Biogasprozess S.42 www.umweltmagazin.de

Gastkommentar Abfall recyceln – Chancen verwerten Vom gesteigerten Recyclingbewusstsein in Europa konnte unsere Branche in den zurückliegenden 15 Jahren gut leben: In den Kernländern der EU wird heute ein bedeutender Anteil des Abfalls recycelt. Treiber hierfür waren zum einen immer schon ökonomische Motive, zum Beispiel die Preise für Sekundärmetalle. Zum anderen haben Regierungen durch starke, ökologisch motivierte regulatorische Eingriffe neue Märkte geschaffen. Die Unternehmen unserer Branche haben im Laufe der Jahre einen umfangreichen Maschinenpark entwickelt. Sie machen das Aufbereiten wirtschaftlich – sogar für komplexe Aufgaben wie das umweltfreundliche Zerkleinern von ehemals problematischen Geräten wie beispielsweise Kühlschränken. Doch mittlerweile sind in einigen europäischen Ländern für viele Stoffströme ausreichende Kapazitäten vorhanden, es gibt bereits erste Hinweise auf eine Marktsättigung und gar Überkapazitäten in einzelnen Segmenten. Das Resultat: In angestammten Märkten werden die Auftragseingänge der Hersteller der Anlagen für das Zerkleinern, Trennen und Sortieren für die Kreislaufwirtschaft zurückgehen. Traditionelle Geschäftsmodelle müssen auf den Prüfstand. Neue Chancen bieten sich in zwei Bereichen: erstens in außereuropäischen Ländern, in denen das Umweltbewusstsein zunimmt, und zweitens auch wieder in Europa, wo das technologische Niveau der Recyclingtechnik weiter steigen wird. In Nordamerika, aber auch in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, wird der Wert, der im Abfall steckt, mehr und mehr erkannt. Dort werden in Zukunft viele der Technologien Anwendung finden, die auf einem europäischen Verständnis von Recycling basieren. Aber damit sich auch dort Investitionen ökonomisch rechtfertigen lassen, sind Amortisationszeiten von maximal zwei bis drei Jahren gefragt. Hier können deutsche Hersteller in Führung gehen. Dabei ist zwingend erforderlich, dass sie ihre Technologien den jeweiligen lokalen Gegebenheiten anpassen, zum Beispiel an vorhandene Infrastrukturen, das Lohnniveau, zum Teil einen hohen Anteil an manueller Arbeit, kulturelle Besonderheiten. Das gilt besonders für Schwellenländer. Deutsche Technik hat in einigen Ländern den Ruf des Over-Engineering: exzellente Technik, aber teuer und zu kompliziert. Hier muss umgedacht werden. Gefragt sind kleine, einfach zu handhabende und flexibel einsetzbare Systeme. Wie es gehen kann, zeigt ein Beispiel – das Eco-Impact System für das Recycling von E-Schrott in Schwellenländern, das BHS- Sonthofen aktuell entwickelt hat. Ein Rotorshredder zerkleinert die Geräte, das Sortieren erfolgt jedoch manuell. Das System kann in zwei Containern auf Lkw verladen werden, ist an die lokale Infrastruktur in diesen Ländern angepasst und schafft zudem Arbeitsplätze vor Ort. Doch auch in Europa entsteht aufgrund weiter verschärfter Recyclingziele neuer Bedarf. Hier geht es darum, Prozesse weiter zu verfeinern. Ein Beispiel ist die EG-Richtlinie zur Verwertung von Altfahrzeugen. Sie schreibt vor, dass ab dem Jahr 2015 95 Prozent allen Materials aus Altfahrzeugen wiederverwendet oder recycelt werden muss. Dies bedeutet, dass die Shredderrestfraktionen immer weiter aufbereitet werden müssen. Ein weiteres Beispiel ist die Aufbereitung von Kühlgeräten. Die Anforderungen des European Committee for Electrotechnical Standardization (CENELEC) für Kühlgeräte werden strenger. Hier ist der neue IC-Prozess von BHS-Sonthofen ein Schritt in die richtige Richtung: Die im Prozess zurückgewonnenen Kühl- und Treibmittel werden vollständig in harmlose Substanzen umgewandelt. Die Quintessenz: Die Branche steht vor der Herausforderung, einfache und kostengünstige Lösungen für rein ökonomisch motivierte Investitionen in aufstrebenden Ländern zu erarbeiten und gleichzeitig mit innovativen Systemen den weiter steigenden ökologischen Zielen in Europa gerecht zu werden. Dies erfordert Investitionen in die Zukunft. Wer sich hier nicht bewegt, wird verlieren. Die Konsolidierung der Branche hat bereits begonnen. Dennis Kemmann, Sprecher der Geschäftsführung der BHS-Sonthofen GmbH, Sonthofen „Besonders in Schwellenländern müssen deutsche Hersteller ihre Technologien den jeweiligen lokalen Gegebenheiten anpassen.“ UmweltMagazin Januar - Februar 2015 3

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