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Technik und Management

Technik und Management Wasser/Abwasser Wie bei allen Abwässern fordert das WHG auch bei der Einleitung von Niederschlagswasser konsequent die Anwendung von Verfahren nach dem Stand der Technik vor der Einleitung in ein Gewässer. Jedoch hängen die Verfahren nicht allein von der Art der Verschmutzung, sondern insbesondere auch von der Leistungsfähigkeit der betreffenden Gewässer ab. So gestaltet sich die Formulierung von Grenzbedingungen schwieriger, als dies bei klassischem Abwasser der Fall ist. Gewässereinleitung nach Regenwasserbehandlung Klaus W. König E s fehlen Vorgaben zur Einhaltung physikalischer Parameter bei der Einleitung in Oberflächengewässer [1]. Jedoch kristallisieren sich die feinen Abfiltrierbaren Stoffe (AFS Fein) als Leitparameter für die Grenzbedingungen heraus. In Baden-Württemberg und einigen anderen Bundesländern wird der Behandlungsbedarf mit Hilfe der Arbeitshilfen für den Umgang mit Regenwasser in Siedlungsgebieten (LFU-BW 2005) oder dem Merkblatt DWA-M 153 aus dem Quotient der ermittelten Punkte von Gewässerart und Belastung des Zulaufs festgestellt. Das heißt, Niederschlagswassereinleitungen dürfen nur in Abhängigkeit von einerseits zumutbarer Verkehrsbelastung/Exposition der Flächen und andererseits ausreichender Selbstreinigungskapazität des Gewässers, in das eingeleitet wird, erfolgen . Der Durchgangswert der jeweiligen Behandlungsanlage gibt den Frachtanteil, der im Jahresmittel nicht zurückgehalten wird, an. Dabei gilt die Reinigungsleistung als ausreichend, wenn der Durchgangswert D 8 G/B (B = Belastungspunkte, G = Gewässerpunkte), [2]). Gelände von Vogt-Plastic Dimensionierung Ergebnis einer Dimensionierung ist der Durchgangswert D. Bei Anlagen zur Sedimentation ergibt sich dieser aus der kritischen Wassermenge, die jeweils einer Behandlung unterzogen wird und der Oberflächenbeschickung, dem Quotienten aus der zu behandelnden Wassermenge und der bereitgestellten wirksamen Oberfläche der Behandlungsanlage. Die kritische Wassermenge (Q krit) wird aus der angeschlossenen undurchlässigen Fläche (Au) und der kritischen Regenspende (r krit) berechnet. Übliche Werte für r krit sind 15, 30, 45, 60 oder r (15,1) [l/(s.ha)]. Je größer r krit, desto kleiner (besser) ist der Durchgangswert. Für die Oberflächenbeschickung qA sind die üblichen Werte 18, 10, 9 und 7,5 [m/h]. Je kleiner qA, desto kleiner ist der Durchgangswert. „Darüber hinaus ist noch die Betriebsweise der Anlagen entscheidend“, sagt Stephan Klemens vom Hersteller Mall. Positiv wirke sich die Betriebsweise „ohne Dauerstau“ mit regelmäßiger Entleerung der Becken über die Schmutzwasserkanalisation, gegenüber der Betriebsweise „mit Dauerstau“, und regelmäßiger Schlammentsorgung aus, so Klemens. Kriterien für die Auswahl einer Oberflächenwasser-Behandlungsanlage sind: > einfache, wartungsarme Technik > Fehlen beweglicher Teile > einfacher, werksmäßig hergestellter Baukörper > sichere Entfernung von absetzbaren Stoffen > ausreichende Dimensionierung für den berechneten Volumenstrom Qr krit [l/s] > Wirtschaftlichkeit, auch bei großen angeschlossenen Flächen, zum Beispiel durch Kompaktbauweise Praxisbeispiel Flussbaubetriebshof Donaueschingen Elf Mitarbeiter des Landesbetriebs Gewässer Baden-Württemberg, seit 2011 am neu gebauten Standort Donaueschingen, sorgen dafür, dass sich Flussbett und Ufer der Gewässer in einem guten Zustand befinden. Nach der Rückkehr von Bau- und Pflegeeinsätzen werden Maschinen und Geräte gereinigt, bei Bedarf gewaschen und in der Halle abgestellt. Die Entwässerung von Waschplatz und Innenraum der Fahrzeughalle erfolgt über Abläufe und Rohre zum Benzin- und Koaleszenzabscheider, dann weiter durch einen Probenahmeschacht in die Schmutzwasserkanalisation. Die Entwässerung des Niederschlagswassers der Hoffläche und die Entwässerung des Niederschlagswassers der Dachfläche erfolgt über parallel verlaufende Kanalstränge, die jeweils südlich und nördlich der Hofhälfte platziert 38 UmweltMagazin Januar - Februar 2015

Bilder: Mall Bau des Lamellenklärers bei Vogt-Plastic in Rheinfelden aus Beton-Fertigteilen mit Lamelleneinsatz und Tauchwand. Schieberschacht für den Fall einer Havarie im Ablauf des gereinigten Wassers zwischen Lamellenklärer und Rhein, noch auf dem Betriebsgelände von Vogt-Plastic. Blick in die geöffnete Sedimentationsanlage mit Strömungsverteiler aus Edelstahl am Zulauf sowie Zentralrohr aus Polyethylen und Ablaufgarnitur. sind. Der Abfluss vom begrünten Dach wird direkt, das heißt ohne Behandlung, dem öffentlichen Regenwasserkanal zugeführt. Den Abfluss von der Hoffläche nehmen mittig angeordnete Schlitzrinnen auf, die ein integriertes Innengefälle haben. „Niederschlagswasser von der Hoffläche fließt so in zwei parallel verlaufenden, baugleichen Rinnensystemen zu jeweils einer Sedimentationsanlage. Von dort wird es gereinigt dem öffentlichen Regenkanal zugeführt, der im Fluss Breg mündet“, erklärt Tanja Baiker vom Rottweiler Ingenieur- und Planungsbüro. Literatur [1] Lienhard, Martin: Neue Bauprodukte-Verordnung. In: Ratgeber Regenwasser, für Kommunen und Planungsbüros. Rückhalten, Nutzen, Versickern und Behandeln von Regenwasser. (Hrsg.:) Mall GmbH, Donaueschingen, 5. Auflage, 2014. [2 ] Regenwasserbewirtschaftung und Niederschlagswasserbehandlung, Planerhandbuch. (Hrsg.:) Mall GmbH, Donaueschingen, 2014. Praxisbeispiel Vogt-Plastic Rheinfelden Seit 2011 befindet sich der Recyclingbetrieb mit 140 Mitarbeitern auf dem 3,2 Hektar großen Gelände der ehemaligen Aluminiumhütte am deutschen Ufer des Hochrheins zwischen Schaffhausen und Basel. Hier werden täglich 100 Tonnen gelbe Säcke mit Verpackungsabfall aus der südwestlichen Hälfte Baden-Württembergs angeliefert, die Ladung von 25 Müllfahrzeugen. Die Verwertungsquote liegt bei 65 Prozent; das ist im deutschlandweiten Vergleich ein Spitzenwert. In den Fabrikhallen finden Sortierund Aufbereitungsprozess vollautomatisch und mehrstufig statt. Nach dem Abkippen vom Lieferfahrzeug werden die Säcke mit Inhalt gehäckselt. Danach sortieren verschiedene Trennverfahren die Bestandteile des Abfalls. Kunststoffe werden im Werk direkt weiterverarbeitet zu schwarz eingefärbtem „Regranulat“, einem von Rohrherstellern begehrten Ausgangsmaterial. Die Entwässerung aller Dach- und Geländeflächen erfolgt nach Angaben von Daniel Döbele, dem zuständigen Planer, zentral über einen Lamellenklärer und den anschließenden Kontroll- und Schieberschacht direkt in den Rhein. Funktionsweise und Wartung Sedimentation ist die einfachste und wirtschaftlichste Methode der Regenwasserbehandlung. Sie sollte daher bei der Planung Priorität haben. Durch ein Prallblech werden der Zulauf und das im Behälter stehende Wasser in Rotation versetzt. Die Wasserströmung wird durch das eingebaute Zentralrohr nach unten gelenkt, wobei sich Schwebstoffe zum Behälterboden hin absondern (Sedimentation). Falls weniger Raum zur Verfügung steht, als berechnet, kann die wirksame Oberfläche des Beckens vervielfacht werden durch Lamellenpakete. Das sind zusätzlich eingebaute, parallel angeordnete, profilierte Platten. Sie verbessern die Absetzwirkung insbesondere für kleine Partikel. Die Konstruktion des Lamellenklärers macht es auf diese Weise möglich, im Vergleich zu Sedimentationsanlagen Bauteile mit reduzierten Abmessungen einzusetzen. Durch die Tauchrohrgarnitur im Zulauf wird das Wasser unterhalb des Dauerwasserspiegels beruhigt eingeleitet. Die in die Trennwand eingesetzten Lamellenpakete bewirken eine Vergrößerung der effektiven Sedimentationsfläche. Abgeschieden werden Partikel in einer Größenordnung bis zu 0,1 mm. Die Schrägstellung der Lamellen sorgt für ein Abrutschen auf den Behälterboden. Dort lagert der Schlamm bis zur Wartung/Reinigung. Die als Tauchrohr konstruierte Ablaufgarnitur verhindert den Abfluss von Leichtstoffen oder mineralischen Kohlenwasserstoffen (MKW), auch im Fall einer Havarie. Lamellenklärer wie Sedimentationsanlagen erfüllen die aktuellen Richtlinien der Oberflächenwasserbehandlung (zum Beispiel DWA-M 153). Die periodisch fällige Wartung wird in der Regel von einem externen Dienstleister durchgeführt. Entscheidend dafür sind die Vorgaben des Herstellers, die für das jeweilige Produkt auf dessen Website abrufbar sind. Klaus W. König, Sachverständigen- und Fachpressebüro, Überlingen, kwkoenig@koenig-regenwasser.de UmweltMagazin Januar - Februar 2015 39

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