Aufrufe
vor 4 Jahren

10/11 | 2012

  • Text
  • Oktober
  • Umweltmagazin
  • Unternehmen
  • Energie
  • Energien
  • Millionen
  • Deutschland
  • Technik
  • Anlagen
  • Beziehungsweise

Technik &Management

Technik &Management Erneuerbare Energien Alternative Energiepflanzen im Test Die Energiewirtschaft investiert zunehmend in den Ausbau regenerativer Energiequellen – unter anderem in Biogasanlagen. Diese haben gegenüber Windrädern und Solarmodulen einen entscheidenden Vorteil: Sie sind zur Energieerzeugung nicht unmittelbar auf das Wetter angewiesen und können deshalb kontinuierlich gleich viel Energie produzieren. Die Folge: In Deutschland entstehen immer mehr Anlagen, indenen Biomasse zu Biogas vergoren wird. Eingesetzt wird dabei oft Mais. Doch Monokulturen sind besonders anfällig für Schädlinge. In einem Langzeitprojekt testen Erdgas Südwest und EnBW daher alternative Energiepflanzen. Christian Bolz Baden-Württemberg istbereits heute reich anBiogasanlagen. Laut dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württembergstehenhierüber 750der vonBranchenexperten deutschlandweit auf 6000 geschätzten Anlagen. Sie werden zu 90 Prozentmit Mais betrieben.Denn die Energiepflanze hat einen sehr hohen Flächenertrag. Dasheißt, sie wächst sehr hoch und kann komplett verwertet werden. So entspricht 1 Hektar (ha) Mais einer elektrischen Leistung von 2 Kilowatt (kW). Zum Vergleich: mit 1 Hektar Gras kann nur 1kWStrom erzeugt werden. Kein Wunder also, dass das gelbeKornauf immer mehr Feldern wächst. Doch der großflächige Maisanbau in Monokulturen bringt auch Nachteile mit sich, wie eine Studie des Instituts für Kulturpflanzenwissenschaften der Universität Hohenheim zeigt: Der Maiswurzelbohrer und andere Schädlingebreitensichaus,die Böden erodieren leichter und die Artenvielfalt leidet. Nahrungs- und Energiepflanzen im Wechsel Deshalb untersucht die Erdgas Südwest GmbH mit Unterstützung ihrer Muttergesellschaft, der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, seit April diesesJahres in einemLangzeitprojekt welche Energiepflanzen alternativ für die Erzeugung von Biogas verwendet werdenkönnen. „Biogas mussnicht aus einer sortenreinen Monokultur hergestellt werden. Wir suchen eine effiziente Kombination aus Pflanzen, Anbaumethoden und Biogaserzeugung, die auch die Vielfalt auf dem Feld zulässt“, erklärtDr. Gerold Göttlicher, Experte für Bioenergie im Bereich Forschung und Entwicklung von EnBW. Das Institut für Kulturpflanzenwirtschaft der Universität Hohenheim unterstützt Erdgas Südwest und EnBW bei ihrer Forschung mit seinem Fachwissen –und einem Versuchsfeld auf dem Gelände derVersuchsstationIhinger Hof in derNähe vonStuttgart. AufeinerFläche von2,4 ha werden dortbis Ende Oktober 2014 versuchsweise Streifen mit Dauerkulturen undStreifenmit Fruchtwechsel nebeneinander bewirtschaftet. Auf den Streifen mit Fruchtwechsel werden alternierend Nahrungs- und Energiepflanzen angebaut.Sobleibtder Bodendas ganze Jahr über bedeckt undgeschützt. 40 UmweltMagazin Oktober -November 2012

Unter anderem Sonnenblumen werden als alternative Energiepflanzen getestet. Gesucht wird in dem Langzeitprojekt eine effiziente Kombination aus Pflanzen, Anbaumethoden und Biogaserzeugung, die auch die Vielfalt auf dem Feld zulässt. Bilder (3): Erdgas Südwest NACHHALTIGE LÖSUNGEN FÜR DIE UMWELT 29.–31. JANUAR 2013 Die Wissenschaftler säten zuProjektbeginn zunächst Salat aus. Nachdem dieser abgeerntet war, pflanzten sie Mais. Er wurdeimOktobergeerntetund dient der Biogasproduktion. Bis zum kommendenFrühjahrwachsenauf dem Versuchsfeld nun Winterrübsen, ein Futtermittelfür die landwirtschaftliche Tierhaltung. Darauf folgte erneut eine Energiepflanze –im Sommer 2012wurden Sonnenblumen gepflanzt. Für die Streifen der Dauerkultur werden verschieden neue Energiepflanzen getestet, diebis zu 20 Jahrelang nur nochregelmäßig abgeerntet werden. In diese Pflanzen können sich auch Kleintiere wie Laufkäfer und einzelne Unkräuter zurückziehen. Streifenanbau inBurgrieden Ein zweites Versuchsfeld liegt in Burgrieden imLandkreis Biberach. Es gehört Landwirt Heiner Moosmayer, der bereits Erfahrung mit dem Anbau von Energiepflanzen hat. Er bestellt eine Fläche von 140mal 400 Metern –das sind 5,6 ha–imStreifenanbau mit ein- und mehrjährigen Energiepflanzen. „Ich bin selbst daran interessiert, AlternativenzuMais als Energieträger zu finden, denn Monokulturen machendie Böden langfristig kaputt“, begründet Moosmayer seine Teilnahme an dem Forschungsprojekt. In diesem Frühjahr säte erindie vier Streifen des Versuchsfelds abwechselnd Sonnenblumen und Energieampfer. Nach dererstenErnte ziehteraufgrund des sehr trockenen Frühjahrs ein zweigeteiltesFazit:„Mit denSonnenblumen bin ich sehr zufrieden. Die sind gut gewachsen. Der Energieampfer lässt leider zu wünschenübrig.“Auf dem Versuchsfeld von Landwirt Moosmayer übernimmt derEnergieampfer die Funktion der mehrjährigen Energiepflanze. Im kommenden Frühjahr erhält das Gewächs daher eine neue Chance. Andie Stelle der Sonnenblume als einjährige Energiepflanze ist im Oktober bereits das Wintergetreide getreten.Darauf folgen in den kommenden Zyklen Kleegras, Amarant und Grünroggen, bis im Frühjahr 2014 zum Abschluss der Versuchsreihe wieder Sonnenblumen wachsen. Konkurrenzfähiges Bioerdgas aus Sonnenblumen? Nach derErnte bringt Moosmayeralle Pflanzen, egal obEnergieampfer, Sonnenblume oder Kleegras, zur Biogasanlage in Laupheim. Betrieben wird diese von der Bioenergie Laupheim GmbH &Co. KG, die Moosmayer gemeinsam mit 20 weiteren Landwirten vor gut drei Jahren gegründet hat. Die Anlagewurde vorkurzem erweitert und kann jetztbis zu 1200 Kubikmeter Rohbiogas pro Stunde produzieren. Dort und in der angrenzenden Aufbereitungsanlage für Bioerdgas läuft die zweite Phase des Forschungsprojekts vonErdgasSüdwestund EnBW. „Füruns als Energiedienstleister ist diese Phase entscheidend. Dennsie wirdzeigen, ob die alternativen Energiepflanzen kosteneffizientverarbeitetwerdenkönnen. UnserZielist es,aus ihnen konkurrenzfähiges Bioerdgas herzustellen“, stellt EnBW-ExperteGöttlicher klar.Dazugehört auch, die aufwendig gewonnene Bioenergie möglichst effizient zu nutzen. Sie kann entweder an günstigen Punktenindas Erdgasnetz oderinneue Bioerdgasnetzeeingespeistwerden. Christian Bolz, Erdgas Südwest GmbH, Ettlingen, c.bolz@erdgas-suedwest.de www.terratec-leipzig.de INTERNATIONALE FACHMESSE FÜR UMWELTTECHNIK UND -DIENSTLEISTUNGEN IM VERBUND MIT: > alle Themen der Umwelttechnik > hochkarätiges Fachprogramm > Treffpunkt für Entscheider INTERNATIONALE FACHMESSE FÜR ENERGIEERZEUGUNG, ENERGIEVERTEILUNG UND -SPEICHERUNG UmweltMagazin Oktober -November 2012

Ausgabenübersicht