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10/11 | 2012

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Technik &Management

Technik &Management Abfall/Recycling Bild:IDR-Entsorgungsgesellschaft mbH Recycling von Elektrogeräten: Nutzen derneuen EU-Richtlinie Angesichts knapper Ressourcen gewinnt die Wiederverwertung von Sekundärrohstoffen, vor allem Metallen, aus Elektrogeräten zunehmend an Bedeutung. Glaubt man den Ankündigungen, ist alles zum Besten geregelt. Aber wenn man die Zahlen aus der Rückgewinnung von Ressourcen, vor allem der wertvollen Nicht-Eisen (NE)-Metalle, aus Elektro- und Elektronikaltgeräten näher betrachtet, ist das noch keine Erfolgsgeschichte –wir müssen sie erst noch schreiben. Dr. Henning Friege Der Elektronik-Boom hält an. Im Jahre 2008 wurden in Europa etwa 12 Millionen Tonnen (t) Elektro- und Elektronikgeräte in Verkehr gebracht – vom Mobiltelefon bis zur Waschmaschine. Darin befinden sich große Mengen an wertvollen, zum Teil seltenenMetallen. Bezogenauf die weltweite Gewinnung von Metallen aus Minen werden etwa 25 bis 30 Prozent anKupfer, einDritteldes Silbersund gut 75 Prozent des Indiums für die Herstellung von Elektro- und Elektronikgeräten benötigt. Auf der anderen Seite stand im Jahr 2008 eine Abfallmenge von fast 9,5 Millionen tzur Entsorgung an. Davon wurden knapp 3,1 Millionen tgetrennt erfasst und das europäische Ziel von 4Kilogramm pro Einwohner und Jahr (kg/EW xa) mit gut 6,9 kg/EW xa überschritten. In Deutschland schwankt die erfasste MengeanAltgeräten um8kg/EW xa.Die Abfallmengen nehmen weiterzu: Schon 2014 istmit einerAbfallmenge von10,5Millionentin derEU-27zurechnen. Mit der Reform der entsprechenden Richtlinie –Directive onWaste Electrical and Electronic Equipment (WEEE) [1] –wurden neue Ziele für die Sammlung und das Recycling von Elektro(nik)-Altgeräten gesetzt. Die WEEE verfolgt primär eine abfallwirtschaftliche Strategie. Sie beinhaltet auch eine grundsätzliche Vorgabe für die recyclingfreundliche Konstruktion von Geräten.Die mit denGerätenverbundene Ressourcenproblematik wird von der Kommission allerdings nicht direkt angegangen. Mit den auf das Gerätegewicht abzielendenSammlungs- und Recyclingzielen wirdnachwie vor„Masse statt Klasse“ gefordert. Bisherige Ergebnisse Wie sind die bisherigen Ergebnisse der Elektroschrott-Sammlung und Aufbereitung zu bewerten? Die Präambel zur neuen Richtlinie enthält die selbstkritische Anmerkung: „Data [...] show that 65 percentofthe EEEplacedonthe marketwas already separately collected then,but morethan half of this waspotentially the object ofimproper treatment and illegal exports […].” ImRahmen systematischer Untersuchungen lassen sich folgende wesentliche Problemfelderidentifizieren[2]: 7 Aufbewahrung von Millionen nicht mehr benötigter beziehungsweise unbrauchbarer Geräte in Haushalten, die für eine Aufbereitung nicht zur Verfügung stehen, 7 Entsorgung von Elektrokleingeräten über denHausmüll, 7 Diebstahl von Elektrogeräten, die für die regulären Entsorgungswege bereit 44 UmweltMagazin Oktober -November 2012

gestellt wurden, oder „Beraubung“ etwa von Kompressoren und Kupferwendeln aus Kühlschränken, 7 illegalerExportunbrauchbarer Geräte sowie 7 Verluste von NE-Metallen bei der Aufbereitung durch Shreddern in einerfrühenPhasedes Aufbereitungsprozesses. Eine Analyse desAbfallstroms vonMobiltelefonenergab in derBilanz eine Rückgewinnung vonetwa10Prozentdes darin enthaltenenGolds [3]. Deutlich höhersind die Recyclingquoten bei Stahl, Kupfer undAluminium –wenndie Geräte in die Aufbereitung gelangen. Das „4kg-Ziel“ lässt sich eben mit Computerschrott wie mit Waschmaschinen erreichen. Welche Möglichkeiten gibt es, die Rückgewinnung von Ressourcen imAllgemeinen und der NE-Metalle im Besonderen in denkommenden Jahren zu verbessern? Die neuen Regelungen Der Anwendungsbereich umfasst zehn Gerätekategorien (etwa Haushaltsgroßgeräte, Lampen, IT- und TK-Geräte), für die unterschiedliche Recyclingziele gelten. Dies gilt für weitere sechsJahrenachInkrafttreten derRichtlinie.NachAblauf derÜbergangsregelung werden –bis auf wenige Ausnahmen – zukünftig alle Elektro- und Elektronikgeräte in den Anwendungsbereich derWEEE-Richtlinie fallen. 2016 soll eine Mindest-Sammelquote von 45Prozent erreicht werden und im Jahre201965Prozent, jeweils bezogenauf die in den Vorjahren imjeweiligen Mitgliedsstaat in Verkehr gebrachten Geräte, oder alternativ 85 Prozent auf Basis des Abfallaufkommens aus Altgeräten. Letzteres entspräche –bezogen auf das Jahr 2008–etwa 8,1MillionentElektrogeräte, die auf nationalerEbeneregistriert werden müssen.ImSinne der„extended producer responsibility“ bleiben die Hersteller für die nach 2005produzierten Geräte individuellbeziehungsweise fürdie älteren Produktionsjahrgänge gesamtschuldnerisch in der Verantwortung –das bedeutetdie kostenlose Rücknahme von Geräten und eine Aufbereitung gemäß den Zielen der WEEE. Dies giltauchfür Geräte,die über das Internet erworben werden. Die Umsetzung dieser Herstellerverantwortung und das Zusammenspiel der Akteure sind national zu regeln. Mit der neuenRichtlinie wirdeine allgemeine Rücknahmepflicht für Elektro-Altgeräte im Einzelhandel eingeführt, ohne dass die Verbraucher gleichzeitig ein neues Gerät kaufen müssen. Diese Rücknahmepflicht soll allerdings nur für Kleingeräte mit einer maximalen Kantenlänge von 25Zentimetern gelten. Die Rücknahmeverpflichtung greift erst ab einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern. Für alle anderenHändlergilt lediglichdie Pflicht zurRücknahme bei Kauf eines neuen Geräts. Die stärkere Verantwortung des Handels soll die angestrebte deutliche Erhöhung der Rücknahmemenge in den kommendenzehnJahren unterstützen. Ein großes Problem stellt der unzulässige Export von schrottreifenGerätendar,zum einenwegen derGefahren für Menschen und Umwelt in den Empfängerländern/-regionen (unteranderemChina, Indienund Westafrika) auf Grund der dortigen Aufbereitungsmethoden, zum anderen wegen des Abflusses anpotenziellen Sekundärrohstoffen aus Europa. Etwa 155 000 t unbrauchbarer Geräte verlassen jährlich Deutschland auf dem Seeweg [4]. Weitere gut 120 000 tan zum Teil noch funktionsfähiger Ware gelangt über die deutschen Grenzen nach Osteuropa [5]. Um die illegale Verbringung von Elektroaltgeräten zu bekämpfen, wird inZukunft der Exporteur und nicht mehr der Zoll belegen müssen, dass es sichumgebrauchsfähige Geräte handelt. UmweltMagazin Oktober -November 2012

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