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10/11 | 2013

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SPECIAL

SPECIAL Wasserkreisläufe Regenmengen richtig planen Der Klimawandel und die daraus resultierende Hochwassersituation haben Deutschland in diesem Jahr auf breiter Front getroffen. Vielerorts sind Aufräumarbeiten nach wie vor nicht abgeschlossen. ImGegenteil: Noch lange werden die Folgen nachwirken. Der Einsatz von Pumpen kann eine solche Katastrophe nicht verhindern. Eskann nur sichergestellt werden, dass Keller nach einer Flut schnell entleert werden und der Schaden minimiert wird. Trotzdem stellt sich für Architekten, Planer und Kommunen mehr denn je die schwierige Frage, wie sie zukünftig in der Projektierung verfahren und welche Möglichkeiten der Regenrückhaltung und des Regenwassermanagements vorhanden sind. Die Jung Pumpen „Flutbox“ sorgt für eine stressfreie Kellerentwässerung. Im Vorfeld sollte eine fachgerechte Planung jedoch Schlimmeres verhindern. Marco Koch und Bernd Ishorst Viele Ansätze hierzu normiert die DIN 1986–100 „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752und DIN EN 12056“.Sie ist die maßgebliche Entwässerungsnorm und Planungsgrundlagefür die Entwässerung vonGebäuden sowie auf demgesamten privaten Grundstück. Die fachgerechte Auslegung von abwassertechnischen Bauwerken (bis hin zur einzelnen Pumpstation) ist hier beschrieben und verbindlich für Planer, ausführende Unternehmen aber auch für MitarbeiterinKommunen geregelt. Überflutungsnachweise und Regenrückhalteräume Regenentwässerungsanlagen von kleinen Grundstücken können gemäß DIN 1986–100, Ausgabe Mai 2008 –sofern derKanalnetzbetreiber keine anderen Vorgaben macht –ohne Überflutungsprüfung bemessen werden, da man voneinemungehinderten Abfluss in dieöffentliche Kanalisation ausgeht. Kleine Grundstücke haben eine abflusswirksame Fläche von = 800 m 2 und einen Anschlusskanal von maximal DN 150. BeiGrundstückenmit einerabflusswirksamen Fläche von > 800 m 2 muss die „Sicherheitgegen Überflutung beziehungsweise einer kontrollierten schadlosen Überflutung“ rechnerisch nachgewiesen werden. Die abflusswirksame Fläche in m 2 erhält man durch Multiplikation der tatsächlichen Regeneinzugsfläche in m 2 mitdem dimensionslosenAbflussbeiwert C. Die Zielsetzung bei der Planung der Außenanlagen eines Grundstückes soll grundsätzlich wie folgt lauten: Der Anteil derversiegelten Oberflächemussso klein wie möglichgehaltenwerden, damit die „schnelle Ableitung“desNiederschlagswassers in die öffentliche Kanalisation vermiedenwird. So entwickeln Kommunen Konzepte zurRegenwasserbewirtschaftung, in denen die Niederschlagswasserableitung soweit möglichgeregeltwird. Sintflutartige Starkregenereignisse können jedoch nicht immer vollständig von den Entwässerungssystemen der Kommunen wie Kanalnetze, oberirdische Gewässerodereine Versickerung im Untergrund (Grundwasser) aufgenommen werden,sodass es zu Überflutungenvon Gelände, Straßen und Gebäuden kommen kann. Hiergegen muss sich der Grundstückseigentümer beziehungsweise Nutzer des Grundstückes durch fachgerechte Planungund Wartung der Entwässerungsanlageschützen. Bei der Planung der Grundstücksentwässerungsanlage ist unbedingt zu beachten, dass nicht jede einzelne Maßnahme das Gebäude beziehungsweise das Grundstück schützen kann, sondern häufig eine Kombination von sinnvollen Maßnahmen erforderlich ist. So ist beispielsweise ein ausreichender Schutz vor Oberflächenwasser wirkungslos, wenn das Grundstück nicht gleichzeitig ausreichend gegen Rückstau aus dem öffentlichen Kanal geschützt ist. Bestehen Einleitungsbegrenzungen durch den Kanalnetzbetreiber muss gemäß DIN 1986–100 zusätzlich zum Überflutungsnachweis noch die Berechnung des erforderlichen Regenrückhalteraumes (RRR) durchgeführt werden.Die Bemessung vonRegenrück- 28 UmweltMagazin Oktober -November 2013

halteräumenerfolgtnachden Regelungen inArbeitsblatt DWA –A117 (DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.), abgestimmt auf die Grundstücksentwässerung. Überflutungsschutz Zur Planung und Dimensionierung von Abwasseranlagen bietet Pentair Jung Pumpen Workshops/Seminare zum Thema an. Die Termine sind auf der Homepage des Herstellers unter www.jung-pumpen.de einsehbar. Hier besteht auch die direkte Möglichkeit zur Anmeldung. Die aktuelle Seminarbroschüre mit Informationen zu diesem und weiteren Themen kann telefonisch unter 05204/170 oder per E-Mail unter jpforum@jung-pumpen.de angefordert werden. Bilder (2): Jung Pumpen Zentrales Sicherungselement der Entwässerungsanlage Auch der Einsatz von Pumpstationen und die fachgerechte Planung und Dimensionierung dieser sind unabdingbar. Die Frage des Rückstauschutzes rückt schnell in den Fokus der Überlegungen. Hierbei istdie Trennung vom Entstehungsort des Abwassers, also inner- oder außerhalb des Gebäudes zwingend zu beachten. Innerhalb des Gebäudes, beziehungsweise für die Rückstausicherung der Entwässerungsgegenstände gilt die Anwendung der DIN EN 12056–4. Diese schreibt die Installation von Hebeanlagen unterhalb der Rückstauebene als „Muss-Bestimmung“ vor und lässt nur in Ausnahmefällen Rückstauverschlüsse zwecks Rückstausicherung zu. Außerhalb des Gebäudes gilt es, bei der Betrachtung abflusswirksamer Flächen mit den richtigen Regenmengen, im Zweifelsfall mit dem Jahrhundertereignis r (5,100; 5 Minuten Niederschlag in Literpro Sekunde und Hektar, der einmal pro 100 Jahren erwartet wird) zu kalkulieren, sollten Gebäude oder Sachwerte gefährdetsein. Genauso muss aber auch das „Konfliktthema Drainagewasser“, sensibel behandelt werden, daeine Einleitung von Grundwasser in die öffentliche Abwasseranlage grundsätzlich untersagt ist. Sollte die Ableitung in Ausnahmefällen dennoch genehmigt werden, ist das Dränagewasser rückstaufrei inden Kanal einzuleiten. In Verbindung mitden dann einzusetzenden Pumpen gelten spezielle Anforderungen an die Schachtgestaltung. Zum Schutz der Pumpenaggregate soll in den besteigbaren Schacht (mindestens @ 1000 mm) ein 0,5 mtiefer Sandfang eingebaut werden. Entsprechend der Vorschrift, dass bei unkontrollierbarem Zufluss eine Doppelanlage vorzusehenist,lässtsichdie Anforderung aneine zweite Pumpe indiesem Fall, ohne konkrete Nennung, ableiten. Es bleibt zu erwähnen dass rein technisch die Möglichkeit besteht, speziell konzipierte Drainagepumpen bereits in Schächten mit Durchmesser 300mmzuverlässig arbeiten zulassen bei sicherer Gewährleistung des Schaltbetriebs. Die Regelwerke positionieren sich auch klarinder Frage,inwiefern Wasser vonaußerhalb des Gebäudes, in dasGebäude eingeleitet werden darf. Als Abgrenzungwirdhierder Begriff der„kleinen Flächen“ angeführt, die mit maximal 5m²definiert sind. AlleFlächendie größer sind, sind außerhalb des Gebäudes über eine ebenfalls draußen angeordnete Hebeanlage rückstaufrei und getrennt vom häuslichen Abwasser abzuleiten. Dabei sollte ebenfalls in der Planung berücksichtigt werden, dass abflusswirksame Flächen, also Bereiche die Wasser zum Gebäude führen, klein gehalten wenn nicht sogar vermieden werden sollten. Ausnahmen hierzu gibtesbei dichter Besiedlung, etwa in (Groß-)Städten mit Grenzbebauung. Hier kann das Abwasser auch indas Gebäude geleitet werden. Besonderes Augenmerk sollte aufgrund der hohen Brisanz auf die korrekte Auslegung gelegt werden. Ebenso ist eine zwingende Erfordernis einer Doppelanlage zu berücksichtigen. Hier gilt, dass bei korrekter Dimensionierung eine Pumpeallein in derLage sein muss, das gesamte anfallende Abwasser zu beseitigen. Nur soist eine vollkommene Redundanz desSystems gegeben. In diesem Fall kann das Wasserkleiner Flächen (außerhalb) auch versickert oder über Rückstauverschlüsse geführt werden, wenn der dafür erforderliche Überflutungsnachweis geführt wird. Der Einbau der Hebeanlage ist immer entsprechend den gültigen Regelwerken durchzuführen. Außerdem sollten nur geeignete Pumpen entsprechend der DIN EN 12050 (Bau- und Prüfgrundsätze) zumEinsatz kommen. Marco Koch, Jung Pumpen GmbH, Steinhagen, marco.koch@pentair.com; Bernd Ishorst, IZEG Informationszentrum Entwässerungstechnik Guss e.V., Bonn, info@izeg.de UmweltMagazin Oktober -November 2013 29

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