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10/11 | 2013

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Großprojekten auf sich

Großprojekten auf sich aufmerksam. Seit Mitte 2012 beliefert das Unternehmen beispielsweise von einer Mülldeponie in Concord/North Carolina aus mit einer 11,5 MW- Anlage das Energieversorgungsunternehmen Duke Energy mit Erneuerbarer Energie. Ein Trend geht zu Public-Private-Partnerships (PPP). Der Bezirk Anne Arundel County/ Maryland hat im Rahmen eines PPP-Projekts 2012 eine 3,2 MW-LFGTE-Anlage zur Elektrizitätserzeugung errichten lassen. Diesen Weg hatte im Vorjahr auch Will County/Illinois eingeschlagen. Die 4,8-MW- Anlage zurStromgewinnung des Bezirks wird von der Waste Management Inc. betrieben. Langjährige Abnahmeverträge bei diesen und weiteren in jüngster Zeit umgesetzten Projekten geben der LFGTE-Branche Planungssicherheit. Auch staatliche Förderungen bieten Anreize, indie Technologie zu investieren. Allen voran sind die Produktionssteuergutschriften (Production Tax Credits, PTC) von Relevanz. Für die Gewinnung von Elektrizität aus Depiegas-Anlagen liegen die Gutschriften derzeit bei 0,8 Cent pro kwh. Der Zeitraum beträgt zehn Jahre nach Errichtung der Anlagen. Nach derzeitigem Stand muss der Bau vor dem 1. Januar 2014 begonnen werden, um in den Genuss der Förderung zu kommen. Auch Richtquoten für Erneuerbare Energien (Renewable Portfolio Standards, RPS) spielen eine bedeutende Rolle. Solche RPS existieren derzeit in 30 US-Bundesstaaten. Bis Methangas aus einer Abfalldeponie deckt 100 Prozent des Energiebedarfs der Lackiererei im BMW-Werk Spartanburg. 2020 müssen beispielsweise die Stromversorger in Kalifornien 33Prozent der Elektrizität aus Erneuerbaren Energien (inklusive LFGTE) erzeugen. Nicht zuletzt aufgrund der in den vergangenen Jahren gesunkenen Gaspreise erwägen allerdings einige Bundesstaaten, die Anforderungen in den RPS abzusenken. Blockheizkraftwerke rücken inden Fokus Der Schwebezustand bei der möglichen PTC-Verlängerung sorgt für Unsicherheiten in der Branche. Eine Herausforderung für Anbieter von LFGTE-Anlagen ist zudem, dass zahlreiche Deponieanlagen an abgelegenen Standorten lokalisiert sind. Umfangreiche Investitionen in Pipelines sind oftmals notwendig, um das Gas zu Abnehmern aus der Industrie zu transportieren. Ein langwieriges Genehmigungsverfahren erschwert die Marktentwicklung zusätzlich, vor allem weil eshinsichtlich des Pipelinebaus an Komplexität gewinnt. Um trotz dieser Umstände wettbewerbsfähig zu bleiben, stellt sich die LFGTE-Branche neu auf. Sie nimmt zunehmend Investments in moderne Turbinen zur Ausschöpfung von Effizienzpotenzialen in Angriff. Bis vor wenigen Jahren wurde zudem bei neu gebauten Deponiegasanlagen zumeist lediglich auf eine Verwertungsmöglichkeit (thermisch oder elektrisch) gesetzt. Blockheizkraftwerke erzielen basierend auf der Kraft- Wärme-Kopplung höhere energetische Wirkungsgrade. Im Gegensatz zuDeutschland sind in den USAnur wenige im Einsatz. Germany Trade&Invest Germany Trade &Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. BMW: Vorreiter bei der Kraft-Wärme-Kopplung Derartige Anlagen (Cogeneration Plants) treffen in den USA auf eine stark steigende Nachfrage aus der Industrie. BMW gehört zuden Vorreitern bei Kraft-Wärme-Kopplungsprojekten auf Deponiegasbasis. Der deutsche Hersteller von Automobilenbetreibt sein Werk in Spartanburg/South Carolina seit dem Jahr 2003 mit Elektrizität und heißem Wasser aus einer nahegelegenen Deponieanlage. Rund 50 Prozent des gesamten Energiebedarfs des Werks wird dadurch gedeckt. Das Produktionswerk für Fahrzeuge der BMW X-Baureihen rangiert auf Platz vier des offiziellen Rankings der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA (U.S. Environmental Protection Agency) zur Nutzung regenerativer Energie. Es erzeugte im Jahr 2010 fast 62 Millionen Kilowattstunden Strom durch das auf dem Werksgelände angesiedelte Methangaskraftwerk, das aus einer Mülldeponie gespeist UmweltMagazin Oktober -November 2013 73

SERVICE Umweltmärkte BMW-Werk in Spartanburg wird. Das Kraftwerk liefert gut 37 Prozent des gesamten Energiebedarfs des Unternehmens. Das hat auch die Entscheidung des Unternehmens unterstrichen, zugunsten der Erneuerbarer Energien auf konventionelle Methoden der Stromerzeugung zuverzichten. Seit 2003 wird Methangas aus der benachbarten Deponie gesammelt, gereinigt und komprimiert, umdamit die Produktionsanlagen zubetreiben und die Verwaltung mit Strom zu versorgen. Mit Investitionen von rund 8,9 MillionenEuro wurde dieEffizienz der Anlage und die Erhöhung der Effizienz des Programms zur Energiegewinnung aus Methangas von der Mülldeponie Spartanburg im Jahr 2009 nochmals gesteigert. Auf diese Weise sanken die CO 2 -Emissionen Jahr für Jahr um gut 92 000 Tonnen und die Energiekosten gingen um gut 3,7 Millionen Euro im Jahr zurück. Das ursprüngliche Deponiegas-Projekt des BMW Werks Spartanburg wurde mit Unterstützung des Projektentwicklers Ameresco Inc. und dem Betreiber der Palmetto Mülldeponie in Wellford/South Carolina, der Waste Management Inc., imDezember 2002 realisiert. Durch die Infrastruktur gelang es, Methangas aus der Palmetto Mülldeponie nahe Spartanburg zu sammeln, zu reinigen und zu komprimieren sowie anschließend durch eine 16 Kilometer lange Pipeline zum Werk zu transportieren. Danach wurde das Gas abermals komprimiert und zum Betrieb der vier Gasturbinen eingesetzt. Bisher hat das Deponiegas- Projekt die Energiekosten um jährlich durchschnittlich 3,5 Millionen Euro gesenkt. Durch die größere Effizienz und Wirtschaftlichkeit verhilft das neue Projekt BMW zu Einsparungen von bis zu 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Zugleich wird der Kohlendioxidausstoß um etwa 92 000 Tonnen pro Jahr reduziert. Im vergangenen Jahr wurde zudem die Materiallogistik in der neuen Fertigungshalle für den BMW X3 auf den Betrieb mit Wasserstoff umgestellt. Bilder (3): Bild: BMW AG, München Nachzügler aus anderen Branchen Nachzügler aus diversen Branchen waren vor allem im vergangenen Jahr zu verzeichnen. Coca Cola hat 2012 gemeinsam mit dem Umwelttechnologieunternehmen Mas Energy ein neues Vorhaben umgesetzt. Es handelt sich umeines der ersten Kraft-Wärme- Kälte-Kopplungs-Anlagen im Land. Ein Blockheizkraftwerk mit einer Kapazität von etwa 6,5 MW beliefert eine Coca- Cola-Sirup-Anlage in Atlanta mit Energie. Das Deponiegas wird über eine sechs Meilen lange Pipeline einer Siedlungsabfallanlage in Conley/Georgia der Republic Services Inc. entnommen. Auch außerhalb der Industrie finden sich Abnehmer. Sohat ewa die University of Iowa 2011 eine 2,8 MW-Kraft- Wärme-Kälte-Kopplungs-Anlagen errichten lassen. Geschäftschancen für deutsche Unternehmen Die Dynamik im LFGTE-Segment birgt Chancen für deutsche Unternehmen. Eine energetische Deponiegasnutzung setzt diverse Technologien voraus. Diese reichen vom Gassammelsystem über die -aufbereitung bis hin zur Stromund/oder Wärmeerzeugung in entsprechenden Kraftwerken. Deutsche Anbieter gehören laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau in diesen Segmenten zu den Weltmarktführern. Auch bei Strategiepartnerschaften gibt es Möglichkeiten. Die Waste Management Inc. zeigt ein großes Interesse an innovativen Verfahren zur Umwandlung der Deponiegase. In den letzten Jahren hat das Entsorgungsunternehmen einige Partnerschaften mit Umwelttechnologieunternehmen unterzeichnet – unter anderem mit Terrabon sowie Genomatica. Im Jahr 2011 investierte es zudem in die deutsche mittelständische Unternehmen agnion energy GmbH aus Zittau. Im Mittelpunkt des Interesses stand ein innovatives Verfahren dieser, das eine effektive Umwandlung holzartiger Biomasse in Synthesegas ermöglicht. Weitere Entsorgungsunternehmen ziehen nach und erhoffen sich Expertise von Umwelttechnologiefirmen. Für den Markteinstieg ist die Teilnahme an dem „Landfill Methane Outreach Program“ (LMOP) der EPA interessant. Das LMOP fördert aktiv den Bau von Deponiegasanlagen, unter anderem durch eine technische Beratung. Im Zuge einer Teilnahme an dem Programm stehen den Mitgliedern des Netzwerks unter anderem Mitteilungen zu Projekten beziehungsweise Ausschreibungen sowie Informationen zu Finanzierungsmöglichkeiten offen. ChristianJanetzke,GTAI, Berlin, www.gtai.de www.umweltmagazin.de (db) 74 UmweltMagazin Oktober -November 2013

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