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10/11 | 2014

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SPECIAL Erneuerbare

SPECIAL Erneuerbare Energien Bild: Arcanum Energy Das reformierte EEG 2014 bietet für Bioerdgas neben einigen Schattenseiten auch neues Licht. EEG 2014:Bioerdgas-Markt im Wandel Unter den Bedingungen des indiesem Jahr reformierten Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird sich der Bioerdgas-Sektor grundlegend wandeln. Akteure, die sich darauf einstellen, haben auch künftig gute Chancen, amMarkt erfolgreich zu sein. Vera Schürmann Anfang August 2014 trat das reformierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) inKraft. Seine Veränderungen werden neue Absatzwege für Bioerdgas mit sich bringen. Es ist davon auszugehen, dass das auf Erdgasqualität aufbereitete Biogas in den nächsten Jahren mehr und mehr konventionelle Biokraftstoffe ersetzen wird, weil es stark zur Reduzierung von Treibhausgasen beiträgt. Neue Chancen ergeben sich zudem aufdem nationalen wie internationalen Wärmemarkt. Auch in der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wird Bioerdgas weiterhin eingesetztwerden. Fürdie Gasproduktion aus Bioabfällen bietet das neue EEG Sondervergütungen. Hier sieht der unabhängige Bioerdgas-Dienstleister Arcanum Energy für Kommunen besondere Chancendie Verwertung vonBioabfällen weiter zu optimieren. Auch für biogene Produktionsreste von Industrieunternehmen stellt die Biogaserzeugung eine interessante Alternative zu den herkömmlichen Verwertungswegen dar. Die neuen Produktions-und Absatzmöglichkeiten können nach ersten Einschätzungen nicht sofort den in der Vergangenheit attraktiven KWK- Markt für Bioerdgas aus Nachwachsenden Rohstoffen vollständig ersetzen. Einige Indikatoren sprechen allerdings dafür,dass sichdie neuenAnsätze inden nächsten Jahren mit guten Wachstumsraten und großen Chancen entwickeln werden. Denn die deutschen Klimaschutzziele werden ohne Bioerdgas kaum zu erreichen sein. Bioerdgas reduziert nicht nur den Ausstoß von Kohlendioxid (CO 2 ), sondern trägt im Gegensatz zu Wind- und Sonnenenergie dank ständiger Verfügbarkeit und sehr guter Speicherfähigkeit zueiner hohen Versorgungssicherheitbei. Neben den Vorteilen des Einsatzes von Bioerdgas in Blockheizkraftwerken zur umweltfreundlichen Stromerzeugung wird die gleichzeitige Erzeugung von erneuerbarer Wärme an Bedeutung gewinnen. Die bei der KWK anfallende Wärme eignet sich insbesondere bei Nah- und Fernwärmenetzen durch den günstigen Primärenergiefaktor der Wärme im Zusammenhang mit der Energieeinsparverordnung (EneV) oder die Erfüllung des Erneuerbare Energien Wärmegesetz (EWärmeG) bei Neubauten. Auch 24 UmweltMagazin Oktober -November 2014

SPECIAL bei einergrundlegendenRenovierung vonGebäudeninöffentlicher Hand ist zur Einhaltung des EWärmeG der Einsatz von KWK mit Bioerdgas zuempfehlen. Glossar 7 Ausgleichsenergie Unter Ausgleichsenergie versteht man in der Bioerdgasbilanzierung die elektrische Energie, umdie der Saldo eines Bilanzkreises den zur Verfügung stehenden Flexibilitätsrahmen über- oder unterschreitet. Ein Überschreiten führt zunegativer Ausgleichsenergie. Die Menge wird aus dem Bilanzkreis herausgebucht. Das Unterschreiten des Flexibilitätsrahmens führt zu einem kostenpflichtigen Hinzubuchen von Erdgas (positive Ausgleichsenergie). 7 Bilanzkreiskooperation Einzelne Portfolien werden in Haupt- und Subbilanzkonten geführt, die in einem Rechnungsbilanzkreis zusammengefasst werden. Gegenüber des Marktgebietsverantwortlichen ergeben sich durch die gemeinsame Abrechnung diverse Vorteile im Vergleich zur Einzelabrechnung. 7 Bioerdgas-Flexibilitätsrahmen Auf die in das Erdgasnetz eingespeiste Menge Bioerdgas werden 25Prozent Bilanzkreis-Flexibilität gewährt. Innerhalb des verfügbaren Rahmens darf der unterjährige kumulierte Bilanzkreissaldo (+/-) variieren. Ein positiver Endsaldo kann in das Folgejahr übertragen werden. Flexibilität ist handelbar. 7 Primärenergiefaktor Um bestimmte Energieformen zu gewinnen, umzuwandeln und zu verteilen, wird wiederum Energie aufgewendet. Der Primärenergiefaktor zeigt das Verhältnis von eingesetzter Primärenergie zur abgegebener Endenergie. Je kleiner der Primärenergiefaktor, desto effizienter ist der Energieeinsatz von der Quelle bis zum Endverbraucher. 7 Qualitäts-Swaps Ein Handel von Bioerdgas mit dem Ziel, die spezifische Qualität vergütungsoptimiert einzusetzen und somit Mehrwerte für die Beteiligten zuerzielen. Strom-Direktvermarktung als Option Um die Energiewende auch unter den Rahmenbedingungen des EEG 2014 voranzutreiben, setzen viele Energieversorger und Kommunen weiter auf die eigene Erzeugung von Strom und Wärme mittels KWK. Neben einer wachsenden Bedeutung des CO 2 -Minderungspotenzials der erzeugten Wärme wird die Direktvermarktung des erzeugten Stroms stärker inden Fokus rücken. Dabei gilt es, dass alle Optionen, wie die Bereitstellung von Systemdienstleistungen, strommarktorientierteFahrweise oder auch die Belieferung von Kunden, die Energie im Umfeld der Erzeugungsanlage verbrauchen, indie Konzepte integriert werden. Des Weiteren ist bei der Novellierung des KWK-Gesetzes eine Integration von Bioerdgas angedacht. Sollte diesumgesetztwerden, bestünde auch für Konzepte mit Eigenstromversorgung die wirtschaftliche Möglichkeit die Eigenversorgung mit KWK regenerativ zu gestalten. Chancen durch Bilanzkreiskooperation Neben neuen Absatzwegen ist Biogasproduzenteneine Optimierung des eigenen Portfolios zu empfehlen. So schafft das EEG 2014 beispielsweise die Möglichkeit zu einer getrennten Bilanzierung der Gärsubstrate und damit zu einer besseren Erlössituation. Qualitäts-Swaps und eine Bilanzkreiskooperation, die zum Beispiel Arcanum Energy anbietet, sind weitere Optimierungsmöglichkeiten. An der Bilanzkreiskooperation beteiligen sich gegenwärtig mehr als 40 Unternehmen –vom Landwirt bis zum Energiekonzern –umgemeinsam die Kosten und Risiken bei der Bilanzierung von Bioerdgas deutlich zu reduzieren. Mittlerweile deckt die Kooperation mit 1,4 Terawattstunden 25 Prozent des Bioerdgasmarktes inDeutschland ab. Bei der Bilanzierung und dem Transport von Bioerdgas fallen neben den eigentlichen Abwicklungskosten weitere Bilanzierungskosten an, zum Beispiel für Marktüberschreitende Transporte, Regelenergieumlage, Flexibilitätsinanspruchnahme, Konvertierung, Ausgleichsenergie und die Nutzung des Virtuellen Handelspunktes (VHP). In der Bilanzkreiskooperation werden genau diese Kosten marktgebietsübergreifend reduziert. Zudem bieten sich Teilnehmern Erlöschancen durch die Weitergabe des ungenutzten Teils ihres Bioerdgas-Flexibilitätsrahmens. Auch die Möglichkeit eines rückwirkenden kostenreduzierten Handels innerhalb der Kooperation bietet enorme Vorteile. Der Mengeneffekt und ein professionelles Portfoliomanagementminimierendie Risiken und Kosten für alle Teilnehmer. Für den einzelnen Teilnehmer besteht dabei kein zusätzliches Risiko, denn die Kosten der Einzelabrechnung ohne Kooperationseffekte werden inkeinem Fall überschritten. Die Einsparung fünfstelliger Beträge ist bei mittelgroßen Teilnehmer-Portfolien zwischen 10 und 60 Gigawattstunden keine Seltenheit. Insbesondere in Portfolien, in denenbei Einzelbilanzierung auch Ausgleichsenergie entstanden wäre,entstehenhohe Kostensenkungseffekte. Netz von Branchenakteuren im Aufbau Arcanum Energy kann durch langjähriges Know-how die nach der EEG- Novelle nötige Umstellung mit individuell tragfähigen Lösungen begleiten. Ein erster Schritt: Der Dienstleister baut gegenwärtig die „ArGe Bioerdgas 2.0“ auf. Hinter diesem Kürzel verbirgt sichein Netzwerk vonBranchenakteuren, die gemeinsam für die erfolgreicheEinspeisung,Abwicklung und Verwendung von Bioerdgas unter den Vorzeichen des EEG 2014 eintreten. Der gegenseitige Erfahrungsaustausch begann mit einer Auftaktveranstaltung derArGe am 8. Oktober 2014. Vera Schürmann, Arcanum Energy Management GmbH, Unna, info@arcanum-energy.de UmweltMagazin Oktober -November 2014 25

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