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10/11 | 2014

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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Wasser/Abwasser Beim sechsspurigen Ausbau der A8 auf der Albhochfläche bei Ulm haben GFK-Wickelrohre der Amiantit-Gruppe eine zentrale Bedeutung für die schnelle und umweltverträgliche Projektdurchführung. Imersten Bauabschnitt der Ausbaustrecke zwischen Ulm und Hohenstadt wurden 26 Kilometer GFK-Rohre des Flowtite-Systems der Amiantit Germany GmbH in Nennweiten von DN 300 bis DN 1200 verlegt – und das sehr erfolgreich: Inden bislang der obligatorischen Dichtheitsprüfung unterzogenen 20 Rohr-Kilometern wurde nicht eine einzige Undichtigkeit entdeckt. Hoch belastbares Leichtgewicht: Auch in 12 Meter-Längen lassen sich Flowtite-Rohre schnell und sicher verlegen. GFK-Rohre fürumweltverträgliche Entwässerung Sophie Schubert Der sechsspurige Ausbau der Autobahn A8 zwischen Stuttgart und Ulm gehört seit Jahren zu denwichtigsten Infrastruktur-Projekten Süddeutschlands. Rund 67 000 Fahrzeuge täglich bewegen sich auf der Ost- West-Straßenverbindung im süddeutschen Raum. Zu den planerisch und baulichschwierigsten Vorhaben gehört die A8ohnehin, und das nicht nur,weil unmittelbar parallel zur Autobahn zeitgleich auch die neue ICE-Trasse Stuttgart-Ulm gebaut wird. LangeAbschnitte dieses Infrastruktur-Korridorssind baugeologisch anspruchsvoll und ökologischsensibel zugleich. Die imaktuellen Bauabschnitt zwischen Ulm und Hohenstadt durchquerte Jurakalk-Hochebene ist ausgewiesenes EU-Biosphärenreservat und für die regionale Wasserwirtschaft sehr bedeutsam. In der felsig-zerklüfteten Geologie versickern Niederschläge schnell, um anderswoinQuellenwieder zutage zu treten –auchder spektakuläre, weltberühmte „Blautopf“ein paar Kilometer weiter südlich wird teils durch Niederschläge gespeist, die imBereich der Verkehrs-Großbaustelle fallen. Entsprechend scharf sind die Umwelt-Vorgaben, die das Regierungspräsidium Tübingen als Auftraggeber den Planern und bauausführenden Unternehmen gemacht hat. Es wurde für den Autobahnausbau die Anwendung des ATV-DVWK-Arbeitsblattes A 142 „Abwasserkanäle und LeitungeninWassergewinnungsgebieten“ vorgeschrieben. Eine unmittelbare Folge dieser Rahmenbedingung betraf die Werkstoff- Auswahl für den Bau der Niederschlagsentwässerung der Autobahn-Trasse: Es wurdenRohreaus Glasfaser-verstärktem Kunststoff (GFK) ausgeschrieben,wobei sich letztlich das GFK-Rohrsystem Flowtite der Amiantit-Gruppe im Rahmen des erfolgreichen Gebotes der Xaver Lutzenberger GmbH aus Pfaffenhausen durchsetzte, die nach Baubeginn 2012 den aktuellen Bauabschnitt bisEnde 2015 realisierenwird. Zum Einsatz kamen Flowtite-Wickelrohre inNennweiten von DN 300 bis DN 1200 derDruckstufePN1mit Ringsteifigkeiten von SN 10 000 (< DN 600) beziehungsweise SN 5000 (> DN 600). Als Verbindungselement wurden Druckkupplungen der StufePN6festgelegt, die einem Prüfdruck von wenigstens 9bar stand halten. Damit istein Gesamtsystem aus Rohr und Kupplung geschaffen, das den Anforderungen von ATV-DVWK A142 fürdie Schutzzone II beziehungsweise III ausgelegt und den speziellenRahmenbedingungen auf der Baustelle gerecht wird. Nach Verlegung wird das Entwässerungssystem bauseitig nochmals mit 240 mbar Prüfdruck auf Dichtheit geprüft. Maßgeblichmit entscheidend für die Auswahlvon GFK war, dass sichmit diesem statischhochbelastbaren,aber vergleichsweise leichten Werkstoff Einzelrohrevon 12 Metern Länge fertigen und 36 UmweltMagazin Oktober -November 2014

Lager mit 12 Meter langen GFK-Rohren am Rande der Autobahnbaustelle im aktuellen Bauabschnitt bei Dornstadt. auf der Baustelle problemlos mit konventionellem Baugerät handhaben lassen –und zwar bei praktischallenNennweiten, bis inden begehbaren Bereich hinein: Selbst ein Flowtite-Rohr DN 1000 von 12Metern Länge wiegt nur knapp 1300 kg und ist von jedem durchschnittlichen Baustellenbagger zu bewegen. Solche Rohrlängen, die in Beton nicht einmal näherungsweise praktikabel sind, reduzieren die Menge der Rohrmuffen imVerlauf der Leitung drastisch. Das wiederum senkt die Zahl Flowtite-Rohre in der Übersicht der einzelnen Montage-Vorgänge und beschleunigt den Bauablauf, zumal die Flowtite-Kupplungen einfach und sicher zu handhabensind. Vorallemsind Muffen denPlanernals potenzielle Schwachstelle im Rohrstrang stets suspekt; es gilt hier die Devise: Je weniger Muffen, desto besser. Wobei die Rohrverbindungen, die seit Baubeginn an derA8zum Einsatz kommen, solche Befürchtungen eigentlich nachhaltig entkräften. Im November 2013 wurden die ersten 20 Kilometer GFK-Rohre des Systems Flowtite werden seit 1993 im Werk Mochau (Sachsen) der Amiantit Germany GmbH hergestellt. Die Rohre werden nach einem patentierten Rohrwickelverfahren auf einer rotierenden Form hergestellt; Komponenten sind Endlos-Glasfasern (Rovings), Glas-Wirrfasern, Kunstharz und gegebenenfalls mineralische Zuschlagstoffe. Flowtite-Rohre werden in Nennweiten von DN150 bis DN 4000 produziert, wobei die Herstellung beliebiger Zwischengrößen möglich ist. Es sind im Prinzip beliebige Rohrlängen herstellbar, wobei logistische Aspekte eine praktische Grenze bei 12 Metern setzen. Markante Eigenschaften des Systems sind geringe Metergewichte und leichtes Handling, hohe Korrosions- und Abrasionsbeständigkeit und exzellente statische Kennwerte. Durch Verwendung von Vinylester-Harz (statt Epoxidharz) können Flowtite-Rohre hergestellt werden, die extremen thermischen und chemischen Anforderungen gewachsen sind und zum Beispiel als Produktenrohre in der chemischen Industrie Anwendung finden. Bilder (3): Amiantit Germany GmbH Flowtite-Rohre nach dem scharfen Standard von ATV-DVWK A 142 auf Wasserdichtheit geprüft. Es wurden Dichtheitsprüfungen ganzer Abschnitte vonSchacht zu Schacht durchgeführt. Von den weit mehr als 1600 eingebauten Rohren samt Rohrverbindungen erwies sich nicht eines als undicht. Dieses Ergebnis spricht nach Ansicht des zuständigen Amiantit-Gebietsleiters Martin Lang nicht nur für die Qualität des Flowtite- Rohrsystems, sondern „natürlich auch für die solide handwerkliche Arbeit der Xaver Lutzenberger GmbH als Bau ausführendesUnternehmen“. Der Einsatzbereich von GFK blieb an derA8übrigens nicht auf die Rohrebeschränkt. Wenngleich für die Schachtbauwerke im Regelfall Beton ausgeschrieben war, kamen vereinzelt durchaus GFK-Schächte zum Einbau. Nämlich dort, wo besonders große beziehungsweise tiefe Schacht-Bauwerke unter räumlichbeengtenVerhältnissen eingebaut werden mussten. Hierspielte die geringere Wandstärke von GFK und die dadurch reduzierten Gesamtabmessungen der Schächte ebenso eine Rolle wie das geringere Gewicht der GFK-Schächte gegenüber Beton. Hinzu kommt, dassGFK-Schachtbauwerke beliebigerGröße nichtaus Einzelteilenzusammengesetzt sind, sondern als monolithische Baukörper dauerhaft kompromisslose Dichtheitbieten. Letztlichhaben GFK beziehungsweise Flowtite als Rohrwerkstoff imBaustelleneinsatz an der A8bislang rundum überzeugt. Für die Amiantit-Gruppe und ihren Gebietsleiter Martin Lang vonder Amiantit GermanyGmbHhatte diesimApril 2014 eine erfreuliche Konsequenz: Auch beim nächstfolgende Bauabschnitt mit bis zu20Kilometern zu verlegenden Entwässerungsrohren werden unter anderem wieder GFK Flowtite-Rohrsysteme zum Einsatz kommen. Sophie Schubert, Amiantit Germany GmbH, Mochau, sophie.schubert@amiantit.eu UmweltMagazin Oktober -November 2014 37

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