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10/11 | 2014

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TECHNIK UND MANAGEMENT

TECHNIK UND MANAGEMENT Wasser/Abwasser Mit der Schacht-in-Schacht- Sanierung steht Planern und Entscheidungsträgern eine stabile, korrosionsbeständige und gegen drückendes Wasser dichte Sanierungsalternative für Kanalschächte zur Verfügung. Schacht-in-Schacht-Sanierung: Kunststoffschacht mit bereits verdämmtem Ringspalt vor Baugrubenverfüllung und Straßenwiederherstellung Alternative Schachtsanierung Tobias Heger Die Schacht-in-Schacht-Methode (SiS-Methode) ist ein bisher selten angewandtes und somit noch relativ unbekanntes Sanierungsverfahren für Kanalschächte.Essiedelt sichzwischen den Auskleidungsverfahren und der Erneuerung an. Der Vorteil besteht im Wesentlichen darin, einen neuen, statisch selbsttragenden, chemisch resistenten und wasserdichten Schacht einzubauen. Und das ohne die bei der Erneuerung auftretenden Nachteile, wie zum Beispiel Errichten von aufwändigem Verbau, Setzen von Spundwänden oder Bohren von Brunnen zur Grundwasserabsenkung. Der Eingriff in den Straßenkörper ist bei der SiS-Sanierung gering und von kurzer Dauer. Ebenso besteht keine Gefahr, kreuzende Telekommunikations-, Wasser- oder Gasleitungen zu beschädigen, was vor allem im innerstädtischen Bereich das Risiko starkreduziert. Für Bestandsschächte zwischen 1000 und 1200 mm Im Vergleich zuAuskleidungsverfahren, bei denen oft Spezialfirmen zur Durchführung von Schweißarbeiten oder der Verarbeitung von GFK-UP- Laminaten beauftragt werden müssen, istfür die SiS-Methode keine Spezialausrüstung erforderlich. Wenn der Bestandsschacht mit seinen Zuläufen zuvor korrekt vermessen wurde, wird der SiS-Schacht am Einbautermin nur noch herabgelassen und der Spalt zum Altschacht mit Vergussmörtel verdämmt. Er wirddemnachnicht vorOrt,sondern im Herstellwerkgefertigt. DasVerfahren eignetsichfür runde Bestandsschächte, deren Innendurchmesser zwischen 1000 und 1200 mm beträgt. Referenzbeispiel Werneuchen In Werneuchen, einer Ortschaft an derBundesstraße158 östlichvon Berlin, sanierte Ende vergangenen Jahres die Esbe RohrleitungsbauGmbHsieben Abwasserschächte mit dieser Methode. Das Unternehmen entschied sich für SiS, „weil sie alsschnellste und hinsichtlich Reklamationsrisiko sicherste Methode angesehen wurde, die Kanalschächte zu sanieren“, erläutert Geschäftsführer FriedrichBrennenstuhl. Aufgrund von drückendem Grundwassergab es zuvor immerwiedernegative Erfahrungen mit Schachtbeschichtungen und auchder Austauschder teils stark korrodierten Schächte wäre nur mit aufwändiger,kostenintensiverWasserhaltung mit den bekannten Setzungsrisiken an der umliegenden Bebauung realisierbar gewesen. Aufgrund der bei SiS nicht erforderlichen Interimsentwässerung konnten die Kosten nochmals deutlich gesenkt werden. „Im Fall Werneuchen kam hinzu, dass auf der viel befahrenen Bundesstraße nur kurzzeitige und lokale Verkehrsbeeinträchtigungen geduldet wurden“, schildertFriedrich Brennenstuhl. Maßfertigung nach exakter Vor-Ort-Dokumentation Nach Erteilung des Sanierungsauftrags hatEsbezunächst die schadhaften Betonschächte DN 1000 ausgemessen. Hierbei wurden die tatsächlichen Innendurchmesser der ankommenden und abgehendenRohresowie derenAnschlusswinkel und Sohltiefen aufgenommen und zusammen mit weiteren Informationen ineinen Objektfragebogen eingetragen. Auf Basis der Fragebögen konstruierte und produzierte der Hersteller Rehau die Schächte für die Schacht-in-Schacht- Sanierung. Als Basis diente der Rehau Awaschacht PP DN 800, der mit 95 cm Außendurchmesser genau in einen 1000er Betonschacht hineinpasst. Einbauschritte Die vorbereitenden Bauarbeiten bestanden darin, eine etwa 2,5 x2,5 m breite und rund 1mtiefe Baugrube auszuheben und den Betonkonus abzutragen. Bevor die SiS-Bauteile eingesetzt werden konnten, mussten die alten Steigeisen herausgetrennt, das alte Gerinne ausgestemmt und einragende Rohrstutzen zurückgeschnitten werden. Nachdem der freie, vertikale Durchgang von 1000 mm hergestellt 38 UmweltMagazin Oktober -November 2014

Bilder (4): Rehau Abbruch des Gerinnes imBestandsschacht SiS-Schachtboden mit eingelegten Dichtungen kurz vor dem Einbau Absperrblasen dienen als Schalung beim Verfüllen mit Vergussmörtel. war, wurde der SiS-Schachtboden mit den zuvor montierten Dichtungen an einem Seil herabgelassen. Die Rohranschlüsse wurden hinsichtlich ihrer vertikalen und horizontalen Lage zu den Bestandsleitungen geprüft und der Schachtbodenwurde nachjustiert. Danach setzten die Arbeiter KanalabsperrblaseninZulauf und Ablauf ein, pumpten sie aufetwa1,0 bis1,5 barauf und prüften noch einmal die korrekte horizontale und vertikale Lage des Schachtbodens, um beimspäterenAufsetzen der Schachtringe nicht mit der Betonschachtwand in Konflikt zu kommen. Der Hohlraum unterhalb des SiS-Schachtbodens sowie der Spalt zwischen dem alten und dem neuen Schacht wurde mit abwasserbeständiger, hydraulisch abbindender Vergussmasse verdämmt. Die Absperrblasen dienten hierbei als Innenschalung. Der Schachtvergussmörtel wurde soweit eingefüllt, bis jede Absperrblase mindestens 5cm überdeckt war. Umden SiS-Schachtboden gegen die temporär auftretenden Auftriebskräfte infolge des Vergussmörtels zusichern, wurden vor Beginn der Verfüllung drei Auftriebssicherungswinkel an der Betonschachtwand befestigt. Nach etwa 45 bis 60 Minutenwar die Vergussmasse ausgehärtet.Die Absperrblasen wurden entfernt und die Haltung konnte sofortwiederinBetrieb genommen werden. Je nachZeitaufwand für denAbbruch des alten Gerinneswar die jeweilige Haltung nur 3bis 5Stundenaußer Betrieb. Nachdem auch die Sicherungswinkel abgeschraubtwaren,konnten die weite- ren Schachtringe aufgesetzt werden. Der verbleibende Ringspalt oberhalb der Zuläufe wurde mit fließfähigem Zementmörtel gefüllt und anschließend der Straßenaufbau gemäß der Einbauanleitung des Rehau Awaschacht wiederhergestellt. Vorteile für Betreiber Die Vorteile des SiS-Verfahrens mit demAwaschachtstellensichfür die Betreiber wie folgt dar:Ander Stelle desalten Beton- oder Mauerwerksschachtes befindetsichnun ein Kunststoffschacht aus Polypropylen,der als eigenständiger Schacht statisch selbsttragend bis zur Belastungsklasse SLW 60ist. Der Kunststoffschacht ist korrosionsfrei und besitzt eine porenfreie, glatte Oberfläche. Die Substanz und somit Dichtheit und Stabilität bleiben dauerhaft erhalten. Die Baumaßnahme verursacht nur einen lokal begrenzten Eingriff in den Straßenverkehr und ist aufgrund der Witterungsunempfindlichkeit des Verfahrens zeitlichgut planbar. Da es sich um eine Komplettsanierung handelt, besteht bei fachgerechtem Einbau kein Risiko bezüglich wiederkehrender Sanierungsaufwendungen andieser Stelle. Esist jedoch zubedenken, dass der Schachtdurchmesser von vormals 1000 mm auf anschließend 800mmreduziertwurde. Weil heutzutagebei Inspektions-und Wartungsarbeiten allerdings kaum mehr in Schächte eingestiegen wird und die SiS-Sanierung eine dauerhafte Lösung für mehrere Generationen verspricht, findet diese Sanierungsmethode dennochgroßenZuspruchbei denAuftraggebern. Vorteile für Bauunternehmen Die Vorteile für Bauunternehmenbestehen in der Reduzierung des Gewährleistungs- und somit Kostenrisikos und der Planbarkeit der Sanierungsmaßnahme.Weildie alte Schachtsubstanz – im GegensatzzuAuskleidungs- oder Beschichtungsverfahren –nicht benötigt wird, ist eine Untergrundvorbehandlungnicht erforderlich. DieSchacht-in- Schacht-Sanierung kann bei jeder Witterung erfolgen, sodass geplante Einbautermine eingehalten werden können. Abdichtungsmaßnahmenbei drückendemGrundwasser sind nicht zwingend erforderlich und müssen gegebenenfalls bei starkemWassereintritt auch nur wenige Stunden funktionieren. Die Hauptfehlerquelle der unzureichenden Untergrundvorbehandlung ist bei diesem Verfahren ausgeschaltet. Der eingesetzte Kunststoffschacht bekommt keine Risse und die Oberfläche kann nicht abplatzen,sodass diesbezüglichnicht mit demRisikoauf kostenlose Nachbesserung gerechnet werden muss. Und auch während der Einbauphasebesteht in derRegel keine Gefahr, dass am Schacht vorbeilaufende Versorgungsleitungen beschädigt werden, weil Erdarbeiten auf etwa 1mTiefe begrenzt sind und mit Minibagger ohne Bodenaustausch bewerkstelligt werden können. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Tobias Heger, Rehau AG+Co, Erlangen, tobias.heger@rehau.com UmweltMagazin Oktober -November 2014 39

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