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10/11 | 2014

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ORGANSCHAFTEN

ORGANSCHAFTEN UBA-Jahresbericht Emissionsanforderungen auf EU-Ebene Kontakt VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (VDI-GEU) Dirk Franz Franzen Postfach 101139 40002 Düsseldorf Tel.: 0211/6214-415 Fax: 0211/6214-177 geu@vdi.de www.vdi.de/geu Der VDI begrüßt Forderungen des Umweltbundesamts und sieht erheblichen Handlungsbedarf bei Emissionsanforderungen auf EU-Ebene Inseinem kürzlich vorgestellten Jahresbericht sieht das Umweltbundesamt (UBA) Bedarf anschärferen Emissionsanforderungen auf EU-Ebene, etwa für Pkw, Baumaschinen und Industrieanlagen. Auch in der Schifffahrt und in der Landwirtschaft müssen die Emissionen deutlich gesenkt werden. Diesen Forderungen schließt sich der VDI im vollen Umfang an. InDeutschland sind rund 35 Prozent aller Menschen besonders stark von Schadstoffbelastungen in der Luft betroffen. Das sind jene rund 30 Millionen Einwohner, die in Ballungsräumen –also an Standorten für Industrie und Gewerbe und auch Verkehrsknotenpunkten – leben. Das belegen die Auswertungen des Bild: Thomas Max Müller/Pixelio UBA zuStickstoffdioxiden, Feinstaub-Partikeln und auch Ozon. Studien zeigen, dass sich Wirkungen von Ozon auf den Menschen auch bei sehr niedrigen Konzentrationen beobachten lassen. Der VDI empfiehlt deswegen, bereits bei einem Halbstunden-Mittelwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter die Bevölkerung zu informieren, umgesundheitsschädigende Wirkungen zuvermeiden. Aktuell gilt inDeutschland noch ein 1-Stunden- Mittelwert von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter. Auch Kamin- und Kachelöfen tragen inWohngebieten zum Teil erheblich zur Feinstaubbelastung bei. Mit einer Verschärfung der Grenzwerte in der 1. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) will der Gesetzgeber dem entgegenwirken. Eine VDI-Arbeitsgruppe ist derzeit dabei, Prüfverfahren für die Bestimmung der Wirksamkeit von Staubabscheidern für solche Einzelraumfeuerungen zu standardisieren und über diesen Weg die Luftqualität inWohngebieten zu verbessern. Der VDI will somit sicherstellen, dass die gesetzlich geforderten Grenzwerte eingehalten werden. Das UBA wird bei der Erstellung gesetzlicher Grundlagen zum Thema Luftreinhaltung seit über 50 Jahren von der VDI-Fachgesellschaft Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) auf Basis der Erarbeitung von technischen Regeln (VDI-Richtlinien und DIN-Normen) intensiv unterstützt. Sosteht beispielsweise die exakte Messung von Luftschadstoffen im Fokus der europäischen Standardisierungsarbeit der KRdL. In der gerade veröffentlichten DIN EN 12341 wird ein Feinstaubmessverfahren beschrieben, das eine europaweit einheitliche Überwachung der EU-Feinstaubgrenzwerte sicherstellen soll. Die Aktivitäten des VDI in der Luftreinhaltung zeigt der Videoclip „Luft zum Leben“ auf dem Youtube-Kanal des VDI unter www.youtube.com/meinvdi. Europäische Kommission Stärkung der Kreislaufwirtschaft Anfang Juli 2014 hat die Europäische Kommission eine Mitteilung zur Kreislaufwirtschaft unter dem Titel „A Zero Waste Programme for Europe“ veröffentlicht. Die Mitteilung an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen beinhaltet Vorgaben zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft unter Berücksichtigung der EU-Abfallrahmenrichtlinie, der EU-Deponierichtlinie und der EU-Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle: 7 Steigerung der europäischen Recyclingquote für Siedlungsabfälle auf 70 Prozent bis 2030, 7 Steigerung der europäischen Recyclingquote für Verpackungsabfälle auf 80 Prozent bis 2030, 7 sowie Verbot der Deponierung von recyclingfähigen Abfällen wie beispielsweise Plastik, Metall, Papier bis zum Jahr 2030. Das Dokument der Kommission ist ein weiterer Schritt inRichtung einer ressourceneffizienten, schadstoffarmen und nachhaltigen europäischen Wirtschaft und Gesellschaft. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Interview auf der folgenden Seite. Bild: VDI 54 UmweltMagazin Oktober -November 2014

ORGANSCHAFTEN „Neuregelungen nicht überall umsetzbar“ Jedes Jahr fallen in der EU rund 2,5 Milliarden Tonnen Abfälle an. Um den Gedanken einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft zustärken, hat EU- Umweltkommissar Janez Poto‹nik das Jahr 2014 zum Jahr des Abfalls erklärt und strebt eine Überarbeitung des EU-Abfallrechts an. Unter anderem sollen die Mitgliedsstaaten bis 2030 rund 70 Prozent der Siedlungsabfälle und 80 Prozent der Verpackungsabfälle recyceln. Über die Umsetzbarkeit und die Aussichten einer Kreislaufwirtschaft inEuropa haben wir mit Prof. Dr.-Ing. Peter Quicker, Institutsleiter ander RWTH Aachen (TEER –Lehr- und Forschungsgebiet Technologie der Energierohstoffe) und Experte des VDI für thermische Abfallbehandlung, gesprochen. Unter seinem Vorsitz ist mit der Richtlinie VDI 3460 Blatt 1 „Emissionsminderung; Thermische Abfallbehandlung; Grundlagen“ die bisher umfangreichste VDI-Richtlinie zudiesem Thema entstanden. Herr Professor Quicker, das Abfallaufkommen inder EU hat sich inden vergangenen Jahren trotz strengerer Zielvorgaben kaum verringert. Ist die aktuelle Abfallpolitik der EUnoch zeitgemäß? Quicker: Indiesem Zusammenhang spreche ich ungerne von Europa. Im Grunde müssen wir drei getrennte Bereiche betrachten. Zum einen die Staaten in Zentraleuropa, also von Skandinavien bis hin zuÖsterreich. Hier erfüllen wir bereits die EU-Vorgaben in großen Teilen. Die Recyclingquoten sind gut, esfindet keine Deponierung ohne Vorbehandlung statt. Darüber hinaus gibt es die Randstaaten wie Frankreich, Großbritannien und Spanien sowie Tschechien, Polen und Ungarn. Hier reichen die Kapazitäten zur Abfallvorbehandlung nicht aus, sodass wir leicht Deponierungsquoten bis hin zu 60 Prozent erreichen. Und zuletzt müssen wir die neuen Beitrittsländer betrachten wie Malta, Rumänien und Bulgarien. Dort wird nahezu der gesamte Abfall deponiert. So gesehen müsste die Abfallpolitik der EU und ihre angestrebte Überarbeitung auf die verschiedenen Länder zugeschnitten werden. Die Rahmenbedingungen, die gesetzt werden sollen, sind gut. Allein an der Umsetzung hapert es. Welche Länder holen aus Ihrer Sicht am schnellsten auf? Quicker: Das sind zum Beispiel Polen und Tschechien, aber auch Großbritannien. Hier werden ingroßem Maße Abfallbehandlungssanlagen geplant und gebaut. Die Balkenstaaten hingegen stehen noch ganz am Anfang. Hier von einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft zusprechen, ist noch nicht angebracht. Der Gedanke einer Kreislaufwirtschaft müsste hier also erst einmal implementiert werden? Quicker: Ja. Natürlich gibt es in manchen Bereichen bereits das Verständnis für die Notwendigkeit eines Stoffkreislaufs. Aber eine staatliche Steuerung dieser Prozesse existiert kaum. Nun strebt EU-Umweltkommissar Janez Poto‹nik eine Überarbeitung der Abfallpolitik in Europa an. Wie bewerten Sie die Vorschläge auch gerade vor dem Hintergrund der ungleichen Rahmenbedingungen der verschiedenen Mitgliedsländer? Sind die neuen Ziele überall umsetzbar? Prof. Dr.-Ing. Peter Quicker, RWTH Aachen Quicker: Inden Kernstaaten, also natürlich auch in Deutschland und den Benelux-Ländern, sind die Ziele absolut erreichbar, teilweise werden sie bereits übererfüllt. Die bereits angesprochenen Randstaaten müssen sich dagegen sehr anstrengen. Bei relativ hohen Deponierungsquoten, inGroßbritannien sprechen wir von gut 50 Prozent, in Spanien sogar von 60 Prozent, wird esschwer werden, die neuen Ziele in einem überschaubaren Zeitrahmen zu erfüllen. Zumal in manchen dieser Staaten die wirtschaftliche Situation soangespannt erscheint, dass es fraglich ist, wie viel dort inden Umweltschutz investiert werden kann. Und in den neuen Beitrittsländern wie Bulgarien halte ich sie erst einmal für nicht umsetzbar. Sehen Sie auf Seiten der Kernstaaten noch Verbesserungspotenzial? Quicker: Technisch weniger, aber strukturell durchaus. In Deutschland etwa haben wir immer noch Grabenkämpfe zwischen den öffentlich-rechtlichen Betreibern von Müllverbrennungsanlagen und den privaten Sammlern. Letztere sind natürlich auf hohe Mengen aus und stehen damit in Konkurrenz zur Verbrennung. Solche, teils ideologisch geführte, Konflikte können das Erreichen der hohen Recyclingquoten erschweren. Technisch gesehen haben wir aber einen sohohen Standard erreicht, dass wir uns verstärkt mit dem Rest von Europa beschäftigen müssen. Dort wird noch zu häufig deponiert. Mit allen negativen Folgen für die Umwelt, also von toxischem Sicherwasser bis hin zur Entstehung von Deponiegas. Welchen Einfluss wird die anstehende Neuregelung der EU-Abfallpolitik auf die Arbeit der VDI-Gremien imHinblick auf die Richtlinienarbeit haben? Quicker: Wenn die neuen Vorgaben in Bundesrecht einfließen, werden sie sich natürlich auch in Gesetzen und Verordnungen wieder finden. Beispielsweise in der 17. BImschV, die gerade für den Bereich der thermischen Abfallverwertung, in dem ich aktiv bin, sehr wichtig ist, oder auch imKreislaufwirtschaftsgesetz. Und sobald die Neuregelungen hier angekommen sind, wird es auch für uns relevant. Da kann es sein, dass technische Lösungen, die bislang zulässig waren, plötzlich nicht mehr zu den angestrebten Recyclingquoten führen. Herr Prof. Quicker, vielen Dank für das Gespräch. UmweltMagazin Oktober -November 2014 55

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