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10/11 | 2014

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SERVICE Umweltmärkte

SERVICE Umweltmärkte Bild: www.freeimages.com Recycling-und Entsorgungswirtschaft im Vereinigten Königreich Das Umweltbewusstsein ist bei den Briten zum Teil weniger entwickelt als in Deutschland. Mit steigendem Wohlstand haben sie dieses jedoch entdeckt und Marktforscher prognostizieren für die Periode bis zum Jahr 2018 ein Wachstum der Abfall- und Recyclingbranche von über 13 Prozent. Um den diversen EU-RichtlinienimBereich der Abfall-/ Recyclingwirtschaft nachzukommen, sind noch zahlreiche Reformen notwendig. Die immer noch viel genutzten Deponien im Vereinigten Königreich sollen nach und nach unter anderem durch Energy-fromwaste-Anlagen ersetzt werden. Marktvolumen, Bedarf und Aussichten Das Marktvolumen der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft im Vereinigten Königreich belief sich in 2013, nach Angabendes Marktforschungsunternehmens Key Note, auf rund 11,9 Milliarden Euro. Das entsprach einem Umsatzwachstum von 5Prozent gegenüber dem Vorjahr, mehr als ursprünglich von Experten erwartet. Für den Zeitraum 2014 bis 2018 wird insgesamt eine Zunahme desBranchenumsatzes von rund 13 Prozent prognostiziert. Auch wenn Deponien im Vereinigten Königreich eine immer geringere Rolle spielen, landeten 2012 noch insgesamt rund 37 Prozent des behandelten Abfalls auf einer Müllhalde. EU-weit gesehen waren es nur 34 Prozent Eine vergleichsweise kleine Menge des behandelten Abfalls (17 Prozent) wird im Vereinigten Königreich verbrannt. In Zukunft dürfte dieser Teil, unter anderem aufgrund mehrerer geplanter Energy-from-waste-Anlagen, zunehmen. Der Recycling-Anteil liegt im Vereinigten Königreich mit 28Prozent knapp über dem EU-Durchschnitt in Höhe von 27 Prozent, aber sehr deutlich unter dem Niveau von Deutschland (47 Prozent). Rund 18 Prozent der Abfallmenge wird im Vereinigten Königreich kompostiert (Deutschland: ebenfalls 18 Prozent). In den vergangenenJahrenexportierte das Vereinigte Königreich vor allem große Mengen Kunststoff zwecks Recycling in die Volksrepublik China. Das Verschiffen von Abfällen unterliegt sowohl europäischen als auch britischen Richtlinien und Kontrollen, die abhängig sind von der Art, dem Ziel und der Weiterverwendung. Das Umweltbewusstsein ist im Vereinigten Königreich teilweise geringer ausgeprägt als in Deutschland. Zum guten Service in englischen Supermärkten gehört es beispielsweise immer noch, dass die Angestellten die Ware ungefragt und kostenlos in Tüten aus Kunststoff verpacken. Jährlich werden rund 8Milliarden Plastiktüten ausgegeben. 64 UmweltMagazin Oktober -November 2014

Das sind umgerechnet rund 120 Stück pro Person und Jahr. Dies soll sich in Zukunftändern. Germany Trade&Invest Germany Trade &Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. Marktentwicklung Ab Herbst dieses Jahres führt Schottland eine Gebühr inHöhe von rund 0,06 Euro pro Plastiktüte ein. England wird diese Regelung dann übernehmen. In Wales und Nordirland bestehen bereits ähnliche Regelungen seit 2011 beziehungsweise seit 2013.InNordirland wardie Einführung so erfolgreich, dass auf eine ursprünglich geplante Erhöhung der Gebühr auf rund 0,13 Euro verzichtet wurde. Offizielles Ziel der EU ist, dass bis2020 mindestens 50 Prozent des europäischen Haushaltsabfalls recycelt werden. Laut der jüngsten zur Verfügung stehenden Statistik des britischen Umweltministeriums lag der Anteil des recycelten Haushaltsabfalls im Fiskaljahr 2012/13 bei 43,2 Prozent (nur englische Haushalte). Zwar hatdas VereinigteKönigreich in den vergangenen Jahren bereits beachtliche Fortschritte beim Recycling gemacht. Um das EU-Ziel bis 2020 zuerreichen, bleibt aber noch viel zu tun. Allerdings wird die EUim Vereinigten Königreich derzeit heftig kritisiert, ein Referendum zu einem mittelfristigen EU-Austritt ist möglich. Einer älteren Abfallstrategie für England von 2007 (Waste Strategy for England 2007) zufolge hatte das zuständige Umweltministerium (DEFRA) ursprünglich angestrebt, die Quote der recycelten und kompostierten kommunalen Abfälle (Haushalte und Gewerbe) bis 2010 auf 53Prozent zu erhöhen. Dieses Ziel wurdenichterreicht. Der Anteil fürdas gesamte Vereinigte Königreich (England, Schottland, Wales, Nordirland) lag 2012 bei 46 Prozent. Im Dezember vergangenen Jahres ergänzte das britische Umweltministerium seine Abfallstrategie von 2007 durch einen neuen „Waste Management Plan for England“. Darin wird das Ziel bestätigt, künftig immer wenigerDeponien zu nutzenund stattdessenauf Müllvermeidung, Recycling und Energy-fromwaste-Anlagen zu setzen. Investitionen Zahlreiche Energy-fromwaste-Anlagen sind –auch aufgrund der Einspeisevergütung – in der Planung, und deutsche Unternehmen wie E.ON sind involviert. Allerdings vergehen in der Praxis oft viele Jahre, bis die für die Errichtung notwendigen Umweltauflagen erfüllt und die Anhörungen der Anwohner abgeschlossen sind. Auch die Finanzierung der kostenintensiven Vorhaben stellt sich nicht immer Recycling von Verpackungen Material 2013 2014 2015 2016 2017 Papier/Pappe 69,5 69,5 69,5 69,5 69,5 Glas 81 81 81 81 81 Aluminium 43 46 49 52 55 Stahl 72 73 74 75 76 Kunststoffe 37 42 47 52 57 Holz 22 22 22 22 22 gesamte Materialrücknahme 75 76 77 78 79 davon recycelt 69 69,9 70,8 71,8 72,7 Recycling-Ziele für Verpackungen bis 2017 (Recycling-Anteil inProzent) – bindend für Unternehmen als einfach heraus. So hat das Umweltministerium in der Vergangenheit mehrere PFI-Darlehen (Private Finance Initiative) wieder zurückgezogen. Darüber hinaus sind zahlreiche Biogas-Anlagen (Anaerobic Digestion) geplant, die unter anderem mit Holzabfällen, zum Teil aber auch mit Essensabfällen (Food Waste) betrieben werden sollen. Die Green Investment Bank (GIB) stellt für die Anlagen Kredite zur Verfügung.Allerdings gibt es nicht genügend Essensabfälle, heißt es in der Studie „Anaerobic Digestion Market Update“ des Research- und Beratungsunternehmens Eunomia. Essensabfälle von Krankenhäusern und Restaurants landen im Vereinigten Königreich meist im Hausmüll. Es fehlt eine umfassend organisierteSammlung von „FoodWaste“. Laut Eunomiabesteht in dieser Hinsicht dringender Handlungsbedarf. Unternehmen, die Verpackungen herstellen oder verwenden, sind im Vereinigten Königreich zu einer Wiederverwertung beziehungsweise zum Recycling verpflichtet. Der britische Abfall- und Recyclingmarkt ist offen für ausländische Investoren und Betreiber. Zahlreiche Städte und Gemeinden arbeiten in der Entsorgungswirtschaftmit privaten Anbietern zusammen. Unternehmen mit spanischer und französischer Kapitalmehrheit sind stark vertreten. Annika Pattberg,GTAILondon Bild: Florentine/Pixelio Tabelle: Department for Environment, Food and Rural Affairs UmweltMagazin Oktober -November 2014 65

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