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10-11 | 2016

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Wasser Sanierung der

Wasser Sanierung der Abwassersysteme am Flughafen Frankfurt am Main Die Logistik-Hauptstraße unterhalb von Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Links die zentrale Pumpe für die Wasserhaltung des zu sanierenden Abwassersammlers. Kanalsanierung im Untergrund ist eigentlich Routine. Dass jedoch Arbeiten unter dem Terminal 1 des Frankfurter Flughafens etwas Besonderes sind, erlebten die Experten der Swietelsky-Faber GmbH Kanalsanierung, Blomberg. Dort baute das Unternehmen Anfang 2016 im Auftrag des Flughafenbetreibers Fraport AG unter anderem Nadelfilz-Schlauchliner DN 100 bis 200 und Glasfaser-Schlauch - liner bis DN 500 in die Entwässerungsleitungen unter dem Keller - geschoss des Terminals ein. Nach der bundesweit geltenden Rechtslage des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) sind auch die Abwassernetze privater Liegenschaften systematisch zu inspizieren, festgehalten in § 54 WHG, und im Falle von Baumängeln zu sanieren, wie es § 55 WHG vorschreibt. Das gilt auch für Flughäfen mit ihren speziellen Abwässern. Die Fraport AG nimmt diese Verpflichtung ernst und kommt ihr konsequent nach. Im Anschluss an eine flächendeckende Inspektion der Abwasserleitungen unter den Terminals sowie den Vor- und Rollfeldern, ist im Jahr 2014 die Sanierung aller schadhaften Anlagen angelaufen. Ein Arbeitsschwerpunkt des ersten Quartals waren die Entwässerungskanäle und -schächte unterhalb von Terminal 1, genau gesagt: unterhalb dessen Kellers. Denn der Hauptterminal des Flughafens für den internationalen Luftverkehr ist vollflächig unterkellert. Über dieses Untergeschoss werden alle Geschäfte und Gastronomiebetriebe der Shopping-Zone beliefert und entsorgt. Unter dem Terminal gibt es ein für Fahrzeuge bis 3 m Höhe zugängliches Straßennetz. Der über einen halben Kilometer langen Versorgungstunnel-Hauptachse und ihren Seitensträngen folgen die Abwasserkanäle, wie bei einem oberirdischen Straßennetz. Unter den Decken der Servicestraßen-Tunnel verläuft die sonstige Versorgungs-Infrastruktur des darüberliegenden Terminals, von Strom- und Datenkabeln bis hin zu Beund Entlüftungsrohren. Das bedeutet, dass oberhalb der Fahrzeughöhe von 3 m kein Bewegungsspielraum mehr vorhanden war. Für das Konzept zur Sanierung der Kanäle des Terminal-Kellers hatte diese beengte Örtlichkeit zwei wichtige Konsequenzen: An eine offene Erneuerung der Rohre war nicht zu denken. Dies wäre mit einem hohen Arbeits- und Kostenaufwand verbunden gewesen und hätte die Versorgung des Terminals monatelang zum Stillstand gebracht. Dazu konnten nur solche grabenlosen Sanierungsverfahren in Betracht gezogen werden, die ein Minimum an Equipment benötigen, maximale Mobilität vor Ort gewährleisten und möglichst kurze Einbauzeiten haben. Enger Zeitplan und strenge Sicherheitsauflagen Vor diesem Hintergrund bekam letztendlich Swietelsky-Faber den Auftrag zur Sanierung der Fraport-Kanäle. Ein wichtiges Kriterium bei der Auftragsvergabe war, dass das Unternehmen bereits Erfahrungen mit Flughafen-Abwassersystemen vorweisen konnte. Die Auftraggeber legen in solchen Fällen einen minutengenau getakteten Zeitplan vor und achten streng auf die geltenden Sicherheitsbestimmungen. Daher greifen sie gerne auf Unternehmen zurück, die sich mit diesen Arbeitsbedingungen auskennen. Für dieses Sanierungsvorhaben gestaltetes es sich so, dass genau von 16:00 bis 4:00 Uhr gearbeitet werden durfte. Während der restlichen Zeit waren die Servicestraßen frei von Wartungstechnik zu halten. Der Zugang zu der unterirdische Baustelle war ein streng reglementierter und kontrollierter Vorgang. Für jedes Fahrzeug und jeden Mitarbeiter waren für jeden Baubereich nicht übertragbare, separate Ausweise erforderlich. Zur Sanierung kamen in Nennweiten ab DN 250 mit UV-Licht aushärtende UV-Schlauchliner zum Einsatz. Die 34 UmweltMagazin Oktober - November 2016

Wasser Voraussetzung der Sanierung war diese Wasserhaltung DN 300, für deren Installation mehrfach Betonwände mit Kernbohrungen geöffnet werden mussten. Lichthärtungstechnologie erfüllte die Vorgaben an Ausrüstung und Bauabwicklung in sehr knapp bemessenen Zeitfenstern. Angesichts des hoch belastbaren Werkstoffs GFK bietet dies eine nachhaltige Sanierungswirkung. In den Seitensträngen mit Leitungen einer Dimension ≤ DN 200 verwendete das Unternehmen Nadelfilzliner, die per Drucktrommel pneumatisch inversiert und durch Heißluftzirkulation ausgehärtet wurden. Bei dieser Verfahrensvariante kann auf den Einsatz von Fahrzeugen gänzlich verzichtet werden. Bypass für die Shopping-Zone Der Haupteinsatz im Keller des Terminals 1 begann am Abend des 7. Februar 2016 mit der Sanierung des Abwasser- Hauptsammlers unter der zentralen Versorgungsstraße. Hier wurden über die Gesamtstrecke von rund 500 m GFK-Liner der Dimensionen DN 300 und DN 500 eingebaut. Im Normalfall ist das Routinearbeit, doch das besondere Umfeld erschwerte die Aufgabe. Bereits die erforderlichen Vorarbeiten gestalteten sich kompliziert, insbesondere die Wasserhaltung, die notwendig war, um die Sanierungsstrecke trocken zu legen und dabei den Abwasserbetrieb in der Shopping-Zone darüber sicherzustellen. Dazu wurde eine Bypass-Leitung aus SML Stahl DN 300 an der Betonwand der unterirdischen Straße installiert. Diese Konstruktion war, wie auch diverse einmündende Seitenstränge der Wasserhaltung, nur realisierbar, indem mehrere Betonwände per Kernbohrung geöffnet wurden. Dies zog mehrtägige Vorarbeiten nach sich, einschließlich des Aufbaus leistungsstarker Pumpen zum Abwassertransport. Die Zugänglichkeit zur sanierungsbedürftigen Leitung wurde durch rund 200 bedarfsgerecht gesetzte Montageöffnungen geschaffen. Über diese wurden auch die Schlauchliner eingezogen. Im Falle der Hauptleitung zogen die Monteure insgesamt neun GFK-Liner per Winde ein und stellten sie durch Luftdruck formschlüssig im Kanal auf. Schließlich wurden die Liner ausgehärtet, indem eine UV-Einheit in gleichmäßiger Geschwindigkeit hindurchgezogen wurde. In mehreren Leitungen kamen alternativ zu den Schlauchlinern rund 350 GFK-Kurzliner zur Reparatur punktueller Defekte zum Einbau. Da nach dem Schlauchlining die Verbindungen zu den Anschlussleitungen wieder hergestellt werden mussten, frästen Roboter rund 300 Stutzen auf. Diese wurden durch Hutprofil-Auskleidungen eingebunden. Zusätzlich wurden etwa 1 000 m 2 Schachtwände beschichtet. Das gesamte Sanierungsvorhaben wurde vom Auftraggeber nachträglich auf einen weiteren Gebäudeteil erweitert, so dass die Arbeiten noch andauern. Für die Teams bedeutet das jedoch Einziehen eines GFK-Liners in den per Kopfloch geöffneten Schmutzwasserkanal. Das Innenleben eines Einsatzfahrzeugs zur UV-Licht-Härtung wurde ausgebaut und zur kellergängigen Mobileinheit umfunktioniert. Bilder: Swietelsky Faber nicht wochenlange Arbeit im Untergeschoss: Teilweise zeitgleich dazu verlief ein weiterer Bauabschnitt auf dem Flughafen-Vorfeld. Dort wurden einige Kilometer GFK-Liner in Nennweiten von DN 200 bis DN 1000 eingebaut. Thorsten Stamm, Wolfram Kopp, Swietelsky-Faber GmbH, Blomberg, thorsten.stamm@swietelsky-faber.de, wolfram.kopp@swietelsky-faber.de UmweltMagazin Oktober - November 2016 35

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