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10-11 | 2016

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Wasser Spezielle

Wasser Spezielle Flachtanks als Rückhalte becken und Sickereinrichtungen Die Kunststofftanks sparen Gewicht und haben eine geringe Einbautiefe. In Folge des Klimawandels treffen Starkregen und lokale Überschwemmungen deutsche Gemeinden immer häufiger. Kommunen schreiben daher zunehmend die Anlage von Regenwasserrückhaltebecken vor, die im Ernstfall die Kanalisation entlasten. Für die Bauherren sind die meist unterirdischen Speicher ein Problem, da klassische Tanks eine tiefe Baugrube mit Böschung erfordern. Als einfache und kostengünstige Alternative hat die Premier Tech Aqua GmbH aus Hamburg großvolumige Flachtanks aus Kunststoff entwickelt. In den letzten Jahren nahmen die Stark regenereignisse in Europa um rund 31 % zu. Als Grund benennt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung die Klimaveränderungen aufgrund der Erderwärmung. Die wärmere Atmosphäre speichert mehr Wasser, das dann in heftigen Regengüssen niedergeht. In Kombination mit der steigenden Flächenversiegelung werden Kanalisationen dadurch schnell überlastet, dies kann zu örtlichen Überschwemmungen führen. Um das zu verhindern, machen immer mehr Städte und Gemeinden bei neuen Bauvorhaben Maßnahmen zum Regenwassermanagement zur Auflage. Angesichts der Flächenknappheit in städtischen Bereichen, die offene Retentionszonen verbietet, bedeutet das in der Regel unterirdische Rückhaltezisternen. Diese sind jedoch meist mit einem hohen baulichen Aufwand verbunden. Denn bei der Tiefe, die herkömmliche, zylindrische Tanks erfordern, muss meist eine Böschung zur Absicherung angelegt und ein Kran zum Einheben verwendet werden. Allein der Aushub beläuft sich bei einer klassischen, runden 5 000-l-Zisterne auf rund 40 m3. Statisch hochbelastbare Struktur nach Vorbild der Natur Im Gegensatz dazu fallen bei einem NeoPlus-Flachtank mit gleichem Volumen nur rund 10 m3 Erdaushub an. Grund dafür ist seine besondere, zum Patent angemeldete Geometrie: Der Behälter ist 1,26 m hoch, 1,42 m inklusive Einstiegsdom, und benötigt keine zusätzlichen Streben oder Verrippungen, um die nötige Belastbarkeit zu erreichen. Stattdessen orientierte sich Premier Tech Aqua an Vorbildern aus der Natur, wie etwa Kürbissen oder Mu- 36 UmweltMagazin Oktober - November 2016

Wasser Bilder: Premier Tech Aqua Mittels eines Baggers lassen sich die Wasserspeicher in die Baugruben heben. Um das Wasser kontrolliert ins Erdreich zurückzuführen, sind die Tanks auch als Versickerungsrigolen erhältlich. scheln, und entwickelte mit Hilfe von Simulationen eine bionische Struktur. Diese ist trotz einem Drittel weniger Gewicht etwa 35 % stabiler als Standard- Formen. Für diese Effektivität erhielt das Konzept im Jahr 2014 den Deutschen Rohstoffeffizienzpreis und 2015 den Red Dot Award für Produktdesign. Die Tanks sind durch die verbesserte Statik je nach Ausführung bis 30 t belastbar. Dabei bleiben sie so leicht, dass sie auf einem Lkw transportiert und mit einem Bagger eingesetzt werden können. Für die Baugrube reicht bei der üblichen Bedeckung von etwa 60 cm eine Tiefe von 2 m ohne groß angelegte Böschung aus. Auf diese Weise bleibt der Aushub gering. Viele Probleme, die sich bei tieferen Grabungen ergeben können, wie beispielsweise Stein- oder Lehmschichten oder eindringendes Grundwasser, lassen sich von vornherein vermeiden. Regenwasser dosiert ableiten oder kontrolliert versickern lassen Um das aufgefangene Regenwasser aufzunehmen und abzuführen, verfügen die Retentionstanks standardmäßig über drei DN-100-Anschlüsse, je nach Bedarf sind auch eine andere Anzahl oder Weiten bis DN 300 möglich. Innerhalb des Behälters ist eine Durchflussdrossel gemäß den jeweiligen Vorschriften montiert, die für eine gleichmäßige Zufuhr zum Kanal sorgt. Größere Wassermassen, etwa aufgrund von starken oder längeren Niederschlägen, werden dadurch zeitverzögert abgegeben, das entlastet das Abwassernetz und verhindert ein Überlaufen. Erst bei einer Menge, die das Fassungsvermögen der Zisterne übersteigt, greift der integrierte Notüberlauf und leitet das überschüssige Regenwasser direkt in die Kanalisation um. Eingesetzt wird diese Technik unter anderem bereits bei der neuen Berliner Philharmonie, bei der zwei jeweils 50 000 l fassende Rückhaltetanks verlegt wurden. Alternativ dazu bietet sich je nach den Umgebungsbedingungen und Bauvorschriften auch eine NeoPlus-Versickerungsrigole an. Viele Gemeinden nehmen den Erhalt des Grundwassers inzwischen sehr ernst und erheben Gebühren für versiegelte Flächen, die in das Kanalnetz entwässert werden. Mit einer Versickerungseinrichtung, die das Wasser speichert und dosiert ins Erdreich abgibt, lässt sich dies umgehen. Dazu wird der Flachtank an der Unterseite mit zahlreichen kleinen Bohrungen versehen und bis zur Tankschulter mit Kies umgeben. Anders als bei Installationen aus vielen einzelnen Sickerelementen reicht bei dieser Methode in der Regel ein Behälter für die gesamte Entwässerung aus, und der Einbauaufwand wird deutlich reduziert. Auch wird nicht die gesamte Anlage mit Geo - vlies umkleidet, sondern nur die Bereiche oben und an den Seiten, um ein Verschlammen der Kiespackung zu verhindern. Ein zusätzlicher Vorfilter soll gewährleisten, dass keine Grobstoffe in den Tank gelangen, die die Öffnungen verstopfen könnten. Großes Volumen, leicht zu reinigen Darüber hinaus besitzen alle NeoPlus- Varianten eine weite Domöffnung mit DN 600 oder optional DN 800 für Reini- gungsarbeiten und Inspektionen. Zusätzlich kann auf Wunsch ein zweiter Dom am anderen Ende in der Behälterkonstruktion angelegt werden. Über diese Einstiegsöffnungen ist der innen rund 1,2 m hohe Tank direkt zugänglich und komplett begeh- oder mit Kameras befahrbar. Zum Säubern reicht durch die glatte Struktur ohne Toträume oder Winkel ein Hochdruckstrahler. Daneben besteht auch die Möglichkeit, den Behälter durchzuspülen. Um beliebige Fassungsvolumen von bis zu 50 000 l zu ermöglichen, werden die Flachtanks im spannungsfreien Rotations-Schweißverfahren monolithisch hergestellt. Dadurch erreicht die Konstruktion eine große Robustheit und bietet dauerhaften Schutz vor Bruch oder Rissbildung. Die gesamte Fertigung erfolgt in Deutschland und unterliegt einer strengen Qualitätssicherung, um die geforderten Eigenschaften sicherzustellen. Als Werkstoff wird Polyethylen (PE) verwendet, da dieses langlebig und resistent gegen Chemikalien ist, so dass selbst saurer Regen oder Abwasser das Material nicht angreifen. Die Innenwände bleiben dauerhaft glatt und bieten Schmutz oder Pflanzen keine Angriffsflächen – anders als zum Beispiel Beton, der nach 15 Jahren deutlich porös wird. Darüber hinaus lässt sich das PE vollständig recyceln, sollte der Behälter irgendwann nicht mehr benötigt werden. Marco Rumberg, Premier Tech Aqua GmbH, Hamburg, ptad@premiertech.com UmweltMagazin Oktober - November 2016 37

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