Aufrufe
vor 3 Jahren

10-11 | 2016

  • Text
  • Unternehmen
  • November
  • Umweltmagazin
  • Oktober
  • Wasser
  • Ressourceneffizienz
  • Umwelt
  • Beispielsweise
  • Energie
  • Betrieb

Wasser Das zukünftige

Wasser Das zukünftige Trainingsgebäude der Tehran Sewerage Company, das für Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich dezentrales Abwassermanagement sowie technische Ausbildung genutzt werden soll. Zentrum für dezentrale Abwasserbehandlung im Iran Die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen im Iran beeinflussen auch den Versorgungssektor. Dadurch steht auch die Wasserwirtschaft im Fokus laufender Trans formationsprozesse. Für lokale Ver- und Entsorger ist es eine große Herausforderung, die Modernisierung umzusetzen. Das Interesse am Aufbau entwicklungspolitischer Kooperationen mit ausländischen Partnern ist daher groß. Auf den Gebieten Anlagenbetrieb und Management wird die Erfahrung deutscher Umweltexperten geschätzt. Das stetige Bevölkerungswachstum sowie der Ausbau von Landwirtschaft und Industrie infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs führen im Iran zu einem rasant zunehmenden Verbrauch an Wasserressourcen. Wasserknappheit ist in der Region ein ernstes Problem, ebenso wie die unzureichende Behandlung des Abwasseraufkommens. Der Handlungsbedarf in Sachen Versorgungssicherheit und der Entsorgungsgewährleistung ist entsprechend hoch. Diese Situation eröffnet einen großen Markt für Anbieter von Produkten und Verfahren zur Abwasseraufbereitung. Abwassersituation und Kooperation In Teheran sind gegenwärtig neun Kläranlagen in Betrieb. Vorhaben zu deren Ausbau mit dem Ziel der Kapazitätserweiterung laufen bereits, zusätzlich befinden sich neue Anlagen in der Planung oder im Bau. Nur wenige Teheraner Haushalte, die über einen Wasseranschluss verfügen, sind abwassertechnisch erschlossen. Die Trinkwasserquellen liegen in ländlichen Gebieten und damit dort, wo eine Abwasserbehandlung bisher kaum oder gar nicht erfolgt. Dies führt dazu, dass die Trinkwasserressourcen durch nicht behandeltes Abwasser kontaminiert werden. Daher ist im Iran der Bedarf an Wissen zu semiund dezentralem Abwassermanagement, Planungsansätzen, Umsetzungskonzepten und Behandlungsverfahren groß. Die Situation bietet somit den Raum für die Positionierung und Markteröffnung für deutsche Unternehmen und Einrichtungen wie dem Leipziger Bildungs- und Demonstrationszentrum für dezentrale Abwasserbehandlung e. V. (BDZ) und seinen Mitgliedern. Seit einem Jahr sind das BDZ, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und die Sachsen Wasser 38 UmweltMagazin Oktober - November 2016

Wasser Das Projektteam für die Planung, den Bau und die Inbetriebnahme des geplanten Demonstrationsfeldes. Workshop bei der Tehran Sewerage Company in Teheran, mit dem Ziel, nationale Stakeholder im Bereich dezentrales Abwassermanagement zu schulen, August 2015. GmbH (SaWa) aus Leipzig in Teheran aktiv und kooperieren mit der Tehran Sewerage Company (TSC). Als Mediator zwischen Technik, Forschung und Wirtschaft wollen die Leipziger Experten mit der TSC zukunftsorientierte Strategien entwickeln, neue Wege für langfristige Kooperationen erschließen und ein nachhaltiges Wassermanagement im Iran mitgestalten. Das Leipziger Expertenteam Konzepte und Strategien Gegenstand der Kooperation ist es, ein Zentrum für dezentrale Abwasserbehandlung in Teheran nach Vorbild der Demonstrationsanlagen des BDZ zu errichten. Der Aufbau eines Demonstrationsfeldes zur Präsentation semi- und dezentraler Abwassertechnik stellt den ersten Schritt des Vorhabens dar. Zum Projektstart in Teheran im August 2015 stellten Experten des BDZ, UFZ und SaWa im Rahmen eines Kickoff-Workshops der Geschäftsführung und dem Projektteam der TSC effiziente Behandlungstechnologien vor. Dazu führten sie ein zugeschnittenes Fortbildungsprogramm zu den Perspektiven einer dezentralen Abwasserbewirtschaftung in Regionen mit Wassermangel durch. Gemeinsam mit den lokalen Entscheidungsträgern wurden der Standort des geplanten Demonstrationszentrums sowie die von den Teheraner Abwasserwerken geforderten technischen Ausrüstungen definiert. Das BDZ erläuterte sein integratives Konzept, bestehend aus einer Potenzialanalyse der verschiedenen Technologien, dem Betriebs- und Wartungsaufwand sowie dem notwendigen Wissenstransfer, um das Abwassermanagement nachhaltig zu etablieren. Das deutsche Prüf- und Zertifizierungssystem für Kleinkläranlagen traf ebenfalls auf eine breite Resonanz. BDZ. Das Bildungs- und Demonstrationszentrum für dezentrale Abwasserbehandlung e. V. engagiert sich für die Förderung der semi- und dezentralen Abwasserbehandlung und -wiederverwertung. Das Netzwerk vereint Einrichtungen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung, Bildung, Politik und Verwaltung. Die gebündelten Kompetenzen werden effektiv im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben auf internationaler Ebene weitergegeben. UFZ. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung unterstützt Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit dabei, die Folgen menschlichen Handelns für die Umwelt besser zu verstehen und Optionen für gesellschaftliche Entscheidungsprozesse zu erarbeiten und umzusetzen. Einen Forschungsschwerpunkt stellt die Bearbeitung von Themen der Bewirtschaftung von Wasserressourcen in wasserarmen Regionen dar. SaWa. Die Sachsen Wasser GmbH bietet auf dem Sektor Wasser und Abwasser weltweit Beratungs- und Trainingsleistungen zu technischen und kaufmännischen Themen an. Zu den Auftraggebern und Partnern gehören Ver- und Entsorgungsunternehmen, Zweckverbände, Ministerien, Bildungsträger, Forschungs-, Finanzierungs- und Förderinstitutionen sowie Anlagenbetreiber. Planung und Bau Nachdem die Planungsphase für das Demonstrationsfeld beendet war, wurden die Planungsunterlagen überreicht. Besondere Berücksichtigung fanden die sich aus der Erdbebengefährdung dieser Region ergebenden Anforderungen. Daraufhin prüfte die TSC die ihr vorliegenden Pläne sowie technischen Beschreibungen und erstellte die Ausschreibungsunterlagen. Im Anschluss an die Vergabe erfolgte im Sommer der Baustart des Demofeldes. Die Erwartungen an das Projekt sind auch von deutscher Seite hoch. Zehn Kleinkläranlagenhersteller aus dem BDZ bekundeten bisher ihr Interesse, diese neue Plattform zu nutzen. Sie haben die Chancen eines wachsenden, nahezu unbekannten Marktes erkannt und wollen die Ersten sein, die ihre Technologien und Anlagen in Teheran vorstellen. Nachhaltigkeit und Praxisnähe Umwelttechnologien und -dienstleistungen zur Förderung eines nachhaltigen Ressourcenmanagements gewinnen weltweit zunehmend an Bedeutung. Das BDZ bietet zur Implementierung dezentraler Abwassersysteme mehrere Bildungsmodule an, über deren Umsetzung derzeit entschieden wird. Das UFZ möchte im Iran die Einführung von naturnahen Verfahren für eine umweltschonende Abwasserbehandlung begleiten und ist dabei, Projektmittel dafür zu akquirieren. Diese Verfahren sollen einen hohen Standard der Entsorgungsqualität gewährleisten, damit die Ressource Wasser für die jetzige und die nachfolgenden Generationen geschützt wird. UmweltMagazin Oktober - November 2016 39

Ausgabenübersicht