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10-11 | 2016

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Wasserkrise in Südafrika Trinkwasser aus der Leitung ist in Südafrika keine Selbstverständlichkeit mehr. Übernutzte Reserven und eine schwere Dürre führen zu örtlichen Engpässen. Angesichts des Klimawandels und steigenden Bedarfs muss das Land in die Infrastruktur investieren. Neben der vorherrschenden Nutzung von Oberflächenwasser gilt es dabei, zusätzliche Möglichkeiten zu finden, was Unternehmen Geschäftschancen in Bereichen wie Wassermanagement oder Kleinkläranlagen eröffnet. In Südafrikas Städten und Gemeinden wird das Trinkwasser knapp. Mit der Hafenstadt Durban musste im August dieses Jahres die erste Großstadt deutliche Verbrauchsrestriktionen verhängen. Täglich von 21 bis 4 Uhr bleiben die Leitungen trocken. Zuvor hatten schon eine Reihe kleinerer Städte, wie Kroonstad, die Wasserzufuhr zeitweise abstellen müssen. In Gebieten wie Senekal oder Swartruggens brach das Wassernetz völlig zusammen, so dass die Bevölkerung mit Tankwagen versorgt werden musste. Wie Studien des US-Institute of Security Studies (ISS) und der südafrikanischen Water Research Commission zeigen, übersteigt der derzeitige Jahresverbrauch mit 15,6 Mrd. m 3 die Ressourcen von 15,3 Mrd. bereits. In der Vergangenheit wurde also mehr Wasser aus den Flüssen, Grundwasserspeichern und Dämmen entnommen als eine nachhaltige Bewirtschaftung zulässt. Dass eine solche Übernutzung die Wasserversorgung fragil und schockanfällig werden lässt, bekommt die Kaprepublik nun deutlich zu spüren. Infolge eines besonders ausgeprägten El Nino wurde 2015 das trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1904 gemessen. Steigender Verbrauch und Dürren erfordern Infrastrukturausbau Mit einem durchschnittlichen Niederschlag von 450 mm pro Jahr gehört Südafrika zu den 30 wasserärmsten Ländern der Erde. Experten warnen, dass es im Zuge des Klimawandels häufiger zu extremen Wetterlagen mit langen Trockenperioden kommen wird. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf im Zuge von Bevölkerungswachstum und Urbanisierung weiter an. Während derzeit bereits rund 63 % der Menschen in den städtischen Ballungsräumen leben, sollen es 2035 etwa 80 % sein. Eine Zunahme, die den Bau von 3,4 Mio. Trinkwasseranschlüssen erfordern wird. Die zu erwartenden Bedarfssteigerungen erzwingen einen deutlichen Infrastrukturausbau. Das Department of Water and Sanitation (DWS) hat bis 2035 mögliche Projekte mit einem Investitionsvolumen von rund 178,4 Mrd. € identifiziert. Experten schätzen, dass rund 86 % aller angedachten Neuvorhaben auf die verstärkte Nutzung von Oberflächenwasser abzielen, was zahlreiche Aufträge für den Bau von Staudämmen, Pumpstationen, Pipelines und Aufbereitungsanlagen auslösen wird. So hat beispielsweise der Betreiber Randwater bis 2020 einen Investitionsplan von rund 1 Mrd. € aufgelegt, um die Versorgung der Wirtschaftsregion Johannesburg aus dem Vaal River System sicherzustellen. Derzeit deckt Oberflächenwasser über 70 % des Bedarfs, ist aber sehr ungleich im Land verteilt. Südafrika ist deshalb Weltmeister im Bau großer Transfersysteme. Bild: Pixabay 56 UmweltMagazin Oktober - November 2016

Umweltmärkte Service Diversifizierung der Wasserversorgung Doch selbst wenn alle möglichen Vorhaben zur Oberflächenwassernutzung bis 2035 umgesetzt werden, würde dem ISS zufolge noch ein Versorgungsengpass von 6 % bleiben. Tatsächlich dürfte das Defizit um einiges höher ausfallen. Der durch wirtschaftliche Stagnation geplagten Kaprepublik fehlt es an Geld und Know-how, um einen Infrastrukturausbau in der erforderlichen Größenordnung zu stemmen. Großprojekte haben zudem regelmäßig mit jahrelangen Verzögerungen zu kämpfen. Südafrika benötigt einen neuen Wassermix, um Defizite in der Verfügbarkeit von Oberflächenwasser auszugleichen; dazu gehört insbesondere ein besseres Wassermanagement. Der Grad der Verschwendung ist in den südafrikanischen Städten und Gemeinden sehr hoch. Landesweit gehen durchschnittlich rund 35 % des Trinkwassers als „Non-Revenue Water“ verloren, in einigen Kommunen sind es sogar 50 bis 70 %. Hauptproblem sind die maroden Leitungsnetze mit zahlreichen Lecks, hinzu kommen illegale Entnahmen sowie fehlende oder defekte Wasseruhren. Alle großen südafrikanischen Städte starten deshalb Programme für Wassereinsparung und verbessertes Nachfragemanagement. Die Schwerpunkte liegen auf Systemen zur Erkennung und Ortung von Leitungslecks, intelligentem Druckmanagement sowie der Erneuerung von Pumpen, Ventilen, Wasserzählen und anderen. Auch die Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen wird profitieren. Rund 55 % der Kommunen haben aufgrund der schlechten Ausstattung derzeit keine zuverlässigen Daten über den genauen Verbrauch und benötigen entsprechende Wasser-Audits. Damit die Haushalte ebenfalls Wasser sparen, bedarf es einschlägiger Aufklärungskampagnen. Mit 235 l pro Personen verbrauchen Südafrikaner jeden Tag deutlich mehr Wasser als der weltweite Durchschnitt . Experten schätzen, dass rund 86 % aller angedachten Neuvorhaben auf die verstärkte Nutzung von Oberflächenwasser abzielen, was auch zahlreiche Aufträge für den Bau von Staudämmen auslösen wird. Im Bild der Gariep Dam – der größte Stausee Südafrikas. Germany Trade & Invest Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. Dezentrale Kleinkläranlagen bieten Chancen Ein weiterer wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Wasserknappheit ist die direkte Wiederverwendung. Vorreiter ist Kapstadt, wo 6 % des gesamten Abwasservolumens einer landwirtschaftlichen oder industriellen Weiterverwendung zugeführt werden. In den anderen Großstädten gibt es dem DWS zufolge bislang jedoch nur sechs weitere Abwasserwerke, die eine Wiederverwendung betreiben. In einigen Städten werden aber bereits Pläne für die Aufrüstung der Kläranlagen entwickelt. Der deutsche Unternehmer Hendrik Kuhn sieht die Chancen jedoch vor allem in dezentralen Lösungen. Mit der in Südafrika registrierten Enviro Conscious Technologies baut er dezentrale Kleinkläranlagen, die mit der Aqua- Max-Technologie der ATB Umwelttechnologien GmbH aus Porta Westfalica ausgestattet sind. Vorzeigeprojekt ist eine Schule in Sasolburg. Das Abwasser der wird zu 100 % biologisch aufbereitet und unter anderem für die Toilettenspülung direkt wiederverwendet. Neben verbesserten hygienischen Bedingungen reduziert sich auch der Frischwasserbedarf um zirka 70 %. Landesweit gibt es tausende öffentliche Einrichtungen, die sich für Modelle dieser Art eignen. Brauchwassernutzung für Toiletten, Bewässerung und Gebäudereinigung können Einsparungen von 40 bis 70 % bringen. Die dezentrale Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser bietet auch im industriellen Bereich große Potenziale. Mit eigenen Aufbereitungssystemen können Betriebe ihren Frischwasserbedarf um bis zu 80 % reduzieren und Produktionsausfälle infolge Wassermangels minimieren. Grundwasser und Entsalzungsanlagen als Ergänzung Weitere Elemente zur Diversifizierung des Wassermix könnten Grundwasser sowie Meerwasserentsalzung bilden. Grundwasser trägt bislang lediglich etwa 13 % zur Versorgung bei. Allerdings liegen die Reserven häufig sehr tief und sind von schlechter Qualität, was die Aufbereitung erschwert. Problematisch sind zudem die unzureichende wissenschaftliche Erforschung der Vorkommen sowie weitgehend unkontrollierte Entnahmen. Für den Bau von Meerwasserentsalzungsanlagen gibt es bereits drei fertige Machbarkeitsstudien. Kapstadt plant eine Anlage mit einer Kapazität von 450 Ml pro Tag, die rund 924 Mio. € kosten soll. Das Ingenieurbüro Aurecon erstellte Pläne für die Städte Durban und Port Elizabeth. Längerfristig könnten Entsalzungsanlagen rund 10 % zur Wasserversorgung am Kap beitragen. Heiko Stumpf, GTAI Südafrika, www.gtai.de/suedafrika Bild: Wikipedia UmweltMagazin Oktober - November 2016 57

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