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10-11 | 2017

Projekte

Projekte Polystyrol-Recyling Umweltfreundliche und profitable Entsorgung Mehr als 2,1 Mio. m 3 expandiertes Polystyrol (EPS) fallen jedes Jahr in Deutschland an. Es handelt sich dabei um einen Grundstoff für zahlreiche Produkte, der in verschiedensten Anwendungsgebieten Verwendung findet. Häufig wird es als Dämmstoff für Häuser oder auch als Verpackung für Lebensmittel oder Elektroartikel eingesetzt. Die Verwendung von Polystyrol ist im Alltag unproblematisch. Darüber hinaus hat das Material ein sehr geringes Gewicht, hervorragende Isoliereigenschaften und ist einfach zu bearbeiten. Die Probleme treten erst bei der Entsorgung auf. Die Problematik des Abfalls liegt jedoch nicht in der bloßen Masse, sondern vor allem in den Bestandteilen des Abfalls, wie etwa dem zugesetzten Flammschutzmitteln Hexabromcyclododecan (HBCD) begründet. Insbesondere dieses gilt laut neuesten Einstufungen weltweit als persistenter organischer Schadstoff und muss am Ende seiner Verwendung rückstandsfrei zerstört werden. Dieser Fakt sorgt dafür, dass HBCD-haltige EPS-Abfälle bislang nur verbrannt wurden. Die beiden deutschen Unternehmen EPC Engineering Consulting GmbH und CreaCycle GmbH haben gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut IVV Freising eine Lösung für diese Problematik entwickelt: die CreaSolv-Technologie. Recycling-Anlagen, die mit dieser Technologie ausgestattet sind, können jegliche Art von Polystyrol-Abfällen verwerten – egal wie stark das Material verunreinigt ist. Dafür wird der Zielkunststoff mit einer speziellen Lösungsmittelformulierung selektiv herausgelöst. Die Flüssigkeit wird anschließend gefiltert und in mehreren Stufen gereinigt. Das gegebenenfalls enthaltene HBCD wird in diesen Reinigungsschritten vom Polystyrol abgetrennt. Zurück bleibt nur der hochreine Kunststoff, welcher wieder als Granulat vorliegt. Das Polystyrol-Granulat. Endprodukt ist geruchsneutral, enthält so gut wie keine Rückstände und kann nahezu uneingeschränkt wiederverwendet werden. www.epc.com Bild: EPC Pirmasens Bundesweites Pilotprojekt zur Phosphorrückgewinnung aus Nassschlamm Wichtige Impulse für einen rücksichtsvolleren und sparsamen Verbrauch natürlicher Ressourcen in kommunalen Kläranlagen setzt ein bundesweites Pilotprojekt aus Pirmasens. Hierfür haben der Abwasserbeseitigungsbetrieb der westpfälzischen Stadt und das vor Ort ansässige Prüf- und Forschungsinstitut in enger Kooperation ein Verfahren zur Phosphorrückgewinnung aus Nassschlamm in den Kläranlagen Felsalbe und Blümeltal entwickelt. Erklärtes Ziel ist eine nachhaltige Ressourcenschonung unter dem Aspekt der Nährstoffrückgewinnung von Phosphor und Stickstoff. Dabei lässt sich zum einen der Energieverbrauch der Kläranlage senken, zum anderen steigt die Erzeugung von Eigenenergie. Das Endprodukt kann zudem als hochwertiger Dünger mit sehr geringer Schwermetallbelastung für die Landwirtschaft eingesetzt werden. Im Zuge der nach der Sommerpause startenden Umbaumaßnahme werden darüber hinaus die Klärgasgewinnung und -nutzung sowie die Abwasserbehandlung optimiert. Im Vergleich zu anderen Methoden der Phosphorrückgewinnung soll das in Pirmasens entwickelte Verfahren einen besonders hohen Wirkungsgrad haben: Mehr als 60 % des Phosphors im Abwassers lassen sich damit gewinnen. Außerdem ist eine um 15 % höhere Ausbeute an Biogas im Klärschlamm möglich, während gleichzeitig der Verbrauch an Fällchemikalien und Polymeren zur Abwasserbehandlung voraussichtlich um bis zu 60 % sinkt. Die damit verbundene Verringerung des CO 2 -Ausstoßes beträgt rund 75 t/a. Oberste Priorität bei der Durchführung der Verfahrensoptimierung hat dabei die Abwasserreinigung. Die technische Innovation des Pilotprojektes besteht in der Kombination von Thermodruckhydrolyse im Teilstromverfahren und zwischengeschalteter Hochlastfaulung mit anschließender Fällung von Magnesiumammoniumphosphat. Dabei sollen jährlich 9 000 m 3 Sekundärschlamm mit dem Ziel behandelt werden, Bild: Stadtverwaltung Pirmasens Bau einer Pilotanlage zur Nährstoffrückgewinnung an der kommunalen Kläranlage Felsalbe. 250 t Magnesiumammoniumphosphat aus dem Faulschlamm zurückzugewinnen. Dieses kann wegen seiner guten Pflanzenverfügbarkeit direkt als Düngemittel eingesetzt werden. Zusätzlich ist geplant, aus einem Teil der im Schlamm enthaltenen Stickstofffracht Flüssigdünger in Form von Ammoniumsulfat (etwa 30 t/a) zu gewinnen, um so die anlageninterne Rückbelastung mit Ammonium zu verringern. Das Gesamtinvestitionsvolumen des Projekts beläuft sich auf 1,6 Mio. €. Das rheinland-pfälzische Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten fördert es mit insgesamt 500 000 €, der Bund hat sich mit 430 000 € beteiligt. www.pirmasens.de 26 UmweltMagazin Oktober - November 2017

Projekte Recycling Datenschutzsichere Aktenvernichtung Auf ihrem Weg von Laster zu Laster durchlaufen vertrauliche Dokumente bei Russell Richardson einen Lindner Einwellenzerkleinerer des Typs Micromat 2000. Zur Vernichtung von Dokumenten mit vertraulichem Inhalt, beispielsweise mit persönlichen, medizinischen oder finanzbezogenen Daten, verwendet Russell Richardson, ein in Großbritannien in diesem Bereich führendes Unternehmen, seit Ende des Jahres 2015 einen Einwellenzerkleinerer des Typs Micromat 2000 von der österreichischen Lindner-Recyclingtech GmbH aus Spittal/Drau. Dieser erfüllt beim Shreddern von Daten auf Papier die Anforderungen der DIN 66399–2 in den Sicherheitsstufen 3 bis 5. Durch seine Effizienz deckt das Unternehmen damit den aktuellen Bedarf, was mit allen dort zuvor genutzten kleineren Shreddern zusammengenommen nicht erreichbar war. Das bei Russell Richardson am Standort Sheffield anfallende Input-Material hat üblicherweise eine Dichte von rund 200 kg/m³, einen Feuchtegehalt von unter 15 % und Abmessungen von bis zu 1 m². Nach Anlieferung legen die Mitarbeiter die in Säcken oder Kartons verpackten Dokumente von Hand auf ein Förderband ab, das sie in die Einfüllöffnung transportiert. Dabei wählt der Betreiber die Sieböffnungsweite so aus, dass die Abmessungen der resultierenden Abschnitte den Anforderungen der jeweils geltenden Sicherheitsstufe entsprechen. Vor Ort zu Ballen gepresst, wird das resultierende Shreddergut erneut auf Lkw verladen, die es zu einem Recyclingunternehmen transportieren. Dort wird dieses vorwiegend in Großbritannien als „Sorted Office Waste“ gehandelte Material dann typischerweise zu Hygienepapieren wie Küchenrollen, Toilettenpapier, Taschentücher und dergleichen verarbeitet. Die in der Praxis realisierte Shredderleistung liegt bei durchschnittlich 6 t/h. Das System läuft in 8-Stunden- Schichten rund 2 000 h/a, entsprechend einem Jahresdurchsatz von etwa 12 000 t. Die 104 austauschbaren Spitzmesser haben je vier nutzbare Schneiden, von denen jede rund 200 Stunden hält. Beim Micromat handelt es sich um einen Einwellenzerkleinerer, den Lindner auf geringen Energieverbrauch bei zugleich hoher Produktivität ausgelegt hat. Durch das Baukastensystems ist er flexibel für seinen Einsatzzweck konfigurierbar. Der bei Russell Richardson eingesetzte Typ Micromat 2000 ist mit ei- nem l 132-kW-Motor ausgestattet, der eine effiziente Rotordrehzahl von 265 U/min und damit einen hohen Durchsatz ermöglicht. Der zugehörige Riementrieb und die damit verbundene wartungsfreie Sicherheitskupplung verhindern, dass Störstoffe, die eventuell im angelieferten Gut enthalten sind, zu Schäden am Antrieb führen. Zusätzlich wurde das System für diesen Anwender mit einem Staubabscheider ausgerüstet, um die hohen Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Eine Kombination aus Funken-Detektor und Feuerlöschsystem hilft zudem, das Entstehen von Bränden zu verhindern. www.l-rt.com Bild: Russell Richardson Effizienz-Agentur NRW Effiziente Abwärmenutzung senkt Energiekosten Der Detmolder Backwarenspezialist Hanneforth hatte vor, an seinem neuen Standort in Detmold ein energieeffizientes Wärmekonzept zu realisieren, um die Erdgaskosten zu senken, und die Umwelt zu entlasten. Die Weichen dafür stellte das Unternehmen bereits am alten Standort in Bad Meinberg. Im Rahmen einer ersten Ressourceneffizienzberatung der Effizienz-Agentur NRW stand die Wärmerückgewinnung an Backöfen und Kälteanlagen im Mittelpunkt. Die Ergebnisse der Beratung flossen in die Planung des neuen Produktionsstandortes ein. Im Backbetrieb fallen täglich große Mengen an Abwärme durch die Backöfen und Kälteanlagen an. Heute nutzt Hanneforth diese mithilfe eines Wärmetauschers und kann so Raumwärme sowie Warmwasser erzeugen. Dabei wird die entstehende Wärme der Kälteanlagen an einen Wasserkreislauf übergeben, der die Wärme in einen Pufferspeicher speist. Parallel wird mit einem kombinierten Luft-Wasser-Wärmetauscher den Öfen die Abwärme aus Rauchgas und Wrasenabzug entzogen und ebenfalls in den Pufferspeicher geleitet. Die zwei Speicher sind mit jeweils 2 000 l Fassungsvermögen so dimensioniert, dass sie die Abwärme eines Betriebstages aufnehmen können, was etwa 14 h Laufzeit entspricht. Dies ist nötig, da im Betrieb Wärmeangebot und -nachfrage zu unterschiedlichen Tageszeiten bestehen. Die Hallenbeheizung am neuen Standort erfolgt über ein Abwärme gespeistes Luftheizungssystem. Im Umluftbetrieb gibt die Anlage die Wärme an die Raumluft ab, während diese gefiltert wird, um die Lufthygiene und Raumluftqualität zu erhalten. Mithilfe der neuen Abwärmenutzung konnte das Unternehmen so seinen Energieverbrauch gegenüber dem alten Standort um rund 137 000 kWh/a senken. Im Vorfeld der Umsetzung nutzte das Unternehmen die Finanzierungsberatung der Effizienz- Agentur NRW und die der EffizienzPlus GmbH. Insgesamt investierte Hanneforth 164 000 € in die energetische Optimierung. Das Vorhaben wurde mit einem Darlehen in gleicher Höhe und einem Tilgungszuschuss in Höhe von rund 61 000 € gefördert. www.efanrw.de UmweltMagazin Oktober - November 2017 27

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