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10-11 | 2017

Organschaften

Organschaften Energieträger nur in der Stromerzeugung deutlich zu reduzieren. Alle Sektoren müssen hierzu einen signifikanten Beitrag leisten. Das bisherige EEG war ein gutes Instrument, um den Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung auf das heutige Niveau zu heben. In den kommenden Jahren muss ihre Marktintegration weiter forciert werden, bis sie sich ohne Unterstützung im Markt behaupten können. Der VDI empfiehlt darüber hinaus eine teilweise Zuordnung der EEG-Umlage auf den Verkehrs- und den Wärmesektor, um die Sektorenkopplung zu fördern. Bisher ist der Wärmesektor nur indirekt beziehungsweise sehr starr mit dem Stromsektor verknüpft. Für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende ist eine flexible Kopplung beider Sektoren – zukünftig auch des Verkehrssektors – von großer Relevanz. Diese Vernetzung muss von der Politik regulatorisch und durch legislative Maßnahmen unterstützt werden. Aufgrund der Komplexität des Wärme- und Kältemarkts sind hierfür differenzierte und an die Marktsegmente angepasste regulatorische Anforderungen an die Infrastruktur notwendig. Zur Erreichung der deutschen und europäischen Klimaschutzziele muss mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien der Einsatz konventioneller Kraftwerke weiter abnehmen. Die noch erforderlichen konventionellen Kraftwerke sollten aufgrund der fluktuierenden Stromerzeugung durch Sonne und Wind schnell regelbar sein. Bestandskraftwerke neuerer Baujahre sind hierzu zum Teil in der Lage. Die Bereitstellung gesicherter Strom- und Systemdienstleistungen durch diese Reservekraftwerke stellt einen Wert an sich dar und sollte von den Kunden vergütet werden. Um verlässliche Rahmenbedingungen für den Strukturwandel in der konventionellen Stromerzeugung zu schaffen und die daraus resultierenden Folgen sozialverträglich zu gestalten, sollte die Bundesregierung in der kommenden Legislaturperiode zeitliche Perspektiven mit den Kraftwerksbetreibern vereinbaren. Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) kann einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung leisten. Aktuell wird KWK noch überwiegend wärmegeführt betrieben. Mit dem zunehmenden Ausbau erneuerbarer Energien wird ihre Flexibilität jedoch stärker gefordert. Damit einher geht der Zubau größerer Leistungen und adäquater Wärmespeicher. Somit ist eine stärkere zeitliche Entkopplung von Strom- und Wärmeverbrauch möglich und die Anlagen können stromorientierter gefahren werden. Damit leistet KWK einen Beitrag zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit und erhöht gleichzeitig ihren Anteil an der Deckung der Residuallast. Fast ein Drittel der Endenergie und ungefähr die Hälfte des Stroms wird von der Industrie benötigt. Die Steigerung der Energieeffizienz ist daher ein wichtiger Hebel, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhöhen. Vor allem bei den oftmals wenig beachteten Neben- und Hilfsaggregaten existieren noch viele rentable Einsparpotenziale. Die Verbände der deutschen Wirtschaft haben durch die Initiierung von Energieeffizienznetzwerken bereits erste Erfolge erzielt. Diese gilt es nun auszubauen, indem beispielsweise einfache und niederschwellige Förderprogramme ausgebaut und die Qualifizierung der Energieberater erhöht werden. Gute Wohnstandards in nachhaltig und energieeffizient entwickelten Gebäuden sind wichtige Voraussetzungen für lebenswerte Städte und Gemeinden. Da rund 35 % des Endenergieverbrauchs auf die Klimatisierung von Wohn- und Nichtwohngebäuden entfallen, liegen hier große Energieeffizienzpotenziale. Leider hat die Politik es in den vergangenen Jahren versäumt, entsprechende Maßnahmen und Anreizsysteme – insbesondere für Bestandsimmobilien – zu schaffen, um die ambitionierten Ziele – Reduktion um 80 % Primärenergieverbrauch bis 2050 im Gebäudebereich – zu erreichen. Insbesondere die fehlenden steuerlichen Abschreibungsmodelle für Energieeffizienzmaßnahmen im Bestand und im Neubau für Wohn- Bild: turtix/shutterstock.com Kontakt VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (VDI-GEU) Dr.-Ing. Jochen Theloke Postfach 101139 40002 Düsseldorf Tel.: 0211/6214-369 Fax: 0211/6214-97369 geu@vdi.de www.vdi.de/geu und Nichtwohngebäude wirken sich negativ auf die Sanierungsquoten aus. Die grundsätzlich sinnvolle Zusammenfassung von Energieeinsparverordnung, Erneuerbare-Wärme-Gesetz und Energieeinsparungsgesetz in einem Gebäudeenergiegesetz wurde leider nicht umgesetzt und muss in der 19. Legislaturperiode unbedingt wieder auf die Agenda der Politik. In Deutschland haben Gebäude und deren technische Ausrüstung einen hohen Qualitätsstandard. Neue Erkenntnisse über Schadstoffe in der gebauten Umwelt, wie zum Beispiel asbesthaltige Fliesen und Spachtelmassen, müssen jedoch dazu führen, dass das gesundheitliche Gefährdungspotenzial neu bewertet wird. Der VDI empfiehlt hierzu die Novellierung der Asbestrichtlinie und der Gefahrstoffverordnung. Ressourceneffizienz ist ökonomisch wie ökologisch sinnvoll und eine wichtige Grundlage für eine nachhaltig ausgerichtete Industriepolitik. Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz können Kosten senken und Arbeitsplätze sichern. Nur durch eine konsequente Verbesserung der Effizienz bei der Nutzung natürlicher Ressourcen können Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch entkoppelt werden. Auch in der kommenden Legislaturperiode sollte der weitere Ausbau einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft Schwerpunkt der Ressourceneffizienzpolitik sein. Die betriebliche Effizienzberatung muss weiter ausgebaut werden. Der VDI empfiehlt hier die Entwicklung eines neuen bundesweiten Programms zur Förderung der Ressourceneffizienzberatung in Unternehmen. Die bereits bestehenden Förderprogramme des Bundes zur Entwicklung ressourceneffizienter Technologien in den Unternehmen sollten fortgeführt werden. 46 UmweltMagazin Oktober - November 2017

Organschaften Symposium Erkenntnisse zur Praxis im Nachhaltigkeitsmanagement Siemens Healthcare Headquarter Erlangen. Am 29. Juni 2017 fand in Erlangen das Symposium „Nachhaltigkeitsmanagement“ bei Siemens Healthineers statt. Die Vorträge zum Nachhaltigkeitsmanagement, Standards wie der CSR Norm ISO 26000, Berichtsstandards und verschiedenen Anwenderbeispielen boten die Gelegenheit, sich intensiv mit Themen der Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. CSR bedeutet, sich intensiv mit allen Bereichen im Unternehmen auseinanderzusetzen. Eine intensive Auseinandersetzung mit seinen Unternehmensstandorten und der Lieferkette bedeutet, laut VNU-Vorstand Gisbert Braun, sich mit Arbeits-, Umweltschutzund sozialen Themen vor Ort auseinanderzusetzen, konkrete Standards zu setzen, und diese kontinuierlich mit professionellen Audits zu kontrollieren. Insbesondere die Norm ISO 26000 kann hier als Leitfaden genutzt werden, unterstützt durch etablierte Normen wie ISO 9001, ISO 14001 oder EMAS. Einhellige Meinung aller Experten war es, dass nur durch Ehrlichkeit und offene Auseinandersetzung gerade mit kritischen Themen Aussagen über Nachhaltigkeit glaubwürdig seien. Axel Bachmann, Nachhaltigkeitsexperte von Coca-Cola, sprach hier etwa die bewusste Diskussion und Information über negative Auswirkungen zuckerhaltiger Getränke an. Die Zertifizierung von Nachhaltigkeitsmanagementsystemen, gegenwärtig mangels anerkannter Prüfstandards noch nicht möglich, wurde generell aufgrund der vielen einzelnen Fachthemen als sehr herausfordernd angesehen. Dies insbesondere hinsichtlich der Prüfer, beziehungsweise Prüferteams, die eine hohe Kompetenz und Erfahrung aufweisen müssen. Dennoch können Systeme geprüft werden und Erfahrungen aus hochwertigen Prüfsystemen, wie es zum Beispiel EMAS darstellt, sollten genutzt werden, insbesondere wenn man sich die Qualität bei Umwelterklärungen und deren Validierung ansehe, so Umweltgutachter Peter Fischer in der Podiumsdiskussion. Glaubwürdige Berichterstattung erfordere auch eine Testierung, auch wenn diese überwiegend noch nicht gefordert sei. Insbesondere die Berichterstattung zu Zahlen, Daten und Fakten, Darstellung von Kennzahlen und die Dokumentation zu Herausforderungen und Risiken sei wichtig. Eine Schön-Wetter-Berichterstattung bringe langfristig nichts und wirke sowohl gegenüber Externen als auch eigenen Mitarbeitern langfristig unglaubwürdig. Gefragt zu einer Empfehlung wie man als kleines, mittelständisches Unternehmen an das Thema Nachhaltigkeit herangehen sollte, empfahl unter anderem Silvia Ohms vom Neumarkter Lammsbräu Themen wie den Aufbau einer regionalen Lieferkette anzugehen, Abläufe im Umwelt- Arbeitsschutz Bild: Siemens Healthcare GmbH Kontakt und im sozialen Bereich zu systematisieren, und hier zum Beispiel EMAS und ISO 14001 zu nutzen. Erst im Anschluss empfehle sich die Entwicklung und Herausgabe eines Nachhaltigkeitsberichts. Auch hier gelte, laut Prof. Matthias S. Fifka von der Universität Erlangen-Nürnberg, erst einmal klein anfangen, gegebenenfalls sogar ohne Berichtsstandard, und dann systematisch weiterentwickeln. Generell wurde der Deutscher Nachhaltigkeitskodex als Standard gerade für KMU als empfehlenswert benannt, da dieser einfacher in der Anwendung ist. GRI wurde vor allem für bereits erfahrene Berichterstatter oder größere Unternehmen empfohlen. Beide erfüllen in jedem Fall die Forderungen der europäischen CSR-Berichtslinie und deren deutscher Umsetzung. Die CSR-Berichtspflicht ist gegenwärtig nur für wenige, vor allem börsennotierte Unternehmen, von Relevanz. In der Diskussion wurde allerdings erörtert, dass sich Forderungen auch für die Lieferkette dieser Unternehmen ergeben können und damit für eine Vielzahl weiterer Unternehmen. Termine 2017/2018 Verband für Nachhaltigkeits- und Umweltmanagement (VNU) e.V. Geschäftsstelle c/o Christina Geiger Am Hangelstein 8 65812 Bad Soden Tel.: 0700/86811-223 Fax: 0700/86811-224 vnu@vnu-ev.de www.vnu-ev.de > 21. November 2017: EMAS Club Europe Regionalgruppe Rhein- Ruhr, Niederrheinische IHK, Duisburg > 30. November 2017: EMAS Club Europe Regionalgruppe Südwest, Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart > 7. Dezember 2017: EMAS Club Europe Regionalgruppe Südost, IHK für München und Oberbayern, München > 20. März 2018: Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanager-Tag, IHK Frankfurt am Main UmweltMagazin Oktober - November 2017 47

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