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10-11 | 2017

Nachrichten Fachverband

Nachrichten Fachverband Biogas Viel Potenzial für Biogas im Ökolandbau Durch die Nutzung von Biogas lässt sich die Klimabilanz der Landwirtschaft deutlich verbessern Biogas ist ein Multitalent: Dies gilt nicht nur für seine Nutzung – es liefert im Strom-, Wärmeund Verkehrssektor klimafreundlich Energie – sondern auch für seine Erzeugung. Energiepflanzen, Reststoffe oder Tierdung lassen sich in der Landwirtschaft zu Biogas verarbeitet werden. Manche Betriebe haben sich auf Biogas spezialisiert; für andere ist seine Produktion eine wichtige Ergänzung. Dazu gehören auch Betriebe des ökologischen Landbaus. Da für sie die Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Grundsatz ist, kann sich Biogas optimal in ihre Produktionsabläufe einfügen. Landwirte im konventionellen und im Ökolandbau eint heute das Ziel, möglichst ressourcenschonend zu arbeiten. Dazu zählt auch die Nutzung Erneuerbarer Energien. Für die Anforderungen an Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften setze die Biogasproduktion, nach Aussage des Hauptgeschäftsführers des Fachverbandes Biogas, Dr. Claudius da Costa Gomez, wichtige Impulse. Biogas im Ökolandbau kann auf Gemischtbetrieben ebenso wie auf spezialisierten Bauernhöfen produziert werden. Denn bei weitem nicht alle Biobauern betreiben heute sowohl Ackerbau als auch Tierhaltung. Vielmehr kann zum Beispiel auf viehlosen oder Schweine haltenden Ökobetrieben das zur Düngung und Bodenverbesserung kultivierte Kleegras vom Acker sinnvoll in Biogasanlagen zum Einsatz kommen. Die Biogasanlage übernimmt auf solchen Bauernhöfen die Rolle, die auf klassischen Bauernhöfen die Kühe als Verwerter des Grases spielen. Zudem liefert die Bio- gasanlage klimafreundliche Energie, durch das von ihr erzeugte Methan, das direkt im Gasnetz oder zur Verstromung genutzt wird. Auf Öko-Milchviehbetrieben kann die Gülle zu Biogas verarbeitet werden. Weil allerdings mehr Mist und weniger Gülle als auf konventionellen Höfen anfällt, besteht hier auf Biohöfen zum Teil ein höherer verfahrenstechnischer Aufwand. Der Ökolandbau ist in der Biogasbranche allerdings unterrepräsentiert: Bundesweit gibt es hier schätzungsweise etwa 180 Biogasanlagen. Damit stehen rund 2 % der Vergärer auf Biohöfen. Der Anteil des Ökolandbaus an der deutschen Landwirtschaft liegt je nach Branche zum Teil deutlich höher. So sind rund 9 % aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland auf Ökolandbau umgestellt. Im Ackerbau ist der Ökoanteil mit rund 4 % unterdurchschnittlich. Im deutschen Ökolandbau besteht, laut einer Studie von Universität Kassel, Ecofys und FiBL, ein theoretisches Biogas- Potenzial für eine installierte elektrische Leistung von 500 MW. Gemindert wird dieses allerdings durch Fragen der Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit. Das derzeit realistisch mobilisierbare Potenzial wird von den Experten daher bei 150 MW (el.) gesehen. Hinzu kommt die Wärmenutzung. Florian Gerlach, einer der Co- Autoren der Studie erklärt, dass das mobilisierbare Potenzial für Biogas im Ökolandbau UmweltMagazin-Newsletter derzeit bei einer Jahresproduktion von 1,1 Mrd. kWh Strom sowie 420 Mio. kWh Wärme anzusetzen sei. Allein mit dem so produzierten Strom ließen sich knapp 320 000 Familien- Haushalte versorgen. Für die Studie wurden nur Einsatzstoffe berücksichtigt, für die keine oder nur geringe Nahrungsund Futtermittelkonkurrenzen angenommen werden. So setzt sich das geschätzte Gesamtpotenzial zu knapp zwei Dritteln aus pflanzlichen Reststoffen aus der Landwirtschaft zusammen. Durch die Nutzung von Biogas lasse sich die Klimabilanz der Landwirtschaft deutlich verbessern, betont Hauptgeschäftsführer da Costa Gomez. Die Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft werden für das Jahr 2016 von der Bundesregierung mit 67 Mio. t angegeben, was etwa 7,5 % des deutschen Gesamtaufkommens entspricht. Der gesamte Energieverbrauch für Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei wird vom Statistischen Bundesamt auf 56,7 Mrd. kWh/a beziffert – das sind vor allem fossile Energieträger, die unter anderem in Traktoren, Häckslern, Mähdreschern oder für Ställe genutzt werden. Jedoch spielen auf vielen Höfen die Erneuerbaren Energien eine nicht zu unterschätzende Rolle. Neben Biogas ist hier unter anderem der Eigenverbrauch von Solarstrom auf den Höfen zu nennen. Allein durch die Nutzung von Biogas wurden in Deutschland im vergangenen Jahr rund 19 Mio. t an Kohlendioxidausstoß vermieden. www.biogas.org Das Wichtigste immer im Blick – mit unserem kostenlosen Newsletter halten wir Sie einmal wöchentlich auf dem Laufenden. Hier finden Sie die täglich erscheinenden News aus dem Bereich der Umwelttechnik kompakt zusammengefasst im Nachrichtenüberblick. Melden Sie sich jederzeit an unter www.ingenieur.de/UmweltMagazin/Newsletter. Bild: Archiv 6 UmweltMagazin Oktober - November 2017

Nachrichten Aus dem Umweltbundesamt Bild: Linnart Unger Urban Mining Deutschland ist Großverbraucher von Rohstoffen, wird dabei aber gern als rohstoffarm bezeichnet. Tatsächlich ist das Land bei Erzen und vielen wichtigen Industriemineralien nahezu vollständig auf Importe angewiesen. Dabei existieren über 50 Mrd. t an wertvollen Materialien, die zu erschließen sind. Das Umweltbundesamt informiert darüber mit einer neuen Broschüre und gibt Impulse. Nach wie vor fördert Deutschland große Mengen an Baustoffen aus Steinbrüchen und Kiesgruben. Allerdings ist das Land dicht besiedelt, und die Bereitschaft in der Bevölkerung, die negativen Umweltauswirkungen des Bergbaus sowie von Abgrabungen hinzunehmen, ist in den vergangenen Jahrzehnten spürbar zurückgegangen. In Zukunft sind kreative Ansätze gefragt, wie Deutschland mit den zu erwartenden Rohstoffengpässen und teuren Importen umgehen soll. Urban Mining wird Teil einer solchen nationalen Strategie. Ein großes Potenzial an Rohstoffen steckt in den Städten, in ungenutzten Bauwerken, Anlagen und Konsumprodukten. Insgesamt jedoch wird dieses Rohstoffpotenzial von der Gesellschaft noch kaum als solches begriffen. Das Umweltbundesamt setzt sich für eine langfristig intensivere Nutzung dieser Rohstoffreserven ein und möchte attraktivere Rahmenbedingungen schaffen. Urban Mining bezieht sich nicht allein auf die Nutzung der innerstädtischen Lager, sondern befasst sich vielmehr mit dem gesamten Bestand an langlebigen Gütern. Darunter fallen beispielsweise Konsumgüter wie Elektrogeräte und Autos, aber auch Infrastrukturen, Gebäude, Ablagerungen und Deponien. Wir sind umgeben von einem vom Menschen gemachten Lager in Höhe von über 50 Mrd. t an Materialien. Noch wächst dieses anthropogene Lager Jahr für Jahr um weitere 10 t pro Einwohner an. In Hinblick auf einen zunehmenden internationalen Wettbewerb um die knappen Rohstoffe der Erde kann die Nutzung von Sekundärrohstoffen aus heimischen Quellen dazu beitragen, die natürlichen Ressourcen der Erde zu schonen, und so die Lebensgrundlagen bestehender und zukünftiger Generationen zu sichern. Besonders im Bereich der als versorgungskritisch eingestuften Edel- und Sondermetalle wie Platin, Silber, Kobalt und Neodym kommt diesem Punkt eine große Bedeutung zu, da viele Zukunftstechnologien in ihrer Funktionsweise vom Vorhandensein solcher Metalle abhängig sind. Zum anderen erge- ben sich durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen und die Aufbereitung im Inland wirtschaftliche Vorteile – für das produzierende Gewerbe durch Kosteneinsparungen im Materialbereich, für die Volkswirtschaft durch Erhöhung der inländischen Wertschöpfung. Die größte Masse des Rohstoffpotenzials liegt in Baustoffen wie Steinen, Kies, Beton und Erden in Bauwerken. Der größte finanzielle Wert besteht in Form nicht mehr genutzter Metalle, beispielsweise Eisenträger, Stahlarmierungen oder Kupferleitungen aus ungenutzten Immobilien oder Brücken sowie Stahlschienen ehemaliger Eisenbahnstrecken. Auch Schrott ist wertvoll, der noch in der Frühzeit der Abfallwirtschaft auf Deponien vergraben wurde. Je nach Lage der Schrottpreise wurde dieses Potenzial auch in der Vergangenheit schon zur Herstellung neuer Metallwerkstoffe eingesetzt. Das Umweltbundesamt sieht für die kommenden Jahre Spielraum insbesondere auf folgenden Feldern: - Recyclinggestein: Hochwertige, qualitätsgesicherte Sekundärbaustoffe könnten erzeugt werden, wenn Bauschutt bereits an der Abbruchstelle sortenrein erfasst wird und Gewinnung sowie Aufbereitung und Behandlung bis hin zum Wiedereinsatz der Sekundärmaterialien in der Produktion integriert betrachtet werden. - Elektronikschrott: Eine effektivere Gewinnung von Edel-Sondermetallen aus zum Teil langlebigen Konsumgütern wie Mobiltelefonen und sonstigen Elektrogeräten könnte die Abhängigkeit von teuren, versorgungskritischen Rohstoffimporten verringern. Außerdem könnte eine vermehrte kontrollierte Aufbereitung innerhalb Deutschlands dazu beitragen, die unsäglichen Arbeitsbedingungen zu beenden, unter denen weltweit Elektronikschrott behandelt wird. - Materialkataster: Einer höheren Recyclingquote steht häufig die Unkenntnis des Sekundärrohstoffvorkommens entgegen. Neubauten und auch Konsumgüter könnten in Zukunft Materialpässe erhalten, auf deren Grundlage ein hochwertigeres Recycling möglich wird. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um komplexe Stoffverbünde mit hohen Anforderungen an Sortier-, Trenn- und Recyclingtechniken handelt, die bereits heutzutage die Abfallwirtschaft vor große Herausforderungen stellen. Für den Bestand an schlummerndem Material lohnt sich für bestimmte Rohstofflager auch eine aktive Erfassung und Katasterisierung der verbauten Materialien. www.uba.de UmweltMagazin Oktober - November 2017 7

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