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10-11 | 2018

Nachrichten Fraunhofer

Nachrichten Fraunhofer Wissenschaftliche Studie kategorisiert Mikroplastik neu Das Fraunhofer Umsicht hat den Wissensstand zum Thema Mikro- und Makroplastik in einer Konsortialstudie zusammengetragen. Dabei ist Ersteres nicht immer direkt zu erkennen. Nach Ansicht des Fraunhofers sollte eine Definition anhand der Umweltwirkung festgemacht werden. Doch dazu reiche der heutige Wissensstand nicht aus. Im Rahmen der Studie erfolgte daher zunächst eine neue Kategorisierung von Mikroplastik. Primäres Mikroplastik Typ-A sind industriell hergestellte Kunststoffpartikel, deren Verlust bewusst in Kauf genommen oder durch Unachtsamkeit verursacht wird. Hierzu zählen zum Beispiel Microbeads in Kosmetika oder Kunststoffpellets. Dagegen entsteht primäres Mikroplastik Typ-B erst in der Nutzungsphase durch Abrieb oder Verwitterung. Das ist etwa bei Autoreifen, Schuhsohlen, Textilien oder Farben der Fall. Gelangen Kunststoffabfälle, hauptsächlich Verpackungen, Plastiktüten oder Flaschen – Makroplastik –, in die Umwelt und fragmentieren dort, werden sie dem sekundären Mikroplastik zugeordnet. Diese Einteilung ist insbesondere bei der Zuweisung von Verantwortung wichtig. Je nach Quelle liegt sie mehr beim Produzenten oder beim Konsumenten. Die Autoren der Studie ermittelten insgesamt 51 Mikroplastikquellen und berechneten die Emissionen. Die Reduzierung dieser sei generell aus jeder Quelle wichtig. Weitere Faktoren wie Abbaubarkeit oder Kunststoffadditive spielen bei der Wirkung auf die Umwelt ebenfalls eine große Rolle und sollten daher bei der Priorisierung der berücksichtigt werden. Geht Mikroplastik an Frankreichs Atlantikküste. man davon aus, dass es noch weitere Quellen gibt, so ergibt sich für Deutschland eine Gesamtmenge von gut 4 kg pro Kopf, die jährlich an Mikroplastik in die Umwelt freigesetzt wird. Dagegen betragen die Emissionen an Makroplastik nur etwa 1,4 kg pro Kopf und Jahr. Die Siedlungswasserwirtschaft spielt bei der Emission von Kunststoffen in die Umwelt eine wichtige Rolle, sowohl als Eintragspfad als auch für den Rückhalt; etwa 78 Prozent des Abwassers werden innerhalb dieser durch Kläranlagen gereinigt. Die restlichen 22 Prozent, überwiegend Niederschlagswasser, werden nur teilweise gereinigt, sodass mit den Niederschlägen Makro- und Mikroplastik in die Ökosysteme gespült werden. Kläranlagen halten je nach technischer Ausstattung über 95 Prozent des zuströmenden Mikroplastiks zurück. Dies geht jedoch auf Kosten des Klärschlamms, in dem sich die kleinteiligen Kunststoffe anreichern. Hier müsse im Einzelfall geprüft werden, ob eine vollständige Verbrennung des Klärschlamms der landwirtschaftlichen und landschaftsbaulichen Nutzung vorzuziehen ist, um eine Weiterverbreitung von Mikroplastik in der Umwelt und somit eine Problemverlagerung zu verhindern. Dem Typus des Entwässerungssystems – Trenn- oder Mischsystem – und ebenso der Niederschlagsentwässerung innerund noch mehr außerorts sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. www.umsicht.fraunhofer.de Bild: Fraunhofer Umsicht/Leandra Hamann KfW Nil-Stauwehr in Asyut finanziert Die KfW hat ein im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit finanziertes Nil- Stauwehr in Asyut eingeweiht. Ein integriertes Laufwasserkraftwerk ermöglicht eine klimafreundliche Stromerzeugung und die Sicherung der Bewässerungslandwirtschaft. Der Neubau war notwendig geworden, nachdem der über 100 Jahre alte Vorgänger seine maximale wirtschaftlichtechnische Lebensdauer erreicht hatte. Die KfW stellte für das Vorhaben ein Darlehen in Höhe von rund 300 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere etwa 155 Millionen Euro steuerte die ägyptische Regierung bei und knapp 15 Millionen Euro wurden durch eine Schuldenumwandlung der Bundesregierung bereitgestellt. Die Maßnahme richtet sich vornehmlich an die 5 Millionen besonders vom Nil-Stauwehr abhängigen Personen, die als sehr arme kleinbäuerliche Familien die knappen Agrarflächen bewirtschaften. Zum Vorhaben gehörten der Neubau des Stauwehrs mit integriertem Wasserkraftwerk, der Bau einer Doppel-Schleuse zur Durchleitung des Schiffsverkehrs sowie der Bau einer vierspurigen Straßenüberführung. Ein Umweltmaßnahmenpaket begleitete das Projekt. www.kfw.de 10 UmweltMagazin Oktober - November 2018

Nachrichten Weltec Französische Biogasfirma firmiert unter Weltec France Agripower France wird zukünftig noch enger mit dem deutschen Partnerunternehmen Weltec Biopower kooperieren und tritt seit dem 1. Juli 2018 unter der Marke Weltec France auf. Ziel ist es, den Ausbau des Anlagenbestands noch stärker voranzutreiben. Vor dem Hintergrund, dass die französische Regierung die Biogasgewinnung jetzt gezielter fördert und dafür im Frühjahr 2018 ein Maßnahmenbündel aufgelegt hat, steht der Zusammenschluss der Firmen Agripower France und Weltec. Der Aktionsplan vereinfacht vor allem die Finanzierung und Errichtung von Biogas- und Biomethananlagen. Dies umfasst den Neubau, aber auch Erweiterungen und den Umbau bestehender Anlagen. Dadurch steigt bereits jetzt die Nachfrage nach Anlagen spürbar an. Dabei greifen französische Investoren und Betreiber traditionell auf die Expertise erfahrener Biogasanlagenhersteller wie Weltec Biopower zurück. Die Ansprechpartner und Strukturen des Unternehmens mit Sitz in Nantes bleiben erhalten. Bereits seit dem Jahr 2012 vertritt Agripower France den deutschen Biogasanlagenhersteller auf dem französischen Markt. Zu Durch die deutsch-französische Kooperation der beiden Unternehmen unter der Dachmarke Weltec kann der Ausbau des Anlagenbestandes nun noch konsequenter vorangetrieben werden. Beginn entwickelte das Unternehmen hauptsächlich Biomethanprojekte im Westen Frankreichs. Mittlerweile betreut das zehnköpfige Team Kunden in den Bereichen Planung, Errichtung, Vertrieb und Service im ganzen Land. Aktuell werden bereits gemeinsam verschiedene Anlagen in Nord-Frankreich – darunter auch drei Biomethan-Projekte – realisiert. www.weltec-biopower.de Bild: Weltec Destatis Wirtschaftsfaktor Umweltschutz Im Jahr 2016 erwirtschafteten die Betriebe des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors in Deutschland 70,0 Milliarden Euro Umsatz mit Waren, Bau- und Dienstleistungen für den Umweltschutz. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurden die höchsten Umsätze mit 46,2 Milliarden Euro im Bereich Klimaschutz erzielt. Zu den wichtigsten wirtschaftlichen Säulen zählten dabei Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien (23,2 Milliarden Euro) sowie solche zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Einsparung von Energie (21,9 Milliarden Euro). In den übrigen Umweltbereichen (zum Beispiel Abfall-, Abwasserwirtschaft, Luftreinhaltung, Lärmbekämpfung) wurden insgesamt 23,7 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Der Großteil der umweltschutzbezogenen Umsätze wurde mit 57,3 Milliarden Euro (81,9 %) im Verarbeitenden Gewerbe erzielt. Die wichtigsten Wirtschaftszweige waren dabei der Maschinenbau (26,7 Milliarden Euro), die Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (4,8 Milliarden Euro) sowie die Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren (4,5 Milliarden Euro). Die Umweltschutzwirtschaft in Deutschland ist überwiegend auf den Inlandsmarkt ausgerichtet. So wurden im Jahr 2016 mit 43,6 Milliarden Euro fast zwei Drittel der Umsätze für den Umweltschutz (62,3 %) im Inland erwirtschaftet. 26,4 Milliarden Euro (37,7 %) entfielen auf den Export von Umweltschutzgütern. Nur wenige Umweltschutzgüter wiesen höhere Umsätze mit Exporten auf. Dazu zählten beispielsweise die Herstellung von Kraft-Wärme-Kopplungs- Anlagen, wo die Exporte 91,2 % der Umsätze ausmachten. Güter und Leistungen für den Umweltschutz generieren auch Beschäftigungseffekte und sind damit ein wichtiger Faktor für den Arbeitsmarkt. So waren im Jahr 2016 in Deutschland rund 251 000 Beschäftigte in der Umweltschutzwirtschaft tätig. Mehr als zwei Drittel dieser Beschäftigten (173 000) arbeiteten in Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes. Im Baugewerbe waren gut 45 000 Beschäftigte für den Umweltschutz tätig, im Dienstleistungssektor rund 32 000, in den übrigen Wirtschaftsbereichen etwa 2 000. www.destatis.de UmweltMagazin Oktober - November 2018 11

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