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10-11 | 2018

Nachrichten Hilfe zur

Nachrichten Hilfe zur Selbsthilfe: 20 Jahre Effizienz-Agentur NRW Jubiläen sind häufig Anlass zur eher formalen Rück- und Nabelschau. Anders die Effizienz- Agentur NRW (EFA). Zum 20jährigen blieb das Team um Geschäftsleiter Dr. Peter Jahns erfreulich inhaltlich- und zukunftsorientiert. Tenor: Das Thema Ressourceneffizienz ist aktueller denn je – packen wir es an. Sie war 1998 die erste ihrer Art im Kreise der Bundesländer: Seit 20 Jahren hilft die Effizienz-Agentur NRW im Auftrag des Landes-Umweltministeriums Unternehmen dabei, ihren Geschäften mit weniger Ressourcenaufwand nachzugehen. Ein Jubiläum, das guten Anlass gibt zu einer kleinen Feier: Am 17. September beging die EFA ihren Geburtstag mit einem Festakt in der Philharmonie Essen, in dem Umweltministerin Ursula Heinen-Esser die Arbeit der EFA mit den „grundlegenden Zielen“ der Politik, nämlich Ressourcen zu schonen und die Wirtschaft zu stärken, in Verbindung brachte. Wenngleich der Festakt nur einen Teil des Jubiläums ausmachte – vielmehr hatte die Agentur zu Workshops geladen, die praxisrelevante Fragestellungen aus der Perspektive nachhaltiger Produktentwicklung thematisierten. Etwa, welche möglicherweise unterschiedlichen Anforderungen Hersteller und Käufer an ein Produkt haben können (Verbraucherzentrale). Oder wie optimales Produktdesign im vollumfänglichen Sinne des Begriffes Design im Spannungsfeld zwischen Funktionalität und Nachhaltigkeit aussehen kann (Designcenter Miele). „Wir sind die Enabler“ Dr. Peter Jahns ist der Mann der ersten Stunde: Er baute die EFA auf und verantwortet ihre Initiativen seitdem im Spannungsfeld aus Landespolitik und Wirtschaft. Was hat sich in 20 Jahren EFA-Arbeit verändert? Und welche Herausforderungen wird die Zukunft mit sich bringen? Im Interview mit Jahns geht es auch, aber nicht nur um Nordrhein-Westfalen. Und die EFA hatte prämierte Produkte – Praxisbeispiele – mitgebracht, die in besonderer Weise Ressourceneffizienz und Umweltschutz dienen, etwa ein intelligentes Hochwasser-Schutzsystem (Bild oben, darüber wird das Umwelt- Magazin in einer späteren Ausgabe im Bereich Projekte berichten). Denn im Kern ist die Arbeit der EFA ganz einfach: Ingenieure helfen Betrieben dabei, sich zu optimieren. Das kostet meistens, wenngleich sich der Aufwand rechnet. Für die Umwelt ohnehin, aber auch für den Geldbeutel des Betriebes, der mehr spart als er investiert. Bild: EFA Blicken wir zunächst zurück. Was hat sich seit 1998 verändert? Als wir 1998 mit unserer Arbeit anfingen, ging es darum, überhaupt ein Bewusstsein für einen vorsorgenden Umweltschutz in der Produktion zu schaffen, bei dem Abfälle, Abluft und weitere Umweltbelastungen minimiert werden. Hier haben wir schnell Erfolge verbuchen und Unternehmen zum Weitermachen ermuntern können. Wie haben Sie das geschafft? Wir haben durch unsere Projekte mit mittelständischen Unternehmen gezeigt, dass ressourceneffizientes Wirtschaften in der Produktion ökologische und ökonomische, betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Vorteile bietet. Das ist heute oft Standard, und so geht es jetzt um viel mehr: Es geht von Verbesserungen im Produktdesign – dem Ecodesign – über die Produktion der Teile bis hin zur Wiederverwertung. 12 UmweltMagazin Oktober - November 2018

Nachrichten Die Megatrends wie beispielsweise die digitale Wirtschaft, Herausforderungen wie der Klimaschutz oder die abnehmende Verfügbarkeit von Rohstoffen, aber auch neue Ansätze wie das Konzept der Circular Economy haben erheblichen Einfluss auf unsere Wirtschaftsweise. Auf der anderen Seite müssen Handel und Konsumenten stärker eingebunden werden, um zu signifikanten Verbesserungen bei der Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum zu kommen, die Unternehmen allein sind da nur ein Teil des Ganzen. Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren entwickelt? Wir erkennen Trends, nehmen neue Ansätze in unser Portfolio auf und entwickeln Angebote für die Unternehmen. So können wir mit unserem Ansatz „Ecodesign“ die Unternehmen heute bei der Entwicklung ressourcenschonender Produkte unterstützen. Unternehmen erstellen mit unserem Instrument Ecocockpit ihre produktorientierten CO2- Bilanzen – Product Carbon Footprint PCF – , und über die Kostenrechnung haben wir einen neuen Angang geschaffen, um der Ressourcenverschwendung im Betrieb gemeinsam mit den Kaufleuten auf die Spur zu kommen. Was genau würden Sie als den entscheidenden Ansatzpunkt Ihrer Arbeit definieren? Entscheidend ist, aus den vielen Ansätzen, Trends und Herausforderungen diejenigen heraus zu suchen, die einen echten Mehrwert zur Ressourceneffizienz leisten können. Unsere Aufgabe ist es darüber hinaus, handhabbare Lösungen für den Mittelstand zu entwickeln, denn Effekte können nur durch Umsetzungen erreicht werden. Beispielhaft nenne ich hier die Ressourcenkostenrechnung RKR. Mit diesem betriebskostenorientierten Ansatz nutzt das Unternehmen Elemente der Industrie 4.0 als Teillösung, ohne gleich den ganzen Betrieb unter dem Aspekt der Digitalisierung zu betrachten. Es geht um die Verknüpfung bereits vorhandener Informationen, wofür eine umfassende Prozessanalyse Grundvoraussetzung ist. Grundlage aller Aktivitäten ist das Ziel der umweltschonenden Produktion, mit der erfolgreich die Kosten gesenkt und der Zeitbedarf verringert werden können. Was sind im Zusammenhang mit der Ressourceneffizienz die größten Herausforderungen in der Zukunft? Unser Bundesland lebt beim Ressourcen-Verbrauch deutlich über seine Verhältnisse. Das geht aus dem NRW-Umweltbericht 2016 hervor, für den erstmals der „ökologische Fußabdruck“ für NRW ermittelt wurde. Wir bräuchten mehrere Erden, wenn alle Menschen so leben würden wie wir. Der Ausstoß klimaschädlicher Gase muss gedrosselt werden, darüber hinaus müssen wir unseren Rohstoff- und Materialverbrauch senken. Stoffe, die einmal der Biosphäre entnommen wurden und in industrielle Wertstoffe umgewandelt worden sind – wie zum Beispiel Bauxit in Aluminium oder Roh- oder Bioöle in Kunststoffe – müssen möglichst lange in der Technosphäre genutzt werden. Das Ziel ist es, zu einer Kreislaufwirtschaft zu kommen, die nicht nur vom Abfallgedanken geprägt ist – die Frage sollte nicht lauten: Wie können wir den Abfall wiederverwenden? Die EFA verfolgt eine grundsätzlichere Sichtweise? Absolut, denn es muss vielmehr vom Produkt her gedacht werden: Wie kann das Produkt lange in der Verwendung bleiben, ggfs. durch Nachrüstungen, um dann nach der Gebrauchsphase auch noch leicht direkt weiterverwendet werden zu können, ohne dass es überhaupt erst Abfall wird. Auf EU-Ebene wird hierzu unter dem Begriff „Circular Economy“ gerade eine Strategie erarbeitet – wir übersetzen das mit „zirkulärem Wirtschaften“. Durch smartere Technologien weniger Rohstoffe zu verbrauchen, das muss das Ziel sein wie beispielsweise durch additive Fertigungsmethoden, etwa 3-D-Druck. In diesem umfassenden Veränderungsprozess sind wir als „Enabler“ an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um das Thema Ressourceneffizienz einerseits anwendbar zu machen, und um andererseits auf Grundlage unserer jahrelangen Erfahrungen Vorschläge in Richtung Politik zu unterbreiten und zu diskutieren, wie diese die Wirtschaft auf dem Weg zu mehr Ressourceneffizienz unterstützen kann. Welche Ansätze verfolgt die EFA, um solche Zusammenhänge noch stärker im Bewusstsein zu verankern? Den größten Teil unserer Arbeitszeitsind wir direkt in den Unternehmen- Nordrhein-Westfalens tätig – im Rahmen von Erstanalysen, zur Potenzial-Ermittlung oder bei Detailberatungen, Umsetzungen und Finanzierungen gemeinsam mit den von uns geschulten Beratern der freien Wirtschaft. Dazu kommt ein erheblicher Zeitaufwand, um das Thema Ressourceneffizienz bei Wirtschaftsförderungen, Verbänden und in Institutionen zu platzieren. In Zukunft müssen wir unsere Botschaften verstärkt entlang der Wertschöpfungsketten adressieren, also in Richtung Handel und Konsumenten. Wir müssen verdeutlichen, dass Ressourceneffizienz ein echter Mehrwert ist, den man auch in der Kommunikation und im Vertrieb nutzen kann. Unser Effizienz-Preis NRW ist so ein Beispiel für die Kommunikation guter Leistungen, ebenso werden immer häufiger die Ergebnisse aus der CO2-Bilanzierung mit unserem Ecocockpit für die Kommunikation genutzt – insbesondere im B2B-Bereich, wo dies zunehmend zu einem entscheidenden Kriterium wird. Das Zusammenspiel der verschiedenen Ansätze ist entscheidend, ebenso wie die Einbindung aller im Wertschöpfungsprozess beteiligten Partner und aller Stakeholder. Hier bestärken uns die Erfolge darin, diesen Weg weiter zu gehen. UmweltMagazin Oktober - November 2018 13

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