Aufrufe
vor 11 Monaten

10-11 | 2018

Abfall Beschleunigte

Abfall Beschleunigte Kreislaufwirtschaft beim Kunststoff Rostock: Mischreaktor des URRC-Prozesses. Kunststoffe müssen ab 1. Januar 2019 in größerer Quote als bislang recycelt werden. Entsorgungsunternehmen bereiten sich darauf vor – und sehen grundsätzlich in der Wiederverwendung von Kunststoffen großes ökologisches und wirtschaftliches Potential. Projektbericht zu einer der modernsten Recyclinganlagen in Rostock. Verpackungen, Autos, Smartphones – eine Welt ohne Kunststoff ist kaum vorstellbar. Doch dafür zahlt die Umwelt bislang einen hohen Preis: Der Ostpazifische Müllstrudel besitzt inzwischen die Ausmaße der vierfachen Fläche Deutschlands, und kleinste Kunststoffpartikel finden sich sogar in den Mägen von Vögeln und Fischen. Doch Verpackungen sind aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes auch wichtig: Sie machen etwa Fleisch im Supermarkt länger haltbar oder schützen aufwändig hergestellte elektronische Geräte. Denn Produkte verbrauchen bei ihrer Entstehung Ressourcen, je weniger verdirbt oder kaputt geht, desto besser ist das für die Umwelt. Importstopp als Chance Nicht nur bei seinem Image, auch wirtschaftlich ist das Material Kunststoff und die gesamte Branche unter Druck: China, der bis dato wichtigste Importeur, hat Ende 2017 strenge Einfuhrbestimmungen für Kunststoffe erlassen und Deutschland und andere europäische Länder müssen sich nun darauf einstellen. „Wir sehen dies als eine Chance, die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft weiter anzukurbeln“, sagt Etienne Petit, Landesdirektor von Veolia Deutschland. Denn die im Land verbleibenden Kunststoffabfälle böten reichlich Material zur Versorgung bestehender Anlagen und bisher ungenutzte Technologien, die teurer sind als der Export, könnten nun weiter entwickelt und finanziert werden. „Insgesamt wird der europäische Kunststoffrecyclingmarkt einen volkswirtschaftlichen Mehrwert schaffen und dazu beitragen, die Einträge ins Ökosystem zu reduzieren“, ist Petit überzeugt. Verpackungsgesetz setzt auf höhere Recyclingquoten Auch das am 1. Januar 2019 in Kraft tretende neue Verpackungsgesetz wird dazu beitragen, das Problem zumindest in Deutschland über höhere Recyclingquoten zu entschärfen. Hersteller und Vertreiber, die verpackte Ware gewerbsmäßig in Verkehr brin- 24 UmweltMagazin Oktober - November 2018

Abfall gen – also auch Importeure und Online-Versender aus Drittländern – müssen dann zwingend beachten, dass ohne eine Registrierung „Produkte in systembeteiligungspflichtigen Verpackungen“ nicht zum Verkauf angeboten werden dürfen. Im Falle eines Verstoßes drohen hohe Bußgelder. Über die Einhaltung der Vorschriften wacht die „Zentrale Stelle“ als Kontrollbehörde. Durch Abgleich der Mengenangaben der Hersteller und der dualen Systeme wird es möglich sein, Marktteilnehmer zu identifizieren, die sich nicht an die Vorschriften halten. Und das kann teuer werden. Die Systeme sind außerdem zukünftig verpflichtet, bei der Festlegung der Beteiligungsentgelte auch ökologische Kriterien zu berücksichtigen. Diese so genannten modulierten Lizenzentgelte sollen Hersteller dazu bewegen, Verpackungsmaterialen zu verwenden, die zumindest teilweise aus Rezyklaten bestehen oder zu einem hohen Prozentsatz recycelt werden können. Konsequentes Sammeln und Recycleln Eine Lösung für viele Probleme – wirtschaftlich wie ökologisch – ist das konsequente Sammeln und Recyceln von Kunststoffen. Eine der modernsten Recycling-Anlagen ihrer Art steht in Rostock. Hier landen jedes Jahr eine Milliarde PET-Flaschen. Nach nur wenigen Stunden in der Anlage kommt eine alte Flasche als neu gewonnener Recyclingrohstoff wieder heraus und ist bereit für ein weiteres Leben als Getränkeflasche – man könnte beinahe sagen, sie hat ein gutes Karma gewonnen. Gegenüber PET Neuware können somit über 75 Prozent CO 2 -Ersparnis erreicht werden durch den Einsatz des Recyclingrohstoffes. „Wir haben viele Jahre kontinuierlich in Anlagentechnik und Prozesse investiert, um unsere Produkte lebensmitteltauglich zu machen und Kreisläufe zu schließen. Deshalb begrüßen wir die aktuelle Entwicklung auf dem Markt“, sagt Stephan Bockmühl, Geschäftsführer der Veolia PET Germany GmbH. Drehrohrofen des URRC-Prozesses. Materialaustrag URRC-Drehrohrofen. Zuführung des HDPE Mahlguts zur Extrusion. Rückstellmuster PET Flakes für das Labor. UmweltMagazin Oktober - November 2018 25

Ausgabenübersicht