Aufrufe
vor 11 Monaten

10-11 | 2018

Gastkommentar

Gastkommentar Klimaschutz und Dekarbonisierung umfassend denken Unsere Erde schwitzt. Die schlechte Nachricht ist, dass der Energiehunger der Welt weiter wächst. Kohle, Öl und Gas werden vermutlich noch lange im Energiemix des Planeten vorherrschen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Wir Menschen haben Lösungen zur Dekarbonisierung entwickelt, die dieser Entwicklung entgegentreten. Das sind zum Beispiel Energieeinsparung und -effizienz, die den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren, ganz einfach, weil es sich bei der CO2-freiesten Energie um diejenige handelt, die wir gar nicht verbrauchen. Gemeinsam mit seinen Gesellschaften und Partnern arbeitet Veolia daran, dies etwa im industriellen Rahmen umzusetzen, sei es durch das Monitoring des CO2-Ausstoßes in Echtzeit oder die Analyse und Auswertung sämtlicher effizienzrelevanter Daten auf einer smarten Plattform sowie die darauf aufbauenden Maßnahmen, Energie effizienter einzusetzen. Doch auch im kommunalen Rahmen gibt es Lösungsansätze: In Braunschweig bereitet die Veolia-Tochter BS|ENERGY bei der Speisung des gut ausgebauten Fernwärmenetzes konsequent den Verzicht auf Kohle als Brennstoff vor. Bei der Suche nach Alternativen stehen zwei wesentliche Ziele im Vordergrund: Die Versorgung soll klimafreundlicher und gewohnt zuverlässig sein. Derzeit wird geprüft, welche neuen Energieerzeugungsarten – Abwärmenutzung aus der Stahlproduktion oder ein Biomasse-Heizkraftwerk – ab 2022 die vorhandene moderne Gas- und Dampfturbinen- Anlage ergänzen sollen. Bereits heute wird dort an einem sektorenübergreifendes Modell geforscht: Das EU-Projekt ReUseHeat nutzt die Abwärme eines Rechenzentrums für die Wärmeversorgung eines Neubaugebietes. Weitere Standorte sind Madrid, Nizza und Bukarest, wo Abwärme eines Krankenhauses, des Abwassers oder der Metro sinnvoll in einen Energiekreislauf zurückgespeist werden. Dekarbonisierung, das sind aber auch alle nachhaltigen Lösungen, die dazu beitragen, Primärenergieträger einzusparen und den CO2 Ausstoß weiter zu senken. Das können Ersatzbrennstoffe sein, gewonnen aus Klärschlamm und nicht recycelbaren Resten von Haushaltsabfällen, die fossile Brennstoffe ersetzen. Bei der Verbrennung erzeugt Klärschlamm etwa so viel Energie wie Braunkohle, aber ohne deren immensen CO2-Ausstoß. Das kann auch Energiegewinnung auf der Kläranlage sein: Die „Fütterung“ des Faulturms mit zusätzlichem organischen Material wie Altfetten, Grasschnitt oder übriggebliebenen Limonaden, um mehr Energie zu produzieren, als die Kläranlage, üblicherweise der größte kommunale Energieverbraucher, benötigt. Schließlich trägt auch das konsequente Recycling von Materialien dazu bei, weniger Energie und Ressourcen zu verbrauchen als bisher und damit den CO2-Ausstoß zu senken. Etwa das Kunststoffrecycling: Eine Tonne wiederverwendeter Rezyklate von HDPE-Kunststoffen spart über drei Tonnen Treibhausgas im Vergleich zu Primärware ein – und Plastik, das bewusst zum Schutz von Lebensmitteln und anderen wertvollen Produkten verwendet wird, verschmutzt im Kreislauf nicht unsere Umwelt und Meere. Auch konsequentes Sammeln und Recyceln ist deshalb angewandter Klimaschutz. Lassen Sie uns Klimaschutz und Dekarbonisierung umfassend denken – und mit allen Akteuren gemeinsam handeln. Die Politik ist mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen genauso gefragt wie Industriebetriebe, die idealerweise leicht recycelbare Produkte aus wiederverwendeten Materialien energieeffizient herstellen, oder die Verbraucher, die diese Produkte nachfragen. Etienne Petit, Vorsitzender der Geschäftsführung von Veolia Deutschland. „Bei der Suche nach Alternativen stehen zwei wesentliche Ziele im Vordergrund: Die Versorgung soll klimafreundlicher und gewohnt zuverlässig sein.“ UmweltMagazin Oktober - November 2018 3

Ausgabenübersicht