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10-11 | 2018

Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Kenias Wassersektor nimmt Fahrt auf vor allem in sich urbanisierenden Gebieten, erzeugt den Bedarf, die in immer konzentrierterer Form entstehenden Abwässer angemessen zu entsorgen. Diesem Bedarf wird bisher jedoch nur in ungenügender Weise entsprochen. Das Abwasser wird in die Flur oder in Kanäle geleitet oder in ungesicherten Teichen deponiert. Vor allem im städtischen Umfeld wird ungeklärtes Abwasser auch zur Bewässerung von Flächen genutzt, die zur Nahrungsmittelproduktion dienen, obwohl es auch in Kenia strikte Verbote gegen diese Praxis gibt. Folgen sind unter anderem Grundwasserverseuchung und Krankheiten wie Typhus, Cholera und Durchfall. Offene Restwasserreservoirs begünstigen auch die Ausbreitung von Krankheiten übertragenden Stechmücken wie Moskitos. Die Wassersektorreform lässt auf eine positive Entwicklung in Kenia hoffen. Kenia wird, trotz bedeutender lokaler Unterschiede, generell als ein wasserarmes Land klassifiziert. Die Wasserversorgung einer weiterhin wachsenden Bevölkerung stellt hohe Ansprüche an die Umweltressourcen, die einem zunehmenden Nutzungsdruck ausgesetzt sind. Der Ausbau der technischen Infrastruktur zur Wasserver- und -entsorgung kann mit den veränderten Bedürfnissen einer immer stärker verstädterten Gesellschaft bisher nicht Schritt halten. Neue Entwicklungen versprechen nun aber Besserung. Allgemein herrscht in Kenia ein Investitionsstau bei gleichzeitig steigendem Bedarf an Technologien und Lösungen zur individuellen und gemeinschaftlichen Wasserbereitstellung, Wasseraufbereitung sowie beim Abwassermanagement. Trotz der Fortschritte in den letzten Jahren lebt immer noch ein wesentlicher Teil der Bevölkerung ohne eine angemessene Wasserinfrastruktur. Dies betrifft großflächig den ländlichen Raum, in dem regional teilweise starke Wasserarmut herrscht, und in anderem Maßstab die Ballungszentren, in denen die Frischwasserversorgung in der Regel zwar quantitativ, keineswegs aber qualitativ gesichert ist. Neben dem Bedarf an physischer Infrastruktur und technischen Lösungen wird auch die Ausbildung von Fachkräften im Wasser- und Abwasserbereich ebenso wie der generelle Aufbau von systematisiertem Know-how als wesentliche Herausforderung angesehen. Abwasserentsorgung eine große Herausforderung Die momentane Abwassermenge in Kenia wird von offizieller Seite nicht gemessen und ist nur schwierig abschätzbar. Der steigende Bevölkerungsdruck, Wassersektorreform lässt auf positive Entwicklung hoffen Auch wenn die Herausforderungen im kenianischen Wassersektor groß bleiben und kurzfristig nicht gelöst werden können, gibt es dennoch eine bedeutende Haben-Seite. Die Verbesserung der Wasserversorgung, Bewässerung und des Abwassermanagements in Kenia werden von Regierung und ausländischen Gebern als wesentliche Schritte auf dem Weg von einem Entwicklungszu einem Schwellenland wahrgenommen. Seit Anfang des Jahrtausends wurden in zwei wesentlichen Gesetzesüberarbeitungen Grundlagen für eine den Aufgaben angemessene Akteursstruktur im Wassersektor gelegt. Als Folge davon sind, in einem auf eigene finanzielle Tragfähigkeit ausgerichtetem Wassersektor, Wasserversorger, die sich einem Leistungswettbewerb stellen, entstanden. Die in der Umsetzung befindliche Dezentralisierung der Wasserversorgung gibt in viel stärkerem Maße als vorher auch regionalen Akteuren die Möglichkeit, beim Aufbau einer angemessenen Infrastruktur mitzuwirken. Dringendste Herausforderung für die regionalen Wasserversorger bleiben die 56 UmweltMagazin Oktober - November 2018

Umweltmärkte Service hohen Leitungsverluste, die eine Vielzahl an technischen, organisatorischen und finanziellen Ursachen aufweisen. Der Aufbau der landesweiten Abwasserentsorgung steht dagegen erst am Anfang. Durch die Implementierung neuer marktbasierter Finanzierungsmechanismen für die Wasserversorgung ist ein wichtiger Schritt zur Verringerung der bisherigen Abhängigkeit von ausländischen Gebern gegangen. Die weitere Umsetzung der Wassersektorreformen lässt auf eine Fortsetzung des bislang von starken Fortschritten geprägten Weges hin zu einer besseren und langfristig tragfähigen Wasserversorgung hoffen. Bisher wird in Kenia das Abwasser noch in die Flur oder Kanäle geleitet oder in ungesicherten Teichen deponiert. Bilder: AHK Kenia Gute Geschäftschancen für deutsche Unternehmen Ein sich auf allen Ebenen professionalisierender Wassersektor in Kenia ist auf absehbare Zeit auf Expertise und Technologien aus dem Ausland angewiesen. Dies eröffnet deutschen Unternehmen Möglichkeiten, mit ihren Leistungen zu der positiven Entwicklung dieses Marktes beizutragen: Auf Seiten industrieller Abnehmer gleichen sich Prozesse und damit der Bedarf für hochwertige Wassertechnologie an westliche Vorbilder an. Diese Entwicklungen werden auch von privaten Anbietern im Wasserbereich flankiert, die ausgehend von der Nachfrage nach kosteneffizienten, langlebigen und umweltfreundlichen Lösungen ihre Portfolien anpassen und zur Professionalisierung des gesamten Wassersektors beitragen. Die Dezentralisierung der öffentlichen Wasserversorgung gibt auch regional die Möglichkeit, gestaltend beim Aufbau einer angemessenen Infrastruktur mitzuwirken. Durch fortschreitende Implementierung der Wassersektorreformen und dem Wachstum des Sektors insgesamt steigen auch hier die Anforderungen an technische Lösungen zur effizienten Nutzung der begrenzten Wasserressourcen. Einige deutsche Unternehmen – etwa aus dem Bereich dezentralisierter Kläranlagen – sind zusammen mit kenianischen Partnern bereits erfolgreich in den kenianischen Markt gegangen. Einige deutsche Unternehmen, unter anderem aus der Mess- und Analysetechnik, der Wasseraufbereitung, der AHK Kenia Die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Kenia (AHK Kenia) unterstützt und vertritt deutsche Unternehmen und ihre Interessen in Ostafrika. Ein auf Umweltfragen spezialisiertes Team beschäftigt sich intensiv mit den Themen Wasser und Abwasser. Wasserpumpenherstellung oder auch im Bereich dezentralisierter Kläranlagen sind zusammen mit kenianischen Partnern bereits erfolgreich den Weg in den kenianischen Markt gegangen und haben sich in Hinblick auf die weitere Marktentwicklung stark positioniert. Thilo Vogeler und Andreas Kaiser, AHK Kenia, www.Kenia.AHK.de/Energy-Environment UmweltMagazin Oktober - November 2018 57

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