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12 | 2012

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Technik&Management Bild:

Technik&Management Bild: Huber SE Der thermischen Klärschlammbehandlung –imBild die Sludge2enery-Anlage auf der Kläranlage Straubing –werden gute Zukunftsaussichten bescheinigt. Klärschlammentsorgung: Herausforderungen und Chancen Auch in Zukunft werden immer mehr Klärschlämme in Deutschland thermisch entsorgt werden. Gründe dafür sind die unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen bei der landwirtschaftlichen Verwertung, technologische Innovationen sowie die Möglichkeit der Phosphorrückgewinnung nach der Monoverbrennung. Dirk Briese, Hilmar Westholm und Sandra Biering Mit der Novelle der Bioabfallverordnung im Jahr 2011 wurde auchdie Düngemittelverordnung geändert. Die darin erfolgte Festlegung vonGrenzwertenhat zurFolge, dass ab demJahr 2015 nur nochKlärschlämme mit sehr geringen Gehalten anSchadstoffen stofflich verwertet werden können. Der gesetzliche Rahmen schränkt ihren Einsatz in derLandwirtschaftein und bewirkteine steigende Relevanz der thermischen Entsorgung. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Trend- und Marktforschungsinstituts trend:research hervor. Darinbeleuchtendie Expertendie zu erwartenden Entwicklungen in den Bundesländern, vergleichen die Kostenstrukturen der verschiedenen Entsorgungsmöglichkeitenund legen die Vorund Nachteile der Handlungsoptionen für Erzeuger und Verwerter von Klärschlämmendar. Die Branche zeigt sich verunsichert Es zeigt sich, dass diebestehendengesetzlichen Regelungenvor allem auf Seiten der Kläranlagenbetreiber für Unsicherheiten sorgen. Neben der Novelle der Düngemittelverordnung wird auch die erwartete Novellierung der Klärschlammverordnung (AbfKlärV) negativen Einfluss auf die weitere landwirtschaftliche Verwertung der Klärschlämme haben –sodie Befürchtung vonTeilender Branche. Aus Sicht der inder Studie befragten Kläranlagenbetreiber und Klärschlammverwerterstellt die sichere Entsorgung derKlärschlämme biszum Jahr 2025 eine dergrößten Herausforderung dar (siehe Grafik). Interessant ist aber auch, dass die meisten Nennungen auf „nicht bekannt“ fielen. Dies verdeutlicht noch einmal die unsichere Situation der Kläranlagenbetreiber und -ver- 32 UmweltMagazin Dezember 2012

Abfall/Recycling sichere Entsorgung der Klärschlämme Phosphorrückgewinnung sinkende Menge effiziente Energienutzung Sonstige nicht bekannt keine Angabe 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 16% 18% 20% Grafik: trend:research Was wird aus Sicht von 54befragten Kläranlagenbetreibern und Klärschlammverwertern die größte Herausforderung bei der Klärschlammentsorgung bis 2025 sein? Mehrfachnennungen möglich (n=36) werter.Die gesamte Branche istinsofern verunsichert und es bestehen wenige langfristige Planungen, da die gesetzlicheNeuerungerstabgewartetwird. Auf politischer Ebene –insbesondere auf Länderebene –ist eine starke Positionierung zur Klärschlammentsorgung erkennbar. Speziell Bundesländer in Süddeutschland sowie Nordrhein- Westfalen verfolgen dasZieleinermöglichst kurzfristigen Abkehr von der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung. Inden östlichen Bundesländernwirdhingegen die landwirtschaftliche Verwertung als der optimale Entsorgungsweg betrachtet. Phosphorrückgewinnung mit Potenzial Auch wenn die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlämmen insbesondere durch die gesetzlichen Veränderungen nachlässt, bieten sich den Kläranlagenbetreibern und Klärschlammverwertern neue Chancen. So kommt es zu einer Verschiebung der Entsorgungswege hin zur Verbrennung der anfallenden Klärschlämme. Schon heute hat die Verbrennung mit über 50 Prozentden größten Anteil aller Verwertungswege. Für Kläranlagenbetreiber, die an einer Verbrennungsanlage beteiligt sind oder über einen Lieferungsvertrag mit einer nahegelegenen Anlage verfügen, besteht die Möglichkeit, Kraftund Wärme zu erzeugenund damit die Kosten für den Betrieb der eigenen Anlage zu senken. Inder Monoverbrennung von Klärschlämmen liegt darüber hinaus weiteres Potenzial: Sie ermöglicht die Phosphorrückgewinnung, die aufgrund der Verknappung der weltweiten Phosphorressourcen und im Zusammenhang mit abfallpolitischen Vorgaben stark anBedeutung gewinnt. Auch bei dieser Möglichkeit bestehen jedoch noch Herausforderungen, wie das in derGrafik wiedergegebeneBefragungsergebnis zeigt. In denletzten Jahren wurden verschiedene Forschungsund Entwicklungsprojekte ins Leben gerufen, um einenWeg zur wirtschaftlichen Rückgewinnung vonPhosphor zu finden, bisher allerdings ohne Durchbruch. DieserwirdimReferenzszenario, das heißt der wahrscheinlichsten Entwicklung, dertrend:research-Studie angenommen. Die Entwicklung eines Phosphorrecyclings steht auch imZusammenhangmit denabfallpolitischen Vorgaben desKreislaufwirtschaftsgesetzes. Hier gilt das Prinzip der stofflichen vor der energetischen Verwertung, sodass in den kommenden Jahren Vorgaben zumPhosphorrecycling zu erwarten sind, zum Beispiel in Form von Recyclingquoten. Marktentwicklung: stetiger Anstieg Das Marktvolumen für die Entsorgung der anfallenden Klärschlämme auf allen Entsorgungswegensteigt –un- teranderemaufgrund der dargestellten gesetzlichen Neuregelungen sowie der technologischen Entwicklungen –von 360 Millionen Euro imJahr 2010 auf rund 480 MillionenEuroin2025. In diesem Zeitraum wird inDeutschland ein Kapazitätsausbau im Umfang von zehn bis zwölf Monoverbrennungsanlagen erwartet.Das Marktvolumen entwickelt sich dabei bis 2020 gleichmäßig steigend, ab diesem Zeitpunkt wird aufgrund der im Referenzszenario angenommenen technologischen Durchbrüche beimPhosphorrecycling ein Anstieg der Monoverbrennung prognostiziert. Der Trend der Verschiebung hin zurthermischenEntsorgung, dersichin den letzten Jahren bereits abzeichnete, setztsichsomit weiterfort. Die Entwicklungverläuftjedochsehr unterschiedlich inden einzelnen Bundesländern: Während beispielsweise in Niedersachsen und Thüringen nur mit einem minimalen Anstieg zurechnen ist, wird insbesondere Nordrhein-Westfalen große Zuwächse beim Marktvolumenzuverzeichnenhaben. Dirk Briese, Dr. Hilmar Westholm, Sandra Biering, alle: trend:research GmbH, Bremen, dirk.briese@trendresearch.de UmweltMagazin Dezember 2012 33

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