Aufrufe
vor 4 Jahren

12 | 2012

  • Text
  • Unternehmen
  • Umweltmagazin
  • Dezember
  • Betrieb
  • Deutschland
  • Einsatz
  • Energie
  • Zudem
  • Inder
  • Technik

Technik &Management

Technik &Management Management Bild: TiM Caspary/Pixelio Anpassung derUnternehmen an denKlimawandel Der Klimawandel erfährt auch in deutschen Unternehmen und Wirtschaftsbranchen zunehmende Aufmerksamkeit. Sonehmen diese bereits heute eine Betroffenheit durch die Klimafolgen und Extremwetterereignisse in unterschiedlicher Art und Intensität wahr. Sie werden sich zukünftig auf die Auswirkungen des Klimawandels noch stärker einstellen müssen. Auf dem Weg zueiner wirksamen Anpassung besteht jedoch Bedarf anKlimawissen sowie anProblemlösungen und Tools. Dr. Mahammad Mahammadzadeh Der Klimawandelist kein kurzlebiges Ereignis. Er kann allen Klimaschutzmaßnahmen zum Trotz nicht mehr vollständig aufgehalten, sondern nur noch inseiner Intensität begrenzt und gemindert werden. Eine signifikante Umkehr des bereits in Gang gesetzten Klimawandels bedarf „Zeiträumen von Jahrzehnten, wenn nicht sogarJahrhunderten“[1]. Dahersetzt eine wirksame Bewältigung des Klimawandels eine zweigleisige Reaktion beziehungsweise eine strategische Ausrichtung der Handlungen aller Akteure in doppelterHinsicht voraus:Klimaschutz und -anpassung [2]. Während die Klimaschutzstrategie auf eine Minderung von Treibhausgasemissionen abzielt, liegt der Schwerpunkt der zweiten Strategie auf der Anpassung an die Folgen desKlimawandels sowie an die mit ihm in Verbindung stehenden Extremwetterereignisse wie Hitze, Dürre, Stürme, Hagelund Starkregen.Klimaschutz und Anpassung schließen sich gegenseitig nichtaus –auf beidesdarfnicht verzichtetwerden. Klimawandel in der unternehmerischen Praxis Das Thema Klimawandel hat bereits Eingang in die Unternehmenspraxis gefunden und gewinnt aufgrund der damit verbundenen ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen zunehmend an Beachtung. So gaben gut60Prozentder befragtenGeschäftsführer bei einer bundesweiten Unternehmensbefragung des Instituts der deutschenWirtschaftKöln unter 1040 Unternehmen (darunter rund 93 Prozentkleine und mittelständischeUnternehmen) an, dass sie sich mit dem Thema Klimawandel auseinandergesetzthaben [3].Rund jedes dritte Unternehmen schätzt den Klimawandel oder zumindest die damit in Verbindung stehenden Extremwetterereignisse für sich bereits heute als relevant ein. Ferner ist davon auszugehen, dass die Relevanz des Klimawandels künftig noch zunehmen wird. Die Gründe für 40 UmweltMagazin Dezember 2012

2011 2030 15,2 28,9 76,4 60,0 negativ weder noch positiv 8,3 11,1 Quelle: Eigene Darstellung auf Basis des IW-Zukunftspanels 2011 Grafik 1: Direkte Betroffenheit durch natürlich-physikalische Klimafolgen (im In- und Ausland. Unternehmen, für die der Klimawandel ein Thema ist, Angaben in Prozent 2011 2030 19,6 42,8 Grafik 2: Direkte oder indirekte Betroffenheit durch den Klimawandel in Deutschland. Unternehmen, für die der Klimawandel ein Thema ist, Angaben in Prozent betriebliche Strategien und MaßnahmenimBereich desKlimaschutzessind vielfältig [4]. Das Spektrum reicht von nationalen und europäischen Gesetzen und Verordnungen über freiwillige Selbstverpflichtungen bis hin zu ökonomischen Gründen wie bessere Marktchancen durch Klimaschutzprodukte und -dienstleistungen sowie die erhoffte Kostenreduzierung – beispielsweise durch die Erhöhung der Energie- und Ressourceneffizienz. Gegenwärtig stehendie Fragendes Klimaschutzesinder Priorität der Unternehmen inDeutschland deutlich über der Anpassung an den Klimawandel und seinen Folgen. Der Grund hierfür liegt vorwiegend darin, dass bei der Anpassung an die Klimafolgen eine bereits vorliegende oder eine noch zuerwartende eigene Betroffenheit durch natürlich-physikalische Auswirkungen des Klimawandels eine große Rolle spielt. So wird ein Betrieb eher versuchen, sich durch geeignete Maßnahmen anzupassen, wenn der Standort durch Hochwasser oder mangelndesKühlwasserbetroffen wird.Derartige Betroffenheiten werden gegenwärtig aber vomGroßteil derUnternehmen als eher gering wahrgenommen, 69,5 38,0 negativ weder noch positiv 19,2 10,8 Quelle: Eigene Darstellung auf Basis des IW-Zukunftspanels 2011 was auf die relativ guten klimatischen Bedingungen Deutschlands zurückzuführen ist. JedesvierteUnternehmen gab an, dem Klimawandel mit einer Strategie der Anpassung zu begegnen und doppelt soviele mit einer Klimaschutzstrategie. Betroffenheit durch den Klimawandel Betroffenheit beschreibt zum einen potenzielle Schäden, zumanderenaber auch positive Auswirkungen, die sich durch klimatischeVeränderungen ergeben können. In die Einschätzung der Unternehmenvon ihrer eigenenBetroffenheit fließen vornehmlich nicht nur die langfristig zu erwartenden Klimaveränderungen ein, welche weit über den unternehmerischen Planungshorizont hinaus wirksam werden, sondern vielmehr sindesdie mit demKlimawandel inVerbindung stehenden Extremwetterereignisse und sich wandelnde Wetterbedingungen. Bei einer umfassendenAnalyseder Betroffenheitssituation müssen viele relevante Aspekte wie Art, Zeit, Ort, Intensität, Häufigkeit, Wirkungsrichtung der Betroffenheit berücksichtigt werden. Hierbei nehmen Artund Zeiteine zentrale Rolle ein[5]. Bezüglich der Art ist zwischen einer direkten und einer indirekten Betroffenheit zu unterscheiden:Die direkteergibt sich aus natürlich-physikalischen Klimafolgen wie zumBeispiel Hochwasser, Stürme oder Starkregenereignisse. Die indirekte Betroffenheit hingegen entsteht überwiegend aus marktlichen Folgen wie etwa Nachfragerückgang oder -erhöhung oder aus regulatorischenFolgen des Klimawandels wie beispielsweise klima- und energiebezogene gesetzliche Regulierungen, Bauvorschriftenund Bauleitpläne. Beidem Zeitaspekt geht es primär darum, ob eine Betroffenheit bereits vorliegt, oderobsie kurz-, mittel- oder langfristigzuerwartenist.Währendeine bereits vorliegende odereine kurzfristigzu erwartende Betroffenheit eine sofortige Anpassungsmaßnahme erfordert, liegt der Fokus bei mittel- und langfristig zu erwartenden Betroffenheiten auf präventiven Anpassungsmaßnahmen. Empirische Befunde bezüglich der Klimabetroffenheit Im Rahmen der Unternehmensbefragung gaben 15,2 Prozent der Geschäftsführer an, im Jahre 2011von Klimafolgen und Extremwetterereignissen direkt negativ betroffen gewesenzusein(siehe Grafik 1). Eine positive Betroffenheit nehmendagegennur 8,3 Prozent wahr. Über drei Viertel der Befragten sehen durch den Klimawandel weder positive noch negative direkte Auswirkungen für sich. Die negative Betroffenheit ist bei der Logistikbranche mit knapp 21 Prozent, der sonstigenIndustrie wie bei- UmweltMagazin Dezember 2012 41

Ausgabenübersicht