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12 | 2012

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Technik &Management

Technik &Management Management spielsweise Energie- und Wasserversorgung, Ernährungsgewerbe und Papiergewerbemit fast 19 Prozent und der Bauwirtschaft mit gut 16 Prozent ausgeprägter als bei anderenBranchen. Die Bauwirtschaft schätzt ihre positive Betroffenheit mit etwa 13 Prozent vergleichsweise stärker ein als andere Unternehmen. Prognostiziert wird, dass sich umdas Jahr 2030 die Situation ändern wird. Während sich, nach Einschätzung der befragten Geschäftsführer, heute knapp 20 Prozent der Unternehmen in Deutschland negativ von direkten oder indirekten Klimafolgen und Extremwetterereignissen betroffen fühlen, rechnet man in 18 Jahren allerdings mit fast 43 Prozent. Eine positive Betroffenheit liegt heute bei rund 11 Prozent im Inland vor. Etwa 19 Prozent erwarten einenderartigen Effekt um dasJahr 2030. DieAntwortmöglichkeit „weder/noch“ findet eine große Zustimmung, fällt jedochbei den Erwartungen bezüglich der Klimabetroffenheit um 2030 in Deutschland mit 38 Prozent vergleichsweise gering aus (siehe Grafik 2). Literatur [1] Stehr, Nico/von Storch, Hans (2008): Zeppelin Manifest zum Klimaschutz, URL: http://coast.gkss.de/staff/ storch/pdf/Zeppelin-Manifest-2008.pdf. [2] Europäische Kommission (2009): Weißbuch, Anpassung an den Klimawandel: Ein europäischer Aktionsrahmen, KOM(2009) 147, Brüssel. [3] Mahammadzadeh, Mahammad/ Chrischilles, Esther/Biebeler, Hendrik (2013): Klimaanpassung in Unternehmen und Kommunen –Betroffenheiten, Verletzlichkeiten und Anpassungsbedarf, IW-Analysen Nr. 83, Köln 2013. [4] Bardt, Hubertus/Chrischilles, Esther/Mahammadzadeh, Mahammad (2012): Klimawandel und Unternehmen. In: Wirtschaftsdienst, 92. Jg. 2012, Sonderheft, S.29-36. [5] Mahammadzadeh, Mahammad (2010): Anpassung an den Klimawandel in der deutschen Wirtschaft –Ergebnisse aus Expertenbefragungen. In: Zeitschrift für Umweltrecht und Umweltpolitik (ZfU), 33. Jg. 2010, H. 3, S. 309-340. angepasste betriebliche Infrastruktur Versicherung gegen die Folgen von… Sicherstellung der Wasserversorgung Frühwarn- und Informationssysteme Kanalisation und Abwassersysteme Klimaberatungen Hochwasserschutz Klimarisikomanagement Lösungen des Kühlwassermangels Sonstige DienegativeBetroffenheit mussnicht zwingend zueiner Verletzlichkeit führen. Diese istdortgegeben, wo keine ausreichenden Anpassungskapazitätenund insbesondere keine finanziellen, personellen, technologischen,infrastrukturellen, institutionellen und wissensbasiertenRessourcen undKompetenzen zu ihrer Bewältigung zur Verfügung stehen. Angesichts derschwach ausgeprägtennegativen Betroffenheiteneinerseits und der starken Anpassungskapazitäten andererseits schätzt sich die deutsche Wirtschaft derzeit im Schnitt als nicht verletzlichein. Vordem Hintergrund der erhöhten negativen Betroffenheit um 2030 besteht allerdings eine wachsende Verletzlichkeitsgefahr fürUnternehmen und Wirtschaftsbranchen, sofern keine Anpassungsmaßnahmen zur Reduzierung der Betroffenheit durchgeführt oder die gegenwärtigen Anpassungskapazitäten nicht weiter ausgebaut werden. Hierbeiist die Bedeutung derBereitstellung von Klimainformationen und -daten sowie von Problemlösungen für die KMUhervorzuheben. Bedarf an klimarelevanten Informationen und Lösungen Nach den Ergebnissen der Unternehmensbefragung [3]besteht bei mehr als derHälfte derdeutschenUnternehmen einBedarfanklimarelevantenInformationen und Wissen. Bei knapp jedem dritten Unternehmen zeichnet sich hierzulande einInformationsbedarfvor allem bezüglich desNiveaus undder Extremwerte von Temperaturen, der Häufigkeitund/oderStärke vonStürmensowie von Starkregen ab. Bei kleinen und 0,7 5,1 8,2 13,9 12,8 15,0 14,9 Grafik 3: Bedarf ananpassungsrelevanten Problemlösungen 18,9 28,4 28,0 Quelle: Eigene Darstellung auf Basis des IW- Zukunftspanels 2011, Angabe in Prozent mittelständischen Unternehmenist der Informationsbedarfhinsichtlichder gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Mitarbeitermit über 40 Prozent noch etwas stärker ausgeprägt als bei Großunternehmen mit 32 Prozent. Bei jedem zweiten deutschen Unternehmen gibt esderzeit auch einen Bedarf anklimarelevanten Tools und Lösungsvorschlägen, die sie auf dem Weg zu einer wirksamen Anpassung an die Folgen des Klimawandels und von Extremwetterereignissen unterstützen können. Das Spektrum der Bedarfsfelder ist breit und die Bedarfseinschätzung der Wirtschaft unterschiedlich (siehe Grafik 3). Fast bei allenbefragten Branchen und Unternehmensgrößen besteht überwiegendein BedarfanProblemlösungen im Bereich betrieblicher Infrastruktur und Versicherung gegen Klimafolgen. Darüber hinaus lässt sich bei UnternehmennochweitererBedarf an Problemlösungen im Hinblick auf die Anpassung erkennen. In diesem Kontext sind insbesondere die Sicherstellung der Wasserversorgung, Frühwarn- und Informationssysteme, Kanalisation und Abwassersysteme und nicht zuletzt Klimaberatungen und Hochwasserschutz zu nennen und derenBedeutunghervorzuheben. Dr. Mahammad Mahammadzadeh Institut der deutschen Wirtschaft Köln mahammadzadeh@iwkoeln.de 42 UmweltMagazin Dezember 2012

Erneuerbare Energien Auf der Deponie Halle- Lochau soll zukünftig kommunaler Grünschnitt per hydrothermaler Carbonisierung in einen hochwertigen Festbrennstoff umgewandelt werden. Die dafür erforderliche Wärme wird aus Deponiegas gewonnen. GrüneKohle aus biogenen Reststoffen Am Ende des Verfahrens liegt die HTC-Kohle in dieser Form vor. Auf dem Gelände der Deponie Halle- Lochau errichtet die Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH (HWS), ein Unternehmen der Stadtwerke Halle, derzeit eine Demonstrationsanlage zur Erzeugung eines neuen, biogenen Energieträgers. Ausgangsmaterial ist der kommunale Grünschnittaus der RegionHalle(Saale). Dieser wird in einem Reaktor bei Temperaturen von bei 180 bis 250 °C, einem erhöhten Druck von 10 bis 40 bar und in Gegenwart von Wasser in einem thermochemischen Prozess inein kohleartiges Produkt umgewandelt. Die für die mehrere Stunden dauernde hydrothermale Carbonisierung (HTC) benötigte Wärme liefert ein schon heute auf der Deponie arbeitendes Blockheizkraftwerk. Die anfallende, bislang weitgehend ungenutzte Wärme des mit Deponiegas betriebenen Kleinkraftwerks findet so eine sinnvolle Verwendung und verbessert außerdem die Wirtschaftlichkeit der HTC. In Abhängigkeit von der Temperatur des Verfahrens und der Verweilzeit soll die HTC-Kohle einen Brennwert von bis zu 27 Megajoule pro Kilogramm (MJ/kg) erreichen. Dies liegt im Bereich von Steinkohle. Eine von den Entwicklern noch zu lösende Aufgabe ist die Reduktion des vergleichsweise hohen Aschegehalts. Produktionsbeginn März 2013 Gebaut wird die Anlage von der Firma Artec Biotechnologie aus Bad Königshofen. Ab März 2013 soll sie in einem kontinuierlich laufenden Prozess pro Jahr 2500 Tonnen Grünschnitt inrund 1000 Tonnen der „grünen“ Kohle verwandeln. Das Deutsche Biomasseforschungszentrum in Leipzig wird das Vorhaben wissenschaftlich begleiten. Hintergrund ist ein vom Bundesumweltministerium (BMU) gefördertes Forschungsprojekt zur klimafreundlichen und wirtschaftlich vorteilhaften Verwertung von biogenen Reststoffen. In die Anlage werden insgesamt etwa 800 000 Euro investiert. Das BMU fördert rund 40 Prozent des Gesamtprojekts, das bis zum Januar 2014 laufen soll. Städtischer Grünschnitt Bei der HWS fallen jährlich 8 000 bis 10 000 Tonnen Grünschnitt allein in Halle Eine HTC-Anlage der Universität Göttingen. an. „Während das Material in ländlichen Gebieten kompostiert wird, wäre eine dezentrale energetischeVerwertungfür Städte eine willkommene Lösung“, sagt Matthias Lux, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Halle. „Wenn das Projekt wirtschaftlich erfolgreich ist, könnte das der Durchbruch für die Verwertung von kommunalen biogenen Reststoffen sein.“ Kontakt: StadtwerkeHalle GmbH, www.stadtwerke-halle.de Bilder (2): DBFZ UmweltMagazin Dezember 2012 43

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