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12 | 2012

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Japanische Unternehmen wollen sich im Wassermarkt etablieren. InternationalerWassermarkt lockt Japan Japan beabsichtigt, sich stärker im internationalen Wassergeschäft zu positionieren. Bislang tritt das Land lediglich als Lieferant von Technologien und Ausrüstungen auf. Nun besteht jedoch auch großes Interesse daran, in die Errichtung und den Betrieb von Wasserwerken einzusteigen. Wasser wird zu einer immer kostbareren Ressource. Gründe sind zum Beispiel der globale Bevölkerungsanstieg, das schnelle Wirtschaftswachstum der Schwellenländer und die zunehmende Verstädterung. Angesichts dieser Tendenzen wird Wasser zu einem rasch wachsendenGeschäftsfeld. So plant nun auch Japan, sich im Geschäftsfeld Wasser zu positionieren. Das Know-how soll durch Übernahmen und Kooperation mit ausländischen Partnern erworben werden.Hierbeispielen die großen japanischen Handelshäuser eine wichtige Rolle. Der japanischeStaat unterstützt aktiv die Bemühungen der Privatwirtschaft. Globaler Wassermarkt in Zahlen Nach Angaben des japanischen Wirtschaftsministeriums (METI) hat der globale Wassermarkt im Jahr 2007 einen Umsatz von 367,5 Milliarden Euro (umgerechnet aus japanischen Yen) erreicht. Es wird prognostiziert, dass er bis 2025 auf etwa 837,1 Milliarden Yen steigen soll. Erfasst wurden hierbei unter anderem: Entwurf,Bau undBetrieb sowiedie Wartung von Wasserwerken und Kläranlagen zur Behandlung von Haushalts- und Industrieabwässern, die Erneuerung und Wartung von Rohrleitungssystemen, die Errichtung von Meerwasser-Entsalzungsanlagen und die Bereitstellung der für all diese Zwecke notwendigen Ausrüstungen und Komponenten sowie wasserwirtschaftliche Beratungsdienstleistungen. Positionierung Japans auf dem Markt Bisher treten japanische Unternehmen im internationalen Wassergeschäft vor allem als Lieferanten von Komponenten, Ausrüstungen und Technologien für die Wasserwirtschaft auf und nehmen zum Beispiel bei Membranen oder Pumpen führende Weltmarktpositionen ein. Dies gilt etwa für Nitto Denko im Falle von Reverse Osmosis (RO)-Membranen für dieMeerwasserentsalzung oder für Kubota bei Membran-Bioreaktoren (MBR). Auch im Hinblick auf Technologien, die helfen, Wasserverluste inRohrleitungssystemen zu begrenzen, liegt Japan –einem Bericht der Mizuho-Bank zufolge –imglobalen Vergleich ander Spitze. Während zum Beispiel imveralteten Londoner Rohrnetz etwa 26 Prozent des Wassers versickerten, seien es in Tokio nur 3Prozent, heißt es. Im lukrativen Geschäft mit dem Betrieb von wasserwirtschaftlichen Großanlagen sind japanische Unternehmen bisher schwach vertreten. International sind hier vor allem europäische Großunternehmen dominierend, so unter anderem Veolia Water, Suez und Thames Water. In Japan ist die Versorgung mit Wasser oder seine Aufbereitung Sache der Kommunen; der Privatsektor ist kaum aktiv,und daher ist auch das entsprechende Know-how für den Betrieb von Anlagen nicht vorhanden. 60 UmweltMagazin Dezember 2012

Ausbau der Geschäftsfelder Die guten Perspektiven des internationalen Wassermarktes veranlassen allerdings auch viele japanische Unternehmen, ihr herkömmliches Geschäftsfeld zuerweitern. Nach Angaben der Mizuho-Bank werden sie dabei in verschiedener Weise aktiv. Eine Form ist die Kooperation mit ausländischen Partnern. Dies gilt zum Beispiel für Asahi Kasei oder Toray Industries, dieMembranenfür die Wasseraufbereitung herstellen. In China arbeiten sie zusammen mit lokalen Anbietern bei Betrieb und Wartung solcher Anlagen. Ferner unterzeichnete ein Konsortium aus dem Handelshaus Itochu, dem Elektrospezialisten Hitachi und dem singapurischen Wasserunternehmen Hyflux im März 2012 mit Dahej SEZLtd. eine Absichtserklärung zum Bau der größten Meerwasserentsalzungsanlage Asiens in der Wirtschaftssonderzone Dahej im westindischen Gujarat. Täglich sollen 336 000 Kubikmeter Meerwasser entsalzt und zu industriellem Brauchwasser aufbereitet werden. Das Projekt hat ein finanzielles Volumen von 464 Millionen Euro. Umstrukturierungsmaßnahmen im Sektor Eine andere Form, das Geschäftsfeld Wasser zu erweitern, sind Umstrukturierungsmaßnahmen. So haben Mitte Juni 2012 die Präfektur Hiroshima und dasTokioter Unternehmen Swing vereinbart, Germany Trade&Invest Germany Trade &Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland imAusland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. www.gtai.de die Wasserversorgung in der westjapanischen Präfektur ab April 2013 in einem neuen Unternehmen gemeinsam zu betreiben. Eshandelt sich um die erste von einem privaten Unternehmen geführte Public-Private-Partnership (PPP) im Wasserversorgungssystems Japans. Swing hieß bis 2011 Ebara Engineering Services. Neben Ebara, einem führenden Anbieter unter anderem von Pumpen und Umwelttechnik sind an Swing auch das Handelshaus Mitsubishi Corp. sowie der Anlagenbauer JGC beteiligt. Aus Sicht des Marktforschungsunternehmens Global Water Intelligence liegt die Bedeutung des Vorhabens von Hiroshima nicht allein darin, dass es mehrere öffentliche Institutionen und ein privates Unternehmen zusammenbringt, sondern dass die Partner darüber hinaus auch im Ausland gemeinsam tätig werden wollen. Das besondere Augenmerk gelte den Wassermärkten in der Volksrepublik China, in den Golfstaaten sowie inMalaysia. Übernahme ausländischer Gesellschaften Eine dritte Möglichkeit ist die Übernahme ausländischer Wassergesellschaften. Über die Beteiligung an Swinghinaus erwarb Mitsubishi Corp. in Australien 2010 zusammen mit der staatlichen Innovation Network of Japan und JGC für 193 Millionen Euro ein australisches Wasserunternehmen, das seit dem Jahr 2011 unter dem Namen Trility arbeitet. Ende September des selben Jahres hates den Zuschlag zu Entwurf, Bau, Finanzierung und Betrieb eines Wasseraufbereitungswerks im Gebiet Mundaring nahe Perth in Westaustralien erhalten. Das PPP- Vorhaben mit einer Laufzeit von 35 Jahren hat ein finanzielles Volumen von etwa 244,5 Millionen Euro. Die Anlage soll imJuli nächsten Jahres inBetrieb gehen und zu Anfang täglich 165 MillionenLiter Wasser aufbereiten. Nicht nur für Mitsubishi Corp., sondern auch für andere große japanische Handelshäuser, wird das internationale Bilder (2): SXC Wassergeschäft zueinem sehr wichtigen Geschäftsfeld. Beispielsweise erwarb Itochu zusätzlich zueinem bereits früher akquirierten Paket im Mai 2012 weitere 20 Prozent an dem regulierten britischen Wasserversorger Bristol Water und hält damit nun eine Kontrollmehrheit. Itochu zielt dabei nicht nur auf eine gute Kapitalrendite, sondernwill, nach Aussage eines der Manager, auch verstehen lernen, welche japanischen Technologien sich in Großbritannien und anderen Ländern einsetzen lassen. vate Unternehmen und staatliche Einrichtungen an. Vorsitzender ist der Präsident von Mitsubishi Corp., Y. Kojima. Das Sekretariat ist in den Ministerienfür Land und Verkehr,Gesundheit und Wirtschaft angesiedelt. Auch staatliche wasserwirtschaftliche Institutionen aus Indonesien, Vietnam, Ka- Unterstützung durch die Regierung Die japanischeRegierung unterstützt die Bemühungen der Privatwirtschaft, sich im internationalen Wassergeschäftbesser zu positionieren. Im Juni 2010 wurde der PPP-Council for Overseas Water Infrastructure gegründet. Ihm gehören derzeit mehr als 200 pritar, Südafrika und Indien sind beteiligt. Eine Aufgabe des Komitees ist zum Beispiel der Informationsaustausch über wasserwirtschaftlicheInfrastrukturvorhaben inÜbersee. Darüber hinaus gewährleistet die Teilnahme der Japan International Cooperation Agency, der Japan Bank for International Cooperation oder derNippon Exportand Investment Insurance, dass die Bewerbung um wasserwirtschaftlicheProjekteindie allgemeine Entwicklungshilfe Japans eingebettet ist. Alle zwei Jahre findet die Asien-Pazifik Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK) statt –mittlerweile das bedeutendste Netzwerktreffen in der Region, an dem zahlreiche Entscheidungsträger aus Unternehmen, Verbänden und Bundesministerien teilnehmen. Detlef Rehn, Repräsentant vonGermany Trade& Invest in Tokio UmweltMagazin Dezember 2012 61

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