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12 | 2015

Special Energetische

Special Energetische Verwertung von Abfall Entwicklung und Prognose der Müll - verbrennungskapazität. Bild: Dieter Schütz / pixelio.de Bidl: Rolf Handke / pixelio.de Bild: ecoprog Müllverbrennungsanlage Krefeld. ter aus Europa und Japan, ist der wachsende Marktanteil der chinesischen Hersteller. Diese sind zunehmend auch auf den nachfolgenden Wachstumsmärkten in Asien aktiv, zum Beispiel in Indien. Dort sind sie nicht zuletzt aus Kostengründen erfolgreich. „Die meisten etablierten Technologieanbieter haben diese Konkurrenz inzwischen akzeptiert“, sagt Mark Döing, Geschäftsführer von ecoprog, „und nutzen sie in preissensiblen Ländern als Lizenznehmer, und zwar nicht nur in China.“ Die Situation in Europa In Europa bleibt der MVA-Ausbau verhalten. Rund 3 Mio. t/a neue Kapazität werden in diesem Jahr in Betrieb gehen, etwa die Hälfte davon in Großbritannien. Von den Boom-Jahren um das Jahr 2010, als bis zu 5 Mio. t/a in Betrieb genommen wurden, ist der Markt noch immer entfernt. Zumindest die Aussichten haben sich verbessert. Neben dem weiterhin dynamischen britischen Markt wird auch in Frankreich zum ersten Mal seit Jahren der Bau neuer Verbrennungskapazitäten geplant. Hier werden, ebenso wie in Osteuropa, in Zukunft vor allem Ersatzbrennstoffkraftwerke nachgefragt. Ein EU-weites Deponieverbot ist für nach dem Jahr 2020 im Gespräch. Das würde vor allem dem MVA-Markt in Süd- und Osteuropa starke Impulse verleihen. MVA in Amerika und Australien Außerhalb von Asien und Europa bleibt der WtE-Markt bescheiden. In den USA ist die Zahl der Verbrennungsanlagen abermals gesunken. Neben niedrigen Deponiekosten machen vor allem die geringen Energiekosten den MVA zu schaffen. Neue Hoffnung ergibt Die vom Künstler Hundertwasser gestaltete Fassade der Wiener Müllverbrennungsanlage Spittelau. sich aus dem jüngst angekündigten Klimapaket der Obama-Regierung, das auch Vorschläge zur Reduktion der Methanemissionen von Deponien beinhaltet. Auch der brasilianische Markt erweist sich bislang als Enttäuschung. Die Umsetzung der im Jahr 2010 beschlossenen Reformen im Abfallsektor verläuft zäh. Zudem bremst die erlahmende Weltkonjunktur die Schwellenländer – und ist mittelfristig das größte Risiko auch für den globalen MVA-Markt. Positive Nachrichten kommen aus Australien, wo steigende Deponiesteuern in einigen Bundesstaaten erstmals die thermische Abfallverwertung wettbewerbsfähig erscheinen lassen. Mark Döing, ecoprog GmbH, Köln, m.doeing@ecoprog.com, www.ecoprog.de 14 UmweltMagazin Dezember 2015

Energetische Verwertung von Abfall Special Strom und Trinkwasser aus Abfällen Bei der Verarbeitung von Gemüse fallen täglich große Mengen Abwasser und Feststoffe an. Diese können klassisch entsorgt oder zur Herstellung von Biogas und zur Erzeugung von elektrischer Energie in einem Blockheizkraftwerk eingesetzt werden. Für die Meyer Gemüsebearbeitungs GmbH aus Twistringen setzte der Anlagenbauer LimnoTec ein Gesamtkonzept zur thermischen Verwertung von Abfällen um. Dabei wurden Aggregate der Aerzener Maschinenfabrik GmbH verwendet. Aerzen-Klärbeckenbelüfter im Einsatz bei Gemüse-Meyer. Das Unternehmen Gemüse-Meyer entwickelte sich seit dem Jahr 1972 von einem landwirtschaftlichen Betrieb zu einem mittelständischen Hersteller von frisch bearbeitetem und tiefgefrorenem Gemüse. Es verarbeitet jährlich etwa 60 000 t Gemüse. In der Produktion fallen täglich etwa 100 m3 Abwasser und etwa 45 bis 50 t Feststoffe an. Diese Mengen werden nicht klassisch entsorgt, sondern zur Herstellung von Biogas genutzt. Dieses wird anschließend in einem Blockheizkraftwerk zur Produktion elektrischer Energie eingesetzt, die in das öffentliche Netz eingespeist wird. Das Abwasser wird nach einer entsprechenden Aufbereitung in die Indirekteinleitung oder einen Bachlauf eingeleitet. Die hierzu erforderliche Prozesswasser-Behandlungsanlage wurde damals von der LimnoTec Biogasanlagen GmbH, Hille, geplant und realisiert. Das lieferte maßgeschneiderte Lösungen im Klärwerks- und Biogasanlagenbau und deckte neben dem bautechnischen Bereich auch die gesamte Maschinen-, Elektro- und Verfahrenstechnik ab. LimnoTec ist inzwischen insolvent. Das vom Unternehmen entwickelte und bei Gemüse-Meyer in Twistringen eingesetzte FAR-SBR-Verfahren verlängert die Aufenthaltszeiten der zugeführten Biomasse. Es steigert zudem deren Ausfaulung durch kontrollierte Beschickungen, vollständige Umwälzungen und verfahrenstechnisch günstige, vollautomatisch gesteuerte Durchlauf- und Verdrängerbetriebsweisen. Wesentliche Komponenten in den Recycling-Kreisläufen bei dem Lebensmittelbetrieb sind zwei Biogasgebläse und zwei ölfrei arbeitende Drehkolbengebläse zur Belüftung der Klärbecken. Alle vier Anlagen wurden von Aerzen geliefert. Biogas aus Abwasser und Trockenstoffen Das in Twistringen realisierte Konzept zur Aufbereitung der Abwässer und Abfälle basiert auf einer thermophil und einer mesophil arbeitenden Anlage. Sie wurden in unmittelbarer Nachbarschaft der Produktionsgebäude installiert und arbeiten seit Dezember 2007 rund um die Uhr. Das Abwasser wird der Aufbereitung über ein Rohrleitungssystem zugeführt. Die Feststoffe – überwiegend Schälreste und Abfälle von Kartoffeln, Karotten und Bohnen – werden per Lkw angeliefert. Die Feststoffe werden zunächst in einer Wiegevorrichtung portioniert und anschließend mit Abwässern in einem voreingestellten Verhältnis gemischt. Die entstehende wässerige Lösung wird in gleichbleibenden Mengen mit einem Trockensubstanz (TS)-Gehalt von rund 6 % in die beiden Fermenter mit einem Volumen von je zirka 1 000 m3 eingeführt. Hier werden die enthaltenen Feststoffe zu mehr als 80 % zu Biogas umgewandelt, so dass der TS-Anteil auf weniger als 1,5 % sinkt. Durch einen nachgeschalteten, in das Gassystem eingebundenen Faulschlamm-Anreicherungsreaktor (FA-Reaktor) wird die Biomasse gezielt angereichert. Das führt nicht nur zu einer kleineren Bauform des Fermenters, sondern durch ein geschlossenes System zwischen Fermenter und FA-Reaktor auch zu einer kommunizierenden Gasphase. Die thermophile Anlage arbeitet durch eine zusätzliche Beheizung mit einer Betriebstemperatur von etwa 52 °C. Für eine optimale Verwendung der in diesem Prozess anfallenden Abwärme wird diese im Winter zur Beheizung der Produktionsräume genutzt. Im Sommer wird sie über eine isolierte Rohrleitung in ein rund 1,5 km entferntes öffentliches Schwimmbad zur Unterstützung von dessen Beheizung eingeleitet. Die mesophile Anlage läuft mit einer Betriebstemperatur von nur 37 °C. „Diese kombinierte Lösung mit einer anschließenden Kläranlage ist UmweltMagazin Dezember 2015 15

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