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12 | 2015

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Gastkommentar Thermische Abfallbehandlung als Teil der Kreislaufwirtschaft Die thermischen Abfallbehandlungsanlagen sind nach wie vor unverzichtbarer Grundpfeiler in der modernen Kreislaufwirtschaft: Sie gewährleisten die Entsorgungssicherheit Deutschlands, sind verlässlicher Energielieferant für Bürger und Industrie und verringern, durch die Bereitstellung von Prozessdampf und Fernwärme, die Abhängigkeit von Energie-Importen. Nicht zuletzt auch aufgrund ihrer Senken-Funktion für nicht recycelbare oder schadstoffhaltige Abfälle sind diese Anlagen integraler Bestandteil eines funktionierenden Rohstoffkreislaufs. Doch die Themen waren bis vor kurzem andere. Regional unterschiedliche Auslastung von thermischen Abfallbehandlungsanlagen führten trotz einer bundesweit durchschnittlichen Auslastung von über 90 % zu sehr günstigen Spotmarkt-Bedingungen, und kaum jemand wollte langfristige Entsorgungsverträge eingehen. Stattdessen waren Schlagzeilen wie „Massive Überkapazitäten in der Müllverbrennung und niedrige Verbrennungspreise verhindern Recycling“ immer wieder zu lesen. In der Folge derartiger Aufmacher wurden staatlich verordnete Anlagenstilllegungen und die Einführung von Verbrennungssteuern oder entsprechenden Abgaben gefordert. Entsorgungssicherheit war zu diesem Zeitpunkt kein Thema, und erst recht wollte hierfür niemand zusätzlich bezahlen. Anlagenbetreiber wirkten dieser Situation entgegen, indem unter anderem längerfristige Verträge mit ausländischen Abfallerzeugern geschlossen wurden. Der wieder einsetzende wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland führte Stück für Stück zu einem deutlich höheren Abfallaufkommen. Der Auslastungsgrad der Anlagen beträgt im Bundesdurchschnitt aktuell tatsächlich nahezu 100 %. Der überwiegende Teil der Anlagenbetreiber gibt an, sich derzeit am oberen Limit seiner Behandlungskapazitäten zu bewegen. Es wird sogar wieder von „Entsorgungsnotstand“ gesprochen, und diejenigen, die noch vor kurzem Anlagenstilllegungen gefordert haben, fordern nun Importverbote. Nach einer Umfrage unter Mitgliedern der Interessengemeinschaft thermischer Abfallbehandlungsanlagen (ITAD) konnten die Spekulationen einiger Verbände über die Ursachen der Vollauslastung widerlegt werden. Die Annahme, es seien einzig und alleine die Abfallimporte verantwortlich, trifft nicht zu: Die Importmengen sind mit etwa 1,2 Mio. t/a konstant, es ist allerdings eine abnehmende Tendenz in der zweiten Jahreshälfte erkennbar. Vielmehr zeigen die Umfrageergebnisse, dass bei Unterschreiten einer bestimmten freien Kapazität die Entsorgungssicherheit unter Druck gerät. Hier muss mittelfristig ein Umdenken in der Entsorgungsbranche stattfinden. Dieses Thema sollte grundsätzlich wieder mehr Bedeutung in der strategischen Ausrichtung von Abfallerzeugern, Entsorgungsbetrieben und Behörden bekommen. Bei einem Blick über die Grenzen Deutschlands hinweg auf ein Europa, in dem noch über 70 Mio. t Siedlungsabfälle vollkommen ungenutzt deponiert werden, stellt sich die Frage, ob sich die Europäische Kommission in ihrem überarbeiteten Kreislaufwirtschafts-Paket endlich zu verbindlichen Zielen in Richtung eines europaweiten Deponieverbotes für Siedlungsund Gewerbeabfälle durchringen kann. Doch auch unabhängig hiervon ist schon heute in Europa die Tendenz zu erkennen, Abfallmengen zur energetischen Verwertung auszuschreiben und nicht mehr zu deponieren. Da thermische Behandlungskapazitäten auf dem Kontinent nur begrenzt zur Verfügung stehen, ist daher mit einer schnellen Entspannung auf dem Verbrennungsmarkt nicht zu rechnen. Demzufolge erwartet der überwiegende Teil der in der ITAD organisierten Betreiber auch für die Jahre 2016 und 2017 keine signifikanten Veränderungen der Auslastungssituation. Umso wichtiger ist es, sowohl nationale als auch europaweite Entwicklungen vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Nutzung der Ressource Abfall sowie der Entsorgungssicherheit sachlich zu diskutieren und darauf basierend das richtige Augenmaß beim Zusammenspiel von hochwertigem Recycling und der energetischen Verwertung zu finden. Carsten Spohn, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft thermischer Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland e.V., Düsseldorf. „Thermische Abfallbehandlungsanlagen sind nach wie vor unverzichtbarer Grundpfeiler der modernen Kreislaufwirtschaft.“ UmweltMagazin Dezember 2015 3

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