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12 | 2015

Special Energetische

Special Energetische Verwertung von Abfall Vereinfachtes Verfahrensfließbild der Bioabfallvergärungsanlage. Bilder: Martin Emissionsminderung Der Fermenter ist ein komplett geschlossenes System, da er vollständig unter Luftabschluss (anaerob) arbeitet. Somit gelangen von diesem Anlagenteil keine Emissionen in die Umwelt. Die geschlossenen Hallenbereiche der Annahme, Zwischenspeicherung, Entwässerung sowie Nachbehandlung des festen Gärrests sind mit einem Abluftsystem versehen. Bei einer Anlage zur Trockenvergärung „auf der grünen Wiese“ wird die Abluft in einem ersten Schritt einem sauren Wäscher zugeführt. Von dort wird die vorbehandelte Abluft direkt via Entlüftungsrohre zur Geruchsbehandlung in einen offenen Biofilter geleitet. Als Filtermaterial kommt gerissenes Wurzelholz zum Einsatz, das eine große Oberfläche zur Besiedelung von Organismen mit einer guten Strömungsverteilung bei geringem Druckverlust vereint. Geruchsbelastende Stoffe werden so aus der Abluft entfernt. Andere Stoffe, wie Methan oder Lachgas, die in geringen Mengen in der Abluft enthalten sein können, werden im Biofilter hingegen nicht nennenswert abgebaut. Trockenvergärung kombiniert mit thermischer Abfallverwertung Wird die Anlage zur Trockenvergärung mit einer thermischen Abfallbehandlung (MVA) kombiniert, ergeben sich vielfältige Synergien. Die Abluft kann vollständig der Feuerung als Verbrennungsluft zugeführt werden. Dies reduziert den Aufwand für Wäscher/Biofilter, und das Treibhausgaspotenzial wird gesenkt, da in der Feuerung das Rest- Methan vollständig zu Kohlenstoffdioxid umgewandelt wird. Neben der Abluft können ebenso Abwässer und Kondensate aus der Rottehalle sowie Siebüberläufe und Rückstände in der MVA entsorgt werden. Neben diesen ökologischen und ökonomischen Nutzen gibt es weitere Vorteile, die sich durch eine Kombination beider Anlagen ergeben. Strom und Wärme können beispielsweise von der MVA zur Verfügung gestellt werden. Das Vorhandensein einer solchen externen Energiequelle für die Trockenvergärung kann die Biogasaufbereitung zu Biomethan begünstigen, da für die Aufbereitung benötigte Wärme nicht innerhalb einer Erdgastherme oder dergleichen bereitgestellt werden muss. Soll das Biogas in einem BHKW verstromt werden, besteht wiederum die Möglichkeit, die produzierte Wärme in ein vorhandenes Fernwärmenetz am Standort der MVA einzuspeisen, ohne dass dadurch zusätzliche Kosten für den Anschluss an ein solches Netz entstehen. Wird eine Trockenvergärungsanlage auf dem Gelände einer bereits bestehenden MVA realisiert, sind für die Annahme des Bioabfalls nur geringe bis keine neuen Investitionen notwendig, da die Möglichkeit besteht, die vorhandene Infrastruktur, wie Verkehrswege, Waage und Verwaltungspersonal, zu nutzen. Personelle Vorteile ergeben sich dadurch, dass die Überwachung und Betreuung der Trockenvergärungsanlage von der bestehenden Betriebsmannschaft der MVA mit übernommen werden kann. Durch die Kombination können moderne Reststoff-Verwertungszentren realisiert werden, bei denen neben einer zeitgemäßen Entsorgung die optimale Wertstoffrückgewinnung im Vordergrund steht. Valerie Martin, Edmund Fleck, Martin GmbH, München, valerie.martin@martingmbh.de, edmund.fleck@martingmbh.de 22 UmweltMagazin Dezember 2015

Energetische Verwertung von Abfall Special Bioethanolanlage von MVV Energie in Sachsen-Anhalt. Bioerdgasgewinnung als Geschäftsmodell Die Energiegewinnung aus regenerativen Bioreststoffen ist unabhängig von Wind und Sonne. Der Reststoff liefert neben Bioerdgas auch Düngemittel. Seine Vermarktungsmöglichkeiten machen Investitionen in neue Anlagen interessant. Daher errichtet die AVR Umweltservice GmbH auf dem Gelände der Deponie in Sinsheim eine neue Vergärungsanlage. In Partnerschaft mit der MVV Energie AG, Mannheim, soll das dort gewonnene Bioerdgas aufbereitet und vermarktet werden. Früher war Müll einfach nur Müll. Heute sind Abfälle längst zu einem wertvollen Rohstoff und einer wichtigen Energiequelle geworden. In einem ressourcenarmen Land wie Deutschland ist der Weg, Wertstoffe zu erfassen, zu sammeln, zu recyceln, stofflich zu verwerten und am Ende durch die Nutzung moderner technischer Verfahren aus Abfallstoffen „grüne“ Energie zu gewinnen, ebenso konsequent wie zukunftsweisend. Dass die AVR-Gruppe jetzt einen wichtigen Schritt auf diesem Weg geht, ist der Umwelt- und Klima- schutzpolitik des Rhein-Neckar-Kreises und seiner operativen Tochtergesellschaft zu verdanken. Dabei arbeitet sie mit dem Mannheimer Unternehmen zusammen. So lassen sich in einer engen, regionalen Partnerschaft innovative Zukunftslösungen umsetzen und gleichzeitig ökonomische und ökologische Vorteile erzielen. „Seit dem Jahr 2012 bieten wir den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, Biomüll wie Speisereste und Grünabfälle gebührenfrei über die „BioEnergieTonne“ getrennt zu sammeln und Grünschnitt an unseren Anlagen abzugeben. Damit erfüllen wir bereits die seit Januar diesen Jahres in Kraft getretenen gesetzlichen Vorgaben von Bund und Land“, sagt Peter Mülbaier, Geschäftsführer der AVR UmweltService. Für ihn sind die Steigerungsraten der gesammelten Mengen an Biomüll – von rund 7 000 t in 2011 auf rund 47 000 t in 2015, mit einer Prognose von bis zu 60 000 t in den nächsten Jahren – nicht nur ein Indiz dafür, dass die verantwortlichen Akteure die Zeichen der Zeit erkannt haben, sondern auch der Ausgangspunkt für ein zukunftsweisendes Projekt im Rhein-Neckar-Kreis. Aus Müll wird „grüne“ Energie „Wir werden auf der Basis des Kreistagsbeschlusses vom 20. Oktober 2015 zeitnah zwei neue Firmen gründen, mit diesem Schritt vorhandene Kompetenzen und Erfahrung entsprechend bündeln und im Ergebnis neue Wertschöpfungsketten erschließen,“ so Mülbaier. Die gesammelten Stoffströme sollen künftig in einer modernen Biovergärungsanlage getrocknet und anschließend von der AVR BioTerra GmbH & Co. KG als hochwertiger Dünger für die Landwirtschaft vermarktet werden. Der UmweltMagazin Dezember 2015 23

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