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12 | 2015

Wasser Die Verbaufelder

Wasser Die Verbaufelder wurden so dimensioniert, dass die Flowtite-GFK-Rohre problemlos eingefädelt werden konnten. Tangentialschächte DN 1000 mit Auftrittsberme sorgen für die Begehbarkeit des Entlastungsbauwerks. Große Dimensionen bei geringem Gewicht Die Grundwasserhaltung vor Ort stellte die Beteiligten vor eine besondere Herausforderung. Während der gesamten Bauzeit musste das Grundwasser im Baufeld um 80 cm abgesenkt werden. Hierfür wurden mittels des Wellpoint-Verfahrens 70 Vakuumlanzen eingebracht. Die Größe der für den Speicherraum eingebrachten Rohre trägt dem erforderlichen Volumen Rechnung: Die jeweils 6 m langen Rohre verfügen über eine Nennweite von DN 2600, jedes Element wiegt etwa 5 t. Das Gewicht relativiert sich im Vergleich mit anderen Werkstoffen wie Beton: „Ein Betonrohr mit gleichen Abmessungen hätte es auf mehr als das Fünffache an Gewicht gebracht – zu schwer für die Lösung, die in Kempen umgesetzt werden sollte“, sagt Heinz- Willi Bougé, Bauleiter bei der Martin Wurzel Baugesellschaft. Das vergleichsweise geringe Gewicht wirkte sich sowohl bei der Anlieferung als auch bei der Verlegung positiv aus. Die Transportkosten blieben überschaubar, die einfache und flexible Handhabung der Rohre auf der Baustelle trug dazu bei, die Verlegekosten und die Bauzeit zu reduzieren. Auch die anderen Werkstoffeigenschaften der im Endlos-Wickelverfahren gefertigten GFK-Rohre haben die Baupartner überzeugt. Die glatten, porenfreien Innenoberflächen der Rohre sorgen für eine gute Hydraulik, unterstützen die angestrebte Selbstreinigung und sollen so den Wartungsaufwand minimieren. Logistische Heraus - forderung Die Abmessungen der Rohre hatten direkten Einfluss auf die Tiefe der Baugrube. Der Verbau musste 4,5 m tief sein, die Modulgrößen wurden speziell auf die zu verlegenden Rohre abgestimmt. Die Dimension der Felder war so gewählt, dass die Rohre eingefädelt werden Innenansicht des Stauraumkanalendstücks DN 2600 mit sohlgleichem Anschluss DN 800. konnten. Die Größe der Rohre und des Verbaus machten das Bauvorhaben zudem logistisch anspruchsvoll, da nur wenig Platz für die Zwischenlagerung zur Verfügung stand. Der Auftraggeber konnte während der Bauzeit auf dem Parkplatz jedoch zusätzlichen Lagerraum schaffen. Für das Einbringen des Verbaus und das Verlegen der Rohre kamen zwei 35-t-Bagger zum Einsatz, die tägliche Verlegeleistung lag bei rund zwei Rohren, dies entspricht 12 m. Übersteigt das Wasser im Sammler unter der Berliner Allee zukünftig eine bestimmte Höhe, läuft es über zwei Entlastungsbauwerke an den Zufahrten zum Parkplatz in den neuen Speicher. Geregelt wird der Zulauf über zwei Schachtbauwerke, die mit einer 2 m langen und 40 cm hohen Überlaufschwelle ausgestattet sind. Eine am Ende des Stauraumkanals installierte Pumpe sorgt dafür, dass das Regenwasser mit einer zeitlichen Verzögerung von drei Stunden über eine Druckrohrleitung DN 80 zurück in den Regenwasserkanal befördert wird. Mittlerweile sind die Bauarbeiten abgeschlossen, die Beteiligten sind mit dem Ablauf und der Ausführung sehr zufrieden. Anspruchsvolle Wasserhaltung und außergewöhnliche Dimensionen der Bauteile haben die Baumaßnahme zu einem nicht alltäglichen Vorhaben für alle Beteiligten gemacht, trotzdem hat sich die Umsetzung des Konzeptes reibungslos vollzogen. Die Stadt Kempen ist vom ausgewählten Werkstoff überzeugt und ist sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Jürgen Staratzke, Amiantit Germany GmbH, Mochau, StaratzkeJ@amiantit.eu Bilder: Amiantit 32 UmweltMagazin Dezember 2015

Wasser Kanalsanierung an Kölner Bahnhöfen Die Deutsche Bahn AG zählt zu den größten Liegenschafts - besitzern Deutschlands und steht in dieser Rolle auch für die Instandhaltung der dort vorhandenen Abwasseranlagen in der Pflicht. Was dies konkret bedeutet, wurde in den Jahren 2013 bis 2015 in Köln deutlich. Die Swietelsky-Faber GmbH Kanalsanierung, Niederlassung Blomberg, sanierte dort unter ungewöhnlichen Bedingungen Schächte und Leitungen des Kölner Hauptbahnhofs sowie des Umschlagbahnhofs Köln-Eifeltor. Rund 860 Kanalmeter der DB-Liegenschaften waren über 78 Revisionsschächte zugänglich. Insgesamt 1300 km2 Fläche bewirtschaftet die Deutsche Bahn AG (DB) mit Personen- und Güterbahnhöfen, Werken sowie den für das Streckennetz erforderlichen Gleistrassen. Daraus resultiert ein Instandhaltungs-Bedarf auch unter der Erde. Das Berliner Verkehrsunternehmen betreibt ohne Berücksichtigung von Tunnel-, Brückenund Bahnkörper-Entwässerungen rund 4 500 km Grundstücksentwässerungsanlagen [1]. Viele Verordnungen und Richtlinien Die Anlagen sind in der Regel Betriebsanlagen der Eisenbahnen des Bundes und unterliegen somit eisenbahnrechtlichen Gesetzen und Verordnungen, insbesondere dem Allgemeinen Eisenbahngesetz sowie der Eisenbahn-Bauund Betriebsordnung. Verwaltungsvorschriften und Richtlinien der zuständigen Aufsichts- und Genehmigungsbehörde, dem Eisenbahn-Bundesamt, müssen ebenso beachtet werden wie das DB-interne Regelwerk. Hinzu kommen fachspezifische Vorschriften wie das DIN- und DWA-Regelwerk. Gemäß den Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) für alle Betreiber von Abwasseranlagen, sind auch die Anlagen der Deutschen Bahn der Pflicht zur regelmäßigen Überwachung (§ 60 WHG) und Sanierung (§ 61 WHG) unterworfen. Dem kommt das Unternehmen im Rahmen eines 3-Stufen-Kanalprogramms nach, das die Erfassung, Inspektion und Sanierung von Abwasserleitungen und Schächten zum Gegenstand hat. Dichtheit, Stand- und Funktionssicherheit sind die technischen Ziele des DB-Programms, das bei der Umsetzung mit ökonomischen Zielen in Deckung gebracht werden muss [2]. Es mündet nach der Inspektion und Auswertung der Untersuchungsergebnisse in der systematischen Sanierung der als defekt identifizierten Infrastruktur. Im Jahr 2013 stand mit dem Kölner Hauptbahnhof einer der meist frequentierten Personenbahnhöfe im Fokus der Sanierungen. Mit dem Umschlagbahnhof (Ubf) Köln-Eifeltor kam eines der wichtigsten Logistik-Drehkreuze Westdeutschlands hinzu. Auftraggeber der beiden in jeweils zwei Bauabschnitte unterteilten Großprojekte war der Regionalbereich West der DB Netz AG mit der Abteilung Regionale Instandsetzung. Die Gesamtprojektleitung lag beim Sanierungsmanagement der Deutschen Bahn, DB Immobilien, Niederlassung West. Im Zuge einer beschränkten Ausschreibung der anstehenden Sanierungsmaßnahmen errang Swietelsky- Faber den Zuschlag für beide Projekte. Das Unternehmen konnte in der Vergangenheit mehrfach bei der Sanierung großer Verkehrsinfrastruktur-Liegenschaften wie Flughäfen und Bahnanlagen auf sich aufmerksam machen. Herausfordernde Arbeitsbedingungen Im Rahmen der beiden Bauabschnitte des Projektes „Hauptbahnhof/Dom“ waren 834 m Abwasserleitungen sowie 36 Schachtbauwerke zu inspizieren, zu beurteilen und gegebenenfalls instand zu setzen. Hauptgewerk war jedoch die Installation von 678 m Schlauchliner in dem 12,8 km langen Rohrnetzbestand. Dabei stellte das Aufgabenvolumen kein Problem dar. Schwierig wurde es durch die Gegebenheiten vor Ort – vor allem was die Organisation betraf. Zur Liegenschaft Kölner Hauptbahnhof gehören auch Abwasseranlagen im nahen Umfeld des Bahnhofs, also auf dem Dom seitigen Bahnhofsvorplatz und dem Breslauer Platz. Der Bahnhofsvorplatz am Dom gehört zu den meist besuchten touristischen Punkten Europas, während der Breslauer Platz auf der anderen Seite des Bahnhofs zeitgleich mit einer Vielzahl anderer Baumaßnahmen belastet war. Vor diesem Hintergrund erwiesen sich auch technisch einfache Sanierungsmaßnahmen teilweise als organisatorische Feinarbeit. Dabei war von dem Unternehmen hohe Flexibilität in der Reaktion auf UmweltMagazin Dezember 2015 33

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