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12 | 2015

Wasser Der Breslauer

Wasser Der Breslauer Platz weist eine hohe Verkehrsdichte und Nutzungsintensität auf. Hier ist jedes Bauprojekt eine logistische Heraus - forderung. Unvorhersehbares gefordert. So erwies es sich als sehr schwierig, Stellflächen zur Lagerung von Sanierungsmaterial und -gerät zu organisieren. Nahezu jeder Quadratmeter in diesem Bereich ist mit unterschiedlichen Nutzungsrechten belegt und bietet daher Konfliktpotenzial – vor allem, wenn zeitliche Vereinbarungen aufgrund von Veränderungen der Bauablaufplanung unerwartet kippen. Unter dem in 150 Jahren historisch gewachsenen Baubestand des Bahnhofes waren auch besondere bauliche Situationen zu bewältigen, von erschwerten Zugänglichkeiten über ungewöhnliche Tieflagen bis hin zu sehr starken Gefällen der Rohre. Kurze Rohrabschnitte bei großem Projektumfang Bei beiden Liegenschaften der DB ist auffallend, dass die zu sanierenden Leitungen kurze Längen haben. Die durchschnittliche Haltungslänge beträgt etwa 10 m. Strukturell sind die großen Liegenschaften mit herkömmlichen privaten Grundstücksentwässerungsanlagen zu vergleichen, nicht jedoch mit öffentlichen Abwassernetzen. Ein Unterschied zu üblichen Anlagen ist jedoch, dass es im Untergrund und Umfeld der Bahnhöfe Rohre bis DN 800 und auch Ei-Profile gibt. Dies ist sanierungstechnisch kein Problem, führte aber in der Baupraxis häufig zu mitunter komplizierten Umsetzvorgängen der Ausrüstung. Jede Änderung von Abläufen führte zu großem organisatorischen Aufwand. Beide Projekte waren nur aufgrund der engen Zusammenarbeit zwischen Swietelsky-Faber und den Gesamtprojektleiterinnen Stephanie Bonn (Ubf Köln-Eifeltor) und Anna Literatur [1] Schreiber, A.: Die Grundstücksentwässerungsanlagen der Deutschen Bahn AG. 3R International (2014), Nr. 4/5, S. 105. [2] Schreiber, A.: Die Grundstücksentwässerungsanlagen der Deutschen Bahn AG. 3R International (2014), Nr. 4/5, S. 106. In den Kellergewölben des Kölner Hauptbahnhofs ist bei der Kanalsanierung schnelles Arbeiten und Flexibilität gefordert. Im Bild: Einführen eines UV-Lampenzuges zur Aushärtung eines GFK-Liners. Auch unter der Fahrradstation des Kölner Hauptbahnhofs wurden Schlauchliner verbaut. Kostrzewa (Köln Hbf) zu bewältigen. Herkömmliche Tages-Einbauleistungen können bei einem solchen Projekt als Maßstab nicht herangezogen werden. Die Vorgaben beeinflussten maßgeblich bereits die Wahl des konkret eingesetzten Schlauchlining- Systems. In und an den beiden Bahnhöfen kam es auf schnelle Verfahren mit mobiler Ausrüstung und kurzen Rüstzeiten an. Damit waren mit UV-Licht härtende GFK-Liner, wie das hier eingesetzte BKP-Berolina-Liner-System, die richtige Wahl; einzig im Bauabschnitt Ubf Köln-Eifeltor kamen 195 m des warm härtenden Brawoliner-Systems zum Einsatz. Hier waren in der Planung einige Haltungen mit mehreren Bögen für eine offene Erneuerung vorgesehen gewesen, diese hätte jedoch Probleme verursacht. Die Fachleute des ausführenden Unternehmens kamen nach sorgfältiger Begutachtung zu dem Ergebnis, dass mit dem bogengängigen Brawoliner-Verfahren auch diese Fälle grabenlos zu bewältigen seien, das sich in der Praxis bestätigte. In beiden Liegenschaften wurden rund 678 m der vorhandenen Leitungsbestände durch den Einbau von Schlauchlinern renoviert und für Jahrzehnte langen Betrieb ertüchtigt. In Einzelfällen kam es auch zur offenen Neuverlegung von Leitungen. Durch diese Gesamtstrategie wurde sowohl die technische Zielsetzungen als auch das Ziel des optimierten Umgangs mit Betriebsvermögen erfüllt. Das Sanierungsprojekt steht damit nicht nur exemplarisch für die Sanierungsstrategie der DB, sondern ist zugleich ein Beispiel für die Argumentation „GEA-Sanierung ist aktive Werterhaltung“, wie sie der RSV Rohrleitungssanierungsverband seit dem Jahr 2014 gegenüber privaten Anlagenbetreibern vertritt. Wolfram Kopp, Swietelsky-Faber GmbH Kanalsanierung, Niederlassung Blomberg, kopp@swietelsky-faber.de Bilder: Swietelsky-Faber 34 UmweltMagazin Dezember 2015

Abfall & Recycling Rohstoffabbau im urbanen Raum. Mit Urban Mining die Kreislaufwirtschaft neu denken In unserem unmittelbaren Lebensraum, der Anthroposphäre, zeichnet sich ein stetiges physisches Wachstum ab. Dort wird trotz der Rohstoffarmut in Deutschland ein wachsendes Vermögen in Form eines anthropogenen Materiallagers angehäuft. Diese Entwicklung wurde erstmals in einer vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Studie ermittelt. Sie gibt ein differenziertes Bild über Materialflüsse und -bestände langlebiger Güter im Land wieder. Dies wird als wichtiger Grundstein zur Entwicklung einer Urban-Mining-Strategie in einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft gesehen. Vor fast einem halben Jahrhundert hat die einflussreiche amerikanische Urbanistin Jane Jacobs eine Vision beschrieben, wie sich Städte zu veritablen Rohstoffminen (Cities as mines) entwickeln können. Sie hat dabei mit ihrer Erwartung an ein spezialisiertes und ressourcenschonendes Recycling vieles vorweggenommen, das eine moderne Kreislaufwirtschaft auszeichnet. Heute trifft sie damit den Zeitgeist. Denn durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen können einerseits natürliche Rohstofflagerstätten für die zukünftige Nutzung erhalten bleiben. Andererseits werden die teils sehr intensiven Ressourceninanspruchnahmen bei der Gewinnung, Veredelung und Verarbeitung von Primärrohstoffen reduziert. In der aktuell verhandelten Fortschreibung des Deutschen Ressourceneffizienzprogrammes heißt es demgemäß: „An Stelle natürlicher Lagerstätten müssen, soweit ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragbar, vermehrt anthropogene Lagerstätten genutzt werden.“ Die Rolle der Kreislaufwirtschaft wird als eine von vier Leitideen postuliert und ist im gesamten Programm fest verankert. Auch seitens der EU-Kommission wird eine neue Kreislaufwirtschaftsstrategie erarbeitet. Deren erklärtes Ziel ist es, den Paradigmenwechsel vom ressourcenintensiven, linearen „take-makeconsume and dispose“-Wirtschaftsmodell zu einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft zu vollziehen. Materialfluss und Bestandsgrößen Die aktuelle Kreislaufwirtschaft ist vor allem auf Materialflüsse wie das derzeitige Abfallaufkommen fokussiert. Sie versucht anhand von Verwertungsquoten den Erfolg zu bemessen. Dabei wird ein wesentlicher Aspekt nicht ausreichend integriert: Bestandsgrößen. Diese entwickeln sich nicht nur dynamisch, sondern sind durch die Lebensdauern und Verweilzeiten langlebiger Güter auch im Wachsen begriffen. Die Produktionsmöglichkeiten eines Landes werden wesentlich vom vorhandenen Bestand und der Struktur langlebiger Güter wie Bauwerke, Infrastrukturen und industrielle Kapitalgüter beeinflusst. Selbst wenn diese als volkswirtschaftliches Anlagevermögen längst abgeschrieben sind, bleiben sie Garant für den erwirtschafteten Wohlstand und die erzielten Einkommen und erbringen immanente Dienstleistungen. Sie bilden aber auch Pfadabhängigkeiten für zukünftige Rohstoffbedarfe. Erst UmweltMagazin Dezember 2015 35

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