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12 | 2015

Abfall & Recycling

Abfall & Recycling Kommen neue Rechner in ein Unternehmen, müssen sensible Daten auf den alten Festplatten zerstört werden – ein zeitaufwändiger Prozess. Mit Hilfe des Festplattenvernichters HDS 230 der HSM GmbH + Co. KG, Frickingen, kann die Uriel Papierrohstoffe GmbH in Diez ihren Kunden eine schnelle und sichere Datenlöschung anbieten: die mechanische Zerstörung der Festplatten in kleine Partikel. Datenmüll wird zu Wertstoffen. Bild: HSM Entsorgung von digitalen Datenträgern Wie der Unternehmensname Uriel Papierrohstoffe sagt, beschäftigt sich der Entsorgungsspezialist eigentlich mit dem Erfassen, Sortieren und Vermarkten von Wertstoffen. Rund zwei Drittel des jährlich anfallenden Entsorgungsvolumens von 120 000 t sind Papier und Kartonagen. Mit der sicheren Entsorgung von optischen und magnetischen Datenträgern in Form von Festplatten betritt das Unternehmen Neuland: „Das machen wir auf Wunsch bestimmter Kunden“, so Andreas Uriel, Inhaber der Uriel Papierrohstoffe GmbH. Zur Kundschaft des Entsorgungsunternehmens im Bereich Akten- und Datenträgervernichtung gehören Banken und Steuerberatungsunternehmen ebenso wie Ärzte, Krankenhäuser oder Software- und IT-Unternehmen. Sie müssen nicht nur alte Rechner entsorgen, sondern auch sicherstellen, dass besonders sensible und vertrauliche sowie personenbezogene Daten geschützt werden. Das gilt auch, wenn die Rechner ausrangiert werden. So fordert es das Bundesdatenschutzgesetz. Als sensibel gelten digitale Patientenakten, Bankdaten oder Steuerunterlagen sowie geheime, für Unternehmen wichtige Informationen wie Patente, Konstruktionsunterlagen, Verträge oder Strategiepapiere. Mechanische Zerstörung als sichere Methode Das Sammeln von Daten ist angesichts wachsender Speicherkapazitäten der Festplatten bei gleichzeitig sinkenden Preisen kein großes Problem. Schwerer ist ihre sichere Löschung. Dafür gibt es spezielle Software-Programme, die die Datenspeicher viele Male überschreiben, um die Informationen unlesbar und nicht wiederherstellbar zu machen. Doch das ist sehr zeitaufwändig. Wie es schneller geht, beschreibt Uriel so: „Der sicherste und effektivste Weg ist die mechanische Zerstörung des Datenträgers.“ Was das Entsorgungsunternehmen dabei zu beachten hat, legt die DIN 66399 fest, die seit Oktober 2012 gilt. Sie beschreibt anhand von drei Schutzklassen und sieben Sicherheitsstufen, wie besonders sensible Daten zu vernichten sind und welche Anforderungen die dafür eingesetzten Maschinen erfüllen müssen. Für die Sicherheitsstufe H-4 müssen Festplatten in Partikel von maximal 2 000 mm2 zerkleinern werden. Die Stufe H-4 liegt im Mittelfeld der genormten Partikelgrößen und wird für eine höhere Sicherheit bei der Vernichtung vertraulicher Daten empfohlen. Der Festplattenvernichter von HSM schreddert die Datenträger nach Unternehmensangaben in rund 1 000 mm 2 kleine Partikel. Das Granulat liefert das Unternehmen an Schrotthändler, die das Aluminium in der Festplatte von dem Rest trennen. Die übrigen Teile werden an Kupferhütten oder Scheideanstalten weiterverkauft. Denn in den Festplatten sind Edelmetalle wie Kupfer, Gold, Silber oder Platin enthalten, dessen Rückgewinnung sich lohnt. Ausgereifte Schredder-Technologie Bis der HSM-Festplattenvernichter in Diez eingesetzt wurde, fehlte es dem Unternehmen an leistungsfähigen Schreddern. „Wir haben es eine Weile mit Kunststoff- und Papierschreddern versucht“, so Uriel. Doch für die Metallteile in der Festplatte erwiesen sich die Schneidwerkzeuge als zu schwach. Die Folgen waren Verschleiß und reparaturbedingte Stillstandzeiten. Seit rund zwei Jahren ist der Festplattenvernichter bei Uriel Recycling im Einsatz. Aktuell ist das Gerät nicht ausgelastet. Dennoch ist der Unternehmenschef sicher, dass sich die Anschaffung als lohnende Investition erweist. Er ist davon überzeugt, dass bald sehr viele Festplatten zur Vernichtung anstehen. Der Grund für seine Zuversicht: Die Solid State Drive wird langfristig die herkömmliche Festplatte verdrängen. Dirk Dietz, freier Journalist Ansprechpartner im Unternehmen: Stefanie Keller, HSM GmbH + Co. KG, Frickingen, stefanie.keller@hsm.eu, www.hsm.eu 38 UmweltMagazin Dezember 2015

Mess- & Leittechnik Kühlturm des Kraftwerks Heyden. Funkbasierte Überwachung genehmigungsrelevanter Messdaten Aus Umweltschutzgründen stellen die Behörden strenge Anforderungen, wenn Kraftwerke Kühlwasser in Flüsse und Seen einleiten wollen. Fließwasser darf beispielsweise nicht verschmutzt oder unnötig erwärmt werden. Die entsprechenden Werte sind von den Kraftwerks-Betreibern lückenlos zu protokollieren. Das Funksystem Radioline der Phoenix Contact Elec tro nics GmbH, Bad Pyrmont, sorgt für die zuverlässige Weiterleitung der Daten im Kraftwerk Heyden. Der Standort des Kraftwerks Heyden befindet sich im kleinen Ort Lahde, 15 km nördlich der ostwestfälischen Stadt Minden – und zwar direkt an der Weser. Das mit Steinkohle befeuerte Kraftwerk hat immer eine besondere Rolle in der deutschen und europäischen Stromerzeugung gespielt. So wurde Heyden bereits 1951 als erstes deutsches Nachkriegs-Kraftwerk in Betrieb genommen. Der steigende Energiebedarf in der Wirtschaftswunder-Zeit erforderte in den Jahren 1960 und 1961 den Bau der Blöcke 2 und 3. Nachdem sich gezeigt hatte, dass die beiden neuen Blöcke, die 1972 von Steinkohle auf Gas umgerüstet worden waren, nicht rentabel arbeiteten, wurde 1982 mit der Errichtung von Block 4 begonnen. Bei der Inbetriebnahme im Jahr 1987 war das modernisierte Kraftwerk mit der weltweit ersten simultanen Rauchgas- Reinigungsanlage ausgerüstet. Die Leistung von 760 MW entsprach jetzt mehr als dem doppelten Wert der bisherigen Gesamtleistung der drei stillgelegten Blöcke. Nach verschiedenen Optimierungen stellt Heyden mit einer aktuellen Leistung von 875 MW nach Unternehmensangaben die größte konventionelle Einzelblock-Anlage Europas dar. Messung und Protokollierung der Temperaturwerte Das für den Betrieb des Kraftwerks notwendige Kühlwasser wird aus der Weser entnommen und nach der Verwendung über einen rund 2 km langen unterirdischen Kanal in den Fluss zurückgeführt. Zum Schutz der Umwelt darf sich die Wassertemperatur der Weser nach der Einleitung nur um maximal drei Kelvin erhöhen. Die Untere Wasserbehörde des Kreises Minden- Lübbecke verlangt dazu die Messung und Protokollierung der Temperaturen bei der Entnahme, der Rückführung und nach der Durchmischung mit dem Fließwasser. Diese Werte sind genehmigungsrelevant und werden direkt zur Betriebsführung des Kraftwerks herangezogen. Übersteigt die gemessene Temperatur den erlaubten Wert oder fällt die Messung aus, muss der Betreiber die Leistung des Kraftwerks reduzieren oder dieses sogar ganz abschalten. Deshalb kommt der zuverlässigen Ankopplung der einzelnen Messstellen an die Leitwarte eine wichtige Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund suchten die Betreiber nach einer Möglichkeit, um zu den fast 40 Jahre alten Messleitungen eine redundante Strecke aufzubauen, ohne dass dafür aufwändige Tiefbauarbeiten erforderlich wären. UmweltMagazin Dezember 2015 39

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