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12 | 2015

Management Das

Management Das Hauptgebäude der Druckerei Lokay. Nachhaltige Konzepte der Druck-Branche In Deutschland sind Öko und Bio längst mehr als nur ein Trend. Immer häufiger werden biologisch oder ökologisch einwandfrei angebaute oder produzierte Waren gekauft. Die Druckerei Lokay e.K. mit Sitz in Reinheim hat reagiert und nachhaltige, wirtschaft - liche Konzepte entwickelt. Sie bietet ihren Kunden die Möglichkeit, ökologisch nachhaltige Print-Produkte zu realisieren. Für einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und der Umwelt setzen sich jedes Jahr immer mehr Menschen ein. Nicht nur die Politik arbeitet an umsetzbaren Nachhaltigkeitsstrategien, sondern auch Unternehmen und nicht zuletzt die Bürger. So schreibt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden in seinem aktuellen Indikatorenbericht „Nachhaltige Entwicklung in Deutschland“, dass sich inzwischen der Nachhaltigkeitsansatz als zentrales Prinzip in weiten Teilen der Politik und der Bevölkerung etabliert hat. Laut Umfragen sind über 50 % der Deutschen der Meinung, dass das Thema Klimaschutz das eigene Konsumver- halten beeinflusst. Dennoch sind Dienstleistungen, Waren und Produkte, die eine Bio- oder Öko-Zertifizierung tragen, in der Regel noch immer mit Vorurteilen behaftet. Ein Großteil der Konsumenten empfindet das Angebot als überdurchschnittlich teuer oder hat trotz Bio-Siegel Zweifel an der Herkunft der Waren. Deutsche Öko-Druckereien zeigen auf ihrem Gebiet, dass diese Vorurteile aus der Welt geräumt werden können. Fremdwort Nachhaltigkeit Viele Druckereien im Land legen ihren Fokus weder auf Nachhaltigkeit noch auf eine positive Ökobilanz. Zudem sind ihre Geschäfts- und Produktionsprozesse nicht auf Umweltverträglichkeit ausgelegt. Diese Betriebe verwenden immer noch giftige und umweltschädliche Farben, Lacke und Lösungsmittel. Gerade im Hinblick auf die Schonung von Ressourcen sind viele Möglichkeiten ungenutzt. So wird tonnenweise vermeidbare Makulatur, etwa durch den Randbeschnitt von Broschüren oder Katalogen, produziert. Dies ließe sich durch modernere Maschinen und weitere Optimierungen im Druckprozess deutlich vermindern. Auch beim Thema Papierauswahl könnte eine größere Anzahl an Recycling-Materialien ins Portfolio aufgenommen werden. Die angebotenen Papiere tragen selten Siegel wie „Der Blaue Engel“ oder Zertifikate vom Forrest Stewardship Council (FSC). Umweltfreundliche Konzepte Dabei gibt es Druckereien, die sich der Nachhaltigkeit und dem Umweltschutz verschrieben haben. Ein Beispiel hierfür ist das Unternehmen Lokay aus Hessen. Es setzt auf ein energetisch saniertes Produktionsgebäude, eine zukunftsfähige Haustechnik und einen sparsamen Umgang mit Ressourcen – sei es Wasser, Strom oder den Bedruckstoffen. Die Kunden sollen durch die Reduzierung des CO 2 -Ausstoßes und umwelt- 42 UmweltMagazin Dezember 2015

Management Bilder: Lokay Die Produktionshalle. Die Wärmerückgewinnungsanlage der Druckerei. schonenden Materialeinsatz überzeugt werden. Das Gesamtkonzept wurde bereits 2010 und erneut 2015 mit dem Druck&Medien-Award in den Kategorien „Umweltorientiertes Unternehmen“ und „Familiendruckerei des Jahres“ ausgezeichnet. Um klimaneutral oder mit einer positiven Ökobilanz zu drucken, unternehmen Umweltdruckereien große Anstrengungen, um im hohen Maße Energie einzusparen. Selbstverständlich geht es im Betrieb nicht ohne Strom; dieser lässt sich umweltschonend, etwa durch eigene Photovoltaik-Anlagen oder den Bezug von klimaneutralem Erdgas und Öko-Strom, gewinnen. Üblicherweise verfügen Betriebe im Druckgewerbe über einen großen Maschinenpark, der trotz guter Effizienz den weit größten Energieverbrauch aufweist. Hier wurde eine passende Lösung gefunden: Das Unternehmen nutzt die Abwärme der Druckmaschinen zum Erwärmen seiner Werks- und Bürogebäude. Eine stetige Optimierung der hauseigenen Technik in den Bereichen Druck, Beleuchtung und Heizungstechnik ist dabei Grundvoraussetzung. Die Vermeidung von unnötigen Liefer- und Transportwegen ist ein weiteres wichtiges Kriterium. Optimierte und durchgehende Produktionsketten am eigenen Stammsitz senken den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid. Frisch- oder Recyclingpapier Für jedes Kilo Frischfaserpapier werden in der Produktion 2,3 kg Holz benötigt. Laut der Umweltorganisation World Wide Fund for Nature wird fast jeder zweite weltweit industriell gefällte Baum, zu Papier verarbeitet. Hier steht Deutschland nach den USA auf einem unrühmlichen zweiten Platz, wenn es um die Themen Zellstoff und Papier geht. Deutschland ist der zweitgrößte Importeur und viertgrößte Papierproduzent weltweit. Trotzdem werden recycelte oder zertifizierte Papiere und Kartons nicht flächendeckend von Druckerei-Betrieben angeboten. Dabei lassen sich Recyclingpapiere in Bezug auf die Qualität, die Grammaturen, das Format, die Oberflächenbeschaffenheiten, die Veredelungen und die Farbbrillanz von herkömmlich produziertem Papier kaum oder gar nicht mehr unterscheiden. Die gestiegene Nachfrage nach solchen Materialien gibt dem Konzept der Umwelt-Druckereien recht. Die Produktpaletten bieten verschiedene FSC oder Blauer Engel zertifizierte Papiere und Kartons. Das FSC-System sorgt für eine sichere und nachhaltige Waldnutzung. Diese beinhaltet neben der Wahrung zudem auch die Verbesserung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen angeschlossener Forst- und Waldbetriebe. Auch der Blaue Umweltengel, im Jahr 1978 vom Bundesminister des Inneren ins Leben gerufen, dient Kunden bei der Orientierung und als Entscheidungshilfe. Er weist auf eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen, die Umwelt belastenden Produkten hin und zeichnet umweltfreundlichere Entwicklungen deutlich erkennbar aus. Keine Preisunterschiede Gegenüber herkömmlichen Unternehmen haben Umweltdruckereien in der Regel höhere Investitionskosten, da hier energetische Sanierungen ins Gewicht fallen. Dennoch sorgen effiziente Maschinenparks, innovative Produktionshilfsmittel sowie die Wärme- und Energierückgewinnung dafür, dass sich die Produktionskosten auf ein branchenübliches Niveau belaufen. So können umweltbewusste Druckereien konkurrenzfähige Preise anbieten. Thomas Fleckenstein, Druckerei Lokay e.K., Reinheim, fleckenstein@lokay.de UmweltMagazin Dezember 2015 43

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